* Rund Europa 2016, 17. Tag: Camorino – Hochdorf

Mittwoch, 13.04.2016, 21:55:06 :: Hochdorf
Donnerstag, 14.04.2016, 22:31:41 :: Hochdorf

Wetteraussicht am Morgen

Dies ist ein vorgezogener Bericht über den letzen Reisetag. Der kam überraschend. Wir hatten eigentlich noch vier bis fünf Reise- beziehungsweise Besuchstage vor uns, als am Dienstagabend kurz vor Bellinzona das Senfle beängstigende knackende und knarrende Geräusche von sich gab – als rieben sich Metallteile an einer Bruchstelle…

Wir fuhren erschrocken an die Seite und ein paar Meter weiter auf den Parkplatz eines Gartencenters. ADAC? Muss wohl sein. Ich rufe also in München an, gebe unsere Position durch und nach einer guten Stunde stand der Schweizer Pannendienst neben uns, genauso gelb wie der deutsche. Er hebelte den Wagen hoch und kroch halb drunter – und sah einen Schaden! War es der Schaden? Jedenfalls war die Manschette um das Kardangelenk der rechten Antriebswelle völlig zerstört und das Schmiermittel im ganzen Radkasten verteilt. Der junge Mann war guter Dinge und wir erleichtert, als er uns erklärte, dass sich ein paar hundert Meter weiter eine Renault-Werkstatt befinde, ein Hotel sei hundert Meter weiter auf der anderen Strassenseite.

Wir fuhren also bedächtig zur Werkstatt, der Meister bestellte mich für den nächsten Morgen – also heute früh – und wir bezogen voll bepackt ein Zimmer im Hotel gegenüber, Businessqualität für 160 sfr. Dass dann ein Teller Spaghetti am Abend 11 sfr kostete, das nur am Rande und damit Ihr alle mitnicken könnt: Jaja, die Schweiz ist teuer…

Heute früh also…

…kurz nach neun stehen dann der Werkstattmeister, der direttore und ich unter dem hochgefahrenen Senfle. Er sieht aus wie die S…, alles voller Schmierfett und die linke Manschette ist genauso hinüber wie die rechte. Die beiden Renault-Leute schauen fachmännisch und diskutieren wohingegen ich eher staune und zum ersten Mal in meinem Leben eine Antriebswelle und ihr Kniegelenk sehe…

Mir schwant einiges.

Der direttore, der ein perfektes Schwiizerdütsch beherrscht (deshalb ist er mit dabei!) erklärt mir, dass man die Manschetten natürlich unbedingt ersetzen muss, das Auto sei aber tadellos in Ordnung, wir könnten bedenkenlos damit die 500 Kilometer nachhause fahren, Autobahn und – zwinkernd – nicht zu schnell…

Mir ist mulmig, aber der direttore bestärkt mich, der Meister nickt absolut zustimmend, selbst nach einer gemeinsamen Proberunde, bei der das Geräusch wieder auftritt und so packen wir eben, beladen den Wagen wie jeden Morgen, kaufen zähneknirschend an der nächsten Tankstelle die Vignette für 40 sfr – die wir uns eigentlich sparen wollten! – und starten den Gotthard-Trip. Geplante Besuche sagen wir ab.

Es nieselt und regnet, die Wolken hängen sehr tief im Tal, fast bis auf den Talgrund. Reisewetter ist das nicht, Freude über eine unvorhergesehene Bergtour kommt daher nicht auf, zumal nicht mit dem mulmigen Gefühl, dass da unten vor uns zwei Kardangelenke ohne Schmiere arbeiten. Jetzt, wo ich das schreibe, interessiert mich natürlich, wie das Teil wirklich aussieht. So:

Die Verkehrsdichte ist erstaunlich gering, nach dem 16-km-Tunnel wird es bei Göschenen sogar freundlich,…

…d.h. bis zur Raststätte vor der Südspitze des Vierwaldstätter Sees geht alles glatt, wir leisten uns dort noch einen C… (genau!) und Wiener Würstchen zu himmlischen Preisen und geniessen so gut es geht, die Fahrt durch die vielen Tunnel entlang des Sees.

Dann aber, kurz vor Zürich, beginnt es zu schütten und da versagt dann der Front-Scheibenwischer wie erwartet und befürchtet und wir fahren halb blind durch das Strassengewirr des Großraums Zürich bis Schaffhausen. Eigentlich verantwortungslos, aber was tun? Im Hegau dann hört der Regen auf, es wird fast freundlich. Nach einem Cappuccino und einer Willkommensbutterbrezel in der dortigen Raststätte beschließen wir, gleich zur Werkstatt in Seebronn zu fahren, wo Senfle ja gewissermaßen zuhause ist, und Lis‘ Schulfreundin einen Besuch abzustatten.

In Seebronn bekommen wir bei dem freundlichen türkischen Werkstattchef für Montag einen Termin und bei Lis‘ Schulfreundin einen doppelten Espresso und Kekse. Ihr Mann, der vor vielen Jahren das Senfle aus dem Hut zauberte, ist leider unterwegs.

Der Weg bis Hochdorf ist dann – für Adaptierte – normaler Feierabendverkehr im Großraum Stuttgart. Für uns antrainierter Wahnsinn im Musterländle.

Wir stellen fest:

Bis zur Mitte von Istrien konnten wir reisen, danach nur noch fahren. Mitteleuropa ist übervölkert, zugebaut. Insbesondere Norditalien ist eine “Siedlung am Stück”. Die Preise steigen ins Absurde. Der Teller Spaghetti zum Beispiel kostete im Hotelrestaurant gestern Abend 11 sfr. Die Preise in der Gotthard-Raststätte waren schwindelerregend. Wir sind andere Qualitäten gewöhnt.

Und ich habe vergessen, dass heute der 13. war…

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* Rund Europa 2016, 14. Tag: Buzet – Venedig – Dolo (1)

Sonntag, 10.04.2016, 19:40:06 :: Dolo, Albergo alla Campana
Mittwoch, 27.04.2016, 20:28:22 :: Hochdorf

Buzet

Morgens steht zunächst die Frage offen, ob wir einen Tag bleiben. Wir verzichten dann aber wegen des schlechten Internets. Auch dieses Haus leidet unter der Telekom…

Stattdessen fahren wir nach hervorragendem Büfett-Frühstück hoch und hinein nach Buzet. Es ist Kirche, der Platz voller Autos, wir streiten mit einem Bürger wegen unseres Parkplatzes (ist angeblich keiner, aber ich denke, er will ihn frei halten für Gäste…) und sehen uns dieses alte Festungsstädtchen an, das im 17./18. Jh. seine Prägung durch Venedig erfahren hat (teils Hochbarock). Ein bisschen Vorgeschmack auf Italien…

Schnell sind wir an der Grenze nach Slovenien. Das Wetter macht soweit mit, dass es nicht regnet, nur zuweilen sprüht. Wir machen Bekanntschaft mit einigen Baustellen, es wir immer »normaler«.

Und dann sind wir auch schon in Italien, umfahren wenig später grossräumig Triest und sind dann endgültig angekommen im industriellen Europa mit seinen Autoschlangen. Nach kurzer Zeit auf Autobahn und ödem Von-Dorf-zu-Dorf entscheide ich mich doch für Venedig. Und das will was heissen. Aber es muss irgendwann mal sein.

Es gibt ein zentrales Parkhaus, wo wir für 30€ Parkgebühr Unterschlupf finden und von wo aus wir losziehen. Das Auto muss offen, der Zündschlüssel stecken bleiben; etwas mulmig ist uns schon…

Teil 2 folgt.

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* Rund Europa 2016, 13. Tag: Gospic – Buzet

Samstag, 09.04.2016, 19:11:27 :: Buzet, Hotel Fontana
Montag, 18.04.2016, 22:12:23 :: Hochdorf

Der Morgen nach der Partynacht der Ex-Schüler? Wir einigermassen ausgeschlafen, das »Schlachtfeld« aufgeräumt.

Als wir das Restaurant betreten um zu frühstücken, ist unser Tisch vorbereitet, direkt neben der Backstube, wo offensichtlich morgens frisches Brot und abends Pizza gebacken wird. Alles andere ist aufgestuhlt. Der Tisch ist reichlich gedeckt, das viele Brot geht weg wie warme Semmeln – der Ort kauft hier seine Tagesration.

Und draussen regnet es.

Wir fahren also später bei schönstem Nieselregen weiter durch das Hinterland der Touristen-Küste. Unser Ziel ist zunächst Senj an eben dieser Küste. Wir hoffen, da unten wäre es vielleicht besser. Es ist deprimierend. Ich habe es in den Berichten über die letzten beiden Etappen schon angesprochen: Wir haben gestern wie auch heute wohl noch nie so viele verlassene, zerstörte, teils abgebrannte Häuser gesehen, selbst in Bosnien vor vielen Jahren nicht, wie hier. Teils wachsen darin schon stattliche Bäume. Wie lange braucht ein Baum, um so auszusehen? Reichen 20, 25 Jahre?

Am Pass auch das letzte Dorf für uns hier oben, Vratnic, wo trotz des Schmuddelwetters jemand versucht, Kundschaft für seinen Käse zu finden. Wir haben mittlerweile so viel gebunkert, es geht sinnvollerweise nichts mehr.

Und plötzlich ist es wieder da, wie unten im Dunst: Das Meer.

Als wir vom Gebirge durch Schluchten hinab an die Küste fahren, packt uns am Kamm die Bora.

k.u.k.-Spuren

Aber auch seltsame Gedenkstätten stehen da plötzlich am Hang, diese hier weist die Inschrift

FERDINANDUS I.
AUSTRIAE IMPERATOR
MDCCCXXXVII (1837)

auf. Ferdinand I. war von 1835 bis 1848 Kaiser von Österreich und König von Böhmen und als Ferdinand V. seit 1830 auch König von Ungarn und Kroatien (Wikipedia). Er war Vorgänger des letzten habsburgischen Kaisers Franz Joseph I.

So schnell taucht man an einem nassen Tag in einer Schlucht in Kroatien in die k.u.k.-Geschichte ein: 1848-er-Revolution, Ersten Weltkrieg und Untergang der Habsburgmonarchie…

Senj

Kurz vor Mittag erreichen wir Senj. Die Burg ist verschlossen, Pech für Lis, die sie immer noch nicht von innen gesehen hat (Mit Wolfgang gelang das letztes Jahr, da war es aber eben Mitte Mai). Die Geschichte von Senj, der Uskokenburg und Kurt Helds »Rote Zora und ihre Bande« muss ich endlich fertig schreiben – die Berichte von vor einem Jahren warten auf der Festplatte, dass sie endlich fertig werden. Ein kurzer Blick nach oben…

…und weiter geht’s, hinunter zum Hafen.

Ein Cappuccino dort muss sein, dann müssen wir weiter, wir wollen am Nachmittag irgendwo in Istrien aufschlagen.

Bakar

Nächstes Ziel ist Bakar und seine Bucht, in der Hoffnung, dass es dort nicht regnet und wir endlich mal die Altstadt und die Burg inspizieren können.

Aber es nieselt und es ist ungewiss, was daraus wird – also heute wieder nichts. Stattdessen Cappuccino in einer Pinte gegenüber dem Café an der Bucht.

Warum wir immer Cappuccino trinken und ich das immer betone? Nun, wir haben den Ehrgeiz, die europaweiten Cappuccino-Kenner Nummer eins zu werden 😉

Wir umfahren Rijeka weiträumig, blicken auf Opatija hinab, als es in die Berge geht, und richtig steil wird. Und wieder diese seltsame Grünfärbung durch die jungen Blätter der Bäume, selbst bei diesem nieseligen Wetter; teilweise fahren wir in den Wolken.

Noch mehr Wasser…

Wir wollen nicht mehr, suchen eine Bleibe.

Bei der Hotelsuche erschrecken wir über die Preise, selbst auf dem Land und bei geringem Komfort: Wir sind nicht mehr im Süden, auch der Verkehr nimmt zu.

Buzet

Schlussendlich entscheiden wir uns nach mehreren Versuchen an der Straße und in den kleinen altertümlichen befestigten Dörfern für das Hotel Fontana am Fusse des Hügels, auf dem dass alte Buzet thront. Do wollen wir morgen früh natürlich hoch.

Und wieder Ärger mit dem Internet. Erst funktioniert es wunderbar, dann nicht, dann wieder. Letzen Endes vertue ich eine Menge Zeit… Und das ganze für 70€… Am nächsten Morgen erfahre ich dann, dass nicht nur wir Leidgeprüfte sind: Wer gestern und heute seine Bankgeschäfte online erledigen wollte, wurde zur Verzweiflung gebracht. Herr der Leitungen in Kroatien ist die Deutsche Telekom…

Aber wir relaxen und geniessen handgemachte Nudeln mit frischen Trüffeln aus der Umgebung; die ist wohl voll davon. Ein Trüffelschwein lief uns aber nicht über den Weg.

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* Rund Europa 2016, 12. Tag: Baška Voda – Gospić (Teil 2)

Freitag, 08.04.2016, 22:48:12 :: Gospić, Hotel Ana
Sonntag, 17.04.2016, 21:35:27 :: Hochdorf

Festung Knin

Ja, wer würde sich davon beeindrucken lassen, wenn er rund 2.000 km Reise durch mindestens 5 Länder in 2-3 Wochen plant?

Die Hauptattraktion Knins ist eine große Festungsruine auf dem Berg Spas. Die Festung ist jährlich am 5. August einer der Schauplätze der Festlichkeiten zum Tag des Sieges und der heimatlichen Dankbarkeit.

Am Rande von Knin befindet sich die Quelle des Flusses Krka. Bei ausreichend Schmelzwasser aus den Bergen kommt es zu einem Wasserfall am Quellort.

Sehenswürdigkeiten bei Wikipedia

Als wir Knin erreichen und zum Hügel mit der Festung hinauf blicken, da ahnen wir nicht, was uns erwartet, als wir gönnerisch entscheiden dass wir uns die ansehen…

Wir fahren zunächst durch das Tor eines Pförtnerhäuschens und betreten danach die Festung durch ein relativ kleines Tor, über dem unübersehbar der venezianische Löwe Wache hält.

Was wir Stück für Stück zu sehen bekommen, als wir den Eintritt bezahlt und dann langsam durch die Anlage hochsteigen, ist eine nicht enden wollende Festung, die zweitgrösste in Europa nach Ulm/Neu-Ulm, so lese ich später. Verwinkelt, Treppen ohne Ende, lange Mauern mit Schiessscharten, verwinkelte Kasematten. Einige Festungsteile – es sind fünf oder sechs, jeweils mit eigenem Namen – sind wesentlich älter, als der Löwe vermuten lässt. Baubeginn im 9. Jahrhundert, wurde sie offensichtlich von allen, die hier herrschen immer weiter ausgebaut, zuletzt diente sie nur noch als Gefängnis, die Länge der Mauer beträgt mehr als zwei Kilometer…

Eine gute Stunde steige ich hoch bis ans andere Ende – Lis gibt zwischendrin auf – lasse mich kurz vom Regen durchnässen, die Kamera erreicht er aber, meinem Hemd sei’s gedankt, nicht.

Aus- und Rundblick sind trotz Dunst fantastisch, die Landschaft mit den Windungen der Krka hinreissend, sattsehen ist das eine, alles festhalten wollen das andere. Der Kompromiss »kostet« mich über eine Stunde.

Hoch oben, auf einem weiten grossen Platz steht neben der Kroatischen Flagge ein Standbild von Franjo Tuđman, des ersten gewählten kroatischen Staatspräsidenten (1990–1999) nach Auflösung der jugoslawischen Konstruktion Titos – ein mehr als überhebliches Porträt, wie ich finde.

Die Politik Tuđmans während seiner Präsidentschaft wurde als autokratisch und nationalistisch charakterisiert.

Wikipedia

An anderer Stelle ist eine als Museum getarnte Heldenhalle offen für das Publikum. Aber diese beiden Ausrutscher stören das Gesamtwerk nur sehr unwesentlich. Die Festung ist gigantisch und lässt einen spüren, was es bedeutete, hier Untertan oder Herrscher gewesen zu sein. Andererseits muss man wohl bedenken, welch schweren Weg die ex-jugoslawischen Länder gehen mussten in den Jahren ab 1990/91. Das erklärt vieles.

Das Gefängnis wirkt etwas eng, hat aber einen ausreichend massiven Deckel…

Gospić

Der Weg nach Gospić, unserem heutigen Ziel, ist nicht mehr allzu weit, führt uns aber nochmals durch prächtige, ja grandiose und erhabene Landschaften – trotz immer wieder auftauchendes und vorbeiziehender Ruinen mit ihren dunklen Fensterhöhlen und dem grünenden Bewuchs, der ihnen aus dem Kopf spriesst, ist es schön hier. Aber den insgesamt bedrückenden Eindruck wiegen auch die zuweilen verloren dastehenden neuen Kirchlein kaum auf. Wir fangen an zu schätzen: Wie viel Prozent der Häuser sind zerstört, unbewohnt? Wir kommen auf 30 bis 40 Prozent…

Die im Übermass blühenden Weissdornbüsche trösten uns ein wenig. Sonne würde wohl auch helfen…

Als wir Golspie erreichen werden wir unsicher: Werden wir hier eine Unterkunft finden?

Wir sehen 2 Hotelschilder, irren durch die Strassen und finden schliesslich das hier. Es ist Schulabschlussfeier, ca. 300 Junge Menschen werden hier heute Nacht feiern.

Wir werden deshalb schon gleich in die Dépendance verfrachtet. Das Restaurant ist belegt, die Türklinke des Zimmers herausgerissen, jemand wollte da ganz offensichtlich gewaltsam rein und die Düsen der Wohlfühlbadewanne sind ohne Funktion. Das ganze zum stolzen Preis von 60€ und mit musikalischer Unterhaltung und lautem Geschnatter bis in den frühen Morgen. Ich muss mich zügeln: Es regnete die halbe Nacht, deshalb war der Aufenthalt der Raucher im Freien begrenzt. Es hätte also schlimmer sein können.

Ach ja: Und gegenüber gab es dieses »Bifi«, eine Minikneipe, in der uns die Wirtin wunderbare Ćevapčići mit allem Zubehör zum Cola machte. Was brauchten wir mehr an diesem Abend. Ok., das Internet hätte besser sein können für den Preis. Und ich wäre dann auch mit meinen Berichten voran gekommen.

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* Rund Europa 2016, 12. Tag: Baška Voda – Gospić (Teil1)

Freitag, 08.04.2016, 22:48:12 :: Gospić, Hotel Ana
Samstag, 16.04.2016, 19:17:30 :: Hochdorf

Üder das hervorragende Frühstück hatte ich mich ja schon ausgelassen. Diese moralische Stütze brauchen wir heute auch. Denn über das Wetter müssen wir reden. Die Vorhersage lautet nämlich »zwei Tage Regen«. Mindestens. Es wären die ersten Regentage auf dieser Reise.

Es ist sehr diesig an diesem Morgen. Zunächst denken wir, es sei eben Dunst, Wasserdampf, Nebel. Aber als wir beim Verstauen des Gepäcks das Senfle näher betrachten, da wird uns schnell klar, dass das nicht der Fall ist. Er hat uns eingeholt. Es ist roter Sahara-Staub. Jeder kleine Regentropfen hinterlässt auf der Scheibe sofort einen Roten Staubbelag. Später erfahren wir, dass er bis Deutschland kam. Was die wenigsten Menschen wissen: Die Sahara düngt sogar das Amazonasbecken.

Nach einem kurzen Schauer fahren wir los, unter dauerndem Scheibenwischen, der roten Staubflecken wegen…

Ein letzter Blick auf Baška Voda

Wir wollen heute ins Landesinnere, die Küstenstrasse und die (noch leeren) Touristengebiete verlassen und relativ dicht an der Grenze zu Bosnien-Herzegowina nach Nordosten fahren. Vielleicht ist es hinter dem Küstengebirge anders? Wie weit wir kommen werden, wissen wir auch nicht. Vor allem der angesagte Regen macht uns Sorgen, insbesondere weil ich weiss, dass bei zu starkem Dauerguss mit hoher Wahrscheinlichkeit der Scheibenwischer aussetzen wird. Natürlich macht Reisen dann auch keinen Spass, Besichtigungen gehen dann gar nicht.

Wir wollen sehen, ob und welche Spuren bald 25 Jahre nach Ende des Kroatienkriegs (1991-95) noch zu sehen sind. Die Route entlang der Küste kennen wir mittlerweile so gut, dass wir uns neu orientieren möchten.

Wenige Kilometer weiter, hinter Bela, wo die Küstenstrasse sich zur Umrundung der Bucht eh‘ auf über 200 Meter hochzieht, zweigt auch die Strasse ins Landesinnere ab.

Bei Trilj überqueren wir die Cetina,…

…die vor Omiš einen wilden Canyon bildet um dann in der Stadt in die Adria zu münden. In Omiš waren wir ja schon einige Male. Aber nur, weil damals, 1995, die Serben die Staumauer des Peruća-Stausee nicht »richtig« sprengen konnten:

Während der Militäroperation Sturm versuchten 1995 serbische Soldaten, den randvoll gefüllten Staudamm des Peručko Jezero zu sprengen. Der Damm wurde dabei erheblich beschädigt, jedoch kam es nicht zu einem völligen Dammbruch, sonst wäre wahrscheinlich der gesamte Unterlauf der Cetina mitsamt den Städten Sinj und Omiš zerstört worden.

Wikipedia

Es ist ein geschichtsträchtiges Gebiet. Jetzt im Frühling quillt die Landschaft förmlich über vor weiss blühende Obstbäumen, meist Pflaumen und Zwetschgen, vermute ich, und Weissdornhecken. Eine arme aber schöne Landschaft.

Wären da nicht diese Häuser, diese Ruinen: Ausgebrannt, eingestürzt, mit Einschüssen übersät, mittlerweile teils schon fast von der Natur eingenommen und zugedeckt – noch nie haben wir auf einer Fahrt durch die Länder des ehemaligen Jugoslawiens derart viele Kriegsruinen gesehen, teils auch verlassene Versuche, neu anzufangen.

Es mag sein, dass nicht alle Ruinen diesem Krieg geschuldet sind; dennoch, ein trauriges Bild, das durch das düstere Wetter keine Aufhellung erfährt.

Und dann diese »Warnkreuze«, wie ich sie nenne: Grosse Stein- und Holzkreuze, wie man sie auch in der Republik Srpska in Bosnien-Herzegowina und in Serbien selbst sieht, an Wegen, auf Hügeln auf Bergen: Als Drohung gegen die muslimischen Bosnier.

Nichts Vergleichbares auf bosnischer Seite… Der Islam ist eine sanfte Religion im Vergleich; so jedenfalls unsere Erfahrung, immer wenn wir Moscheen besuchen.

Noch immer: Kriegsfolgen

Der Kroatienkrieg 1991-95 hat seine Spuren tief eingegraben, da helfen auch die vielen properen Neubauten nichts.

Sinj

Bald nach Trinj kommen wir dann nach Sinj (nicht zu verwechseln mit Senj an der Küste, da wollen wir dann morgen sein), den ersten grossen Ort auf dieser Strecke. Irgendwie verpassen wir die Einfahrt zur Altstadt und lassen uns von der Umgehungsstrasse vom wichtigsten Teil der Stadt abdrängen. Gut, dann eben ein ander Mal…

Der Peručko Jezero

Wir passieren diesen w.o. genannten Stausee, immer die Obstbäume in den Gärten und auf den Wiesen vor Augen, aber eben auch diese Ruinen. Mit dem Blick hinab zum See geniessen wir unser zweites Frühstück.

Knin

Die Stadt Knin ist wieder so ein Fall, in dem Wikipedia mich getäuscht hat – wegen fehlender Informationen.

Die Krka entspringt hier und die Krkawasserfälle sind vielen sicher bekannt. Sie sind aber nicht unser Ziel.

Knin ist Verkehrsknotenpunkt mit einem enormen Gleisgeflecht vor und neben dem Bahnhof. Das sehen wir aber erst, als wir das Highlight (für mich, mit Überraschungseffekt) der Stadt mit Senfles Hilfe im ersten Schritt »bestiegen« haben: Es ist die Festungsanlage von Knin. Die in Europa zweitgrößte. Die grösste soll die in Ulm / Neu-Ulm sein. Nirgends so beschrieben, dass man darauf gestossen oder hellhörig würde.

Ader darüber dann mehr in Teil 2.

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* Rund Europa 2016, 11. Tag: Baška Voda (Ruhetag)

Donnerstag, 07.04.2016 :: Baška Voda, Hotel Palac

Samstag, 16.04.2016, 16:05:38 :: Hochdorf

Was macht man an einem Ruhetag? Bei passendem Wetter geht man ein paar Schritte, man sitzt draussen, unweit des Hafens, erträgt die Motorsäge der Arbeiter, die die Palmen (die hier noch prächtig stehen!) beschneiden, trinkt einen …, hört und schaut den Stammgästen zu, allesamt Einheimische, die sich hier mangels Touristen treffen – es ist nichts los. Hier dem Haus parken zwei Pkw aus München, aber ich nehme an, die gehören auch Einheimischen.

Das Restaurant des Hotel ist noch nicht in Betrieb, ein ausgezeichnetes und reichhaltiges Frühstück produziert sie aber anstandslos. Die meisten anderen Cafés und Restaurants sind ebenfalls noch geschlossen, in den beiden, die geöffnet sind, sind wir an den zwei Abenden ganz schnell die einzigen beziehungsweise die letzten Gäste. Friedlich das ganze.

So sitzen sie also fast alle, und immer dieselben, vor dem Palac, trinken ihren Espresso und quatschen. Was, das bleibt uns zwar verschlossen, aber es wird sich wohl kaum von dem unterscheiden, was in anderen Ländern, an anderen Orten, so besprochen wird: Die Friseuse vom Nebenhaus, die Mädels der Mobilfunkanbieter, junge Mütter, ältere Damen, einzelne Herren mit dem kroatischen Revolverblatt, dicker als unser Springerblättle; wird vom Fussballteil kommen. Und vor den beiden Bankfilialen geht ein an einen Cowboy angelehnter Wachmann auf und ab, Colt an der Seite, Zigarette in der Hand, Kennkarte um den Hals. Hin und her und her und hin und hört nicht auf. Ist eben sein Job. Aber wer wollte hier jetzt wohl einen Bankraum inszenieren. Es ist friedlich.

Während ich versuche, Ordnung in unsere Bilderflut zu bringen und Berichte zu schreiben, inspiziert Lis die südlich und nördlich angrenzenden Gefilde.

Die werden mit Hotels zugebaut und die Strände mit Kies aufgefüllt.

Nochmal »Heldenverehrung«

Das Plakat gleich nebenan zeigt den zwielichtigen Ante Gotovina, einst General der Kroatischen Streitkräfte, in Den Haag angeklagt wegen Kriegsverbrechen an Serben und zunächst zu 24 Jahren verurteilt, dann aber freigesprochen. Google hat fleissig gesammelt, was so rumhängt. Man erkennt auch an derartigen Kleinigkeiten, dass das ehemalige Jugoslawien noch lange nicht versöhnt ist. Schlimmeres sollte noch kommen auf unserer weiteren Fahrt.

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* Rund Europa 2016, 10. Tag: Sreser – Baška Voda

Mittwoch, 06.04.2016, 22:58:54 :: Baška Voda, Hotel Palac
Donnerstag, 14.04.2016, 21:29:41 :: Hochdorf

Was uns am Morgen weckt ist eigentlich die Stille. Und die Vögel. Die Fischer weniger. Sie gehen zwar hin und her, aber sie sprechen wenig.

Wir stehen auf und treten hinaus in die Sonne: Viele Tintenfische haben sie gefangen, eimerweise bringen sie sie an Land.

Der ganze Fang wandern schnell in zwei Pkw und wird dann wohl nach Ston und zu anderen Restaurants gebracht, nach Dače zum Beispiel.

Unser spartanisches Frühstück besteht aus Resten aus dem Auto, Lis stattet der Kirche einen Besuch ab. Sie ist geschlossen, wohl nichts besonderes, aber einen Friedhof den bewacht sie.

Trpanj

Wir müssen bis 12 Uhr unbedingt am Hafen von Trpanj sein. Laut Prospekt auf dem Zimmer geht dann die einzige Fähre heute rüber ans Festland, nach Ploče. Unterwegs Wein, Wein, Wein. Gebirge.

Und ein riesiges Tal, dessen Hänge vom Tal, die Hänge hinauf bis zu zu den Bergkämmen gebrannt hat. Stumm stehen die Reste, vieles ist gehauen, die Hänge mit Mauern und viel Drahtgeflecht gesichert – tote Bäume halten keinen Boden mehr…

Wir sind zu früh, Tickets gibt es erst eine Viertelstunde vor Abfahrt. Trpanj ist ein sehr überschaubares Örtchen, wir haben Zeit und setzen uns zum Cappuccino in eines der Cafés mit Internet und holen nach, was bei dem schwachen Internet in Sreser heute früh nicht möglich war. Lis kauft noch frisches Brot und Salami.

Die Fähre nach Ploče kostet dann 22,50€. Und sie wird voll, eine lange Dreierschlange wartet bei der Ankunft des Schiffes am Kai.

Auf der Fähre treffen wir ein litauisches Paar aus Kaunas, unterwegs in Europa. Nein, sie führen nicht zurück nach Litauen, es ginge jetzt nach Österreich, meint der Herr, als ich ihm berichte, dass wir im Sommer wieder in die Baltischen Staaten wollen. An einem weiteren Dialog sind die zwei nicht interessiert. Ist halt so.

Ploče

Der Hafen von Ploče ist sehr ausgedehnt am nördlichen Ende des grossen Deltas der Neretva, die hier, von Mostar und weiter her kommend, in die Adria mündet. Sie ist Bosnien-Herzegowinas bedeutendster Fluss, Ploče immerhin nach Rijeka der grösste Adriahafen Kroatiens.

Wir halten uns aber nicht weiter auf. Die weitere Fahrt bringt zunächst nichts Neues. Das übliche.

Wir einigen uns schnell auf Baška Voda, wenn das Hotel Palac dort am Hafen offen hat. Wir würden dann 2 Tage bleiben, ausruhen und aufarbeiten. Es ist gemütlich da, ruhig und umtriebig zugleich, genug von beidem, um sich wohl zu fühlen.

Nur eines stört uns sehr…

…diese Heldenverehrung…

…immer noch.

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* Rund Europa 2016, 9. Tag: Virpazar – Sreser

Dienstag, 05.04.2016, 22:52:05 :: Sreser, Villa Mariana
Montag, 11.04.2016, 19:22:09 :: Clusane, Hotel Rosmunda

Heute früh bekommen wir wie abends zuvor abgemacht ein großes Frühstück auf der Terrasse serviert:

Zwei Spiegeleier, reichlich Aufschnitt und ein Gebäck, das sich etwa mit nicht gesüßten Faschingsküchle vergleichen lässt – “Local Donuts”, meint die Tochter. Wir fahren nach Beendigung des Frühstücks noch mal zurück nach Virpazar, wo unsere Wirtin schon seit dem frühen Morgen wieder an ihrem Andenkenstand steht. Lis kauft einiges ein und immer wieder preit die gute Frau Neues an, was wir ja gut verstehen können, aber irgendwann ist dann doch Schluss; jedenfalls, die Flasche selbstgemachtem Zwetschgen/Kirschen-Konzentrat nehmen wir noch mit. Sie wird uns die nächsten Tage das Wasser veredeln…

Die Fahrt bis zum Eingang der Bucht von Kotor ist Routine; wir stellen immer wieder fest, wie sehr diese Route mittlerweile »wie zuhause« ist. Die Strasse ist jetzt noch relativ leer, Anfang April sind Touristen nicht existent oder zumindest sehr rar. Einige Campingbusse begegnen uns, Italiener, wer sonst.

Baustellen liegen auf dem Weg, von denen wir annehmen, dass sie in ein paar Wochen noch existieren und die den Fluss der Touristenkarawane erheblich beeinflussen wird – wir sind jedenfalls weg.

In Lepetane setzen wir über und freuen uns auf die frühe Ankunft in Denovici…

Denovici Fehlanzeige

Eigentlich wollten wir nach Denovici südlich von Herzegnovi und dort Ruhetag halten. Da hätte ich genügend Zeit um Daten, Bilder und Beiträge wieder auf Vordermann zu bringen, da das mit dem Internet und der freien Zeit irgendwie wieder nicht so hinhaut, wie ich mir das vorstelle. Dazu kommt mittlerweile mal wieder fehlerhafte Software, jedenfalls stimmt vieles nicht mehr. Im zweiten Anlauf schaffen wir immerhin, am Hotel vorzufahren, auf äusserst grobkörniger Kiespiste. Aber das Hotel ist geschlossen, die Straße davor noch immer eine Baustelle wie vor einem Jahr. So fahren wir enttäuscht weiter, Ziel ist nun Ston auf der Halbinsel Pelješak gegenüber von Neum, diese imposante Festungsanlage, auf die wir so gespannt sind.

Dubrovnik

Dieses Touristenziel liegt ja zum wiederholten Mal wieder auf dem Weg. Und ich beteuere, dass ich den guten Willen aufgebracht habe, heute den dritten Anlauf zu machen und wenigstens eine kurzen Gang durch dieses bedeutende und ganz sicher einmalige Baudenkmal zu unternehmen. Wir fahren also hinunter, einen Parkplatz suchend – stecken in der ebenfalls suchenden Verkehrsmasse fest, sehen die Menschenmengen, die Eis leckend und sonstwie die Strassen fluten – und kehren um. Das dritte Mal. Es wird offenbar nicht besser, auch nicht Anfang April.

Nun also wirklich Ston. Ganz bestimmt.

Slano

Also doch noch nicht. Nicht gleich. Nach dem Schreck in Dubrovnik ist uns doch nach einer Pause und einem – richtig: Cappuccino zumute. In eine Bucht auf halbem Weg liegt ein verschlafenes kleines Nest, Slano. Wie wir schnell sehen, ist selbst diese Ansiedlung noch heute vom Balkankrieg gezeichnet. Manche Wunde wurde fast zu großspurig beseitigt.

Ston

Ston und die Festungsanlage waren ja als große Entdeckung von mir als neues Ziel und Ereignis auf den diesjährigen Reiseplan gesetzt worden. Als wir auf dem Parkplatz von Mali Ston stehen, wird es peinlich. Ich weiss nicht, wie ich das erklären soll. Also… Jedenfalls meint Lis, dass wir da schon mal waren. Zunächst verwahre ich mich vehement dagegen, sehe mich dann aber doch erst mal um. Ja, also das Stadttor, dieses Restaurant – habe ich schon mal gesehen…

Ok., zugegeben, es stimmt, wir waren schon mal hier, ausgiebig, im Oktober 2012 auf dem Weg von Naxos nach Hochdorf. 2012 war die längste Reise bisher, sie war wohl zu lang. Ich habe mich nicht mehr daran erinnert, aber Track und Bilder, die wir dann abends überprüfen, sprechen eine deutliche Sprache. Und die Erinnerung kam dann auch wieder, mit allen Einzelheiten.

Nun machen wir eben nur einen kleinen Rundgang, nur um innerlich permanent zu nicken. Auf die Bilder von damals, Oktober 2012, muss der geneigte Leser zunächst verzichten, Aber die Renovierungsarbeiten und ein kleiner Einblick, die biete ich schon.

Und dann denken wir, wo wir jetzt schon mal hier sind, dort am Wasser zu übernachten wäre doch schön. Das Drei-Sterne-Hotel am Platz möchte mehr als 100€ für eine Nacht mit Frühstück – immerhin für beide.

Wir bedanken uns höflich für die Auskunft und fahren weiter Richtung Trbanj, wo die Fähre nach Ploče abgeht.

Sreser

Aber so weit kommen wir gar nicht. Die Fahrt über die Halbinsel zeigt uns, dass Wein die betbevorzugte Kulturpflanze ist.

Alle paar hundert Meter empfiehlt sich ein Winzer. Und bei der permanenten Suche nach einer Unterkunft bleiben wir in Sreser hängen einem winzigen Ort, direkt am Wasser aber mit Kirche und Friedhof. Dort zeigt die Villa Michaela an, dass es Zimmer gibt. Wir fahren vor und der freundliche Opa im Hof meint, dass das stimmt.

Er ruft nach Michaela und eine Frau kommt aus dem Garten, kroatisch-freundlich. Ja, das ist möglich, 25€ will sie für das Zimmer, das sie erst noch herrichten muss. Aber das ist ok., Internet gibt’s auch, mehr schlecht als recht.

Nachdem wir unsere Sachen auf’s frisch gerichtete ebenerdige Zimmer gebracht haben, fahren wir zurück nach Dače, 2 oder 3 Kilometer. Dort sei das einzige Restaurant in der Gegend, sagt uns der Sohn des Hauses. Was wohl stimmen mag – zumindest nach Augenschein. Als wir dort ankommen, spritzt der Koch gerade die Windschutzplanen ab, wir befürchten schon, dass wir Pech haben. Haben wir aber nicht. Ganz und gar nicht. Wir sind zwar die ersten(!) fremden Gäste der Saison, er hat auch erst gestern aufgemacht, es ist noch nicht alles hergerichtet, aber Essen, klar, das gibt’s.

Und so sitzen wir am knackenden Kaminfeuer, alleine, bei bester Musik (Joan Baez, Simon & Garfunkel, Dire Straits und Eric Clapton) und genießen lokalen Weißwein, gebratene Shrimps und hernach einen ordentlichen großen Fisch mit Spinat und Kartoffeln. Brot und Wasser sind dabei. Nur einen Espresso am Ende, den kann er noch nicht bieten, der Wirt, die Maschine sei noch nicht – weil erst gestern… Aber: all das kostet keine 25€…

Die bezahlen wir mit Freuden!

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* Rund Europa 2016, 8. Tag: Durrës – Virpazar

Montag, 04.04.2016, 21:26:47 :: Virpazar, Privatunterkunft Drabović
Donnerstag, 07.04.2016, 14:56:16 :: Baška Voda, Hotel Palac

Von Durrës geht es nach einem sehr passablen Frühstück im Freien…

…nach Fushe Krujë, wo wir uns verfahren; ich habe dem Routing-Programm ja verboten, Autobahnen zu nutzen, heute brauchen wir aber eine. Dabei kommen wir hier vorbei, mitten im Chaos aus Strassengewirr und Baustellen.

Unser Ziel ist zunächst Lezhë, wo wir das Mausoleum beziehungsweise die Grablegungskirche von Skanderbeg besuchen, ein albanisches Nationalheiligtum, das Lis letztes Jahr nicht mit besuchen konnte. Das holen wir also heute nach.

(Ein ausführlicher Bericht hierzu steht noch aus 2015 aus… :-(

Im Lottostübchen haben wird davor einen Cappuccino getrunken und die Polizistin von der Kreuzung hätte uns fast aufgeschrieben. Aber als sie uns da sitzen sah, hat sie abgewinkt und ist zurück zur Kreuzung gegangen.

So nebenbei erfährt man auch einiges über die Unabhängigkeit der Albanischen Sozialdemokratischen Partei – aber diese Fragen verschieben wir mal wieder auf ein andere Mal…

Um 13.15 Uhr sitzen wir dann schon bei Shkodra beim Cappuccino an der Buna, dem Abfluss des Skutarisees, direkt unterhalb der Festung, wo die einzige Brücke über die Buna den Weg nach Montenegro freigibt. Mit einem Süppchen für Lis und einem kleinen Trinkgeld von 150 Leke sind dann unsere ganzen albanischen Finanzen erledigt.

Gegenüber des diesseitigen Festungsteils, der als Restaurant dient, hat sich noch jemand einen Protzklotz hingesetzt, der sich gewaschen hat und uns fast den Atem raubt: So kann Albanien sein, neben seiner bitteren Armut in den Dörfern vorher und nachher.

Was wir unterwegs auch feststellen: Selbst in den kleinen Dörfern stehen Müllcontainer, zuweilen zu voll, aber das wird auch noch.

Nach Virpazar

An der Grenze sind wir nach 15 Minuten durch den Kombi-Zoll. Keine Kontrolle des Gepäckraums. Ab Vladimir fahren wir dann die neue Strecke nach Virpazar.

Im Prinzip ein Abenteuer, da wir nicht wissen, ob die Straße durchgängig befahrbar ist. Sie ist sehr schmal, meist kommen zwei Pkw nicht oder nur mit einer Seite in der Pampa aneinander vorbei. Zum Glück begegnen uns auf der ganzen Strecke mal gerade drei oder vier Autos, wenige andere überholen uns, als wir stehen, schauen und fotografieren. Aber was macht das schon: die Fahrt ist herrlich.

Wir sehen den Skutarisee von weit oben, traumhaft gelegen mit Inselchen, die wie schwimmende Pflanzenpolster wirken. Wir fahren durch Wälder, meist noch unbelaubt, manche in zartem, frischem Grün oder aber aus abgestorbenen, düsteren Braumriesen bestehend. Den Weg säumen »gelbe Meerzwiebel« (nenn ich so, weil ich sie nicht kenne, sie aber wie Meerzwiebel aussehen), Orchideen in violett und weiß. Umwerfende Ausblicke, nach unten und in die Ferne bis zu den schneebedeckten Ketten der albanischen Alpen.

Am Ende der Strecke dann auch das See-Ende mit Schilfrohrwäldern, Fischerbooten und einem Höllenlärm, den die Frösche veranstalten.

Und Virpazar mit seinen wenigen Häusern und 3 Brücken.

Fazit zunächst: alleine die Fahrt von Vladimir nach Virpazar ist es mehr als wert, hierher zu reisen und diese Strecke gemächlich zurück zu legen.

Ich hatte mir Virpazar zwar etwas größer vorgestellt, aber was macht das schon? Wir suchen zunächst eine Bleibe. Das staatliche Informationszentrum hat noch geschlossen, die Jungs, die dort am Streichen und Einrichten sind, raten uns, mit den Hoteliers ernst und hart um den Preis zu feilschen, die offenen Hotels seien privat und würden zu hohe Preise nennen. Wir fragen im Hotel Pelikan, das pittoresk schon im Internet mein größtes Interesse fand.

Sie wollen 29€ pro Nacht und pro Person. Nein, das sei der Preis, 50€ als Angebot, darunter nichts. Wir gehen.

Da kommt uns die Besitzerin des Souvenirkiosks an der Ecke vor dem Hotel nach: Ob wir ein Zimmer suchen? Sie hätte ein Appartement für 25€, nur zwei Minuten von hier… Das wollen wir uns anschauen. Sie klappt die Auslagen hoch, schließt den Kiosk und fährt los, wir hinterher. Da sind wir nun untergebracht oberhalb des letzten Ausläufers des Sees und des Bahnhofs, bestens und für 25€, also die Hälfte… Kostenlos gibt es das ununterbrochene Froschkonzert.

Die Tochter spricht gutes Englisch, ist selbst viel gereist und so kommen wir ins Plaudern bis wir uns eingerichtet haben und dann zum Essen zurück zur Stadt fahren. Stadt ist übrigens süß, die Stadtgemeinde Virpazar zählt laut Wikipedia 330 Einwohner.

Das Lokal ist sehr angenehm, das Essen und der lokale Rotwein sind sehr gut, das Essen allerdings zu reichlich… Die Gäste scheinen international, wir hören Deutsch, Französisch, English. Und wir lassen da gerade mal 25€. Ja, Euro. Montenegro, nicht in der EU und schon garnicht im EU-Währungsverbund, hat dennoch den Euro als offizielle Landeswährung…

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* Rund Europa 2016, 7. Tag: Sarandë – Durrës

Sonntag, 03.04.2016 :: Arapaj/Durrës, Hotel Kadrisa (http://www.german.hostelworld.com/hosteldetails.php/Hotel-Kadrisa/Durres/88659)

Donnerstag, 07.04.2016, 14:45:12 :: Baška Voda, Hotel Palac

An einem Sonntag von Sarandë Richtung Norden entlang der Küste zu fahren hat einen besonderen Grund. Aber soweit sind wir noch lange nicht.

Sonnenaufgang

Wir sind die einzigen Gäste im Hotel Porto Eda, trotzdem bekommen wir unsere Frühstück, u.a. je zwei Spiegeleier und hartes Würstchen. Ausserdem zehren wir noch vom Erwerb in der Bäckerei in Zitsa. So gestärkt fahren wir bei bedecktem Himmel los. Regen brauchen wir nicht zu befürchten, es ist freundlicher als gestern früh.

Ärgerlich: der Seilzug zum Vorklappen des Beifahrersitzes, den wir in Naxos kurz vorher zum zweiten Mal haben reparieren lassen weil abgerissen ist schon wieder in diesem Zustand, die letzte Reparatur ist gerade mal zwei Wochen her. Irgendwie geht’s schon mit dem Verstauen, aber trotzdem.

Was erwarten wir von der Fahrt, die wir in die eine oder andere Richtung schon x-mal absolviert haben? Eigentlich wenig, und trotzdem entdeckt Lis noch ein Kirchlein eines ehemaligen Klosters unterhalb der Straße, gleich nach Sarandë.

Einige Streckenabschnitte hat sie nicht mehr in Erinnerung. Ehrenrettung: ich bin letzten April und Mai die Strecke zweimal gefahren.

Porto Palermo, Himarë und Ali Pascha

In Porto Palermo, einer kleinen Bucht noch südlich von Himarë, statten wir endlich der Burg des Ali Pascha von Tepelenë auf der kleinen Halbinsel einen Besuch ab. Stets waren wir vorbei gefahren, sandten Blicke hinüber – aber es war uns immer zu heiß, den an sich kurzen Fußmarsch auf den Hügel zu absolvieren. Wir staunen: Auf dem Weg kommt uns eine junge Frau entgegen, die uns fragt, ob wir die Burg besuchen möchten und kommt darauf mit nach oben. Aha, die 1804 mithilfe französischer Berater erbaute Burg ist gut erhalten, Nationaldenkmal und verschlossen.

Wir irren durch die dunklen Gänge und Kasematten, steigen der dreieckigen Festung aufs Dach. Irgendwann ist da auch der Herr mit der Bauchladenkasse und möchte von jedem 100 Leke (70 Cent).

Das ist verständlich, der Unterhalt kostet Geld, das sicher mit Eintrittsgeldern nicht abgedeckt wird. Ein Grüppchen Albaner kommt mit Plastiktüten an und veranstaltet ihr Sonntagspiknik oben zwischen den Zinnen. Mittlerweile scheint die Sonne unablässig und es wird heiß.

Die Geschichte der Burg, ihres Erbauers und der Bedeutung des Städtchens Himarë muss hier noch kurz erzählt werden, Tepelenë, seinem Geburtsort, und einer seiner weiteren Festungen, inbegriffen. Auch der Hinweis auf Ismail Kadares Buch »Der Schandkasten« darf nicht fehlen. Kadare schildert hier sehr intensiv das Ende des Ali Pascha, dem seine vielen Burgen nichts genutzt haben; seine Aufsässigkeit und der Aufstand gegen die Hohe Pforte in den 1820er-Jahren kostete ihm seinen Kopf, der dann im Schandkasten in Istanbul zur Schau stand.

Die Burg in Porto Palermo diente zur Sicherung seiner und damals noch der Ansprüche der Hohen Pforte gegenüber Himarë, das stets aufsässig war.

Auch der Hinweis auf den U-Boot-Bunker im nördlichen Teil der Bucht darf natürlich nicht fehlen: Ein U-Boot-Hafen im Berg, obskures Überbleibsel aus dem Kalten Krieges der 60er-Jahre.

In Himarë wollen wir auf der Paralia einen Kaffee bei der griechischen Oma trinken. Pech: Ihr Büdchen ist nicht mehr, mehrere junge Leute sind dabei, eine etwas größere Restauration an der Stelle einzurichten.

So trinken wir eine Cola nebenan, wo laut diskutierend in der prallen Sonne Schach gespielt wird, und stellen mal wieder fest, wie viel und vor allem wie schnell Albanien sich verändert: Esel, eine neue Promenade, rohe Hotelneubauten überall, andere, die jahrelang leer standen sind jetzt fertig, viele neue Wegweiser und neue Straßen zu Stränden, die früher nur zu Fuß oder garnicht erreichbar waren, auch dort mittlerweile Hotelneubauten.

Auch die Anzeigen von historischen Stätten und Gebäuden nehmen zu, die Straßen werden besser. Allerdings nicht überall. Unverhofft treffen wir auf große und vor allem tiefe Schlaglöcher – selbst auf der Autobahn! –, auf Schotterabschnitte, natürlich alles ohne Warnschilder. Wer da hinein fährt, benötigt todsicher einige Ersatzteile und einen Autoklemptner.

Die Küstenstraße, die in Himarë für längere Zeit zum letzen Mal auf Meereshöhe verläuft, steigt kurz darauf hinauf in die gebirgige Küste. Weit unten das Meer, heute nicht blau sondern grau-grün, die Sonne fehlt. Und dann muss das Senfle auf über tausend Meter hinauf und über den Llogara-Pass um hinab in die Ebene von Orikum zu gelangen. Ab dort bleibt es für heute eben.

Doch nach Überwindung des Llogara-Passes komme ich nun den eingangs angesprochenen Grund, diese Strecke sonntags zu fahren, zurück. In den Wäldern der Abfahrt steht rechts an der Straße ein kleines Restaurant, davor ein Büdchen mit einem Spiess. Und da gibt es sonntags Ziege vom Spiess – nichts für Vegetarier, ich weiß, aber wir wissen, dass sie köstlich schmeckt, 2011 war das zumindest so.

Dort also kehren wir wieder ein. Und auch hier stauen wir: alles neu, vergrößert. Und im weiteren Verlauf der Straße nach unten reihen sich mittlerweile mehrere Restaurants und sogar ein kleines Hotel. Albanien macht sich.

Vlorë

Und wir kommen nach dem leckeren Mahl zur Erkenntnis, dass das mit dem Ziel Lezhë heute Abend wohl nichts wird, jedenfalls nicht, wenn’s Spaß machen soll. Also fahren wir auf albanischen Straßen unterschiedlichster Qualität, oft ausgebremst durch offenkundige Sonntagsfahrer und waghalsige Wahnsinnige zunächst nach Vlorë. Das ist der Hafen für Fähren von und nach Italien. Und vor allem berühmt für seine Palmenalleen. Doch das war einmal. Nahezu alle Palmen hat der Palmrüssler nieder gemacht. Traurig und nutzlos stehen die kronenlosen Stämme Spalier. Die Plage hat auch auf Naxos schon einen Großteil der Palmen vernichtet.

Fier

Weiter kämpfen wir uns durch und um Schlaglöcher herum nach Fier. Auch hier ist trotz der teils miserablen Straßen unverkennbar: das “alte” Albanien verschwindet langsam und gleichzeitig zeigen sich riesige Gegensätze zwischen Land und Stadt.

Durrës

Wir entscheiden uns dafür, die Nacht in Durrës, einer der amerikanischsten Städte auf dem Balkan, zu bleiben und finden gleich im Außenbezirk ein Hotel, einen der kleineren Klötze, etwas zurückgesetzt, aber wie wir später feststellen, neben den Bahngleisen. Jeder Güterzug wirft einen mit seinem Warnsignal aus dem Bett. Macht nichts, wir werden die Nacht überleben, im 5. Stock, für 25€ – mit Frühstück. Für beide.

Fragt jemand, warum »amerikanische Stadt«? Nun, im Hafen von Durrës landete und landet alles an für die amerikanischen Stützpunkte im Kosovo, was nicht direkt hingeflogen wird. Bars und Restaurant, selbst Hotels haben Namen wie »Florida«, »Texas« etc., die amerikanischen Wimpel überall gar nicht gezählt. Selbst die »sozialdemokratische« Partei schmückt sich mit der amerikanischen Nationalflagge…

Links:

  • GPS Track Logs 2016-04-03 Sarande-Durres.gpx
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