Was Leser von Amazon wollen (gefunden auf Facebook)

#RS/cal/2020/05/29# Freitag, 23:10:20

Dieses Fundstück belegt den Stand bundesdeutscher (Lese-)Kultur wohl hinreichend. Ich habe es konserviert:


Ich hab hunderte 1-Sterne-Bewertungen von Büchern auf Amazon durchforstet und zusammengetragen, was Leser*innen eigentlich von Autor*innen wollen:

Was Leser*innen wollen:

Sie wollen, dass das Buch in zwei bis drei Tagen geliefert wird. Sie wollen dass das Buch noch am selben Tag geliefert wird. Sie wollen, dass das Buch geliefert wird. Sie wollen dass das Buch nicht komisch riecht. Sie wollen, dass der Einband nicht beschädigt ist. Sie wollen dass der Kartonschuber nicht verbeult ist. Sie wollen, dass das Papier nicht biebeldünn ist. Sie wollen, dass das Buch nicht eingerissen ist und keine Eselsohren hat. Sie wollen keine zehn Euro für dieses Taschenbuch ausgeben. Sie wollen keine zwanzig Euro für dieses Hardcover ausgeben. Sie wollen, dass das Buch keine Notizen darin hat. Sie wollen, dass das Buch keine Flecken hat. Sie wollen ein unbeflecktes Buch. Sie wollen, dass das Buch leicht verständlich ist. Sie wollen dass das Buch nicht zu banal ist. Sie wollen, dass das Buch nicht aus simplen Alltagsphilosophie-Weisheiten besteht. Sie wollen etwas aus diesem Buch lernen. Sie wollen, dass das Buch sie nicht belehrt. Sie wollen dass die Hauptfiguren eine große Wandlung durchleben. Sie wollen dass sie eine neue Wirklichkeit erschaffen. Sie wollen, dass nicht zu viele Stellen auf Latein vorkommen. Sie wollen, dass sie die Wörter nicht extra im Internet nachschlagen müssen, um sie zu verstehen. Sie wollen, dass sie nicht etwas erfahren, das sie gar nicht wissen wollen. Sie wollen keine Namen, Sätze und Taten auswendig lernen. Sie wollen, dass die Lektüre nicht ermüdend ist. Sie wollen keine Gewalt. Sie wollen keine Sexszenen. Sie wollen keine 600, 700, 800 Seiten lesen, die man eigentlich auf zwei Seiten zusammenfassen könnte. Sie haben Klassiker eigentlich immer sehr gerne gelesen. Sie wollen, dass die Charaktere gut ausgearbeitet sind. Sie wollen, dass die Haar- und Augenfarbe der Charaktere erwähnt werden. Sie wollen, dass auch manche Sachen der Fantasie überlassen werden. Sie wollen, dass die Einrichtung der Räume beschrieben wird. Sie wollen, dass nicht jede banale Alltagshandlung beschrieben wird. Sie wollen nicht bei der Lektüre einschlafen. Sie wollen sich freuen, wenn sie wieder ein Kapitel geschafft haben. Sie wollen keine elendslangen Beschreibungen von einer Frau die Kartoffel schält. Sie wollen von dem Buch nicht enttäuscht werden. Sie wollen jetzt erstmal ein bisschen Abstand zu Klassikern halten. Sie wollen kein Buch für ihre Kinder kaufen, dass eigentlich gar nicht für Kinder geeignet ist. Sie wollen, dass das Buch bei ihren Kindern nicht zu einer Verwirrung des Geistes führt. Sie wollen, dass das Buch kein Zeitverlust ist. Sie wollen, dass die Jubiläumsausgabe geliefert wird, wenn sie die Jubiläumsausgabe bestellt haben. Sie wollen, dass die Bücher die so hoch gelobt werden nicht so hoch gelobt werden. Sie wollen, dass Der kleine Prinz keinen Selbstmord enthält, weil das zu brutal für Kinder ist. Sie wollen, dass Der kleine Prinz nur aus der Zeile „Man sieht nur mit dem Herzen gut“ besteht. Sie wollen, dass Kinderbücher nicht platt, ohne Inhalt und langweilig sind. Sie wollen, dass Kinderbücher ihre Kinder nicht schockieren. Sie wollen dieses Buch keinem Kind vorlesen. Sie wollen nicht, dass ihre Kinder schockiert sind. Sie wollen nicht, dass im Talmud so viele Rabbiner zitiert werden. Sie wollen, dass der rote Faden erkennbar bleibt. Sie wollen, dass der Koran nicht so eine bekehrende Religion ist. Sie wollen da eigentlich gar nicht mehr dazu sagen. Sie wollen, dass sich der Roman nicht wie Kaugummi zieht. Sie wollen, dass sich die Dialoge nicht wie Kaugummi ziehen. Sie wollen, dass die Handlung nicht in einem Satz zusammengefasst werden kann. Sie wollen, dass das Buch keine Daseins-Berechtigung hat. Sie wollen das Buch eigentlich am liebsten verbrennen. Sie wollen das Buch gegen die Wand werfen. Sie wollen das Buch aus dem Fenster werfen. Sie wollen das Buch am liebsten verbrennen. Sie wollen das Buch am liebsten zerreißen. Sie wollen dass Buch am liebsten in den Müll werfen. Sie wollen, dass die Odyssee nicht in Reimen geschrieben ist. Sie wollen, dass die Odyssee in Romanform erzählt worden wäre. Sie wollen, dass die Ilias nicht zu 90 Prozent aus der Aufzählung von altgriechischen Namen besteht. Sie wollen, dass der Autor nicht 60 Jahre lang an der Fertigstellung eines einzigen Theaterstückes schreibt. Sie wollen, dass nicht jede freie Ecke mit Schnörkeln versehen ist. Sie wollen, dass sie nicht zur Zwangslektüre von Goethe und Schiller verurteilt werden. Sie wollen, dass Goethe nicht mehr in der Schule unterrichtet werden soll. Sie wollen, dass man die Kinder nicht mehr mit Schiller quälen soll. Sie wollen, dass man die Bücher von Goethe verbrennen soll. Sie wollen, dass man die Bücher von Schiller aus dem Fenster werfen soll. Sie wollen, dass sich niemand Romeo und Julia kauft. Sie wollen, dass, wenn sie die Hörbuch-CD auf ihrem PC starten nicht ein Inhaltsverzeichnis in unbekannter Sprache erscheint, woraufhin sie die 1. Szene und den 1. Auftritt starten und, nachdem sie sich mit Hilfe des Reclam Heftes Durchblick verschafft haben, feststellen mussten, dass der berühmte Monolog aus Hamlet eigentlich im 3. Aufzug in der 1. Szene (Sein oder Nichtsein) auf der CD gar nicht enthalten ist, sondern im 2. Aufzug in der 2. Szene (Titel Nr. 7.) und wenn sie das vorher gewusst hätten, hätten sie diese CD nie gekauft. Sie wollen, dass sich die Rezensionen über ein Buch nicht überschlagen, wenn das Buch in Wirklichkeit gar nicht gut ist. Sie wollen, dass das Buch sie berührt. Sie wollen, dass das Buch nicht „Anna Karenina“ heißt, sondern lieber „Kitty und Lewin“ oder „Lewin bei der Heuernte“. Sie wollen, dass sie mit dem Buch was anfangen können. Sie wollen, dass sie nicht als Kulturbanausen bezeichnet werden. Sie wollen dieses Buch ja fertiglesen. Sie wollen von ihrem Lesekreis nicht ausgeschlossen werden. Sie wollen nicht auf Seite 44 das Interesse verlieren. Sie wollen, dass die Schrift nicht so klein ist. Sie wollen, dass die Schrift größer ist. Sie wollen, dass die Seite größer ist. Sie wollen, dass das Papier dicker ist. Sie wollen nicht zehn Euro für ein Taschenbuch zahlen. Sie wollen, dass Das Kapital nicht auf einer völlig falschen Grundprämisse aufbaut. Sie wollen, dass Marx seinen Fehler eingesehen hätte. Sie wollen, dass Ayn Rand nicht so viel über ihre abstruse Sexualität schreibt. Sie wollen ja gar nicht politisch werden. Sie wollen, dass „Mein Kampf“ von Adolf Hitler nicht so verteufelt wird. Sie wollen, dass nicht so ein Hype um dieses Buch gemacht wird. Sie wollen, dass dieses Buch nicht um 70 Euro mit einer Auflage von gerade mal 4000 Stück verkauft wird, seit das Urheberrecht abgelaufen ist. Sie wollen all diese kritischen Kommentare in der Neuausgabe von „Mein Kampf“ nicht. Sie wollen, dass man den Leuten selbst das Denken überlässt. Sie wollen, dass das Buch auf den Index kommt. Sie wollen, dass ihnen das Buch nicht von Kommentaren von linkslinken Akademikern kaputt gemacht wird. Sie wollen, dass sie das Buch nicht extra aus Italien oder England bestellen müssen, um es ohne kritische Kommentare lesen zu können. Sie wollen, dass Historiker nicht immer ihren Senf dazugeben. Sie wollen vom Dalai Lama nicht enttäuscht werden. Sie wollen, dass Kinder die Religion des Dalai Lama nicht als Allheilmittel auffassen. Sie wollen, dass die Sprache des Buches für ein Kind verständlich ist. Sie wollen, dass Harry Potter nicht so primitiv illustriert ist. Sie wollen, dass das Buch die Erwartung erfüllt, die seine Verfilmungen versprechen. Sie wollen, dass das Buch nicht so unsympathisches Glanzpapier hat. Sie wollen, dass erwachsene Menschen nicht Harry Potter lesen, weil das nur noch traurig ist. Sie wollen, dass nicht so ein Gedöns um eine Fantasiefigur gemacht wird. Sie wollen nicht sieben Bücher, sondern nur eines. Sie wolle nicht drei Bücher, sondern nur eines. Sie wollen Der Herr der Ringe in der Übersetzung von Margaret Carroux, nicht von Wolfgang Krege. Sie wollen, dass Sam nicht die ganze Zeit „Frodo Chef“ sagt. Sie wollen, dass der Einband stabil ist. Sie wollen nach den Filmen nun auch die Bücher lesen. Sie wollen, dass der Pappschuber stabil ist und die Kanten nicht so stumpf geschnitten. Sie wollen, dass Amazon Service anbietet und keine bloße Abfertigung von Kunden. Sie wollen, dass, wenn sie schon eine limitierte Sammleredition kaufen, zumindest auch irgendwo im Buch eine Seriennummer finden, wo dokumentiert ist, dass das eine limitierte Sammleredition ist. Sie wollen, dass, wenn sie den Mythos des Sisyphos als Kindleausgabe kaufen und in den folgenden sechs Jahren dreimal das Kindle wechseln, das Buch nicht ein drittes Mal herunterladen müssen, was eine Unverschämtheit ist, zumal der Kindle-Preis dem eines gedruckten Buches entspricht. Sie wollen sich ja gar nicht aufregen. Sie wollen, dass der Autor sich nicht in Schwarzseherei ergeht, in Gejammer von der angeblichen Sinnleere des Seins, der Substanzlosigkeit und der Absurdität des Lebens. Sie wollen dass die Leute Bücher meiden, die eine zerrüttende Wirkung auf sie haben. Sie wollen, dass Elfriede Jelinek in ihnen nicht nur ein Gefühl des Ekels auslöst. Sie wollen nicht dafür geshamed werden, noch nichts von Elfriede Jelinek gelesen zu haben. Sie wollen Die Klavierspielerin ja wirklich lesen. Sie wollen von ihrem Freundeskreis ja nicht als minderbemittelt angesehen werden. Sie wollen der Protagonistin gegenüber Gefühle hegen. Sie wollen das Buch ja lesen. Sie wollen, dass die einzigen Gefühle, die sie bei der Lektüre entwickeln nicht entstellend und verstörend sind. Sie wollen, dass solche Geschichten niemandem einfallen würden. Sie wollen, dass die Figuren sympathisch sind. Sie wollen sich mit den Figuren identifizieren. Sie wollen, dass die Autorin nicht vorbelastet ist. Sie wollen, dass der Autor keine geistige Krankheit hat. Sie wollen, dass das Buch sie nicht provoziert. Sie wollen das Buch jetzt zurückgeben. Sie wollen jetzt mit einem Vorgesetzten sprechen. Sie wollen nicht nach einem Sinn suchen müssen. Sie wollen eine gemeinsame Basis mit Ingeborg Bachmann finden. Sie wollen, dass den Österreichern Recht gegeben wird. Sie wollen, dass Thomas Bernhard postum verurteilt wird. Sie wollen, dass Thomas Bernhard postum gesteinigt wird. Sie wollen etwas von Handke lesen, aber bisher haben sie nur etwas über ihn gelesen. Sie wollen gar nichts von Kafka lesen, sie mussten ihn aber in der Schule lesen. Sie wollten es gar nicht kaufen, aber sie mussten es kaufen. Sie wollen nicht, dass Kafka immer so negativ ist. Sie wollen, dass Der Process ein Ende hat. Sie wollen, dass der Roman eine zufriedenstellende Interpretation hat. Sie wollen, dass sich nicht jedes Kapitel auf zwei bis drei Sätzen zusammenfassen lässt. Sie wollen von Büchern wie Der Process verschont bleiben. Sie wollen nicht, dass das Buch dreckig, alt und stinkend ist. Sie wollen, dass das Cover dem entspricht was in der Beschreibung abgebildet wurde. Sie wollen, dass da nicht mit so vielen Worten so wenig gesagt wird. Sie wollen aufgeben. Sie wollen das Buch in den Kamin werfen. Sie wollen es nicht fertig lesen. Sie wollen Der Verschollene lesen, oder Amerika. Sie wollen, dass der Titel nicht so verwirrend ist. Sie wollen, dass der Roman sie nicht kalt lässt. Sie wollen sich jetzt nicht auch noch die letzten zwanzig Seiten reinwürgen. Sie wollen, dass das Buch endlich bei ihnen ankommt. Sie wollen, dass, wenn sie etwas bestellen, es auch bei ihnen eintrifft. Sie wollen nicht noch länger auf das Buch warten. Sie wollen, dass das Buch eine Haltung hat, eine Botschaft, eine Meinung, eine Klarstellung, eine Intention, eine Aussage, etwas, das ihnen sagen kann, was sie davon halten sollen. Sie wollen einfach nur wissen, worum es geht.

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Corona-Quarantäne, Tag 8

Sonntag, 22.03.2020, 22:48:58 :: Naxos

Ich hatte bereits am 18. März ein längeren Beitrag zur statischen Fragen veröffentlicht. Hier nun eine Ergänzung, die auch im zitierten grossen Beitrag nachgetragen wurde.

Am morgen früh 6:00 EEZ gilt in ganz Griechenland ein nahezu vollständiger Lockdown, nachdem sich erwartungsgemäss viele Griechen nicht an die Anordnungen gehalten haben. Fehlverhalten kostet dann 150 € pro Verfehlung.

“I will not allow a few flippant people to put everyone at risk.”

Prime Minister Kyriakos Mitsotakis

Ergänzung 2020-03-22

Seit ein paar Tage sieht es so aus, als gingen die Fallzahlen leicht zurück. Sicher ist das erst in ein paar Tagen, aber so sieht es derzeit aus (Fallzahlen wie immer von der Berliner Morgenpost)

Hier sieht mann, dass die prognostizierte Kurve seit dem 19./20.3. deutlich steiler ansteigt, als die gemeldeten Werte.

Noch genauer sieht man es hier: Während bis zum 18.3. die Werte sich sehr eng an die Regressionskurve hielten, kommt es jetzt zu starken Abweichungen. Woran das liegt, kann ich nicht sagen, aber hoffen darf man ja, dass es tatsächlich zu einer Abflachung kommt. Das RKI wird uns das dann sicher in zwei, drei Tagen erklären.

Simulation

Die lohnt es sich anzuschauen.

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Reisen in Zeiten des Corona-Virus

Dienstag, 10.03.2020, 17:34:15 :: Naxos

Seit Tagen überlegen wir: Wie kommen wir ungeschoren nach Deutschland? Wird Italien gesperrt? Können wir innerhalb eines Tages ohne Halt von Slowenien bis München kommen? Ist das sinnvoll? Wird Bayern zum Hotspot? Oder Baden-Württemberg?

Sollen wir also gar nicht fahren?

Noch sind es fünf bis max. sechs Wochen bis wir los müssten, um unsere Termine in Deutschlang einhalten zu können: TÜV für‘s Senfle, Ärzte, diverse Klassentreffen, Verwandte und Freunde.

Reisen? Das täglich mehr und mehr eine Frage des Könnens und nicht des Wollens. Italien ist seit heute dicht, ein Durchkommen nach Österreich nur mit ärztlichem Attest möglich.

Links:

Wir richten uns wohl besser darauf ein, dieses Jahr nicht nach Deutschland zu fahren. Bisher ist auf der Insel nichts, aber irgendwann schlüpft der Virus vielleicht doch mit auf die Fähre oder ins Flugzeug – denn, siehe oben:

Nicht betroffen von Verboten sind religiöse Veranstaltungen. Die Kirche in Griechenland wehrt sich gegen jegliche Beschränkungen. Der Bischof von Piräus Serafeim verkündete gar, dass nur diejenigen betroffen sein könnten, welche an Messen samt Eucharistie ohne wahren Glauben teilnehmen würden.

[…]

Ausgerechnet die Professorin für Infektionskrankheiten an der Universität Athen, Eleni Giamarellou, verkündete zum Entsetzen ihrer Kollegen, dass keinerlei Gefahr bestünde und bekräftigte damit die Gerüchte über die denkwürdige Aussage der Hotline.

Auf die Nachfrage, was sie denn machen würde, wenn sie mit ihrer Kommunion direkt nach einem ihr bekannten CoVid-19 Patienten stünde, antwortete die Professorin: „Ich werde mit Glauben an Gott, dass ich mich nicht anstecke, die Kommunion entgegen nehmen. Ich sage ihnen das, was ich auch selbst machen werde.“

Gleichlautend antwortete auch der Kardiologe und SYRIZA-Politiker Giannis Michelogiannakis. Die Parlamentarierin von der Nea Dimokratia, Elena Rapti, betonte am Sonntag gegenüber dem kirchlichen Nachrichtendienst Romfea, dass sie bei der morgendlichen Messe zur Kommunion gegangen war. „Wenn es tiefen Glauben gibt, dann ist die Kommunion heilend“, meinte sie.

Derartige Ansichten wurden auch in den Hauptnachrichtensendungen von Fernsehsendern gezeigt. Die späteren Kommentare von Nachrichtensprechern, dass man sich doch im Zweifel an seinen Mediziner wenden solle, erscheinen angesichts der Tatsache, dass auch Mediziner unter den Befürwortern der Kommunion aus dem gleichen Kelch und mit dem gleichen Löffel zählen, kaum beruhigend.

Corona-Panik nur für Ungläubige?

Ausserdem haben wird ja auch noch diese unselige Katastrophe »nebenan«, die uns der Irre vom Bosporus eingebrockt hat. Es sind wahrlich schwierige Zeiten.

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Wie kommt man nach Naxos?

Donnerstag, 27.02.2020, 16:17:27 :: Naxos

Ich hoffe, möglichst viele stellen sich mittlerweile diese Frage:

Wie kommt man nach Naxos?

Für alle, die sich mit dem Gedanken tragen, uns auf Naxos zu besuchen, gibt es hier ein paar Hilfestellungen.

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Das politische Griechenland: Wie bisher, wie immer

Dienstag, 18.02.2020, 23:35:38 :: Naxos

Yanis Varoufakis sorgt für Unruhe: 5 Jahre nach seinem Abgang als griechischer Finanzminister gibt er bekannt, dass er seine Audio-Aufzeichnungen aus seiner Ministerzeit veröffentlichen wird: Euroleaks: Why release? And why now?.

Ich habe eine deutsche Übersetzung der oben verlinkten Erklärung hierzu angefertigt: Wer ist Schuld? Varoufakis!

Ich halte es für unerlässlich, sich das zu Gemüte zu führen. Es spielt sich wohl ab, wie seinerzeit die Episode mit dem Speicherstick mit den Steuerhinterziehern: Die amtierende Regierung will nicht wissen was ist und was war. Deshalb wird Y. Varoufakis das volle Transskript der Aufzeichnungen öffentlich machen. Termin: Um den 10. März 2020.

Man darf gespannt sein.

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* Rund Europa 2020

Samstag, 25.01.2020, 22:18:13 :: Naxos

Mitte April werden wir im Wesentlichen die gewohnte Balkanstrecke nach Deutschland nehmen. Einiges Neues wird es aber dennoch geben – zu viel liegt auf dieser Strecke, als dass ich sagen könnte, wir hätten nun langsam alles gesehen. Die Rückreise wird aber sicher interessanter …


Rot: 2006, blau: entlang der Save, gelb: fehlen Donauabschnitte

Hier geht’s zum aktuellen Stand.

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75 Jahre Befreiung von Auschwitz

Sonntag, 26.01.2020, 14:50:59 :: Naxos
Dienstag, 28.01.2020, 11:41:26 :: Naxos

Brecht hatte recht.

Hier zum einen der Hinweis auf einen aktualisierten Beitrag vom September 2007, den ich nach unserem Besuch von Auschwitz niedergeschrieben habe. Wir waren nach »Auschwitz I« so fertig, dass wir Birkenau gar nicht mehr besuchten. Fotos? Keine.

Was uns aber damals ins Auge stach: Die Infotafeln. Der Gegegensatz konnte nicht grösser sein, überall Scharen vor allem junger Israelis und bei Lesen der Tafeln der Eindruck, dass hier eigentlich nur Polen ermordet wurden. Auch 2003 in Warschau: Die Gedenkstätte des Warschauer Ghettos suchten wir vergeblich … Soviel zur offiziellen polnischen Sichtweise der eigenen Geschichte.

Der heutige 75. Gedenktag ist überschattet von wieder sehr hoher Kriegsgefahr, Wortgefechten über die Deutungshoheit darüber, wer welche Schuld am 2. Weltkrieg habe, die Rolle Polens, der Roten Armee … Gut, dass jemand zusammenfassend berichtet.

Links:

Das Buch von Pavel Polian, zur Lektüre empfohlen; auch als EBook

Vorsatz aus eben diesem Buch

 

Der FREITAG: Deutschland macht mich ratlos :: (PDF)

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Ägäis: Der türkisch-griechische Konflikt

Freitag, 24.01.2020, 18:50:31 :: Naxos

Dieser Konflikt kommt in deutschen Medien so gut wie nie vor. Warum? Ansehen!

Es ist alles brandgefährlich …

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Medien: Glotze, Zeitung, Blogs?

Freitag, 24.01.2020, 11:07:50 :: Naxos

Wo und was soll man lesen? Reicht die Tageszeitung, die morgens im Briefkasten steckt? Die abendliche Viertelstunde vor der Glotze? Das werbeschwangere Gebabbel im Radio?

Für alle, die hier vorbei schauen: Hier findet Ihr eine Linksammlung zu Informationsquellen im ausufernden Mediendschungel.

Instagram und Facebook reichen eben nicht.

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Wir sind von Sinnen: AKKs „Hunnenrede“

Samstag, 09.11.2019, 14:37:17 :: Naxos

Dies ist ein Beitrag, den ich von den Nachdenkseiten übernommen habe.

Wenn es noch einen Beleg für die Rechtsverschiebung des politischen Diskurses braucht, dann ist dies das Schweigen zu AKKs „Hunnenrede“

Die CDU-Vorsitzende und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hat eine Grundsatzrede zur neuen sicherheitspolitischen Ausrichtung Deutschlands und den damit verbundenen Aufgaben für die Bundeswehr gehalten. Unter anderem gehe es nun darum, „Chinas Machtanspruch“ im „Indo-Pazifischen Raum“ einzudämmen, um Deutschlands globale wirtschaftliche Interessen zu verteidigen. Noch vor wenigen Jahren wäre dies ein Tabubruch gewesen und Kramp-Karrenbauer hätte einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Doch heute? Bleiernes Schweigen. Von Jens Berger.

„Meine Einschätzung ist aber, dass insgesamt wir auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen negativ durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen. Alles das soll diskutiert werden und ich glaube, wir sind auf einem nicht so schlechten Weg.“

Nein, diese Sätze stammen nicht aus Kramp-Karrenbauers Grundsatzrede, sondern aus einem Interview, das der damalige Bundespräsident Horst Köhler am 22. Mai 2010 dem Deutschlandfunk gab. Die Kritik, die diesen Sätzen folgte, war gewaltig. Der damalige SPD-Fraktionsführer Thomas Oppermann verkündete, „Wir wollen keinen Wirtschaftskrieg“. Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin sagte, „Wir brauchen weder Kanonenbootspolitik noch eine lose rhetorische Deckskanone an der Spitze des Staates“ und befand, Köhlers Äußerungen stünden nicht mehr auf dem Boden des Grundgesetzes. Auch aus den Reihen der damaligen Regierungsparteien CDU und FDP gab es Kritik. Köhlers Äußerung sei „keine besonders glückliche Formulierung, um es vorsichtig auszudrücken“ (Ruprecht Polenz, CDU) und „etwas befremdlich“ (Rainer Stinner, FDP). Sogar sicherheitspolitischen Falken gingen diese Äußerungen zu weit. Michael Wolffsohn forderte Köhler auf, er solle sich öffentlich korrigieren. Der Verfassungsrechtler Ulrich Preuß von der Berliner Hertie School of Governance resümierte: „Das ist eine durch das Grundgesetz schwerlich gedeckte Erweiterung der zulässigen Gründe für einen Bundeswehreinsatz um wirtschaftliche Interessen. Da ist ein imperialer Zungenschlag erkennbar“.

Aus einer politischen wurde schnell eine gesellschaftliche Debatte und die Kritik an Horst Köhler war so präsent, dass sich dieser wenige Tage später zum Rücktritt gedrängt fühlte und sein Amt niederlegte. Das war vor etwas mehr als neun Jahren. Schauen Sie sich Köhlers Äußerungen noch einmal an und vergleichen Sie sie mit den Äußerungen in Annegret Kramp-Karrenbauers Grundsatzrede

Es besteht breite Übereinstimmung, dass Deutschland angesichts der strategischen Herausforderungen aktiver werden muss. […] Ein Land unserer Größe und unserer wirtschaftlichen und technologischen Kraft, ein Land unserer geostrategischen Lage und mit unseren globalen Interessen, das kann nicht einfach nur am Rande stehen und zuschauen. Nicht einfach nur abwarten, ob andere handeln, und dann mehr oder weniger entschlossen mittun, oder auch nicht mitzutun. […] Unsere Partner im Indo-Pazifischen Raum – allen voran Australien, Japan und Südkorea, aber auch Indien – fühlen sich von Chinas Machtanspruch zunehmend bedrängt. Sie wünschen sich ein klares Zeichen der Solidarität. […] Wir sind die Handelsnation, die von internationaler Verlässlichkeit lebt.
Wir sind neben China führend in der internationalen Containerschifffahrt – und auf freie und friedliche Seewege angewiesen. […] Denn natürlich hat Deutschland wie jeder Staat der Welt eigene strategische Interessen. Zum Beispiel als global vernetzte Handelsnation im Herzen Europas.

Zur grundsätzlichen Frage, ob es sinnvoll ist, den Welthandel militärisch abzusichern, hatte Albrecht Müller im August bereits Stellung bezogen. Was hier besonders ins Auge fällt: Während Köhlers Äußerungen vor neun Jahren noch als Tabubruch wahrgenommen wurden und dementsprechend kontrovers diskutiert wurden, löste Kramp-Karrenbauers Grundsatzrede vor allem eins aus: Schweigen.

Offenbar gehört es mittlerweile zum normalen politischen Diskurs, aus wirtschaftlichen Motiven heraus globale Machtansprüche zu formulieren und diese Ansprüche auch militärisch zu „verteidigen“ oder besser gesagt durchzusetzen. Was vor neun Jahren noch als Tabubruch wahrgenommen wurde, ist heute Normalität.

Es wäre auch falsch, dies nun auf die Person Kramp-Karrenbauer zu fokussieren. Es ist kaum vorstellbar, dass die CDU-Vorsitzende und Verteidigungsministerin ihre Aussagen nicht zuvor mit der Kanzlerin und sicherlich auch mit ihren internationalen Partnern aus der NATO und den USA abgestimmt hat. Dort wird man diesen Vorstoß sicher mit Freude vernommen haben, fordert Kramp-Karrenbauer – mit Rückendeckung der Kanzlerin – in ihrer Rede doch auch andere Dinge, die vor wenigen Jahren noch ein Tabubruch wären – z.B. will sie Deutschlands Sicherheit künftig auch in der Sahelzone verteidigen und fordert nachdrücklich eine massive Aufrüstung gemäß des 2%-Ziels.

Und die Reaktionen? Die Linkspartei kritisiert die Äußerungen erwartungsgemäß und auch aus den Reihen der Grünen ist dezente Kritik zu vernehmen. Was erstaunlich ist, hatte Grünen-Chef Habeck doch vor kurzer Zeit selbst eine militärische Sicherung der Handelswege für „denkbar“ gehalten Die SPD geht indes auf Tauchstation. Verständlich, denn auch aus ihren Reihen gab es in den letzten Monaten Vorstöße in diese Richtung. Die Medien verteidigen Kramp-Karrenbauer sogar proaktiv gegen die gar nicht vorhandene Kritik. Der Tagesspiegel meint, sie sei „auf dem richtigen Weg“ und die FAZ sekundiert, „Ja, wir müssen uns engagieren“. Und der Rest ist Schweigen. Es ist hoffnungslos.

Titelbild: Germans to the front! – Nach einem Gemälde von Carl Röchling 1855-1920

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