Europa2010: 26. Tag, Narva-Karjamaa (Peipsi)

29. Juli 2010

Donnerstag, 29.07.2010, 22:49:59 :: Erholungszentrum “Suvi” (Sommer), mittlerweile nach einem kräftigen Regen

Nein, wir sind noch nicht erfroren. Das geht nicht bei diesen Temperaturen. Mittlerweile sind wir aus den Wäldern an der Ostsee heraus, Bremsen sind nicht mehr das Problem. Aber die Hitze hält an und macht nicht nur mir zu schaffen; Lis könnte auf die wohlige Wärme mittlerweile auch verzichten.

Über die letzten beiden Tage…

…wir noch zu berichten sein. Nur so viel: Wir fand wunderbare Plätze für die Nacht, sie hatten nur zwei kleine Nachteile, die jede überflüssige Tätigkeit verhinderten: Die Zimmer waren heiss, wer unbedacht lüftete bekam die volle Moskitodröhnung. Es blieb uns nach dem Aufreissen des Fensters jeweils nur die Flucht unters schnell montierte Moskitonetz und der Versuch, irgendwie zu schlafen. Das eine oder andere Bein war dann irgendwann doch ausserhalb. Ergebnis: Vielfach zerstochene Fesseln und Waden…

Jwedenfalls: Haapsalu war eine Wucht, die Fahrt entlang des Finnischen Meerbusens auch, Narva heute Morgen z.T. nicht minder. Zu allen diesen Stationen ist einiges zu berichten, Bilder werden reichlich geboten werden. Aber erst, wenn wir wieder in Raudondvaris sind. Die Hitze lässt meinem Gehirn nur geringwertige Tätigkeit am Abend zu: Abendessen, viel trinken, Bilder auf den Rechner, Statistik auf den Stand bringen. Das war’s dann.

Wir nächtigen heute am Nordufer des Peipussees. Es war wohl eine ex-sozialistisches Kinder- und Jugenderholungsstätte, die langsam heutigen Standards angepasst wird. Die Zahl der Gäste lässt allerdings die Hoffung nicht keimen, dass das besonders schnell gehen wird. Der Versuch des Wetters, hier ein Gewitter zu inszenieren, misslang gründlich: Es wurde nur ein Regenschauer mit geringem Abkühleffekt.

Aber:

Alle Fenster haben Fliuegengitter, man kann also alles aufreissen, ohne im Moskitoschwarm unter zu gehen.

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Europa2010: 23. Tag, Kärdla – Haapsalu

26. Juli 2010

Montag, 26.07.2010, 20:59:07 :: Haapsalu, Hotel Kongo, bei Schwüle und mittlerweile Regen

Vorbemerkung: Mir sind zwei unfertige Beiträge entflogen, bitte nicht verwirren lassen; sie werden noch gefüllt!

Wir sind in Haapsalu

Wir sind also wieder auf dem Festland, wenn man Europa so bezeichnen darf. Die Überfahrt mit der Fähre von Heltermaa auf Hiiumaa nach Rohuküla dauert ca. 1,5 Stunden, das ganze bei dunstigem und schwülen Wetter und in offenbar sehr enger Fahrrinne. Die Baken zur Markierung der Durchfahrt stecken so nah beieinander,…

…dass auch ein erfahrener Kapitän sehr genau zielen muss. Die Geschwindigkeit sinkt dabei von ca. 20 km/h auf 12.

Frühbucher…

…dürfen als erste drauf

Neben obligatorischem Heringsbrot mit Ei wird auf länferen Überfahrten auch schon mal ein Salat fällig.

Und aus lauter Langeweile (kein Internet!) wird mit der Canon rumgespielt. So was kommt dann dabei heraus.

Aber auf der Fahrt zum Hafen machten wir zunächst noch ein paar Umwege; wir hatten Zeit, das Boot ging erst um 14:30 Uhr.

Die estnische orthodoxe Gemeine scheint im Gegensatz zum Festland nicht sehr gross oder wenigstens pekuniär potent zu sein. Sonst dürfte die Kirche bei Kuri so nicht in der Landschaft stehen.

Gewiss, die lutherischen Kirchlein könnten hier und da auch eine renovierende Hand gut vertragen, aber sie leben, sie werden genutzt.

Verfolgungswahn

Dazu kam es dankswerter Weise denn doch nicht. Aber das Geschlecht der Ungern-Sternberg verfolgte uns ständig auf Hiiumaa und (bisher) einmal gleich nach der Weiterfahrt von Rohuküla nach Haapsalu. Zunächst aber bestaunten wir das Gut Suuremõisa bzw. seine Reste. Eine Sternberg-Witwe liess es für sich und ihre Söhne 1760 errichten. Es gilt als das schönste Barock-Herrenhaus Estlands. Das mag man gerne glauben.

So sah es da wohl aus, als man schon fotografieren konnte:

Die früheren Stallungen haben eine moderne neue Nutzung erfahren:

Kirche von Pühelepa

Gleich in der Nachbarschaft steht die Kirche von Pühalepa aus dem 13. Jahrhundert. Die Erklärungstafel weist sie als das älteste Gebäude Hiiumaas aus. Das hinwiederum scheint eine Verkürzung zu sein. Steingebäude vielleicht…

Und gleich auf dem Festland…

…dann das hier:

Eine veritable Superruine schönster Bauart und Gestaltung. Gehörte auch den Sternbergs.

Ebenso begegnen wir wieder den Hinterlassenschaften der Bischöfe von Wiek-Ösel, denen wir ja bereits in Kuressaare auf Saaremaa in der Gestalt einer wunderbar erhaltenen/restaurierten Bischofsfeste begegnet waren. Hier in Haapsalu liessen sie die erste Festung bauen, ehe sie sich auf die Insel verzogen. Wie gering doch die Überzeugungskraft einer Kirche ist, die solche Mauern braucht um sich vor ihren Schäflein zu verkriechen…

Hier in Haapsalu wirk alles etwas brüchig, verfallen, unwirklich und leer. Die Häuser sind meist aus Holz und bilden z.T. schöne Ensembles; dennoch wirkt alles etwas morbid rund um die Bischofsfestung, die selbst in erbärmlichem Zustand ist.

Nostalgie im Digitaldruckkleid

Unser Hotel liegt in dieser Gegend und ist wohl ein erdenschlecht renovierter Altbau. Aber sei’s drum: Es ist ok. Das Abendessen vor einer kleiner Gaststätte im Freien war lecker, wir sind soweit schoin zufrieden. Nur: Wo ist das Leben? Das Zentrum, das Kurhaus, der Strand?

Das steht dann morgen früh auf dem Program wenn’s nicht zu schlecht ist, das Wetter…

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Europa2010: 21./22. Tag, Kärdla

25. Juli 2010

Sonntag, 25.07.2010, 23:57:18 :: Padu Hotell, mit Moskitos

Hotel und Arbeitsplatz daselbst

Nzur kurz: Gestern Regen, nur bedingt aussenaktiv. Dafür Bilder und Texte be- und erarbeitet, Einkaufszentren besichtigt, Lutherische Kirche am Ort; die schwedischen Einflüsse sind immer wieder sichtbar.

Regen. Bei Klick wird der Blick klarer

Wir haben ausserdem die Fähre nach Haapsalu für Montag Nachmittag gebucht. Am Dienstag geht es also dann via Tallinn in die Nationalparks im Norden Estlands und weiter nach Narva und an den Peipussee.

Heute, Sonntag, war es wieder heiss, aber bis auf die Bremsen erträglich. Wir haben die Insel inspiziert, die tatsächlich vorwiegend aus Wald besteht,

im Inneren aus Heide und Sümpfen, aber ein paar interessante Stellen aufweist: Leuchttürme, »Berge« (ca. 60 m hohe Uraltdünen),

  

einen Kreuzberg, fast wie in Siauliai in Litauen

Wald bis ans Wasser

Schwedische Kirche

Der Kreuzhügel

Mit dem Kreuzhügel hat es die Bewandnis, dass die Schweden im 18. Jh. nach der Übernahme Hiiumaas durch Russland, von hier aus vertrieben wurden; in ihrer Not steckten sie Kreuze im Wald. Dieser Brauch hat sich bis heute erhalten.

Leuchtturm und Gedenkstätte für die gesunkene »Estonia« bei Tahkuna

Der älteste Leuchtturm des Baltikums bei Kõpu

Dort gibt es auch wieder ein Café mit Internet und vielen jungen Leuten, häufig mit Kindern.

Bleibt noch der letzte Leuchturm,…

…ganz im Westen bei Ristna.

Links:

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Leckeres aus dem Meer

24. Juli 2010

Im Freitag kommt ein Bericht über die Fahrt der Plastiki. Die Ähnlichkeit mit »Kon-Tiki« ist gewollt.

Heide und Erich Wilts berichten ebenfalls von den Müllstrudeln im Vogelparadies des Midway-Atolls.

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Europa2010: 17. Tag, Pärnu-Randvere/Saaremaa

24. Juli 2010

Samstag, 24.07.2010, 15:41:49 :: Kärdla auf Hiiumaa, Regen und starker Wind, aber nicht kalt :-)

Montag, 26.07.2010, 10:11:19 :: Kärdla, Padu Hotell. Nicht vollständig, aber durchaus lesbar.

Mit Netz und doppeltem Boden

Eigentlich wollten wir ja noch mal zurück nach Pärnu, leckere Kringel essen in der Bäckerei Soorikud in der Pühavaimu iela. Die kennt jeder in Pärnu, eben wegen der Kringel, versicherte mir gestern verstädnisvoll lächelnd mein Gesprächspartner. Aber irgendwie war uns nach Strandspaziergang und akzeptablem Frühstück nicht so nach süss.

Strand am frühen Morgen

Viel mehr beschäftigte uns die Frage, wie viel Sandpiste uns wohl erwarten würde, wenn wir »durch die Wildnis« nach Virtsu, dem Fährhafen nach Saaremaa, fahren würden. Und wieviel wir uns und den Stossdämpfern vom Senfle zumuten sollten. Das Kartenmaterial wie immer uneinheitlich. Wir befanden, dass wir eben im Zweifelsfall umkehren und reumütig die Hauptstrassen fahren würden.

letzter Blick zurück

Alles umsonst

Was wir fanden, waren fast durchweg geteerte Strassen; teilweise ob der Hitzte schon sehr aufgeweicht, irgendwann schmatzelten die Reifen und sammelten den Rollsplit. Ansosten: Viel Wald, Naturschutzgebiete, orthodoxe Kirchen und Wolken…

Wolken…

…in diesen flachen Ländern sind ein Thema für sich, man kann sich nicht satt sehen an den Türmen, Flauschkissen, bizarren Gebilden, die teils unverrückbar scheinen, teils so schnell zerfliessen wie sie entstehen.

Von Virtsu nach Kuivastu…

…auf Muhu geht die Fähre; auf die mussten wir nicht lange warten. Zwei Schiffe pendeln hin und her.

Lis füttert aus Langeweile die Möwen mit unseren letzten leckeren Vollkornkeksen.

Nach Saaremaa fährt man auf einem nicht-seemännischen Deich. Was schade aber kostenlos ist.

Die Insel Muhu…

…erreichten wir also ohne Mühen.

Dann allerdings beginnt das Drama, als ich dem Bubi (unser GPS-Tracker) das nächste Ziel eingeben will. Fehlanzeige. Bubi ist weg. Es kommt mir wie ein Blitz: Bubi liegt oben in der Bar auf der Fähre. Die wird schon wieder für die Rückreise gefüllt. Ich raus und im Dauerlauf bei voller Hitze zurück zum Schiff; das sind immerhin 800 bis 1000 Meter. Den Kontrolleurten erklärt, hoch die Treppen und – die Bedienung an der Bar hat ihn verwahrt den Bubi…

Schnaufend, die Atemfrequenz langsam senkend, klatschnass, trete ich den Rückweg an.

Muhu lädt nach einiger Erholung und ausgedehnter Trocknungsfahrt dafür mit ein paar interessanten Sehenswürdigkeiten zum Verweilen. Da ist zunächst Pädaste, ein ehemaliges Herrenhaus in einem vornehmen Park, direkt am Meer. Das Anwesen dient heute als Hotel der Superklasse; nur die Tatsache, dass wir keine Kronen mehr hatten und das Mädel unsere Euros nicht wechseln konnte, verhalf uns zu kostenlosem Zutritt und Besichtigung des Parks.

Dann wäre da noch das Kirchlein in

Ausserdem besuchten wir das Dorf Koguva, das ebenfalls einen berühmten estnischen Schriftsteller, Juhan Smuul, für sich reklamiert (s.a.w.u). Das Dorf ist gewissermassen ein Freilichtmuseum mit mit lebenden Einwohnern, die die wenigen Touristen hier wohl zu ertragen akzeptiert haben.

Tja, was wären wir Leser ohne Schriftsteller…

Selbst einen alten kleine Hafen hat das Dorf. Wer dem Track in GoogleEarth folgt findet diesen Weg:

Randvere

Das Gästehaus Aavikunurga fanden wir zufällig, weil wir ein Hotel suchten, das nicht (mehr) existiert. »Randvere« heisst »Nah am Meer« lerne ich. Gut, so 1 bis 2 km sind’s noch bis dahin…

Der Sprachwissenschaftler und Schriftsteller Johannes Aavik wurde hier geboren. Ein Gedenkstein steht im Garten des Ferienhofs.

Wo wir da gelandet waren, erfuhren wir so nach und nach, als wir die Besitzerin, Ülle Purga, über die Herkunft und Bedeutung die vielen Gemälde und Handwerksarbeiten befragten, die alle Räume schmückten. Nicht zuletzt fragten wir uns, warum unser Zimmer »Meteora« hiess und mit allerlei Zierrat griechischer Herkunft samt dem Meteoraband von Merian geschmückt war.

Sie hat viele Jahre in Ländern des Balkans und insbesondere in Tadschikistan gearbeitet. Griechenland sei damals das zivilisierteste Land auf dem Balkan gewesen, um mals auszuspannen von Albanien aus. Wir unterhalten uns kurz über den Müll in Albanien, über die Herkunft und Bedeutung all der Dinge an den Wänden. Mehr Zeit blieb nicht. Als wir uns verabschieden wollten, war sie schon wieder unterwegs. Wenn man im Internet sucht, wird ihr Name mehrfach im Zusammenhang mit Minderheiten in der postsowjetischen Sphäre erwähnt (Beispiel). Schade, es hätte sicher interessante Gespräche werden können.

Zum Abendessen gab’s nur das Beste und Frischeste aus dem Garten. Wildschwein, tags zuvor erlegt. Fische vom Grill schafften wir nicht mehr.

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Europa2010: Nachtrag zu Saaremaa

24. Juli 2010

Zum Artikel »17. Tag« gibt es Nachträge und die
Fotogalerie zum »Ende des Universums« auf Picasa.

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Europa2010: 19. Tag, Kargi – Käina (Hiiumaa)

23. Juli 2010

Samstag, 24.07.2010, 10:43:43 :: Kärdla bei (Fast-)Regen

Die Herberge, auf die wir gestern Abend in Sääre aufmerksam wurden…

…entpuppte sich als wahre Perle:

Mitten im tiefen Wald auf einer Lichtung, keine Strasse weit und breit, Bremsen & Moskitos zuhauf; aber alle Fenster fein säuberlich mückendicht vergittert, so dass man Durchzug machen kann. Das freundlich Wirtspaar radebrecht Deutsch und Englisch, sie kocht und backt fantastisch, das Frühstück ist überreichlich.

Die Innenausstattung mutet nostalgisch an; es passt alles zu einander. Wir sind hier in einer anderen Welt.

Von dort also starteten wir bei bereits wieder Bruthitze,…

…umringt von Bremsenheeren zur letzten Saaremaa-Tour; dass wir abends in Hiiumaa sein würden, wussten wir da noch nicht.

Eine gesprächige Hamburgerin versorgte uns mit allerlei Insidertips zu den Inseln, zu Narva, Tartu und den Peipussee; sie bereist das Baltikum wohl intensiv seit Jahren. Sie prägt auch den Satz, dass nicht die Hitze sondern die Bremsen das Problem sind. Man kann nur bei geschlossenem Fenster im Auto verharren; ohne Klimaanlage umgehend ein Garvorgang.

Also fahren!

Das allerdings war an diesem Morgen bereits mit abenteuerlichen Ahnungen und Befürchtungen befrachtet: Benzin gibt es nur in Kuressaare, knapp 50 km bis dorthin. Also keine Experimente, erst tanken! Das grässliche rote Warnlicht der Reserveanzeige sagte es deutlich.

Und nachdem der Tiger wieder im Tank war konnten wir uns unbesorgt um Festung, Kurhaus, Villen und Innenstadt kümmern. Alle Bilder dann gelegentlich auf

[PICASA]

Lis habe ich zurück gelassen

Sie hat sich kurzerhand für ein Leben hinter Gittern entschieden.

  

Die bischöfliche Festung ist ein Universalmuseum zu Geschichte, Geololgie, Archäololgie und Geisterklamauk für die Kinder.

  

Die Bischöfe…

…waren sehr ängslich; das zeigt nicht nur der Festungsbau. Selbst innerhalb ihrere Gemächer schlossen sie sich nächtens freiwillig weg, aus Angst, ermordet zu werden. So viel an dieser Stelle zur Geschichte der Chrisianisierung Osteuropas. Dass uns in Deutschland Mixa weiter auf der Tasche liegt hat also hinreichend Tradition, um als unumstössliches Recht zu gelten.

So voll und ganz haben wir uns dem Museum dann doch nicht hingegeben; zu heiss. Daher war ein WI-FI-bewehrtes Café in der Stadt der richtige Auffangghafen nach dem Gestöber in Schwertbrüder- und Bischofsangelegenheiten;

Quelle: Wikipedia

dass die Klimaanlage als Quelle allen Lebens in diesen Tagen im anderen Gastraum angebracht war, habe ich leider erst am Ende unseres Aufenthalts festgestellt. Man sollte einfach früher zur Toilette gehen…

Stadtbesichtigung

Der Gang durch die Strassen geriet kurz; ich wiederhole mich ungern, aber zu heiss.

Fazit: Ein nettes Städtchen mit reizenden Strassen und Häusern, vor allem wenn aus Holz. Nach kurzer und erfolgloser Suche nach einer Unterkunft (Kammermusik- und Opernwochen!)

entschieden wir uns für den Abgang nach Hiiumaa, nicht ohne noch einige der schönen Stellen an der Nordküste abzuklappern; die gibt es zuhauf. Und uns für den Fall der wilden Übernachtung mit Proviant zu versorgen. Das ist das A&O. Wer erinnert sich?

Manche Marken sind unverwüstlich; wie der KONSUM später hier in Kärdla. Jedenfalls waren wir mit allem Notwendigen gerüstet und zu allem bereit als wir an die Nordküste fuhren. Würde das Wetter halten? War Zelten möglich? Würde noch eine Fähre gehen? Und dann?

Jedenfalls, hier die letzten Eindrücke

  

  

  

Und dann Panga Panks…

…die Kalkklippen, eine Korallenbank, die sich von Gotland her hier unter die Erdoberfläche schiebt, Reste eines vergangenen tropischen Meeres. An anderer Stelle kann man wohl in Petrefakten wühlen.

Ein Unwetter kündigte sich nur an; etwas Regen brachte keine Abkühlung nur noch mehr Geschmiere auf dem Auto, das mittlerweile von den Sandpisten eingepudert ist.

An der Fähre nach Hiiumaa…

…warteten wir dann eineinhalb Stunden auf die Fähre. Da wir nicht gebucht hatten, sahen wir uns zunächst schon zurück gelassen. Aber es ging alles glatt.

Und in der Abendsonne…

…erreichten wir unser Domizil; wieder durch Zufall :-)

Europa2010: 20. Tag, Käina – Kärdla (Hiiumaa)

23. Juli 2010

Freitag, 23.07.2010, 22:14:38 :: Padu Hotell in Kärdla auf Hiiumaa

Montag, 26.07.2010, 00:13:35 :: unvollständig, aber schon lesenswert

Wer die Lautverdopplungen im Estnischen kapiert oder zumindest akzeptiert hat und sich dadurch Ortsnamen u. Ä. vielleicht merken kann, ist fein heraus.

Hiiumaa…

…ist die dritte der estnischen Inseln, die wir derzeit besuchen und seit heute kann ich mir ihren Namen merken und sie fast anstandslos richtig schreiben: zwei »i« und zwei »a«… Der deutsche Name Dagö ist jedenfalls einfacher.

Noch gestern Abend sind wir mit der Fähre von Saaremaa (auch richtig!) nach Hiiumaa übergesetzt; darüber dann vielleicht morgen, wir haben uns entschlossen, einen Austag zu nehmen in diesem einfachen aber wirklich herrlichen Hotell (im Estnischen eben zwei »l«).

Die letzte Nacht haben wir im Guesthouse Tondilossi Öömaja in Käina verbracht. Gemeinschaftstoilette und -dusche (fein zwischen Männlein und Weiblein getrennt, natürlich!), Heisswasserbereiter im Toilettenkabinett, daher heiss dort wie Sauna – aber wir lernen: Hiiumaa ist eine kleine Insel (Ausdehnung ähnlich wie Naxos), wir sind in Estland und Gast bei knapp 11.000 Einwohnern. Es gibt eine Stadt, Kärdla im Norden eben, alle anderen Orte qualifizieren sich allenfalls durch einen grossen Platz und einen Laden. Kirche scheint hier nicht Pflicht.

Ja, was tut man auf Hiiumaa…

…nach einem guten Frühstück und in Hinblick auf eine schon wieder stechende Sonne? Man lässt den Mut nicht sinken und bereitet seine Tagestour mit den bescheidenen Mitteln vor, die einem DuMont und das magere Kartenmaterial bieten. Mehr Infos gibt’s erst in Kärdla, ganz im Norden, wir aber sind im Süden. Hier liegt aber auch das Inselchen Kassari,

durch zwei Dämme mit Hiiumaa verbunden. Sie soll allerliebst sein, wie DuMont suggeriert:

Die Perle Kasssaris ist die Landzunge Sääretirp im Süden. Wie eine vorzeitliche Schlange windet sie sich immer schmaler werdend über 2 Kilometer zwischen den weissgekrönten Wellen, bis sie schliesslich im Meer verschwindet.

Dumont Richtig Reisen, Baltikum, S. 299

DuMont hat recht. Insbesondere die sich nach Süden schlangenartig ca. 3 km ins Meer windende Landzunge Kassari Sääre Tirp

lohnt den 6 km langen Spaziergang bis zu dem Punkt, wo man nun endgültig nasse Füsse bekommt, wenn man den nächsten Schritt tut: Die Schlang taucht hier ab.

Dass während dieser Zeit sich der Himmel zusehends mit Wolken behängt und der Wind auffrischt, das labt meine Seele, meinen Geist und meinen Körper. Die Bremsen hingegen werden lahmer.

Die Bremsen…

…das hier als Einschub, sind ja ein fast grösseres Problem als die Hitze die uns lahm, jene aber narrisch macht. Schon die Tage auf Saaremaa quälten sie uns sobald wir auch nur anhielten; es dauert nur Sekunden, dann sind sie im Auto, sitzen überall und stechen, wenn’s geht… Schwellungen unterschiedlicher Ausmasse und Dauer sind die Folgen, die matten Arme können die Hände gar nicht rasch genug dort aufklatschen lassen, wo gerade eine am Werk ist. Ehrlich: lieber Hitze ohne Bremsen als Bremsen mit Hitze…

Jedenfalls: Unser Spaziergang auf Sääre Tirp war diesbezüglich erträglich und erlebnismässig eine wunderschöne Angelegenheit: Pflanzen, Blüten, Beeren, Spinnen, Falter, goldene Libellen en masse…

Aauch viele kleine tote Fische, wie auf der Nachbarinsel: Im Uferbereich ist dass Wasser zu warm, die Tiere werden regelrecht gekocht.

Und in der Ferne grüsst immer Saaremaa.

Der Weg nach Kärdla…

…ist kurz, gerade mal 18 km. Die Strasse führt durch Wald und Heide. Ein verfallener Herrensitz…

…und (mal wieder) eine Windmühle liegen am Weg.

Dann empfangen uns die Schweden. Genauer: Die SEB mit protzigem Tempel auf dem Hauptplatz von Kärdla.

Die Schweden, das passt gerade, herrschten hier bis 1710, wurden dann vom Zaren deportiert oder zwangsweise verestnet. Jetzt sind sie wieder da: Mit Kies geht eben alles. Sie sorgen sich aber auch ein wenig um die Kultur.

Dort auf dem Platz steht auch – unübersehbar – die Touristeninformation, die uns all das Material beschert, das wir nun lesen dürfen.

Der Tip für’s Hotel stammt auch von dort und schon passt alles: Die Temperaturen, das Hotel, ein KONSUM-Markt vom Feinsten direkt daneben (s.u.) – wir bleiben zwei Tage und schauen uns den Rest von Kärdla aus an.

Ach ja:

Der KONSUM hat meinen Saft…

…aus La Palma. Wir überlegen uns, zu bleiben – Europa ist doch überall (gleich, ähnlich, anders)…

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Europa2010: 18. Tag: Randvere-Kargi (Saaremaa)

22. Juli 2010

Mittwoch, 21.07.2010, 23:18:35 :: bei Kargi, im Süden von Ösel, tief im Wald

Wie wir gestern auf Saaremaa (ich schreibe zuweilen Ösel, den deutschen Namen, der ist kürzer…) gelandet sind, wie ich zum Leistungssportler wurde, wie wir Ülle Parga kennen gelernt haben und wie die Meteora-Klöster auf die Insel kamen – all das ein ander Mal, wenn wieder mehr Zeit ist. Und vor allem: Ein hinreichend schnelles, funktionierendes Internet. Denn Estland und Technik hinj oder her: So ganz klappt’s doch noch nicht überall.

Heute durchschweiften wir Ösel

Die grösste der estnischen Inseln (eine andere kennen wir noch nicht) ist einerseits anmutig gelassen und ruhig. Wenige richtige Dörfer oder gar Städte durchfährt man. Wald dagegen fast nur, zuweilen unterbrochen durch heideartige Brachen, irgendwo im Wald oder hinter hohen Hecken versteckt liegen die Häuser, oft sich nur durch einen Briefkasten vorne an der Strasse verratend. Asphaltiertes wechselt mit Sand- und Kiespisten; Wo laut Karte Kies kommen soll, ist wunderbar asphaltiert; umgekehrt aber leider auch.

Diese zuweilen als Eintönigkeit erlebte kilometerlange Naturbelassenheit wird unschön unterbrochen, wenn man Kuressaare erreicht, die Hauptstadt und offenbar Schicki-Micki-Zentrum. Aber nach der ersten Flucht aus dieser mit üblichen Café-, Fress- und Shoppingmeilen versehenen Stadt, die in den wenigen Nobelhotel keine Zimmer mehr frei hat, haben wir uns heute Abend nach nochmaligem Studium der Reise- und Touristikunterlagen doch entschieden, morgen einen Rundgang zu wagen; es sind Kammermusiktage und touristische Hochsaison, wir verzeihen der Stadt und kehren nochmal zurück…

Der Bischofspalast und die schönen alten Häuser reizen uns dann doch.

Sehenswertes

Ansehen soll man sich ja vieles, wenn man Reiseführern, Touristikbroschüren und Wegzeichen Glauben schenkt. Dazu würde man z.T. im Zickzack die Insel durchqueren. Einiges bleibt dann aber selbt dem suchenden Beifahrerblick verborgen oder wird wegen erneuter Holperstrecke gemieden. Anderes taucht auf, ohne dass man es eingeplant hätte. Wie z.B. dieser Windmühlenpark.

Einiges muss aber denn doch sein. Der Meteoritenkrater bei Kaali zum Beispiel. Ok., der Brocken, der im Nördlinger Ried einst runterkam und ein Loch schlug, war grösser als der hier auf Ösel. Vorteil hingegen ist, dass man ihn unmittelbar sehen, ja anfassen und in ein paar Minuten umwandern kann. Das dauert in Nördlingen etwas länger.

Badefreuden

Nach derart tief in die Vergangenheit zurück führenden Exkursionen und mit zusätzlichem Wissen im angeschlossenen Museum mit nicht funktionierendem Wi-Fi (!) versorgt, war uns nach einer Abkühlung in der Ostsee zumute. Also an die Nordküste.

Auf dem Sandweg dorthin…

…fällt dann auch wieder ein ungeplantes orthodoxes Kirchlein an (warum in Estland fast nur russisch-orthodoxe Kirchen stehen, hatte ich an andere Stelle erzählt).

Ans Ende des Universums…

…gelangt man, wenn man ganz in die Südswestpitze nach Sääre fährt. »Boring« vermeldet Lis irgendwann auf diesen 40, 50 Kilometern Wald, auf denen sich keine vernünftige Unterkunft finden lässt, fast kein Gegenverkehr geschweige denn ein Überholmanöver uns aus unseren zusehends abstumpfenden Naturbetrachtungen reisst und das angekündigte russische Ehrenmal unauffindbar bleibt (im 2. WK bekämpften sich hier deutsche und russische Truppen). Wir entscheiden uns, dennoch ganz bis an die Südspitze zu fahren – wenn schon denn schon. Und ich witztle noch über ein Restaurant, das uns dort erwartet und uns zu einem opulenten Abendessen verhelfen wird.

So landeten wir also am Leuchtturm von Sääre,…

…umgeben von bizzaren Hinterlassenschaften der vermutlich russischen Armee, die hier wohl als vorgeschobener Horch- und Schauposten…

…des Nachzarenreiches darüber wachte, dass niemand ungefragt in die Bucht von Riga schipperte. All das sei hier in der Galerie zusammen getragen.

Das Restaurant am Ende des Universums…

…kennt jeder, der Per Anhalter durch die Galaxis kennt. Wer nicht, der muss dach Sääre fahren. Dann weiss er es:

Es gibt dieses Restaurant tatsächlich!

Hier in Sääre auf Ösel, am Fusse des Leuchtums. Und es gibt dort eine umfangreiche Speisekarte,

was zu Essen und zu Trinken, samt Eisbecher mit Erdbeermarmelade.

und nette Mädels, die Englisch können, aber Palun! sagen und sich über unser Tänan! freuen.

Last but not least…

…bekommen wir dort auch den entscheidenden Hinweis auf die Mücken- und bremsenfreie Herberge, tief im Wald…

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Europa2010: 16. Tag, Riga – Pärnu

20. Juli 2010

Wir haben heute festgestellt, dass wir das erste mal von Süden nach Norden durch Estland fahren; die Gegenrichtung hatten wir ja schon zwei mal, zuletzt 2008. Und da wir nach dem Wahnsinnsunwetter (davon dann an anderer Stelle) gestern Nachmittag heute sehr verhaltnen Temperaturen hatten, konnten wir auch wieder ein wenig gelassener reisen. So zuckelten wir gemächlich nach Norden, liessen kein Dörfchen aus, kein Städtchen, keine Kirchlein…

…keinen Hafen,

keinen Sandweg, der an die Ostsee oder wenigstens ins Ried führte.

Einige der Wege mieden wir nach anfänglichen Versuchen aber dann doch; zu viel Minipli auf den Wegen. Sprich, der arme Senfle wird dann auf diesen kleinen engen Bodenwellen so durchgerüttelt, dass einem bang wird. Und dann kehren wie lieber um und verzichten auf die Roten Felsen am Ufer oder den einen oder anderen Riesenfindling. Schwimmen war auch weniger angesagt; viel Algen, Wind, der einem alles entgegen treibt…

Die unspektakuläre Grenzüberquerung von Lettland nach Estland lässt uns wieder revue passieren, was es noch vor einigen Jahren für ein Theater war, ohne ein irgend wie geartetes Handgeld über die Grenze zu kommen bzw. nachzuweisen, dass einem das eigene Auto auch wirklich gehörte.

Gutmannsgrund

In Häädemeeste besuchen wir die multireligiös genutzte, eigentlich orthodoxe Kirche wieder,…

…Selma’s Privatbäckerei im Hinterhof…

und das örtliche Museum, in dem wir u.a. einiges über den Schiffbau hier erfahren.

Die Häädemeester Drei- und Viermaster fuhren von hier rund um den Globus.

Bei der Gelegenheit: Estnisch benutzt noch mehr Umlaute und Lautverdopplungen als Finnisch; absoluter Weltmeister. Wie man lernen kann, wann was verdoppelt wird in einem Wort – es ist das Problem der Esten. Wir begnügen uns derweil mit einfacheren Ausdrücken:

Bitte = Palun
Danke = Tänan
eins = üks
zwei = kaks
drei = kolm

Wir landeten wieder auf dem Zeltplatz wie 2008 ausserhalb von Pärnu, diesmal aber nicht zum Zelten, ein Zimmer mit Waldblick (im Gegensatz zum ausgebuchten Seeblick) war uns lieber; dass es dieses Gasthaus war, merkten wir aber erst, als wir ankamen. Für 38€ inklusive Frühstück (wir sind gespannt!) nächtigst man hier, Moskitos inklusiv. Das Netz als Garant für nervenschonenden und stichfreien Schlaf haben wir als erstes aufgehängt.

Das Zimmer hatte uns ein Bekannter vermittelt, den wir in Pärnu zu einem Plausch getroffen haben und der uns ein wenig über estnisches Befinde, den nahenden Euro etc. erzählte. Von ihm wissen wir übrigens auch, dass die meisten estnischen Sommer allenfalls »Scheiss Skiwinter« sind. Dieser 2010-Sommer allerdings wird als richtiger Sommer wohl allgemein akzeptiert.

Das Hotelchen Doberan dürfte i.Ü. einmes der ganz wenigen, wenn nicht das einzige, Hotel Estlands sein, das direkt am Strand liegt, Wasser gewissermassen direkt an den Füssen. Es bestand wohl vor einer gesetzlichen Regelung, dass nur in bestimmtem Abstand gebaut werden darf, schon ein Kiosk a dieser Stelle. Den hatte sich vor 2, 3 Jahren das Meer geholt. Und nach altem Recht durfte der Campingplatzbesitzer den wieder aufbauen; dass er etwas grösser geriet diesmal, das hat wohl niemanden gestört. Und dass uns vor zwei Jahren das Gebäude so funkelnagelneu vorkam – jetzt wissen wir warum.

Internet…

…ist in Estland i.Ü. allgegenwärtig. Niemand würde hier verstehen, warum ein Café, ein Hotel oder ein Einkaufszentrum kein WLAN zur freien Verfügung bereit hält. Im doofen Deutschland, dem Land des technologischen Fortschritts, der ja angeblich unsere wirtschaftliche Lebensgrundlage und Überlegenheit sichert, ist da ja bekanntlich Fehlanzeige…

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