* Rund Europa 2019 (3). Aufbruch nächsten Montag

Freitag, 19.07.2019, 14:26:42 :: Raudondvaris, Litauen

Ja, am kommenden Montag, dem 22. Juli, wollen wir zu einer Rundreise nach Norden bis zur Insel Saaremaa aufbrechen; veranschlagt sind 14 Tage bis zur Rückkehr nach Raudondvaris.

Nicht, dass wir da zum ersten mal wären: 2010 waren wir da zum ersten mal, 2012 nochmal, sozusagen »en passant«.

Nun sind sieben Jahre vergangen und nachdem wir ja Ülle aus Randvere zuletzt am 24. April in Durrës in Albanien getroffen hatten, ist deren Landhaus auf Saaremaa unser Ziel.

Ok., jetzt muss ich das wohl erstmal erklären, nachdem der entsprechende Beitrag von Albanien noch gar nicht geschrieben ist:

Am Sonntag vor unserer Abfahrt aus Naxos bekam ich eine Email aus Estland. Ülle Purga aus Saaremaa, wo wir schon zwei mal, zuletzt 2012, zu Gast waren, hat hier im Blog gelesen, dass wir ungefähr zur selben Zeit wie sie in Albanien sind, da könnte man sich doch zu einem Tee und einem Plausch treffen? Ich sage natürlich zu. Und wer nun genauer wissen will, wer Ülle Purga ist, den verweise ich auf Google und/oder Facebook :-).

Wir fahren (grob) …

nach Saaremaa oder Ösel, wer’s gerne wieder deutsch möchte – also schön viel Inseln und landen dann hoffentlich unversehrt und mit heilem Senfle hier:

Und damit wir nicht ganz auf Griechenland verzichten müssen, kommen wir hoffentlich im Zimmer Meteora unter …

Links:

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Der Zustand Europas = Der Zustand des „Zentrum Europas“?

Mittwoch, 17.07.2019, 16:30:29 :: Raudondvaris

Dies wird vielleicht ein wenig ein politischer Beitrag …

Seit dem Bestehen des Europos Centras besuchen wir diesen Punkt, ca. 20 km nördlich von Raudondvaris, der den letzten Berechnungen zufolge den geografischen Mittelpunkt Europas markiert.

Geographen des Institut géographique national, des nationalen Geographieinstituts Frankreichs, errechneten 1989 den geographischen Mittelpunkt Europas als Flächenschwerpunkt und ermittelten eine Stelle beim Dorf Purnuškės etwas nördlich von Vilnius in Litauen mit den Koordinaten 54° 54′ 0″ N, 25° 19′ 0″ O.

Wikipedia

Viel habe ich darüber berichtet, zeigte und zeigt die kontroverse Diskussion über die genaue Lage des Zentrums Europas doch auch Parallelen zur politischen Diskussion über die Lage Europas in der Welt, speziell natürlich der EU.

Links:

  1. 2006-08-02 :: Ukraine
  2. 2007-08-02 :: Litauen
  3. 2007-08-26 :: Riga, Lettland
  4. 2008-08-07 :: Litauen
  5. 2010-08-09 :: Litauen
  6. 2012-07-17 :: Litauen
  7. 2012-07-23 :: Litauen und 2012-08-21 :: Polen
  8. 2014-08-18 :: Litauen
  9. 2016-07-23 :: Litauen (shame!, no blog yet)

Gerade gestern hatten wir die Wahl Ursula von der Leyens zur neuen Kommissionspräsidentin. Die Diskussion darüber, was das für Europa zu bedeuten hat, hält an.

Gestern ist von der Leyen zur Kommissionspräsidentin der Europäischen Union gewählt worden. Und gleichzeitig wurde bekannt, dass Kramp-Karrenbauer die Nachfolgerin als Verteidigungsministerin werden soll. Das ist zusammengenommen der fundamentale Beleg der Militarisierung der Europäischen Union und Deutschlands. Deshalb ist der 16. Juli 2019 ein wirklich schwarzer Tag.

Albrecht Müller.

Beide Personen sind Atlantiker und am Gängelband der USA und der NATO. Versagt haben mal wieder die SPD und die Grünen. Die Sozialdemokraten Europas wurden letztlich mit dem Job für den spanischen Kandidaten für das Amt des europäischen Außenbeauftragten, also quasi des Außenministers der EU gekapert. Er ist nach Meinung von Kennern der Szene und des Personals schlicht eine unangenehme Person. Von Sozialdemokratie ist da nichts zu spüren.

In der Summe ein Horrorkabinett. Und in Berlin? Mit Kramp-Karrenbauer wird das Niveau des Merkel-Kabinetts nicht gehoben. Wer glaubt, die Entscheidung für von der Leyen wie auch die Entscheidung für Kramp-Karrenbauer sei gegen den Willen von Angela Merkel geschehen, täuscht sich.

Bemerkenswert und typisch für den Zustand der SPD ist auch noch die vielleicht für die Wahl von der Leyens entscheidende Intervention des Vizepräsidenten des Deutschen Bundestages und SPD-Abgeordneten Oppermann für die Wahl von Frau von der Leyen. Typisch: in entscheidenden Situationen werden die Atlantiker und Befürworter der Militärpolitik aktiv.

Mit sozialdemokratischer Politik hat das überhaupt nichts mehr zu tun. Die drei Zwischen-Vorsitzenden sollten sich mit dieser Kernfrage sozialdemokratischer Politik einmal beschäftigen: Steht die SPD zu den Grundsätzen der Friedenspolitik, d. h. für den Versuch, friedliche Lösungen in der Welt zu finden und ein Volk der guten Nachbarn zu sein für alle, also einschließlich Russlands oder tut sie das nicht? An dieser Frage wird sich auch entscheiden, ob die Sozialdemokratie überhaupt noch überlebensfähig ist. Wenn sie sich nicht mehr auf ihre friedenspolitische Mission und dieses großartige Erbe von Willy Brandt – nach vorn – besinnt, dann wird sie nicht mehr gebraucht. Dann können wir die Republik und die Europäische Union den von der Leyens und Kramp-Karrenbauers überlassen.

Nachdenkseiten


Alleine im Zentrum Europas

Am letzten Sonntag(!) waren wir wieder im Europos Centras, es ist eben so Ritual geworden. Und vielleicht sogar ein wichtiges. Denn der Zustand dieses einst mit viel Pomp und Prominenz eingeweihten und gefeierten Platzes macht denselben kümmerlicheren Eindruck wie 2012, als ich schrieb »* Rund Europa 2012, 47. Tag: Raudondvaris – Ist Europa am Ende?«. Heute findet sich hierzu nicht einmal eine angemessene Internetpräsenz. Und dieser Zustand erinnert an die Verfassung Europas und der EU.

Und die reale Situation Europas heute?

Was wurde nicht alles getan an diesem stolz gefeierten Platz? Jeder Präsident pflanzte eine Eiche (zwei stehen noch …), ein kleines Museum wurde geöffnet, es gab Info-Material, Bücher, Souvenirs.

Und heute? Alles macht einen trüben, maroden und ungepflegten Eindruck. Die Museumshäuser sind geschlossen, die Holzbrücke, die zum Hügel führt, vermodert. Publikum? Fast niemand hier, unten auf dem Parkplatz steht gerade mal ein Camper mit Kennzeichen von Gross Gerau. In der Ferienzeit, an einem Sonntag …

Die Parallelität drängt sich mir auf.

Und der Golfplatz?

Dort ist ebenfalls Fehlanzeige. Die Störche sind nicht zurück gekehrt, das Restaurant/Café so gut wie leer, die Speisekarte auf eine lächerliche halbe DIN-A-4-Seite geschrumpft, die Qualität unserer bestellten Speisen weniger als bescheiden.

Und auf dem Golfplatz tummeln sich ein paar Väter und junge Ehepaare mit ihren Kindern auf Minigolf-Tour. Selbst die Begeisterung für exklusives Golfen ist dahin.

Die Parallelität zum Zustand Europas drängt sich mir stark auf.

Aber die Landschaft ist nach wie vor harmonisch

Wenigstens das.

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Bertolt Brecht: Maßnahmen gegen die Gewalt

Freitag, 12.07.2019, 14:30:39 :: Raudondvaris

Als Herr Keuner, der Denkende, sich in einem Saale vor vielen gegen die Gewalt aussprach, merkte er, wie die Leute vor ihm zurückwichen und weggingen. Er blickte sich um und sah hinter sich stehen – die Gewalt.

„Was sagtest du?“, fragte ihn die Gewalt.

„Ich sprach mich für die Gewalt aus“, antwortete Herr Keuner.

Als Herr Keuner weggegangen war, fragten ihn seine Schüler nach seinem Rückgrat. Herr Keuner antwortete: „Ich habe kein Rückgrat zum Zerschlagen. Gerade ich muss länger leben als die Gewalt.“

Und Herr Keuner erzählte folgende Geschichte:

In die Wohnung des Herrn Egge, der gelernt hatte, nein zu sagen, kam eines Tages in der Zeit der Illegalität ein Agent, der zeigte einen Schein vor, welcher ausgestellt war im Namen derer, die die Stadt beherrschten und auf dem stand, dass ihm gehören solle jede Wohnung, in die er seinen Fuß setzte; ebenso sollte ihm auch jedes Essen gehören, das er verlange; ebenso sollte ihm auch jeder Mann dienen, den er sähe.

Der Agent setzte sich in einen Stuhl, verlangte Essen, wusch sich, legte sich nieder und fragte mit dem Gesicht zur Wand vor dem Einschlafen: „Wirst du mir dienen?“

Herr Egge deckte ihn mit einer Decke zu, vertrieb die Fliegen, bewachte seinen Schlaf und wie an diesem Tage gehorchte er ihm sieben Jahre lang. Aber was immer er für ihn tat, eines zu tun hütete er sich wohl: Das war, ein Wort zu sagen.

Als nun die sieben Jahre herum waren und der Agent dick geworden war vom vielen Essen, Schlafen und Befehlen, starb der Agent. Da wickelte ihn Herr Egge in die verdorbene Decke, schleifte ihn aus dem Haus, wusch das Lager, tünchte die Wände, atmete auf und antwortete: „Nein.“

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* Rund Europa 2019 (2), 13. Tag: Sejny – Raudondvaris

Donnerstag, 11.07.2019, 22:36:54 :: Raudondvaris
Dienstag, 16.07.2019, 13:51:44 :: Raudondvaris

Uunser Frühstück in diesem ungewöhnlich grossen Hotelkomplex ist polnisch und/aber ausreichend: Deftig und für meinen Magen so früh eher ungeeignet.

Sejny ist die letzte grössere Stadt hier oben im Nordosten von Polen, oft umkämpft, bevölkerungsmässig über die Jahrhunderte sehr gemischt, heute im Wesentlichen polnisch mit einer starken litauischen Minderheit; umgekehrt ist es im südlichen Litauen: In Rieše, im Nachbardorf unseres Zielortes Raudondvaris, besteht sogar eine eigene polnische Schule.

Die Synagoge von Sejny

Als wir Anfang September 2014 die Rückfahrt von Litauen antraten, hatten wir hier in Sejny einen längere Halt eingeplant, um das beeindruckende Dominikanerkloster zu besichtigen.


Das ehemalige Dominikanerkloster (2014) …


… und die Klosterkirche

Zum Klosterbau gehört eine Kirche aus der Spätrenaissance, die in der Mitte des 18. Jahrhunderts im verspielten Rokokostil umgebaut wurde. Von den Gläubigen besonders verehrt wird die in der größten Seitenkapelle der Kirche befindliche, aus Lindenholz geschnitzte Madonnenfigur. An Feiertagen wird der Korpus der Statue geöffnet. Im Inneren befindet sich eine ebenfalls in Holz geschnitzte Kreuzigungsszene. 1975 wurde die Madonnenfigur vom dem damaligen Krakauer Bischof, Karol Wojtyła – dem späteren Paps Johannes Paul II. – gekrönt. Außer der Kirche können Besucher noch die Wirtschaftsgebäude des Klosters besichtigen, die zurzeit auf Hochtouren renoviert werden.

Sejny – Geschichte und Sehenswürdigkeiten

Wie ich heute wieder feststelle, fehlen für diese Fahrt sämtliche Beiträge, obwohl sie in der Chronik aufgeführt sind. Es war das Jahr der zweiten Zungen-OP und der darauf folgenden Brachytherapie … Da wartet also noch reine Arbeit, da alles soweit dokumentiert ist.

Das Kloster konnten wir diesmal also ausfallen lassen (ein paar Bilder folgen hier trotzdem) und wenden uns an diesem Morgen die Weissen Synagoge zu.

Die sogenannte Weiße Synagoge in Sejny, einer polnischen Stadt in der Powiat Sejneński im Nordosten der Woiwodschaft Podlachien, wurde 1885 errichtet. Die profanierte Synagoge an der Adresse Ulica Józefa Piłsudskiego ist ein geschütztes Kulturdenkmal.

Die Synagoge im Stil des Neobarocks wurde auf Initiative von Moses Becalel Luria erbaut. Während der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude verwüstet und als Feuerwehrhaus genutzt.

Nach dem Krieg diente es als Garage und Lager. In den Jahren 1978 bis 1987 wurde die Synagoge von der Stiftung Pogranicze renoviert. In der ehemaligen Synagoge finden regelmäßig Ausstellungen statt.

Wikipedia

Ihre Existenz war mir erst gestern beim Stöbern im Internet und im elektronischen Stadtplan aufgefallen. Sie liegt nur zwei bis dreihundert Meter weiter vom Hotel auf unserm weiteren Weg nach Litauen.


Im Hintergrund die Klosterkirche

Wir haben Glück. Sie ist offen, eine Frau ist dabei, die Spuren des letzten Konzerts zu beseitigen – es finden in dem profanisierten Gebäude offensichtlich nicht nur Ausstellungen statt, sondern auch Rockkonzerte.

Die Beleuchtung des hohen und weiten Raumes ist abgeschaltet, das einzige Licht dringt durch die offene Türe. Wie an allen Orten, deren das Hitlerregime und seine Unterstützer vor Ort habhaft werden konnte, so wurde auch in Sejny die bedeutende jüdische Bevölkerung vernichtet. Damit sind wir wieder einmal konfrontiert und stehen betroffen.

In Sejny gab es nie eine national homogene Bevölkerung. Die gesamte Region war im Mittelalter von baltischen Stämmen besiedelt. Später wanderten Polen und Juden ein. Im Jahre 1897 stellten letztere ungefähr die Hälfte der Einwohnerschaft. Nach 1945 wurden verstärkt aus den Ostgebieten vertriebene Polen in der Gegend angesiedelt. Heute ist der Powiat Sejneński das Zentrum der litauischen Minderheit in Polen. Es gibt eine litauische Schule, ein Generalkonsulat sowie verschiedene kulturelle Einrichtungen wie die Zeitschrift Aušra (Morgenröte). Bei der letzten polnischen Volkszählung von 2002 bekannten sich 7,9 % der Stadtbevölkerung und 18,6 % in der Gmina Seiny zur litauischen Nationalität.

Wikipedia

Die Angaben zum Anteil der jüdischen Bevölkerung schwanken: Auf dem Plakat hier wird von 819 Personen (24%) gesprochen.

Draussen auf dem Parkplatz auf dem martialischen Denkmal kommt die Marienverehrung wieder voll zur Geltung; ebenso wie vor der Klosterkirche.


Im Hof der Klosterkirche (September 2014)

Links:

Auf nach Litauen!

Aber dann geht’s weiter, letzte Etappe nach Vilnius. noch liegen diese riesigen polnischen Kornfelder links und rechts, auch haben wir mal wieder eine bisher unbekannte kleine Strasse gefunden. Dann aber wandelt sich alles.

Wir scheinen Glück zu haben: Ab der unnützen und vor sich hin träumenden Zollstation von Litauen reisst der Himmel auf, wir sehen Blau und Sonne.

Die Felder werden weniger, kleiner, das Brachland grösser: Wir sind in Litauen, es ist eklatant.

Bei Merkinė überqueren wir zum ersten mal den Nemunas (Memel), der hier mit dem Merkys zusammenfliesst.

Direkt am Ende der Brücke von Merkinė liegen auf einem kleinen Hügel die Reste der erstmals 1359 erwähnten Holzburg von Merkinė.

Wie eigentlich alle Orte in Litauen, so hat auch dieser kleine Ort seine eigene traurige Geschichte.

Am 23. Juni 1941, kurz nach dem Einmarsch der Wehrmacht in Litauen, erreichten die deutschen Truppen auch Merkinė. Fast gleichzeitig begann auch dort die Judenverfolgung. Aber die deutschen Truppen machten auch Jagd auf Partisanen und Kommunisten. Offiziell wurden alle Verfolgten in Arbeitslager oder in das Gefängnis nach Alytus gebracht, in Wirklichkeit jedoch kurz nach dem Abtransport getötet. Im September 1941 wurden alle Juden des Dorfes von B. Naujokas, dem Polizeichef von Merkinė zusammen getrieben und in einer Synagoge sowie der jüdischen Schule gefangen gehalten. Etwa 700 Personen aus dem Umfeld, unter anderem aus Leipalingis, Seirijai und Liškiava, wurden ebenfalls von deutschen Soldaten sowie litauischen Hilfskräften, den sogenannten Weißarmbindern, nach Merkinė gebracht.

Am 10. September 1941 wurden alle Gefangenen, nach offiziellen Angaben aus dem Jäger-Bericht 854 Juden, darunter 355 Frauen und 276 Kinder, von Angehörigen der SS sowie litauischen Hilfskräften, dem sogenannten Einsatzkommando 3 ermordet.

Kurz vor Varena halten wir an einem unserer Lieblingsplätze, dem Glėbas-See. Zum Schwimmen ist uns zwar nicht zu Mute, aber der Blick über diesem See ist – naja, sowas wie „erhaben“. Er ist kreisrund, ca 1,5 km im Durchmesser und ein typisches eiszeitliches Überbleibsel.

Fast am Ziel

Und dann wird der Verkehr dichter, Vilnius kündigt sich an. Wir machen erst einmal Halt in der Akropolis, weniger, weil wir aus Griechenland kommen als des Internets und eines guten Cappuccino wegen.

Litauen ist ja eines der Länder, wo es völlig normal und kostenlos bis kostengünstig ist, überall mit dem Internet verbunden zu sein. Ein Festnetz gibt es nur noch rudimentär, alles läuft über Mobile Daten, auch zuhause.

Ich hole mir also bei Bitė eine neue SIM-Karte; ich bin noch im Computer, daher geht das blitzschnell. Bezahlt wird für wirklich unbegrenzten schnellen Datenverkehr – und zwar am Monatsende – mit Bitė-eigener Kreditkarte. Und wieviel? 26 € … Die SIM kommt in einen kleinen Taschenrouter, den ich vor drei Jahren hier erstanden habe und schon sind wir mir allen Geräten mit der Welt verbunden. Hallo, Deutschland!

Raudondvaris

Dann noch 20 km nach Norden und wir sind angekommen.

Und als abendlichen Abschluss gönnen wir uns ein Essen im Armenischen Restaurant auf der anderen Seeseite.

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* Rund Europa 2019 (2), 12. Tag: Ryn – Sejny

Mittwoch, 10.07.2019, 14:24:16 :: Sejny (Seine), Hotel Skarpa
Dienstag, 16.07.2019, 15:09:48 :: Raudondvaris, Litauen

Ich bin zunächst optimistisch am Morgen – bis nach dem Frühstück.

Das Hotel unter den Kastanien

Zwar beladen wir das Senfle noch trockenen Fusses und Hauptes, doch nach ein paar Kilometern ist klar: Wir werden nicht bis Vilnius fahren bei diesem Wetter.

Ryn, das Schloss

Störche am laufenden Band

Und so werden es gerade mal knappe 150 km, bis wir in Sejny Quartier beziehen – ein für das Städtchen gewaltiger Hotelkomplex in dem man sich schon mal verirren kann. Hier noch ein paar Eindrücke von unterwegs:


Bei Olecko

Kirche von Bakałarzewo

Kirche von Bakałarzewo

Mit Suwałki durchfahren wir die letzte grosse Stadt hier im Nordosten Polens (68.000 Einwohner), ehe wir im wirklich letzten grösseren Ort landen, s.o..

Suwałki (Suwalken)

Suwałki (Suwalken)

Suwałki

Polen, das Land der unendlichen Plakatwände

Aber dort, vom Hotelfenster, haben wird dann doch einen malerischen Ausblick.

Über Sejny morgen mehr, denn heute geht gar nichts, es regnet immer wieder. Wie langweilig … Und der geplante längere Aufenthalt in den Masuren, mit Schwimmen und Spazierengehen – alles mal wieder Kalter Kaffee, dieser Plan.

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* Rund Europa 2019 (2), 10. und 11. Tag: Ruhetag und Eława – Ryn

Dienstag, 09.07.2019, 18:04:09 :: Ryn, Masuren, Zajazd pod kasztanami (Gasthaus unter den Kastanienbäumen)

Der Montagmorgen war so grau und die Wettervorhersage so niederschmetternd, dass wir sehr schnell einer Meinung waren: Wir bleiben einen Tag länger. Hier im Hotel stimmt alles, also warum durch den Regen fahren, ohne was zu sehen, auszusteigen, gar zu baden? Seen hätte es hier ja wahrlich genug.

Also sitze ich fast den ganzen Tag an Bildern und Blogbeiträgen.

Am heutige Dienstagmorgen ist es nicht besser, nachdem es gestern Abend beim Sonnenuntergang so gut aussah.

Wir fahren aber trotzdem los – und kommen von einem Regengebiet ist nächste.

Er hat es deutlich ungemütlicher als wir, die wir wenigstens im Trockenen sitzen.

Aber wir wollen unser ursprüngliches Ziel Ryn (Rhein) im Masurischen Seengewirr endlich erreichen, also nutzen wir den Frontscheibenwischer spärlich, immer gewärtig, dass er ausfällt. Aber er hält durch und so erreichen wir bereits vor Mittag das Städtchen und checken gleich im unterwegs ausbaldowerten Gasthaus unter den Kastanienbäumen (Zajazd pod kasztanami).

Wie wir schnell feststellen, ist es eine Originalausgabe »Ferienheim der Sowjetzeit«, wie wir sie häufig im Baltikum gefunden haben. Hier toben an die 30 Kinder im Alter von ca. 8 – 10 Jahren herum, grosses Hallo! und Raus-und-Rein.

Kurzspaziergang

Iimmerhin zeigt der Himmel etwas Blau, was uns animiert, einen Spaziergang hinunter an den Jezioro Ryńskie (Rheiner See) zu unternehmen. Es ist natürlich nicht viel los.

Ein Schloss!

Burg und Schloss in Ryn überrascht uns. Es ist Hotel und Konferenzzentrum; vielleicht schauen wir morgen mal rein, denn eine drohende schwarze Wolke zieht auf.

Wir bestaunen die Infotafeln, u.a. eine über einen Verbindungstunnel zwischen dem Rheiner See und dem Ollofsee im Norden. Ein sehr ähnliches Bauwerk zum selben Zweck haben wir vor Kurzem in Weilburg bestaunt.

Und da geht’s schon los. Lis hat den Schirm und ich nasse Füsse und Jacke …

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* Rund Europa 2019 (2), 9. Tag: Schlochau – Iława (Eylau)

Sonntag, 07.07.2019, 15:09:37 :: Iława (Eylau), Hotel Karczama Labędź
Freitag, 12.07.2019, 14:21:01 :: Ergänzungen (Raudondvaris)

Schlochau

Am Morgen besichtige ich kurz die Burgreste mit Schlosskirche von Człuchów (Schlochau); Lis weigert sich, auszusteigen – es ist wirklich scheussliches Wetter, windig und kalt, von Sommer keine Spur.

Die Fahrt weiter nach Osten führt uns wieder durch unendliche Getreidefelder, oft bis zum Horizont, dann wieder kilometerweit durch dichte Wälder und Lindenalleen.

Wir sind schon froh, dass kein Tropfen Regen fällt, aber es ist so kalt, dass ich die Heizung aufdrehe …

In jedem Dorf, sei es auch noch so klein: Eine Kirche gibt es nahezu immer, oft neugotisch in Backstein, oft aber auch bullig, zuweilen ziseliert und überspitz. Immer wieder denken wir dann an die Kirchen, Synagogen und Moscheen durch – vom Polarkreis bis hinab nach Naxos: Dieselbe Ur-Religion …

Die Marienverehrung im Norden Polens sticht ins Auge. Was in Bayern die Wegkreuze sind hier die Marienaltare und Weghäuschen.

Allerdings steckt dahinter nicht zuletzt eine politische Komponente der Katholischen Kirche in Polen, und das ist weniger putzig:

Der Kampf um „Nationalkultur“ und gegen „Antikultur und Antizivilisation“, was eine äussert scharfe Aggression gegen „LGBT-Ideologie“ einschliesst. Der Sender Radia Maria ist dabei von entscheidendem Einfluss.

Politischer Einfluss
Dem Sender wird vorgeworfen, dass er sich einseitig und parteiisch in die Politik einmische. Die polnischen konservativ-katholischen Parteien wie Recht und Gerechtigkeit (PiS) und Liga Polnischer Familien (LPR) wurden im Wahlkampf unterstützt. Pater Tadeusz Rydzyk, der die „Hochschule für Sozial- und Medienkultur“ (Wyższa Szkoła Kultury Społecznej i Medialnej) in Toruń (Thorn), deren Rektor er ist, wie auch den Fernsehsender TV Trwam leitet und die Zeitung Nasz Dziennik gründete, wird Parteinahme vorgeworfen.
Die Kritik am Sender richtet sich vor allem dagegen, dass Programminhalte einen europaskeptischen, antisemitischen und fremdenfeindlichen Charakter aufwiesen. Insgesamt gingen beim nationalen Landesrundfunkrat knapp 40 Beschwerden gegen Radio Maryja ein.

Wikipedia, Radia Maria

Man darf das wohl alles als immer noch wirkende Folgen der Eroberung durch die Kreuzritter interpretieren …

Störche …

… thronen natürlich auch fast in jedem Dorf, oft sogar zwei oder drei Familien. Auf diesen weiten feuchten Flächen findet sich reichlich Nahrung. Selbst am Strassenrand waten sie in den Gräben, ohne sich durch den Autoverkehr stören zu lassen. Erschrecken kann man, wenn sie plötzlich fliegend neben einem auftauchen. Derart Grösse Vögel sind wie nicht mehr gewöhnt, hier gehören sie zum »Strassenbild«.

Auf den verlorenen stillen Nebenstrassen kommt für eine Weile die Sorge um eine Tankstelle auf, aber wir haben mal wieder Glück.

Wir passieren neben vielen kleinen und kleinsten Dörfern und Ansiedlungen mit alten teils verfallenen Gutshöfen die Städte Tuchola (Tuchel) und nach Überquerung der Weichsel, dem längsten Fluss Polens, …

Grudziądz (Graudenz) und geben kurz nach Iława (Deutsch Eylau)

… auf, als wir das rustikale Hotel am See liegen sehen.

Fahren macht keinen Spass bei der Witterung, diesem verhangenen Himmel. Das Restaurant ist nahezu überbelegt – eine Tauffeier, wie sich später herausstelt. Aber ein freies Zimmer gibt es für uns, 48 € mit Frühstück. Und so haben wir’s mal wieder wie gewünscht: Hotel mit Seeblick …

Gasthaus zum Schwan

Wir sind in Masuren, das ist zunächst die Hauptsache, obwohl wir uns das mit reichlich Sonne bei milden Temperaturen gewünscht hatten. Die Wetterprognosen reichen hingegen über täglichen Regen bis Litauen und Temperatur deutlich unter 20°C nicht hinaus. Ist der Sommer schon vorüber? Lis ist der festen Überzeugung, dass. Und so trauen wir uns trotz aufreissendem Himmel nicht ohne zwei Jacken nach draussen.

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* RundEuropa 2019 (2), 8. Tag: Oderberg-Człuchów (Schlochau)

Samstag, 06.07.2019, 21:25:08 :: Człuchów (Schlochau), Hotel Nad Jeziorem

Nach dem letzten gemeinsamen Morgenkaffee, den Johanna immer vorbereitet hat, gehen wir für das Frühstück und den Fahrtproviat einkaufen. Die Fleischerei schneidet uns ein ganze Rehsalami auf, ich hole beim Bäcker die Brötchen und werfe einen letzten Blick zurück in die Hauptstrasse …

… und auf den Rosenbusch am Rathaus, der diese eigenartig roten Blüten hervorbringt.

Und während des Frühstücks fällt mit ein, dass ich doch endlich diesen Balken, auf dem der Sailer einst die Meterangaben für seine Seile aufgemalt hat, fotografiere; all die letzten Tage hatte ich das immer wieder vergessen.

Nachdem ich das Senfle vom Parkplatz geholt, das letzte Gepäck und die Souvenirs verstaut sind, geht’s los nach Osten, zunächst über die Oderbrücke in Hohenwutzen nach Polen, vorbei am schon bekannten kilometerlangen Polenmarkt. Diesmal erwischt Lis auch das Weltkriegsdenkmal Alm Strassenrand.

Der vorhergesagte Regen macht uns Sorgen, er hält sich aber die ganze Zeit sehr in Grenzen. Fotowetter ist dennoch nicht. Aber man kann nicht alles haben. Nach den heissen Tagen zuvor ist das Wetter zumindest für mich wie eine Wohltat …

Wir sind ja schon so oft durch Polen gefahren, dass es schwer fällt, noch eine Route auf Nebenstrassen zu finden, die einerseits eben wenig befahren sind aber dennoch ein einigermassen zügiges Fahren durch viele Dörfer und Städtchen ermöglicht. Dieser nördliche Teil Polens ist Landwirtschaft pur, nur zuweilen unterbrochen durch frische und wuchernde Wälder. Flach ist es auch, wie das Höhenprofil zeigt: Auf gerade mal knapp 190 Meter kamen wir.

Wir fahren durch endlose Weizenfelder, teils schon geschnitten, Rüben und Mais, der aber ziemlich kümmert – ihm fehlt der Regen. Vor einigen Jahren ging nahezu die gesamte Maisernte in Polen verloren – es war entsetzlich, als wir aus Litauen zurück fuhren und nur grau-gelbe verdorrte Felder sahen.

Immer wieder überraschen uns Bauwerke aus der Zeit, in die wir nicht nur dadurch immer wieder eintauchen: Es waren deutsche Siedlungen, Dörfer, Städte – meist mit langer Geschichte und Tradition, mit der man eben dann konfrontiert wird, wenn man unvermittelt darauf zu fährt. Kriege, Eroberungen, Geschacher und Heiraten und immer wieder die Kreuzritterorden, Bischöfe, der Papst …

Kirchen und Alleen …

… begeistern uns auf dieser Strecke immer wieder, Vielfalt, Wucht, geduckte Einfachheit. Die Linden aber, der Allee-Baum schlechthin, sie stehen überall wuchtig im Wind.

Umleitungen …

… sind häufig zu finden und immer wieder eine Herausforderung, zwingen sie einen selbst und das Navi, die Realität anders zu sehen, als sie kurz zuvor schien: Die Beschilderungen und Anleitungen sind nicht immer derart präzise …

Wir finden in Człuchów (Schlochau) das Hotel Nad Jeziorem für 43€ mit Frühstück. Zum Abendessen haben wir Mixed Pickles und russische Eier und einen Ein-Liter-Krug Saft, alles zusammen für 6 €.

Es ist sehr kühl trotzdem machen wir einen kurzen Spaziergang hinunter an den See, wo die Schlosskirche der alten Burg herüber grüsst. Die ist dann morgen dran.

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* Rund Europa 2019 (2), 5. bis 7. Tag: Oderberg (3)

Mittwoch, 03.07.2019, 17:02:41 :: Oderberg
Donnerstag, 04.07.2019, 18:09:09 :: Oderberg
Freitag, 05.07.2019, 19:23:30 :: Oderberg

Biergarten und Eissalon

Ihr habt es sicher schon gemerkt: Verhungern muss hier niemand. Es gibt neben der Fleischerei und den Marktwagen zum Beispiel auch einen hervorragenden Eissalon, der sich überhaupt nicht verstecken muss.

Da waren wir die letzten zwei Tage ausgiebig. Und haben dabei festgestellt, dass es doch eine grosse Zahl von Touristen gibt, die hier wandern und eine Menge Kinder, die beim Zirkusprojekt des Zirkus Zack mitmachen.

Sie hatten das Eiscafé gestern voll unter Kontrolle.

Den Biergarten hingegen haben wir heute zu einem kleinen Imbiss aufgesucht. Dort wird eigenes Bier gebraut, was mich nicht weiter bewegt, da ich kein Bier mag.

Um hier draussen zu sitzen war es eindeutig zu »frisch«.

Drinnen ist es gemütlich, wir sind allerdings die einzigen Gäste. Eine alte Weinpresse wird von einer uns zuprostenden Putte bewacht. Der Doppeladler auf dem oberen Querbalken gibt allerdings Rätsel auf.

Ausserdem stellt hier derzeit ein polnischer Seemann und Maler, Henryk Ciesielski, einen Teil seine Werke aus. Kunst und Kultur überall hier in Oderberg, ich staune immer mehr.

Ach ja: Hatte ich schon erwähnt, dass Oderberg eine neugotische Kirche besitzt?

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* Rund Europa 2019 (2), 5. bis 7. Tag: Oderberg (2)

Mittwoch, 03.07.2019, 17:02:41 :: Oderberg
Donnerstag, 04.07.2019, 18:09:09 :: Oderberg
Freitag, 05.07.2019, 12:19:54 :: Oderberg

Abendvergnügungen

Es ist ja kalt hier, vor allem, wenn man nicht in der Sonnen sitzt. Und neben dem Schreiben wollen wir ja auch was erleben. Und was essen. Eben. Und zu alledem ist Johanna am späten Nachmittag unsere Führerin und Fahrerin.

Das Feste Haus

Am ersten Abend besuchen wir das etwas skurile Feste Haus oder Schloss auf der (ehemaligen?) Insel Neuenhagen mit Räumen voller Kunstobjekte. Es ist u.a. die Adresse für alle Brautpaare, die ihren Hochzeitstag in ungewöhnlicher Umgebung verbringen möchten.

Natürlich ist Johanna gut bekannt und so können wir uns in Ruhe umsehen.

Nicht so gut gelingt der Besuch der »Satteltasche«, einem kleinen Restaurant ein paar Kilometer weiter zum Abendessen. Wir sind zu spät. Wir werden das aber am folgenden Abend nachholen.

Speisen im Kloster

Was also tun, mit hungrigem Magen? Johannas Vorschlag, dann mal eben über die Oder nach Polen zu fahren – vorbei am kilometerlangen Polenmarkt –, um dort im alten Kloster Klasztor Cedynia zu speisen, nehmen wir nicht nur an sondern es wird ein voller Erfolg, auch wenn wir dann die letzten Gäste sind. Bei Sonnenuntergang präsentiert sich das Gebäude aus der Mitte des 13. Jahrhunderts besonders romantisch. Das Kloster

Das ehemalige Zisterzienserinnenkloster Zehden liegt in der Ortschaft Cedynia (Zehden in der Neumark) in der polnischen Woiwodschaft Westpommern, wenige Kilometer östlich der Oder zwischen Bad Freienwalde (Oder) (Bundesrepublik Deutschland) und Chojna (Königsberg in der Neumark).

Die Gründung des Zisterzienserinnenklosters ist auf das Jahr 1266 datiert. Das eng mit dem Kloster Chorin auf der westlichen Oderseite verbundene Kloster wurde 1278 geweiht. Zunächst noch relativ unbedeutend, gewann Kloster Zehden schnell an Einfluss und Wohlstand. Es verfügte schließlich über großen Landbesitz. Kloster Zehden spielte eine bedeutende Rolle bei der Entwicklung des Gebietes um Zehden sowie bei der Christianisierung der Neumark und von Vorpommern. Im 15. Jahrhundert gehörte das Kloster zum Ordensritterstaat des Deutschen Ordens, später zum Kurfürstentum Brandenburg.

Wikipedia

So. Das war der erste Abend.

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