* Rund Europa 2015 (1), 1. Tag: Naxos – Piräus

Mittwoch, 25.03.2015 :: Piräus
Samstag, 28.03.2015, 18:31:57 :: Galanado

Eine Überfahrt wie jede andere

Oder – eigentlich doch nicht. Normalerweise toben da junge Leute, Touristen durch die Gänge, übers Deck. Aber es war leer, diesig und leer. Nur de Raucher, die sassen im Heck auf Deck. Nach Paros holte ein Matrose (nennt man de Mannschaftsmitglieder noch so?) sogar die schöne neue Griechenflagge ein und knuddelt sie in die Blechschatulle nen dem Mast.

Das war’s dann auch

Reinard kam nur bis Piräus, Ecke Psarron – Papastratou. 10 Minuten, war ich vom Schiff runter, da krachte es, das Senfle stand, zog ein grässliche Schnute, und ein wütender, kaum zu bremsender kräftiger Grieche tobte um das Auto herum und hämmerte an die Scheiben.

Ich wage nicht auszusteigen, fühlte mich bedroht. Wer Griechen nicht kennt, wäre vor Angst gestorben. Trotz Schock rief ich Maria, unsere Freundin in Naxos an, reichte ihm nach kurzer Schilderung das Telefon und sie hat ihn dann wieder flach gebürstet. Alles verlief danach in geordneten Bahnen und in griechischer Harmonie. Er brachte mir ein Flasche Wasser und besorgte mir irgendwo einen Prepaidbon – das Handy war mittlerweile leer.

Ich hatte ihm formal die Vorfahrt genommen, sah ihn aber nicht kommen, statt eines Stoppschildes stand auf der rechten Strassenseite ein weisses Schild, dass zwar die achteckige Form aber nichts drauf hatte, links drüben, ausserhalb des normalen Gesichtsfeldes, stand ein…

Nun ja, seine Frau hätte nach rechts ausweichen können – es war genügend Platz – und was der Konjunktive mehr einem so kommen, hinterher: Ich hätte nicht auf die Kreuzung fahren dürfen. Fertig.

Mal wieder in Piräus

  • Was uns 2008 kurz vor der Fähre passierte
  • passierte heute kurz nach der Fähre.
  • Fuhr uns damals an der Ampel stehend einer hinten drauf
  • fuhr ich diesmal einem in die Seite.
  • Wo wir damals länger als zwei Stunden – in der Gluthitze den Verkehr regelnd – auf die Polizei warteten
  • waren sie diesmal schon nach einer gefühlten Stunde da und er fing an zu regnen.
  • Und wo ich aus unerfindlichen Gründen und trotz völliger Unschuld trotzdem den Schaden nicht von der gegnerischen Versicherung erstattet bekam
  • kann ich auf so was nun gar nicht hoffen: Formal war ich Schuld. Vorfahrt nicht beachtet, weiss der Teufel, warum, wieso und überhaupt.

Ein Lob auf den ADAC

Das muss gesagt werde, deren Umsicht und Schnelligkeit, Abschleppdienst und am nächsten Tag Werkstatt zu organisieren, das hat mich beeindruckt, ja gefreut. Endlich mal was, was klappte; sie hätten mir sogar ein Hotel besorgt, bis 85€ und auf deren Kosten, wenn ich das in dem Durcheinander richtig verstanden habe. Dass ich da innerhalb einer Stunde oder so 25€ vertelefoniert hatte, ist eine andere Geschichte.

Lletztlich landete ich als Beifahrer, das Senile hinten auf der Ladefläche, wieder am Hafen und im HHotel Delfini, 30€ und wer sich nicht fürchtet, ist dort gut untergebracht; aber Fernseher oder Telefon funktioniert weiss ich nicht.

Totalschaden oder Reparatur?

Diese Frage war schnell geklärt, nachdem der ADAC mir die Adresse der Renault-Werstatt in der Nähe zuge-SIM-st hatte und ich, da Regen, dort für 8 € mit dem Taxi ankam und kurz darauf der Abschleppwagen das Senfle auf die Kreuzung rollen liess. Die Mechaniker machten sich mit Fäusel, Brechstange und rohen Muskelkräften an Werk, nach ein paar weiteren Griffen sprang der Motor an und Senfle wurde in ein sicheres Verliess gebracht – der ganze Reisekram ist da ja drin. Doch, klar, das kriegen sie hin, nur Blech, Glas und Plastik, ganz ruhig bleiben, zwinkerte der Chef.

Ich ging erst mal »frühstücken«, in einer ursprünglich wohl als Strasse vorgesehenen Grossbaustelle mit allem was Lärm macht, zum Beispiel dieser Grossmeisel, der alles erzittern lässt; und alles bei Nieselregen. In einem Eckcafé tauche ich dann ein in die arme piräische Welt der Rentner, der Hoffnungslosen, die hier vor Wasser oder einem Kaffeechen sitzend auf die Glitterwelt auf dem Fernseher starren. Manche unterhalten sich lähmend langsam in Bewegung und Ausdruck. Nichts von lärmenden Griechen mit grossen Bewegungen. Es passt nicht zur deutschen Zeitungswirklichkeit – ich weiss das, aber mittendrin ist nochmal anders.

Später reicht es dann im Art Café (hiess es so?) zu einem Sesamkringel, ehe ich zurück gehe zur Werkstatt. Dort hat man die Aufstellung von Neuteilen und Arbeitszeit fertig und erklärt mir alles haarklein. Ich schalte wieder Maria ein. Sir beruhigt mich: Alles in Ordnung. Auch die ca. 1.800 € findet sie nach dem griechisch-typischen, ausführlichen Gespräch nicht mehr zu hoch.

Ich gehe nochmal auf zwei Cappuccino ins Art Café. Und unterschreibe dann. Und zahle an, denn Liquidität ist auch hier nicht, wo neben dem Chef noch fünf, sechs emsige Mechaniker arbeiten… Mittlerweile ist es 16 Uhr, einer der Mitarbeiter bringt mich zum Schiff, denn das möchte ich erreichen, um wieder nach Naxos zu kommen.

Was wäre gewesen…

…wenn wenigstens das geklappt hätte heute? Denn mein Nervenkostüm war durchaus zerfledert und brauchte nicht noch einen Stoss. Doch als mich der Herr am Ticketschalter fragt, für wann ich das Ticket wünsche ist es passiert: Der nächste Tiefschlag – kein Schiff heute Abend, weil Sturm da draussen. Zwölf Beaufort, höre ich am nächsten Abend, seien es in Naxos gewesen. Und unsere Stühle, selbst dierschwerden Marmorkiesel darauf seinen durch die Gegend geflogen. Ja, also dann für den nächsten Morgen, vielleicht. Ich soll meine Mobilnummer hinterlassen, ich bekomme eine SMS, falls das Schiff doch nicht loslegt, am nächsten Morgen, 7.20 Uhr…

Also, »Sto Limani«, Cappuccino. Und dann eben wieder Delfini, Wecker auf 6 Uhr und versuchen zu schlafen. Was wieder nichts wird, denn die Kommunikation mit Lis läuft zusehends aus dem Ruder. Ich sollte heute Abend in Zitsa sein, Lis wurde heute früh an der Hüfte operiert und sie hätte weder am Vortag noch heute diese zusätzliche Aufregung gebraucht. Diese parallel laufende Lügengeschichte findet ihr Ende dann darin, dass eine gute Freundin es ihr dann am Abend doch noch beibringt, denn in Zitsa war ich eben nicht, wie behauptet…

Fertig machen zum Entern!

Keine SMS am Morgen, dafür iPad und iPhone, die mich um 6 Uhr aus so einem kaputten Dösen reissen. Blick zum Hafen, es regnet nicht, die Srrassen sinmd fast schon wieder trocken. Dusche, Abmarsch. Ich sehe die »Delos«, dass Menschen einsteigen, die Lkw rückwärts einrücken. Na endlich.

Um 7:30 dann die Nachricht, warum das Schiff noch nicht abgelegt hat: Noch immer Sturm, vielleicht nachmittags dann, 15 Uhr… Das hat dann auch geklappt, nach 14 Stunden auf der Fähre bin ich dann in Naxos, Maria fährt mich zum Einkaufen und nach Galanado. Alle, auch Popi, finden, alles sei gut, weil mir nichts passiert ist.

Na, dann…

Reiseberichte diesen Inhalts sollten nicht zur Gewohnheit werden. Vielleicht gelingt ein neuer Anlauf, wenn das Senfle noch vor Ostern fertig wird. Griechische Ostern sind dann eine Woche später.

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* Rund Europa 2015 (1), Planung

Montag, 16.03.2015, 23:05:19 :: Naxos; dieser Beitrag wird bis zur Abfahrt ständig aktualisiert

Naxos – München: Der Plan

Ja, in wenigen Tagen geht es wieder los. Allerdings – und das ist ein Novum – werde ich diesmal alleine fahren. Lis ist bereits in Deutschland und bereitet sich auf ihre Hüftoperation vor. Aber es wird keine Fahrt wie die durch Belarus werden, denn es gibt nur noch sehr wenige sicher befahrbare und dazuhin schöne Strecken auf dem Balkan, die wir nicht schon gefahren währen. Naja, was heisst schön, landschaftlich wird man immer wieder überrascht.

Also, der Plan sieht derzeit so aus, Stand Montag, 16.03.2015, 23 Uhr:

  1. Naxos – Piräus – Thiva – Distomo – Delfi, 170 km
  2. Delfi – Zitsa, 350 km
  3. Zitsa – Durres/Tirana, 270 km
  4. Durres – Herzeg Novi, 230 km
  5. Herzeg Novi – Sibenik, 340 km
  6. Sibenik – Senj, 210 km
  7. Senj – München (2 Etappen), 560 km

Da ist noch einiges an Luft drin, denn ich habe 14 Tage Zeit. Ein Muss ist diesmal Distomo, das auf dem Weg nach Delfi liegt. Es ist eines der Dörfer, in denen die Deutsche Wehrmacht im 2. WK am 10. Juni 1944 grundlos (wenn es denn Gründe geben könnte…) unbeteiligte Dorfbewohner grausam niedergemetzelt hat. Kalavrita auf der Peloponnes hatten wir im Mai 2007 besucht. Das Erlebnis der Zurückweisung durch eine alte Frau hat und damals schwer getroffen, wenngleich es nachvollziehbar war. Das Thema Wiedergutmachung ist ja wieder tagesaktuell. Ohne dass ich in diese Diskussion an dieser Stelle einsteigen will, möchte ich aber wissen, wie Distomo auf mich wirkt. Man muss sich das zumuten, ebenso wie die KZ-Gedenkstätten.

Anmerkung: Die dritte Gedenkstätte ist der Schießstand von Kesariani. Tsipras hatte dort nach dem Wahlsieg Blumen nieder gelegt.

Delfi werde ich gegebenenfalls hinter mir lassen, oder nur dort übernachten. Es kommt eben immer darauf an, ob und wie man in der Nacht zuvor auf dem Schiff nach Piräus geschlagen hat, ob man also hinreichend fahrtüchtig ist für eine längere Strecke. Aber mit einer Übernachtung in Delfi in der Nicht-Touristen-Zeit macht man auch nichts falsch.

Die nächste Station wird Zitsa im Epirus sein. Anna hat dort den »Bookgarden« eröffnet und ausgestattet, den möchte ich sehen und natürlich freue ich mich auf das hervorragende Gebäck, das Kostas mit ihrer Hilfe jeden Tag zurechtzaubert. Mitglieder auf Facebook sind natürlich wieder in Vorteil: Anna, der Büchergarten und natürlich die Bäckerei.

Albanien

Auf welchem Weg ich durch Albanien fahre, mache ich vom Wetter abhängig. Ende März kann es noch ungemütlich sein, dann lohnt es nicht unbedingt, in tiefhängenden Wolken Stimmungsbilder zu machen… Aber da die letztjährigen Berichte immer noch ausstehen, kommt dazu auf jeden Fall noch was :-)

Montenegro, Bosnien und Herzegovina

Mmittlerweile kommt man auch durch Montenegro ganz ohne Etikett auf der Scheibe. Es hat sich viel geändert in den letzten zehn Jahren. Auch nach Albanien passiert man die Grenze ohne Kosten und Mühen.

Kroatien…

…ist seit dem Sommer 2013 EU-Mitglied. Wie die Zeit vergeht.

Slovenien, Italien, Österreich?

Da warten wir mal wieder, wie das Wetter sich anstellt. Kann man Pässe fahren? Wo kommt einem schon der Osterverkehr entgegen? Denn ab 30. März sind Osterferien.

Und in Deutschland?

Besuche, Besuche: Schwager und Schulfreund in München, Sohn und Enkel in Nürnberg, Nachsorge meiner Zunge in Erlangen. Ja und selbstverständlich Lis, deren Hüft-OP am 25. März hoffentlich zur vollen Zufriedenheit über die Bühne gegangen ist! Mein Bruder, Freunde, besonders die bald wieder in See stechenden Wilts – ach, wer weiss, was alles passieren wird, Geplantes und vor allem Unvorhergesehenes.

Und Griechenland

Einer meiner grössten Sorgen – aber darüber ein andermal.

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Klassentreffen Juni 2010

Montag, 02.03.2015, 00:47:04 :: Naxos

Ich wollte nur nochmal darauf hinweisen, dass ich seinerzeit alle Mir zugänglichen Fotos zur Verfügung gestellt hatte. Hier sind sie nochmal – nur so, als Gedächtnisstütze…

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eBook – nein danke?

Montag, 02.03.2015, 00:06:09 :: Naxos

Unsere Freundin Elke Heinemann hat sich sehr profund mit der Materie »eBook« auseinandergesetzt. Daraus ist ein Radiofeature für den WDR, NDR und den BR entstanden, das ich allen nur ans Herz legen kann:

Mein Feature Bye Bye Book. Dichtung im digitalen Zeitalter (WDR/NDR/BR) wird von WDR 3 am Samstag, 28. Februar 2015 um 12.05 Uhr und am Sonntag, 1. März um 15.05 Uhr urgesendet und steht zum download bereit.

Weitere Sendetermine: NDR Kultur, 10. März 2015, 20 Uhr und BR 2, 16. April 2015, 20.03 Uhr

Am 28. Februar 2015 erscheint Elke Heinemann: Nichts ist, wie es ist. Kriminalrondo als enhanced E-Book und E-Book mit einer Audio-Inszenierung gesprochen von Eva Blaschko und Linda Sixt sowie Fotogrammen von Manuela Höfer. Zur Leipziger Buchmesse ist die Druckfassung im Hardcover geplant.

Präsentation ist am Freitag, 13. März um 14 Uhr auf der Leipziger Buchmesse, Literaturcafé, Halle 4, Stand B 6

Weiterer Termin: Lesung Lettrétage, Berlin-Kreuzberg, 21. Mäi, 20 Uhr

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Macht ohne Kontrolle: Die Troika

Donnerstag, 26.02.2015, 23:15:43 :: Naxos

Bildschirmfoto arte

Diese Dokumentation ist Schulstoff

Der Film wurde bei ARTE am 24.2.2015 gesendet. Wer ihn gesehen hat, wird wohl in gleicher Weise erschüttert sein wie wir. Und es wird nicht mehr über Griechenland, Spanien, Portugal oder Irland zu diskutieren sein. Sondern über diesen Machtapparat Troika, der mit dem Wort »Korruption« sicher nur sehr unzureichend beschrieben wäre. Selbst »mafiös« scheint mir eher eine Schmeichelei zu sein.

Und das betrifft natürlich nicht nur die agierenden Beamten sondern in weit höherem Masse ihre Auftraggeber.

Jedenfalls diskutiere ich über Griechenland etc. mit niemandem mehr, der/die diese Dokumentation nicht gesehen hat. Es wäre Zeitverschwendung.

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Bildersammelsurium Europa

Samstag, 21.02.2015, 20:06:15 :: Naxos

Hier ist Fasching, eine Woche länger als in Deutschland. Das ist auch nötig in diesen nervenaufreibenden Zeiten. Wir hoffen, das Zipras und seine Truppe endlich Ruhe finden, um das zu organisieren, was sie vorhaben. Ich habe ein gutes Gefühl mit ihm und Varoufakis. Dass sie versuchen, den Brüssler Haufen aufzuscheuchen finde ich erfrischend.

Ja, Europa

Es bekommt noch mal eine Chance, denn ein bankrottes Griechenland hätte dem Euro und der Idee eine harten Stoss versetzt. Ich freue mich auf die Wahlen in Spanien im Herbst. So. Um die Gemüter etwas friedlicher stimmen hier eine Sammlung von Eindrücken aus Europa. Es ist so vielfältig, wir müssen zusammenhalten und dürfen es nicht schwächen.

Diese Sammlung wächst fast täglich. Es gibt eine Kartendarstellung (rechte Seitenleiste), dort kann man gezielt in die Regionen zoomen. Viel Spass. Wer mir in Facebook folgt, kennt sie alle schon…

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Ökonomie verstehen – Von Kühen und U-Booten

Dienstag, 17.02.2015, 17:19:59 :: Naxos

Es wird viel gestritten derzeit über Schulden und deren Verschulden, wer wem wie viel gegeben hat und wer wem was schuldet und vor allem: Wer also gefälligst zu seiner Schuld zu stehen hat. Da ist Herr Schäuble die erste Referenz.

Aber lassen wir das. Es gibt Wichtigeres. Zum Bespiel zu verstehen, wie Schulden zustande kommen und wie Reichtum. Es gibt Ökonomen, die behaupten, das seien Seiten ein und derselben Medaille.

Da hab ich mir überlegt – eingedenk der Kommentare im derzeitig wieder feurig geführten Griechenbashing – wie man auch dem allerkleinsten Kleingeist und Stammtischbruder die Zusammenhänge erklären könnte. Nun, ich bin kein Ökonom, ein sehr kleines Licht in dieser Disziplin, aber ich glaube, ich habe da was verstanden:

Fangen wir ganz klein an

Ein Dorf. Einer hat viele Kühe, er hat den Bogen raus, die zu züchten und immer mehr werden zu lassen. Und er wäre nun gerne welche los; Kuhschwemme sozusagen. Sein Nachbar hat nichts, was er gegen eine Kuh tauschend geben könnte. Ausser Gras. Das aber hat der andere auch. Da kommt der Kuhzüchter auf eine Idee: »Ich leihe dir drei Kühe, dann kannst du dir eine Kuh kaufen.« – »Was soll die denn kosten« fragt der andere. »Gib mir zwei Kühe und die neue Kuh ist dein.« antwortet der andere.

Der Tausch geht über die Wiese – sozusagen – und der neue Kuhbauer hat nun zwei Kühe auf seinem Hof stehen. Die grasen, geben Milch. Nur wie lange? Da kommt er auf eine Idee: mit den beiden Kühen kann er ja eine weitere Kuh kaufen. Was er auch tut. Nun hat er also eine neue Kuh. Sein Problem ist nur, dass die nächste Kuh wieder zwei Kühe kosten wird. Also leiht er sich irgendwann eine weitere Kuh um mit den zweien eine neue zu kaufen.

Und? Wo liegt der Fehler?

Ganz einfach. Er hat eine Kuh. Und schuldet dem anderen deren vier. Der hat aber sowieso zu viele, wäre im Grund auch froh, noch mehr los zu werden. Nur wie, ohne sie zu »verschenken«?

Genau!

Die Kuh muss kalben, dann hat er »Geld«. Also fragt es den Nachbarn, was er denn dafür will, die Kuh decken zu lassen. Zwei Kälber will der dafür haben. Gesagt getan. Die Kuh wird trächtig und bringt ein Kalb zur Welt… Zu deutsch: So wird das nichts.

Und jetzt könnt ihr diskutieren!

Ok., da kommen natürlich zunächst Fragen auf. Das verstehe ich. Zum Beispiel: Was haben hier Kühen zu suchen? Gegenfrage: Was haben U-Boote in Griechenland zu suchen? Dazu hin aufgedrängte? Denn es war doch immer klar, dass die Griechen…

Wie gesagt, ich bin ein kleines Licht. Vielleicht helfen Euch die folgenden Links weiter. Mir haben sie jedenfalls sehr geholfen. Und mich auf die Idee mit den Kühen gebracht…

Links:

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Wer mag kein Olivenöl?


Donnerstag, 22.01.2015, 15:02:05 :: Naxos

Jedes Land, jede Gegend in Südeuropa, wo ein paar Olivenbäume stehen, hat das beste, das gesündeste Olivenöl. Ich stolperte gerade über den Artikel in Radio Korfu, wo über die Qualität von Olivenöl berichtet wird.

Und da wir in den letzten Wochen überall die erntenden Menschen hier erlebt haben – schlagend, sammelnd, schleppend – und wieder beim Pressen waren, denke ich, ich werde auch ein paar Gedanken los. Zunächst: Wo wir hin kamen in Griechenland und es gab Olivenbäume, die örtlichen Oliven waren immer die besten. Das ist verständlich, wer macht sich selbst schlecht. Und die italienischen und spanischen Produzenten von Massenölen wissen das auch. Deshalb kaufen sie Unmengen griechischen Olivenöls auf, panschen es – streng nach EU-Normen, versteht sich – und verkaufen es unter Fantasienamen in – zum Beispiel – deutschen Supermärkten. Gleich vorweg, dann ist das auch gesagt: Es hat nichts mit dem zu tun, was man vor Ort aus der Presse beziehungsweise mittlerweile der Zentrifuge laufen sieht, in dem man sogleich sein Weissbrot intensiv badet um es schlürfend und genussvoll zu verzehren, einen Schluck Landwein hinterher kippt und ein paar Brocken Käse… Und wer noch nie frische Kartoffelschnitze in einer Riesenpfanne im Olivenöl schwimmen und braun werden gesehen hat, der darf nicht mitreden. Tut mir leid.

Ob nun, wie wir es auf der Mani erlebt haben, lupenreines Bioöl produziert wird (das man in Deutschland bestellen kann, die Firma ist in Ulm und im Internet), ob man die Olivenhaine bei Freunde in Etoliko durchschreitet und die eingelegten Früchte dieser Bäume geniesst, durch die endlosen Olivenhaine von Itea am Fusse der Berge vor Delfi fährt, oder in denen hier bei Halki auf Naxos spazieren geht – egal: Man muss das versucht und genossen haben, was am Ende von der Rinne, aus der Leitung fliesst, das frische Öl.

Zentrifuge statt Presse

Wir haben das auch erst vorletzten Winter gelernt: Überwiegend wird das Öl heute nicht mehr in der Presse gewonnen sondern durch Zentrifugieren der Maische. Das ist schonender und ökonomischer. Der Trester wird übrigens zu Pellets gepresst – Schweinefutter und/oder Heizmaterial. Und wichtig ist, dass die Oliven an dem Tag verarbeitet werden an dem sie geerntet wurden. Darauf verweisen sie alle, die ihre Säcke anfahren, auskippen und sich dann an den Tisch setzen und ölgetränktes Brot verzehren – wenn sie vor lauter Erzählen und diskutieren dazu kommen. Deshalb stehen die vielen »Ölmühlen« hier auf den Dörfern auch nahe der Ernteplätze, die Anfahrtswege sind dann kurz. Denn »gepresst« wird am »Nachmittag«; also abends, nach Sonnenuntergang. Nachts sozusagen… Und nach dem reichlichen Schnabulieren lässt man sich dann an der »Tankstelle« frisches Öl abfüllen, 5 € für eine Liter dieses Jahr. Direkt vom Erzeuger, daher günstig aber nicht billig. Und ungefähr 20 Liter brauchen wir pro Jahr. Mindestens…

Um also die Eingangsfrage zu beantworten: Wer kein Olivenöl mag, hat sein Öl beim Billigheimer erworben, hat nicht das Etikett studiert, hat nicht tief genug in die Tasche gegriffen. Denn seinen Preis ist es eben wert. Und der ist hoch, das gebe ich zu.

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Vor der Wahl: Tsipras wendet sich an die Deutschen

Donnerstag, 22.01.2015, 13:45:30 :: Quelle: Radio Korfu

In einem offenen Brief an das “Handelsblatt” wendet sich A. Tsipras an die Deutschen… Lesenswert!

Tsipras: Fiskalisches Waterboarding

Liebe Leser des Handelsblatts,

die Mehrheit von Ihnen wird sich bereits jetzt eine Meinung darüber gebildet haben, was sie in diesem Artikel lesen wird. Das ist mir bewusst. Ich wage es dennoch, sie darum zu bitten, sich den folgenden Zeilen möglichst vorurteilsfrei zu widmen. Denn Vorurteile sind, vor allem in Zeiten der Wirtschaftskrise, keine guten Berater, sie schüren Intoleranz, Nationalismus, Rückwärtsgewandheit, ja sogar Gewalt.

Ich wende mich mit einem offenen Brief an Sie, um Ihnen eine andere Sicht auf das zu geben, was sich vom Jahr 2010 bis zum heutigen Tage an abgespielt hat. In erster Linie jedoch möchte ich Ihnen in aller Aufrichtigkeit die Vorschläge und Zielsetzungen meiner Partei SYRIZA erläutern, welche am 26. Januar die dann neu gewählte griechische Regierung stellen könnte.

Der griechische Staat ist seit 2010 nicht mehr dazu in der Lage, seine Schulden zurückzuzahlen. Unglücklicherweise beschloss man auf offizieller europäischer Seite, so zu tun, als könne man diesem Problem mittels des größten in der Menschheitsgeschichte je gewährten Kredites und der strikten Durchsetzung eines finanz- und strukturpolitischen Anpassungsprogramms Herr werden. Und das, obwohl dies mit mathematischer Gewissheit das Zusammenschrumpfen des Inlandseinkommens zur Folge haben musste, aus welchem die Abzahlung neuer wie alter Kredite finanziert wird.

Kreditvereinbarung entschieden abgelehnt

Man ging das Problem an, als handle es sich beim drohenden Staatsbankrott um einen Liquiditätsengpass. Anders ausgedrückt: Man machte sich die Logik eines Bankers zu eigen, der, statt sich einzugestehen, dass sein an eine bankrotte Firma ausgezahlter Kredit „geplatzt“ ist, dieser einfach weitere Geldsummen verleiht und sich vormacht, die Kredite würden abbezahlt, wenn man die unabwendbare Pleite nur immer weiter hinauszögere.

Es hätte nicht mehr als gesunden Menschenverstand gebraucht, um zu erkennen, dass das konsequente Festhalten am „Extend and Pretend“-Dogma für mein Land in einer Tragödie enden würde. Es hätte nicht mehr als gesunden Menschenverstand gebraucht, um zu verstehen, dass man, statt Griechenland zu stabilisieren, nur Öl ins Feuer einer sich immer wieder aufs Neue selbst entfachenden Krise goss, die Europa bis in seine Grundfesten bedroht. Die im Mai 2010 verabschiedete Kreditvereinbarung wurde von meiner Partei und mir entschieden abgelehnt. Nicht weil wir glaubten, Deutschland und unsere anderen Partner hätten uns nicht genügend Geld zur Verfügung gestellt, sondern weil wir der Auffassung waren, dass sie uns weit größere Summen haben zukommen lassen als angemessen, weit mehr als anzunehmen wir berechtigt gewesen wären. Geldsummen, die weder der griechischen Bevölkerung zugute kommen würden, da sie nur dazu bestimmt waren, in ein Schuldenfass ohne Boden geworfen zu werden, noch das Anwachsen der Staatschulden, deren Last unsere Partner unweigerlich immer wieder auf Ihre Bürger abwälzen würden, würden verhindern können.

Diese unleugbare Tatsache war auch der Bundesregierung bekannt und wurde dennoch verschwiegen.

Tausende Unternehmen in den Ruin getrieben

Weniger als ein Jahr darauf hatte sich unsere Einschätzung als richtig erwiesen. Die Kombination aus Neuaufnahme enormer Kreditsummen und massiven Kürzungen hatte es nicht nur nicht vermocht, die Schuldenproblematik zu zähmen, sondern darüber hinaus auch die Schwächsten unserer Gesellschaft hart getroffen. Gewissenhafte Arbeitnehmer waren arbeits- und obdachlos geworden und fühlten sich vor allem ihrer Würde beraubt. Die massiven Einkommensverluste trieben Tausende Unternehmen in den Ruin und verhalfen den verbliebenen dazu, sich als Oligopole zu etablieren und an Stärke zu gewinnen.

In Zeiten, in denen das Defizit an Hoffnung und Perspektive größer ist als alle anderen Defizite, brauchte es nicht lang, bis das „Schlangenei“ des Faschismus ausgebrütet war und Neonazis in den Nachbarschaften unseres Landes zu patrouillieren begannen, um Hass und Gewalt zu säen.

Trotz des fulminanten Scheiterns dieser Strategie hält man bis zum heutigen Tag an der erwähnten Logik der Verlängerung und Täuschung fest. Mit der im Jahr 2012 getroffenen Kreditvereinbarung lud man eine noch größere Schuldenlast auf die ohnehin schon schwachen Schultern Griechenlands und löste eine neue Rezession aus, während die Gelder unserer Partner in die Finanzierung eines Systems persönlicher Bereicherung und Vorteilsnahme verwendet wurden und der damals vorgenommene Haircut vornehmlich die Einlagen der Sozialversicherungs- und Rentenkassen beschnitt.

Leugnen mathematischer Tatsachen

In der letzten Zeit hört man Beobachter von einer Stabilisierung Griechenlands sprechen, sogar von Wachstum ist die Rede und davon, dass die verfolgte Politik nun Früchte trage. Dabei handelt es sich um eine willkürliche Verzerrung der Tatsachen, welche einer genaueren Analyse nicht standhalten kann. So markiert der jüngste Anstieg des realen Nationaleinkommens um 0,7% nicht etwa das Ende der Rezession, sondern deren Fortsetzung, da im selben Zeitraum die Inflation bei minus 1,8% lag.

Die Wahrheit ist, dass die Staatsschulden Griechenlands nicht zurückgezahlt werden können, solange die griechische Volkswirtschaft ständigen fiskalischen Ertränkungsversuchen ausgesetzt ist (fiscal waterboarding). Das Beharren auf diese ausweglose und menschenverachtende Politik und das Leugnen mathematischer Tatsachen kostet den deutschen Steuerzahler Unmengen an Geld und das griechische Volk seine Würde. Und führt, noch viel schlimmer, dazu, dass sich Griechen gegen Deutsche und Deutsche gegen Griechen wenden und so dem Gedanken eines demokratischen und geeinten Europa tiefe Schäden zufügen.

Deutschland, und vor allem die hart arbeitenden deutschen Steuerzahler haben von einer SYRIZA-Regierung nicht das geringste zu befürchten. Ganz im Gegenteil.

Kleptokratischem System den Kampf angesagt

Unser Ziel ist es nicht auf Konfrontation mit unseren Partnern zu gehen, noch mehr Kredite oder einen Freibrief für neue Defizite zu erhalten. Unsere Ziele sind die Stabilisierung des Landes, das Erreichen eines ausgeglichenen Primärhaushaltes und die Beendigung dieses Aderlasses, den deutsche und griechische Steuerzahler dank dieser absolut unangemessenen Kreditvereinbarung über sich haben ergehen lassen müssen. Wir fordern ein Ende des „Extend and Pretend“–Dogmas, und zwar nicht zu Lasten der Bürger Deutschlands, sondern zu unser aller Vorteil.

Liebe Leser, ich weiß, dass hinter der Forderung nach genauester Durchsetzung dessen, was vereinbart wurde, die Befürchtung steht, die Griechen könnten, wenn man es ihnen erlaube, einfach weitermachen wie bisher. Ich habe großes Verständnis für diese Sorge und möchte klarstellen, dass es nicht meine Partei, dass es nicht SYRIZA war, die dieses System aus Korruption, persönlicher Bereicherung und Vorteilsnahme geschaffen hat, sondern eben jene, die heute allzu sehr auf die Einhaltung des Vereinbarten und die Fortführung des Reformprogramms pochen. Selbstverständlich nur, wenn dabei ihre eigenen Privilegien, wie dies in den vergangenen vier Jahren und unter der Regierung Samaras der Fall war, gänzlich unangetastet bleiben. Wir haben diesem kleptokratischen System den Kampf angesagt und werden eine weitreichende Reform des Staates und der öffentlichen Verwaltung vornehmen sowie Transparenz, leistungsorientierte Einstellungs- und Beförderungssysteme und Steuergerechtigkeit schaffen, darüber hinaus hart gegen Geldwäscher vorgehen.

Das ist unsere Reformagenda. Die Reformagenda, die wir dem griechischen Volk bei den kommenden Wahlen zur Abstimmung vorlegen.

Mehr Solidarität und mehr Demokratie

Ziel ist es, im Rahmen der Eurozone zu einer neuen Übereinkunft zu kommen, die es der griechischen Bevölkerung möglich macht zu atmen, ihre Produktivität freizusetzen und in Würde zu leben. Mit Wiederherstellung der Schuldentragfähigkeit und einem Ausweg aus der Rezession. Mittels Wachstumsfinanzierung statt zum Scheitern verurteilter Austeritätspolitik, welche immer wieder in die Rezession führt. Mit Förderung des sozialen Zusammenhaltes. Mit mehr Solidarität und mehr Demokratie.

Am 25. Januar wird in Griechenland eine neue Chance für ganz Europa geboren. Mögen wir sie nicht ungenutzt lassen.

Das Nationaleinkommen sank also weiter, nur eben weniger stark als die Durchschnittspreise. Der Schuldenberg wächst beständig weiter. Wir haben es mit einer beschämenden Schönung der Statistik zu tun, mit welcher man die Effektivität der von der Troika in Griechenland verfolgten Politik zu belegen – und die Europäer, die das Recht haben, endlich die Wahrheit zu erfahren, ein weiteres mal hinters Licht zu führen versucht.

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Worte aus der Abseite

Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendeine Weltanschauung mir eine Meinung verbieten kann, weder ernste noch spöttische. Und auch nicht satirische.

Ich denke auch, wer in seiner Anschauung oder seinem Glauben gefestigt ist, der schaut gelangweilt darüber hinweg.

Drum prüfet Euch…

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