Wieder reisen!

Montag, 28.07.2014, 23:20:18 :: Hochdorf

Natürlich endete unsere Fahrt im Frühjahr nicht in Sarande. Wir kamen trotz einiger glimpflich abgelaufenen Abenteuer pünktlich zu Ostern in München an. Darüber will ich gelegentlich natürlich berichten. Unterwegs hat das im April irgendwie mal wieder nicht geklappt: Internet, Zeit, zu heiß…

Aber wie gesagt – schon wegen der atemberaubenden Frühlingslandschaft in Albanien und der Bilder – ich werde mir Mühe geben. Und ich war an Ostern auch voller Schreibdrang.

Aber es kam anders

Letztes Jahr Anfang September schrieb ich vom Ende der Geisterbahnfahrt. Ich hatte die Operation an der Zunge und meinen Fast-Exitus überstanden und irgendwann dann wieder Tritt gefasst.

Diesen April stand wieder die vierteljährige Kontrolle meiner Zunge an. Die Eigenkontrolle liess mich ruhig zum HNO-Ärztin gehen. Doch die sah mehr als ich: zwei winzige weisse Pünktchen, die ich eher als Lichtreflexe auf dem Speichel der Zunge interpretiert hätte, liess sie ohne Umschweife einen Überweisungsschein ausstellen: Ab nach Kassel, Abklärung. Und Operation – es war wieder bösartig. Klein, aber eben bösartig. Der Zunge fehlte nun ein erheblich grösserer Teil als letztes Jahr.

Und obendrauf nun Bestrahlung

Das war mir klar. Ich kam nun um diese Marterstrecke doch nicht herum. Aber dank der Recherchen meines Bruders verkürzte sich diese von 6 Wochen auf 5 Tage. Brachytherapie heisst die Wunderwaffe, die er ausfindig machte. Und auch gleich den kompetentesten Ort: Erlangen, Uniklinik.

Wissenswertes über Erlangen

Nun, so lustig wie hier ging’s natürlich nicht zu. Nach der Operation hatte ich eine Geissbart aus sechs Plastikröhrchen unterm Kinn herabhängen und die im Mund meine Zunge darüber hinaus am Mundboden festnagelten. Die Röhrchen wurden dann 5 Tage lang jede Stunde an den Spender angeschlossen, der mir darüber für wenige Sekunden das strahlende Material an die sechs Stellen in der Zunge schob; 100 mal, von Montag Morgen bis Freitag Mittag. Wer gerne rechnet, darf nachrechnen – 4 mal 24 gibt… ?

Danach wurden die Schläuche »bei lebendigem Leibe« entfernt, meine Zunge war wieder frei. Aber ich nach wie vor ohne Stimme, ohne Geschmacks- und Geruchsinn und mit wundem Mund. Und schwer hustend war ich, die Lunge schien mir schon die Woche über zu bersten. Man darf wohl sagen, es war ein Martyrium. Aber eben nur 5 Tage lang und keine sechs Wochen wie bei konventioneller Bestrahlung.

Und mit weniger Nebenwirkungen. Das weiss ich jetzt nach fast 4 Wochen. Dass ich davon allerdings fast 2 Wochen mit schwerer Lungenentzündung im Hospital lag, das heften wir als Arabeske ab.

Jetzt scheint alles vorbei…

Der Husten verflüchtigt sich, die Stimme und die Geschmacks- und Geruchssinne kommen gaaaanz langsam, aber merklich wieder.

Lis wird jetzt wieder sagen, das klinge hier alles so harmlos. War es nicht, aber warum sollte ich andere quälen. Deshalb gibt es auch keine Bilder. Doch – eins, zum Schluss.

Klicken!

Mein »Gefängnis«, 180° Rundumblick

…und am 4. August starten wir

Deutlich verspätet aber dennoch Richtung Baltikum. Wir lassen uns doch nicht aufhalten. Jedenfalls nicht allzu lange und schon gar nicht von Dingen, die wir nicht mögen…

 
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* RundEuropa 2014, 5. Tag: Sarandë, ein Spaziergang

8. April 2014 :: Sarande, Hotel Porto Eda
17.April 2014, 18:57:13 :: München

Sich in Albanien über den Müll zu beklagen ist sicher berechtigt. Auf der einen Seite. Andererseits ist es ungerecht, denn die Albaner wissen das. Und es ist auch nicht überall so. Renovierungs- und Bautätigkeiten, Baumbeschnitt, Verschönerung durch Pflanzen, Statuen von rührender Einfachheit und Aussage – es tut sich viel. Wir sind auf einem Stadtrundgang. Gemeinsam mit vielen Menschen hier, vor allem Männer. Wir sind in Albanien, immer noch treten Männer bevorzugt in der Öffentlichkeit auf. Frauen mittleren und fortgeschritteneren Alters sehr selten, junge Mädchen und Frauen schon. Man merkt den Umschwung innerhalb der Generationen nach der Öffnung Albaniens schon sehr.

Die Paralia ist verbreitert, fast ohne Stolperfallen oder gar Löcher im Belag. Schön: Kein Uni-EU-Belag aus grauen und rosa eingefärbten Betonsteinen, wie sie europaweit die Gehwege “zieren”, sondern individuell albanisch. Überall stehen weiße Skulpturen, wachsen Blumen, Palmen werden beschnitten, die Riesenwedel werden sofort auf dem bereit stehenden LKW geladen, sie bleiben nicht liegen. Papierkörbe tauchen hie und da auf.

Sarandë beginnt, ein Urlaubs- und Badeort zu werden. Die in der zweiten und dritten Reihe stehenden Hotelbauten werden tatsächlich fertig, fast zu prächtig. Aber eines Tages wird das nicht mehr auffallen. Selbst süddeutsche kehrwochenverwöhnte und wiedergekehrte Besucher müssen zugeben, dass es besser wird.

Ich sagte vorhin, dass die Albaner um ihr Müllproblem wissen. Schon vor sechs oder 8 Jahren zogen zwei Jungs den Kopf ein bei dem Thema. Nur: Vor Jahren gab’s zwar plötzlich die Segnungen des westlichen müllerzeugenden Konsums. Wie alle “befreiten” Ländern des Südens und Ostens wurden sie von heute auf morgen damit überschüttet. Alles war verpackt, die alten Brotfabriken z.B. wurde abgewickelt, offene Lebensmittel wurden abgeschafft, alles gab’s nur noch in Plastik und Karton. Aber es gab weder eine Idee noch eine praktische Möglichkeit, den Verpackungsmüll wieder los zu werden. So landete er eben auf den Straßen, in den Straßengräben. Heute stehen Müllcontainer selbst auf den meisten Dörfern, zuweilen überlaufend, ok., aber man merkt, es wird.

Wir gehen also auf und ab, balancieren an ungesicherten Baugruben vorbei, so wie alle andern auch. Hier und da steht ein Grüppchen, Männer, natürlich. Dort geht ein Mann, in Anzug, Weste und Hut mit seiner Frau. Alles erkennbar in Würde und Ruhe. Jungs düsen auf dem Fahrrad vorbei, kichernde Mädchengruppen kommen uns entgegen. Wir werden nicht weiter beachtet. Wir fallen nicht auf. Warum also sollten uns die Menschen hier auffallen? Was in unseren Augen Armut ausdrückt ist die Norm. Die Klagen mitteleuropäischer, meist deutscher Touristen über Bauruinen, den Müll, die verfallenen Wohnhäuser, aus deren Fenstern und Türen die Armut blickt, parieren wir mittlerweile fast aggressiv. Wie schwer fällt es ihnen, etwas zu akzeptieren, auch wenn es nicht wie ” Zuhause” ist!

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* RundEuropa 2014, 5. Tag: Meganisi – Sarandë

8. April 2014, 17:42:31 :: Sarandë, Hotel Porto Eda
9. April 2014, 13:43:48 :: Tepelenë, Hotel

Es hieß, früh aufzustehen: die Fähre geht morgens schon um 7:45 Uhr. Es ist noch dunkel als wir aus den Federn kriechen und packen. Lis macht noch nebenher Wasser für einen heißen Tee während ich schon mal Gepäck nach unten zum Wagen schleppe. Zu beißen werden wir dann in Nidri was finden.

Ja, die Fähre: Lydia erzählte gestern Abend ja, dass die Meganisi II eine Nummer zu groß ist. Dass die Eigner aufgeben. Bisher haben sie vor allem die regen Transporte für den Russischen Pächter zur Onassis-Insel über Wasser gehalten. Zu wenige fahren hin und her. Vor allem nicht mit dem Auto. Das Deck ist fast immer leer. Eine Person kostet 2€, das Auto 13€. Da lassen die Griechen derzeit das Auto stehen. Krise eben. Und das Schiff braucht jetzt auch länger: Diesel sparen. Von staatlicher Seite gibt’s auch keine Zuschüsse mehr, der Staat fühlt sich nicht mehr verantwortlich. Die Menschen auf Meganisi bangen. Was wird, wenn der Eigner Pleite geht?

Heute ist er pünktlich und fährt.

Morgendliche Fähre

Drüben in Nidri finden wir entgegen unserer Befürchtung schnell einen Bäcker und mit frischen Sesam- und Käsekringeln versorgt tuckern wir los und mümmeln nebenher erst mal die Sesams.

Der Anschluss von Lefkada ans Festland ist ja immer wieder beeindruckend. Durch eine weit sich dehnende Lagune zieht sich der schmale Streifen mit der Straße, die, nur noch durch eine Drehbrücke unterbrochen, Insel und Festland verbindet. Man fährt letzen Endes “durchs Wasser”.

Bei Prevesa schließlich, das man bald erreicht, wenn man nach Norden will, fährt man dann sogar unter Wasser. Der Tunnel kostet immer noch 3€ eine Richtung. Dann folgt wieder eine dieser Urlaubsstrecken: fast immer am Wasser, tiefblau, Wolken, Ihr wisst, was ich meine.

Nebenstraßen…

Wann immer wir Nebenstraßen finden, die auch ans Ziel führen, dann nehmen wir die. Und so fahren wir über Parga. Wir bleiben dadurch dichter am Meer. Und an den Menschen. Denn die Rennstrecke verhindert, dass man in den kleinen Dörfern anhält und sich ins Kafenion setzt. Wir versuchen dann unser bisschen Griechisch an Frau und Mann zu bringen und erfahren so von einer Wirtin, dass sie Deutschland toll finden, die Tochter in der Schule deutsch lernt, sie das aber nicht kann, will wissen, woher und wohin und sie erklärt uns, was wir ohnehin wissen, dass Naxos die tollste aller Inseln ist. Sie empfiehlt uns noch die Paralia von Parga und weiter geht’s.

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Bis – ja, bis es eben nicht mehr weiter geht. Bauarbeiten, Kanalisation wird gelegt. Bagger, Lastwagen, Chaos. Wir fahren kleine Wege, Strässlein, die im nirgendwo enden, können Dank Twingos Wendekreis zweimal erfolgreich wenden und schaffen es so tatsächlich Dank GPS und einem Griechen, der uns auf dem Mofa entgegenkommt (Er strahlt “Kann ich helfen?” in bestem Deutsch…), wieder den Anschluss zu finden.

Wir passieren die Großbaustelle Igoumenitsa, wo die nächste Hafenerweiterung und die Stadtsanierung wiederum harte Anforderungen an unser Gedächtnis und das GPS-Programm im iPhone stellen. Es löst sich alles und wir landen im letzten “Stützpunkt” der Staats-griechischen Welt, bevor es nach Albanien geht: Sagiada, Kaffee und Tsaziki – wie immer.

Sagiada

Am Zoll in Mavromati dann macht der Zollbeamte wohl gerade Mittagspause, es ist schließlich 15 Uhr. Und so staut sich das ausreisewillige Publikum an der EU-Aussengrenze Griechenlands auch in der Gegenrichtung… Nach einer Weile kommt er, in Jeans und buntem Hemd, ein halber Hippie und löst das Knäuel mit lässigen Blicken durchs Fenster in den Kofferraum und in die Reisedokumente.

Der albanische Zollbeamte ist dagegen sehr exakt, fest verpackt in seiner Uniform, während mir nur Hemd schon zu warm ist, liest die Pässe ein, damit die NSA Futter bekommt und wir sind drin.

In Sarandë ist man dann ohne Zwischenstopp recht schnell auf der neuen Straße. Wie bestaunen dennoch und immer noch die kahlen Berge, die in die leere Landschaft gesetzten Bauruinen und plumpsen immer noch in Schlaglöcher, wo wir sie garnicht erwarten.

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Alles macht Fortschritte, auch in Sarandë. Aber es geht quälend langsam an vielen Stellen und chaotisch. Schutt und Müll finden keine Heimat, um dieses schöne Land wirklich glänzen zu lassen. Dazu dann in der nächsten Runde. Wir machen dann einen kleinen Spaziergang.

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* RundEuropa 2014, 3. Tag: Etoliko – Meganisi (2)

7.April 2014, 15:27:53 :: Meganisi

Die Fahrt bis Lefkada führt durch Flussdeltas, reich an Landwirtschaft; selbst militärisch gestylte Kiwi- und Weinfelder findet man da, auch Solarfelder und Windräder auf den Bergkämmen.

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Das nur zur Beschwichtigung, Griechenland holt auf. Weiter findet sich auf dieser Strecke, die wir ja nun wirklich schon x mal gefahren sind, eine der schönsten Uferstrecken, die wir kennen und die uns immer wieder begeistert: fast immer direkt am Meer entlang, das an jeder Ecke mit einer Badebucht überrascht, oder hoch über dem Meer an steiler Felsenwand. Wenn die Sonne scheint ist alles zutiefst blau, weiße Schaumwolken darüber und am Horizont schwimmen die Ionischen Inseln. Zuweilen liegt in einer der Buchten eine Fischfarm, ohne die es wohl auf keinem Tisch am Mittelmeer noch bezahlbaren Fisch geben würde…

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Auf der letzten Strecke kann man endlich wieder von der Hauptstraße abbiegen und auf einem schmalen, kurvigen uns zuweilen rumpeligen Strässlein durch’s Bergland schleichen. Man durchquert u.a. ein völlig verlassenes Dorf, von dem nur noch die Kirche steht und wohl auch noch genutzt wird. Manche Ruine wird auch noch von Hirten genutzt, wie wir nun wissen, besondern eben jetzt im Frühjahr. Alles ist grün und saftig, eine reiche Weide für Schafe und Ziegen.

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Und dann dieser Ausblick ins nächste Tal, wenn man den kaum erkennbaren Pass überquert hat. Wir waren gespannt, denn wir kennen dieses Tal nur im Sommer oder frühen Herbst: Gelb, braun und nur mit den grünen Tupfern der Bäume. Nun also im Frühling, alles flächendeckend saftig grün auch da unten. Und in der Ferne wieder das Meer und Lefkada. Später die Festung über der schmalen Landzunge, die durch die Lagune hinüber nach Lefkada führt. Vorbei an der Wasserfestung in der Lagune und hinein ins Lekafa des brausenden Tourismus – der derzeit aber noch nicht so richtig will. Was nicht überrascht. Wie in Naxos wird auch hier gezimmert und gestrichen. Wo nicht, hängen trostlos Palmenblätter und Planen und man erkennt: wieder hat ein Kleinunternehmen der Krise nicht trotzen können.

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In Nidri, wo die wohlvertäute Fähre in einer Stunde starten wird, dasselbe Bild. Aber! Unser Café schräg gegenüber der Fähre hat geöffnet, als einzige der Tavernen, chinesischer, indischer und vor alle, italienischer Restaurant und Cafés, die hier dicht aufgereiht der Saison entgegen dösen. Ein Bus mit griechischen Touristen aus Trikala fährt gerade wieder ab. Was die hier wohl wollten? Und derzeit hier die Fähre zu verpassen bringt Elend. Ich kann mir nicht vorstellen, dass schon ein Hotel offen hätte…

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Die Fähre hinüber nach Meganisi braucht eine gute halbe Stunde, vorbei an der Onassis-Insel Skorpios, die nun doch an einen Russischen Oligarchen verkloppt wurde, d.h. für 99 Jahre verpachtet. Denn darauf hatte der alte Herr geachtet, bevor er verschied: er ist dort begraben und die Insel darf von seinen Kindern nicht verkauft werden. Steht so im Testament. Sagt man. Und so residiert dort nun ein steinreicher Russe und lässt Ausschau halten nach lohnen Immobilien hier und in Athen. Was gar nicht so einfach zu sein scheint wegen der Steuern, die auf Grundstücke und Immobilien erhoben werden. Groß stöhnen muss er da sicher nicht, im Gegensatz zu den normalen Einwohnern hier. Aber Griechenlands Steuergebaren ist dann wieder eine ganz andere Geschichte.

Wir verlassen die Fähre, fahren über den Berg und sind im Paradies, IL PARADISO, zum dritten mal, diesmal so früh, dass das Restaurant noch geschlossen hat, erst lange nach Ostern werden hier wohl Segler und andere Touristen wieder einen reich gedeckten Tisch vorfinden und liebevoll von Lydia und ihren Helferinnen bekocht und bedient werden.

Wir sind hier außer Konkurrenz. Aber das ist dann schon der nächste Tag…

 
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* RundEuropa 2014, 3. Tag: Etoliko – Meganisi (1)

7.April 2014, 14:56:41 :: Meganisi

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Es war Samstagabend gestern Abend. Entsprechend voll die Lokale. Wir waren untypisch früh dran, deshalb konnten wir uns noch einen Tisch aussuchen. Ein halbe Stunde später wären wir leer ausgegangen. Es ist also nicht so, dass die Griechen zuhause versauern. Allerdings: für zwei Essen und Getränke bezahlten wir dann 13 €. Dafür wäre in Deutschland nicht mal einer satt geworden; bei der Qualität jedenfalls nicht.

Deutsche “Hilfe” für Griechenland

Ja, die Preise: Dimitri erzählt, dass er für seine erstklassigen Oliven (ebenso für solche aus Kalamata und anderen Regionen) nur drei Euro pro Kilogramm erzielt; trotz der geringen Ernte im vergangen Herbst. Und dann erzählen ihm Bekannte, dass diese Oliven in Berlin für dreißig Euro pro Kilogramm verkauft werden. Das Zehnfache. Da ist jeder Kommentar überflüssig. Dass es unseren Milchbauern auch nicht viel anders geht, ist da kein Trost. Und es erinnert uns an ein Familienfest in Litauen vor vielen Jahren, auf dem uns einer der Onkel erzählte, dass er für den Liter abgelieferte Milch nicht mal eine Flasche Wasser kaufen könne. Das sei früher anders gewesen. Die Segnungen der EU kommen eben nicht bei allen an. Jedenfalls nicht bei denen, denen man es öffentlich verspricht. Von der Ukraine und dem, was ihr bevorsteht, will ich gar nicht erst anfangen. Dazu hoffentlich im August oder September mehr und Positives – wenn wir uns dann dort hin trauen… :-(

Schlaflos in Etoliko

Dimitri hat Flora entschuldigt. Sie ist im Theater. Es gibt zwei davon, eines davon im Sommer als Freilichtbühne. Wir schlendern nach dem Essen dort hin und stellen uns hinten in den Zuschauerraum. Vorne am Eingang hatte ich flüchtig das Plakat angesehen. Außer Sidney Lumet kommt mir so im Dunkeln nichts bekannt vor. Auf der Bühne nur ein großer Tisch und viele Schauspieler drum herum. Mir kommt langsam ein Verdacht. Ich zähle. Zehn. Nein, elf. Da kommt noch jemand aus der Kulisse hinzu. Es sind zwölf. Die zwölf Geschworenen. Genau. Vor Jahrzehnten im Kino. Ein Klassiker. Hier in einem kleinen griechischen Städtchen auf der Laienbühne!

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Bei einem gemeinsamen Ouso wenig später im schummrigen Café nebenan betrieben wir dann für einige Zeit noch deutsche Geografie: ein Ort nahe Frankfurt wird gesucht, “Bad W….”, nicht herauszuhören, wie er denn heißen könnte. Wir suchen eifrig auf dem iPhone in den offline-Karten. Vilbel? Wildungen? Einer der jungen Leute telefoniert, gibt mir das Telefon. Ich verstehe nicht, was auf der anderen Seite gemeint wird. Der junge Mann verschwindet. Nach einer Weile kehrt er zurück und zeigt mir stolz das Adressbuch seines Telefons: Bad Wildungen. Das wars also doch, Reha-Kliniken, klar. Darum ging’s ja: ein Freund von Dimitris Sohn hatte einen schweren Motorradunfall, selbst schuld und einen längeren Aufenthalt allda. Also geklärt. Ungeklärt blieb danach in der Diskussion über Merkel, was wohl passieren wird, wenn sie kommende Woche Athen besucht. Ratschläge? Dicke Taschen voller Euros? Die Griechen nehmen es wohl mittlerweile durchgehend mit Humor. Wie will man das alles auch ertragen als Untertan?

Wir gingen dann endlich schlafen. So dachten wir jedenfalls. Aber es war eben Samstagnacht, oder besser Sonntagmorgen. Da geht man aus. Und so war die Nacht laut und schlaflos. Morgens um sechs kamen die Letzten laut schwatzend, knallten ihre Autotür zu und entschwanden. Dann war kurz Ruhe – bis die Vögel anfingen. Und dann die Kirchenglocken. Jedenfalls so gut wie schlaflos war die Nacht.

Zum Frühstück gesellt sich dann Dimitri, zahlt vorsorglich gleich unsere Cappuccinos, die – schon leer – vor uns auf dem Tisch stehen. Widerstand ist völlig zwecklos bei ihm. Und er bringt ein großes Glas dieses Alleinstellungsmerkmals von Olivensalat mit. Später noch Flora, sie kommt von der Kirche von einem 40-Tage-Gedenkgottesdienst. Dem fern zu bleiben geht garnicht. Aber offensichtlich nur für Frauen.

Gegen 12 Uhr müssen wir los. Die Fähre von Lefkada nach Meganisi geht um 16 Uhr. Danach geht nichts mehr. Wäre garnicht gut gewesen, sie zu verpassen. Wissen wir dann am Nachmittag. Davon dann in Teil 2.

 
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* RundEuropa 2014, 2. Tag: Delfi – Etoliko

5.April 2014, 15:37:07 :: Etoliko, Hotel Alexandra

Es regnet nicht heute Morgen. Das ist mal die gute Nachricht. Der Himmel ist bedeckt, die Sonne nur zu ahnen, die Luft trübe. Ok., nicht kalt. Also kein Fotografierwetter, was angesichts des Blütenreichtums schade ist. Und den zweiten Tempelbereich unterhalb der Straße hatten wir uns eigentlich auch endlich vorgenommen. Aber ohne Sonne und Kontraste? Andererseits: so oft, wie wir hier schon gefahren sind – nächstes mal vielleicht…

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Der Blick aus dem Fenster hat uns also nicht gerade überwältig, es gab schon den einen oder anderen deutlich schöneren Morgen. Wir fahren also nach dem Frühstück gleich los, der Tempel muss weiter warten. Irgendwann ist er dran.

Die Ebene von Itea muss ich aber schon mal wieder erwähnen: es ist für uns die größte flächenmässig überschaubare Fläche mit Olivenbäumen. Jetzt im Frühjahr blühen viele Wiesen, auf denen die Bäume stehen. Andere Flächen darunter sind gerodet und sehen so aus, als sollten sie großzügig gewässert werden. Gelb herrscht wieder vor, margaritenartiges in allen Grössen auch, dazwischen kleiner, dunkelroter Klatschmohn. Und der Ginster zeigt seine ersten Blüten, erst an der Küste zeigt er sich in voller Pracht: die Hänge voller gelber Flecken.

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Die Umrundung der Bucht von Itea zeigt nicht viel Neues. Hier ist immer alles rot. Aber nicht vom Klatschmohn sondern vom eisenoxidhaltigen Bauxit, der hier gelagert, verladen und teilweise sogar abgebaut wird.

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Erste Rast halten wir in Agioi Pantes, ein paar Kilometer weiter vom Ende der Bucht. Ein beschaulicher kleiner Hafen, eine Kneipe, Einheimische, Samstag Mittag. Wir kennen den Winkel, sitzen da bei einem Kaffee draußen und befinden, dass hier mit wenig Gütern und guten Freunden besser gelebt wird als mit allen Gütern und keinen Freunden. Es ist einfach schön hier. Punkt.

Aber wir fahren natürlich weiter

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Mittlerweile zeigt sich die Sonne, die Straße gehört fast uns alleine und die Gebirge der Peloponnes scheinen zaghaft durch Wolken und Dunst. In Nafpaktos gibt’s mal wieder keinen Parkplatz. Das beschauliche Verweilen am kleinen Hafen fällt zum wiederholten Male aus. Und so passieren wir bald die nach wie vor gigantisch-imposante Brücke zwischen Rio und Antirio, die hinüber zur Peloponnes führt, passieren Mesolongo mit seiner Zwergenstadtmauer und den Salzbergen. Ich schreibe “Zwergenstadtmauer”, weil sie wirklich mit jeder Küchenleiter überstiegen werden kann, so also nie ein ernsthafter Schutz gewesen sein kann. Vermutlich ist sie in dieser Flussdelta-Landschaft einfach versunken.

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Auf dem Weg erinnert uns ein Mahnmal.

Mesolongo, Etoliko, Zitsa, Nafpaktos im heutigen Griechenland, Tepelena in Albanien: alles Städte, die in Zeiten des Beginns der griechischen Revolution im März 1821 in diesem Teil Griechenland eine große Rolle gespielt haben. Der 25. März ist Nationalfeiertag, war also vor 2 Wochen. Ich muss mal alle Berichte dazu zusammensuchen und verlinken. Und den neuen über Tepelena noch schreiben. Ali Pascha kommt darin vor, Lord Byron und so mancher andere Bart- und Säbelträger. Ali Pascha residierte in Tepelena und in Ioaninna, also hier um die Ecke und weiter im Norden. Führt jetzt zu weit, ich merke das schon. Aber wer nicht warten mag: Wikipedia gibt Auskunft.

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Weiter unten in diesem gigantischen Flusstal entsteht die ebenso gigantische neue Autobahn Nord-Süd.

Jedenfalls sitzen wir jetzt im Hotel Alexandra in Etoliko und warten auf Flora und Dimitri. Dimitri ist der Herr über ca. 700 Olivenbäume hier im Delta. Er macht harte Zeiten durch: es gab wenig Oliven letzten Jahr, außer in der Region Kalamata. Da er versucht, Veredelungsstufen drauf zu setzen, muss er sehen, an Material zu kommen. Und an neue Abnehmer: Hotels, Großmärkte. Die zwar Umsatz machen aber nicht bezahlen können… Die Krise ist noch nicht zu Ende. Jedenfalls: die neue Création schmeckt hervorragend – Oliven, rote und grüne Paprika, Knoblauch. Hat er eben vorbei gebracht.

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Andererseits: die Straße vor dem Hotel ist komplett neu gestaltet, noch nicht ganz fertig aber seit letztem Jahr eine völlige Verwandlung. Das Hotel ist neu verputzt, gestrichen, die Elektroinstallation und das Bett sind neu. Und die Preise? Wie die letzten Jahre…

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* Rund Europa 2014, 1. Tag: Naxos – Delfi

4.April 2014, 21:06:52 :: Delfi, Hotel Orfeos

Wir haben Delfi erreicht

4. April 2014, 19:15:50 :: eine Stunde früher als erwartet. Maria hatte uns gestern Abend telefonisch angekündigt. Zum Empfang gibt’s gleich einen Kaffee. Der Besitzer ist sehr zuvorkommend, er überschlägt sich nahezu. Es ist uns fast peinlich – nur weil wir letzen Sommer auch hier waren. Da hatte ich mein iPad hier liegen lassen. Er hatte es uns per Botendienst nach Naxos nachgesandt.

Aber jetzt der Reihe nach.

Zunächst versagt der Bubi, unser GPS-Gerät, das vor ein paar Tagen noch funktionierte. Es hatte zwar unter ausgelaufenen Batterien schwer gelitten aber nach der gründlichen Reinigung eine Tag lang ohne wenn und aber funktioniert. Wer trackt jetzt unsere Etappen, wer erinnert uns an wichtige Wegpunkte, die wir passieren. Das iPhone wird uns ohne Zweifel durch das Strassengewirr von Piräus bringen. Aber alles andere?

Lis’ Brille zerbricht. Erst die Alltagsbrille. Und wenig später das Ersatzteil. Warum jetzt? Und was geht noch schief heute?

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Ein Freund verabschiedet uns am Hafen. Das macht Mut. Er hat sich extra früh für uns aus dem Bett gewälzt. Vor lauter Freunde vergessen wir fast, auf die Fähre zu fahren. Die war heute Morgen gähnend leer – bis Paros. Da stieg eine parotische Schülergruppe zu und lärmte bis zur Ankunft in Piräus. Und zwar nervenzersägend. Ich bin mittlerweile davon überzeugt, dass eine große Zahl griechischer Kinder zuhause in einem extremen Lärmfeld aufwächst. Anders ist diese Lautstärke nicht zu erklären.

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Da sitzt man nun auf dem Oberdeck, lesen will nicht so recht gelingen. Man beobachtet dann eben. Und denkt nach, trotz Lärm: Seit mittlerweile 30 Jahren haben wir die Insel nur einmal mit dem Flieger verlassen, sonst immer mit der Fähre. Erreicht haben wir sie aus dem Süden und aus dem Norden immer per Schiff. Für mich war die Fähre immer wichtig, besonders bei der Anreise. Eine Insel sollte man per Schiff erreichen. Sie muss langsam am Horizont auftauchen. Zunächst ahnt man sie, oft täuscht man sich vor lauter Nichterwartenkönnen. Die Schiffsreise zwingt zum langsam Abstand gewinnen. Sechs Stunden warten. Schlafen oder dösen. Herum gehen. Lesen. Beobachten. Erzwungene Ruhe.

Das hat mich an La Palma gestört: Man wird, nur durch viereinhalb Stunden getrennt, in eine völlig andere Welt geworfen. Man bekommt nicht die Zeit der Annäherung. Hoch. Rüber. Runter. Da.

Das waren die meisten Jahre Urlaubsgefühle. Heute verlassen wir ein Zuhause. Unten im Bauch der Fähre steht das Senfle, hoffentlich mit allem, was wir für die nächsten Monate brauchen. Denn nicht alles ist doppelt vorhanden – in Deutschland und hier auf Naxos. Zuhause? Ich bin sicher, Naxos ist unser Zuhause. Popi, unsere Vermieterin lamentiert: Wie sie das aushalten soll, ohne unsere Schritte über ihr, ohne die Geräusche, ohne das Laute, fröhliche καλημέρα! jeden Morgen, wenn wir auf die Küchenterrasse treten. Wir sollen sie häufiger anrufen. Wir versichern ihr, das zu tun. Bereits während wir noch auf der Fähre ruft sie an. Obwohl sie nur griechisch spricht und allenfalls Lis überhaupt verstehen kann, was sie alles sprudelt. Maria geht es nicht viel anders. Und, und, und… Selbst die Nachbarn. Eine Nachbarin winkte Lis neulich heran und bedachte sie mit einem großen Strauß Levkojen. Wenn wir Wasser holen, werden wir angestrahlt. Und bei jedem Fest werden wir mit Speisen und Getränken versorgt, zum Mittanzen genötigt.

Wieviele Zuhause kann ein Mensch haben?

Wo man sich wohl fühlt, dort sei das Zuhause. Sagt sich leicht. Nur wie oft ist das möglich? Jedenfalls ist es ein gutes Gefühl, wenn man davon mehrere hat… Im Sommer fahren wir hoffentlich nach Litauen. Wieder ein Zuhause.

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Irgendwann dann in Piräus. Freitagnachmittagverkehr. Chaos. Gehupe, Rücksichtslosigkeit. Links und rechts knattern Motorräder und Mofas vorbei, knapp, gewagt und oft unerwartet. Man kann die Augen nicht überall haben. Und dann sind wir draußen. Durchatmen. Die Straße nach Tiva (Theben) ist voller Fünfachser. Freitag eben.

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Aber es blüht, es ist grün. Nicht braun wie im Herbst. Gelb, weiß, violett. Der Ginster präsentiert die ersten Blüten.

Der Parnass hat noch Schnee

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Und in Arahnovo stehen noch die Skier vor den Verleihstellen. Und hier in Delfi laufen die Mädels rum wie im Sommer. Supershorts und nackte Beine… Freitag Abend. Von der orthodoxen Kirche her schallt der Messegesang über das ganze Städtchen, gefühlt stundenlang. Das Meer tief unten liegt im Dunst. Freitag Abend in Delfi.

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* Rund Europa 2014, 0. Tag: Morgen früh beginnt die Reise

3.April 2014, 18:12:34 :: Galanado

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Das Warten hat ein Ende. Nachdem wir gestern Abend erfahren haben, dass die Schiffe seit gestern wieder verkehren, haben wir uns entschlossen, am morgigen Freitag, morgens um 9.30 Uhr, die Reise nach Piräus anzutreten. Wir sind dann nachmittags in Piräus und wenn alles gut geht schaffen wir es noch bis Delfi und das würde dann bedeuten, dass wir drei Tage im Verzug sind. Drei von vier Tagen Puffer sind also schon dahin. Ich sehe uns schon im deutschen Osterchaosverkehr verkehren.

Nicht dass wir gestern Abend die Tickets schon bekommen hätten. Der Run war wohl so stark, das das Buchungssystem die Grätsche gemacht hat. Mit Mitleid heischendem Blick bat uns der Mann am Computer, doch bitte heute früh nochmal vorbei zu schauen. Das hat dann auch bestens geklappt.

Auch die Frage, wo man denn die kleinen Glühbirnchen bekommt, die Tacho und Benzinstand beleuchten, konnten im vierten Anlauf geklärt werden: nicht an der Tanke, nicht in der Werkstatt, nicht beim größten Elektrohändler am Ort gab’s die dann sondern in der Marinebasis. Nikos fand welche, die passten aber statt 1,2 Watt deren zwei vorwiesen. Da vor wenigen Tagen schlagartig drei von vier den Geist aufgegeben hatten, nahm ich die ganze Schachtel mit. Wer weiß, wozu’s gut ist. Die Anzeige strahlt wie ein frisch entzündeter Weihnachtsbaum.

Den Werkstattcheck hat das Senfle seit einer guten Woche schon hinter sich. Ölwechsel, Lampen, Bremsen gereinigt. Er sollte die knapp 4.000 km also überstehen. Dann muss er im Mai zum TÜV…

Und anständige neue Sonnengläser habe ich auch gefunden. Aber wen interessiert das, außer mich.

Und bei Popi haben wir uns nochmal richtig mästen lassen. Sie hatte uns heute morgen schon den Mund wässrig gemacht: heute gäbe es was aus dem Ofen. Nach dem Oktopus aus dem Topf gestern das nächste gute Angebot.

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Eigentlich, wen wundert’s, wollen wir hier eigentlich gar nicht weg: täglich wird es Wärmer, die Heizung ist schon seit zwei Wochen oder länger abgestellt. Die Wiesen sind übersät mir gelber und weißer Blütenpracht. Aber die eifrigen Handwerker an der Paralia und in den Seitengassen mahnen: die Saison steht vor der Tür und wie berichtet wird, keine schlechte. Die Banken vergeben wieder Kleinkredite. So wird hier manche Bestuhlung komplett ersetzt, neue Geschäfte werden eröffnet, umgebaut, bepinselt und ausstaffiert. Der Sommer kann kommen – und wir sind dann mal weg…

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* Rund Europa 2014, –x. Tag: Aprilscherz

Montag, 31. März 2014 14:30, Galando

Ich hätte ja tausend Wetten abgeschlossen, dass irgendwo in Nordgriechenland oder Albanien frühestens etwas unseren Reiseplan durcheinander bringt. Aber dass der Plan von Anfang an nichts wert ist, damit habe ich nicht gerechnet. Jedenfalls: Zumindest heute und morgen verkehren keine Schiffe zwischen Naxos und Piräus. Die Seeleute streiken wieder mal für 48 Stunden; zuletzt im Februar. Solange man ihre Probleme nicht löst, wird das eben immer wieder passieren. απεργία heißt übrigens der Streik. Man lernt doch immer wieder dazu.

Zum Beispiel, dass es bei 48 Stunden nicht bleiben muss. Sagt uns der Herr bei Naxos Tours. Er verkauft kein Ticket auf Gutglück.

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* Rund Europa 2014, minus dritter Tag: letzte Vorbereitungen

Samstag, 29.03.2014, 12:58:00 :: Galanado

Trotz der Krise um die Ukraine und speziell die Krim, wir bereiten uns auf unsere erste Reise in diesem Jahr vor bzw. sind eigentlich bereits startklar.

Naxos – Hochdorf

Am 1. April – und das ist kein Aprilscherz! – geht’s in der Nacht auf’s Schiff, damit wir am nächsten Morgen von Piräus aus starten können. Wer Interesse am Plan hat, auch wenn er nur eben ein Plan ist:

Start: 1. April

1. Naxos – Piräus
2. Piräus – Delfi – Etoliko (260 km)
3. Etoliko – Meganisi (120 km)
4. Meganisi
5. Meganisi – Sarande (ca. 210 km)
6. Sarande – Durres (250 km) / {Sarande – Gjirokaster (55 km) – Berat – Tirana (150 km)}
7. Durres – Herzeg Novi (230 km)
8. Herzeg Novi – Makarsksa (230 km)
9. Makarska – Mucici (470 km)
10. Mucici – München (500 km)
11. München – Stuttgart (250 km)
12. – Puffer
13. – Puffer
14. – Puffer
15. – Puffer
16. – Puffer
17. – 17.4. :: Gründonnerstag

Jedenfalls wollen wir vor Gründonnerstag aus dem deutschen Osterverkehr verschwunden sein.

Einzelheiten

Di.e. Strecke ist uns natürlich nicht gerade unbekannt ;-) – Deshalb wagen wir ein paar neuer Wege oder zumindest welche, von denen wir vermuten, sie könnten mittlerweile befahrbar sein. Das ist in Albanien noch immer ein Abenteuer.

Meganisi ist diese kleine Insel neben Lefkada, wo wir sehen wollen, wie das Paradies im Frühjahr aussieht.

Gjirokaster und Berat sind von Sarande aus unsere ersten Ziele in Albanien. Diese Orte sind seit 2005 bzw. 2004 zurecht Weltkulturerbe; wie wir lesen, geraten sie aber wohl auf die Rote Liste der gefährdeten Objekte, weil zu wenig getan wird zu ihrer Rettung bzw. Erhaltung getan wird. Wo sollte in Albanien das Geld auch herkommen?

Auch Tirana wollen wir endlich mal Wiedersehen. 2006 waren wir da zuletzt. Es wird also Zeit, die Veränderungen zu besichtigen… Nebenbei: Albanien und Kroatien sind NATO-Mitglieder, seit 2009.

Anlässlich der derzeitigen Lage ist Nachlesen vielleicht empfehlenswert.

Das aber nur »nebenbei«. Was mir gerade auffällt bei der Suche nach den Links: 2006 und 2007 waren noch Jahre, in denen es nicht oder nur ausnahmsweise möglich war, unterwegs ein Internetcafé o. Ä. für einen Bericht zu finden, von WIFI in den Unterkünften ganz zu schweigen; oft waren dann dort auch die Tastaturen ohne Umlaute. Heute hat man dagegen auf der Paralia in der Chora von Naxos überall Internet. Überall. Spendiert von der Gemeinde. In den Restaurants und Cafés natürlich sowieso. Weshalb die ihre Netze mit Passwort »sichern« kann ich mir daher nicht so recht erklären. Internetcafés? Gibt’s, ja als Spiel- und Zockerbuden. Das geht auf Smartphones nämlich nicht so richtig.

Ach ja, Smartphones. Sie erinnern mich an die Zeiten, als ich die ganzen Westernfilme sah. Da legten die Helden ihren Colt vor sich auf den Tresen bevor der Wirt ihnen ein Glas Whiskey hinschubste. Heute legt man das Handy vor sich auf den Tisch. Und steht dann der Kalte Kaffee (‘tschuldigung: der Frappé) vor einem, dann wird getadelt – er kann ja nicht noch kälter werden, der Frappé…

Aber das alles, wie gesagt, am Rande.

Der Rest der Strecke…

…ist dann wohl eher Routine: Immer wieder Erinnerungen, wo es schon mal besonders schön war, da schauen wir dann vorbei. Und Neues wird es sowieso immer wieder geben. Zum Beispiel fahren wir dieses Jahr das erste Mal durch Kroatien als EU-Mitglied. Ob man das bemerkt? Ob die »Heldenplakate« immer noch überall hängen, mit den Konterfeis derer, die Den Haag suchte oder immer noch sucht?

Wir werden berichten

Wi.e. gewohnt, hoffe ich, mit Frühlingsbildern aus den Albanischen Bergen, der Blauen Adria (der echte, Mittelpunkt Europas krallen.

Ach so: Was so war seit November letztes Jahres?

Ja, das ist ein Trauerspiel. Aber vielleicht komme ich ja noch dazu: Wanderungen, Spaziergänge, Nikolauswetttauchen, Weihnachtsfeiern, Dreikönig, Namenstag-Kirchen-Feste, ein literarischer Abend im Kastro, Nationalfeiertag und, und, und… Und – klar – Karneval!

Links:

 
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