Politik und Bauchgefühl: Warum die Gewalt weiter zunehmen wird

Mittwoch, 19.07.2017, 12:44:30 :: Galanado

Ich habe vor einiger Zeit darauf hingewiesen und erklärt, warum ich zu politischen Themen nicht mehr schreiben mag. Grundsätzlich bleibt es wohl dabei, zu gering ist meine Reichweite und Lesergemeinde, als dass es einen anderen Sinn hätte, als den K(r)kopf zu leeren. Zuweilen läuft mir beim täglichen Studium der Medien aber doch was über den Weg, das weiter verbreitet gehört – weil es Grundsätzliches anders betrachtet als der Mainstream.

Wen meine Leseliste und Meinung zu Artikeln interessiert, mag das auf Facebook verfolgen; es kann dort auch Ernsthaftes verfolgt und diskutiert werden, was aber natürlich nur die wissen können, die dort Zutritt haben ;-).

Hier also der Link zum Original – verbunden mit dem Dank an den Autor und die Neulandrebellen – und in der Folge der Text hieraus. Er ist lang aber zuweilen sollte auch der Gehetzte zur Besinnung kommen…

***

von Camera Operator: SSGT MARIA J. LORENTE, USAF [Public domain], via Wikimedia Commons

Politik und Bauchgefühl: Warum die Gewalt weiter zunehmen wird

Tom Wellbrock, 18. Juli 2017

Kommt es hierzulande zu Gewalt, wird diese als etwas beschrieben, das sich außerhalb des normalen Lebens, außerhalb der Gesellschaft befindet. Wer sich nicht lauthals und vehement distanziert, gilt als potentieller Täter, der geächtet wird. Doch Gewalt ist Bestandteil unseres Lebens. Tendenz: steigend.

Zuletzt war es der Gipfel der G20 in Hamburg, der eine scheinbar ausufernde Form der Gewalt zur Folge hatte. Die Täter, angeblich „Linksradikale“ seien weder an der Kritik am Gipfel interessiert, noch hätten sie eine demokratische Legitimation für ihre Taten. Sieht man einmal davon ab, dass diese Darstellung verkürzt und unvollständig ist, lohnt ein Blick auf die Gründe für die Gewalt. Auch in Hamburg gab es nicht „die Gewalt“ oder „die Gewalttäter“, sondern unterschiedliche Gruppen und Beweggründe.

Bilder ohne Aussagekraft

Zum einen gab es mehr Bilder massiver Gewalt, als diese tatsächlich stattgefunden hat. Befeuert durch die sozialen Medien und die Möglichkeit, Live-Streams in Echtzeit online zu stellen, entstand der Eindruck, die zügellose Gewalt hätte die gesamte Innenstadt Hamburgs heimgesucht. Dabei wurde zum anderen die friedliche, weit größere Demonstration weitgehend ausgeblendet, und zwar sowohl von den professionellen Medien als auch von den Privatleuten, die die Ausschreitungen filmten.

Ohne Zweifel gab es Gewalt, und ohne Zweifel hat diese an einigen Stellen Formen angenommen, die grenzenloser Zügellosigkeit glichen. Brandstiftung, zerstörte Fensterscheiben und geplünderte Geschäfte ließen die meisten Zuschauer fassungs- und ratlos zurück. Dennoch hat die Gewalt einen verhältnismäßig geringen Teil des Protestes ausgemacht, dabei jedoch die maximale Wirkung erzielt. Nicht erst seit dem G20-Gipfel in Hamburg ist deutlich geworden, dass Bilder friedlichen Widerstands wenig Interesse hervorrufen. Wenn wir uns an die fast ausnahmslos friedlichen Demonstrationen gegen TTIP 2016 erinnern, dann wissen wir, dass die Demo mit mehr als 200.000 Menschen gemessen an ihrer Bedeutung nicht viel mehr als eine Randnotiz in den Medien gewesen ist, die weit entfernt davon war, noch Tage oder sogar Wochen mediale Aufmerksamkeit zu erzeugen. Wäre es zu Ausschreitungen gekommen, hätte die Sache gänzlich anders ausgesehen. Doch die Bilder der TTIP-Demo konnten keine Wirkkraft entwickeln, weil ihnen der „Drive“ fehlte.

Gewalt bietet diesen „Drive“. Doch das allein macht nicht die Faszination an Bildern von Gewalt aus. Es ist zusätzlich die Tatsache, dass friedlicher Protest faktisch (fast) keine Wirkung entfaltet. Wir erinnern beispielsweise uns an Sigmar Gabriel, der zwar 2016 publikumswirksam vermeldet hatte, TTIP sei gescheitert, ja sogar „mausetot“. Doch das war im August, also noch vor der großen Demonstrationen, und es lag an Verhandlungsproblemen. Kurz nach den Demos übte Gabriel massiven Druck auf die SPD-Parteibasis aus, sich für das andere Freihandelsabkommen, Ceta, auszusprechen. Doch die Demonstrationen hatten sich zuvor auch dagegen gerichtet. Die Kundgebungen gegen die Freihandelsabkommen haben letztlich also nichts bewirkt, Angela Merkel ignorierte den Protest einen Monat später einfach . Und erst vor Kurzem konnte man nachlesen, dass TTIP für die SPD wieder ein Thema ist.

Friedlicher Protest ohne Gewalt ist doppelt uninteressant. Erstens weil die spektakulären Bilder fehlen, die inzwischen wichtiger geworden sind als die Gründe für Widerstand. Und zweitens, weil sich die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass eine noch so große Demonstration letztlich nicht auf die politischen Entscheidungsträger wirkt. Unter diesem Gesichtspunkt ist die Betonung Angela Merkels darauf, dass Protest gegen den G20-Gipfel völlig in Ordnung sei, so lang es nicht zu Gewalt käme, bezeichnend. Denn die Botschaft dahinter lautet: Ihr könnt demonstrieren, Auswirkungen – welcher Art auch immer – darf das aber nicht haben.

Mit anderen Worten: Protest darf bunt und muss friedlich sein, er muss jedoch folgenlos bleiben. Dass dies in Hamburg nicht geglückt ist, liegt an unterschiedlichen Dingen, zum Beispiel am Austragungsort, der geradezu prädestiniert für die Entstehung von Gewalt war. Und an der Strategie der Polizei, die schon früh zur Eskalation beitrug.

Von wem auch immer und wann genau die Gewalt ausging und eskalierte, sie löste bundesweite Debatten darüber aus, wie mit Gewalttaten umzugehen sei und inwiefern politisch linkes Denken gesellschaftlich akzeptabel sei. Doch dieses Bild zerfällt schnell, wenn man etwas genauer hinsieht.

„Linke Gewalt“ als Exot der Gesellschaft

Geht man vernünftig an die Problematik heran, ist die Unterstellung, es habe in Hamburg vornehmlich „linke“ Gewalt gegeben, kaum haltbar. Denn niemand kann etwas über die Motivation eines schwarz gekleideten und vermummten Menschen sagen, der Steine wirft oder Auto ansteckt. Das mag in den 1970er Jahren noch einfacher gewesen sein. Wer damals auf eine Demo ging und sich für den schwarzen Block entschied, der war in der Regel politisch linksradikal eingestellt und der Meinung, dass friedliche Chorgesänge und Fahnen mit Friedenstauben nicht ausreichend waren, um bedeutsamen Widerstand zu leisten. Heute ist das schwieriger, was auch (aber nicht nur) an der Macht der Bilder liegt. Wo immer es die Aussicht auf Krawalle gibt, tauchen auch Interessierte auf, die sich keine Gedanken über die Gründe von Zusammentreffen machen. Sie nutzen vielmehr die Gunst der Stunde, um – geschützt durch die Masse oder unübersichtliche Situationen – Gewalt auszuüben. Eine politische Motivation fehlt. Der Gedanke an ein breites Publikum und die Chance, ins Fernsehen zu kommen oder auf Facebook geteilt zu werden, stachelt dagegen gewaltbereite Menschen an.

In Anbetracht der Tatsache, dass nach Hamburg Menschen aus ganz Europa angereist sind, ist es noch schwieriger, die Beweggründe der Gewalttäter auszumachen. Und es ist viel zu kurz gedacht und folgt einem Plan, die Gewalt ausschließlich der Linken (als politische Bewegung oder Partei) anzukreiden. Denn erstens muss sich die Politik so nicht den eigenen Fehlern stellen, die es zweifelsohne gibt. Zweitens verlagert sie die Diskussion auf einen oberflächlichen Nebenkriegsschauplatz, der zudem dazu geeignet ist, linkes Denken zu diskreditieren. Und drittens spielen seit den Ausschreitungen inhaltliche Dinge schon längst keine Rolle mehr.

Die Diskreditierung der Linken dient übrigens nicht nur dazu, sie bei der kommenden Bundestagswahl zu schwächen (was nach den derzeitigen Entwicklungen durchaus funktionieren könnte). Es geht noch weiter, denn da die Gewalt reduziert wird auf linkes Denken, wird eben dieses Denken als exotisch ausgemacht, als etwas, womit „die Gesellschaft“ nichts zu tun hat. Das Linke wird somit zu einem Fremdkörper, der sich außerhalb der Gesellschaft befindet, der letztlich geduldet wird, aber keine politische Berechtigung hat. Linkes Denken wird gewissermaßen aus dem gesellschaftlichen Denken eliminiert, mindestens aber der Versuch, dies zu tun, wird unternommen.

Mit der Gewalt wird übrigens ähnlich verfahren, was die gedachte, aber so nicht formulierte Strategie dahinter umso deutlicher macht:

Wir, die freie und demokratische Gesellschaft, haben weder mit der Linken oder linken Gedanken, noch etwas mit der Gewalt zu tun!

Doch beides – wenn auch nicht in dem kläglich lächerlichen Versuch, es in dieselbe Schublade zu stecken – gehört zum gesellschaftlichen Leben dazu. Die radikale Kategorisierung von linker Gewalt ist nicht weniger als der Versuch, das bestehende System einmal mehr als „alternativlos“ zu heroisieren und zügellose Gewalt mit linkem Denken gleichzusetzen. Eine absurde, aber funktionierende Methode.

Man kann darüber streiten, ob der Austragungsort Hamburg bewusst gewählt wurde, um Gewalt zu begünstigen. Man kann auch darüber sprechen, ob die polizeiliche Eskalation schon dem Zweck diente, einige Tage später über die Rolle der Linken insgesamt zu streiten. Man kann genauso darüber uneins sein, ob es in Hamburg staatliche Provokateure gab, die die Stimmung anheizen sollten.
Fakt ist jedoch, dass außer der Positionierung der Linken heute nicht mehr viel übrig ist vom G20-Gipfel in Hamburg. Die Linke wird zur Verantwortung gezogen für eine komplett missratene Gipfelplanung seitens der Bundesregierung. Und ein weiterer Punkt ist wichtig.

Kapitulation vor der Gewalt?

Die Frage wurde emotional geführt, das Ergebnis läuft immer auf eines hinaus: Es wird auch in Zukunft Veranstaltungen wie G20 geben, die in Städten wie Hamburg durchgeführt werden. Also selbst dann, wenn bekannt ist, dass es aller Wahrscheinlichkeit nach zu Gewalt kommen wird. Die immer wieder geäußerte Begründung: Hätte man aufgrund zu erwartender Gewalt den Austragungsort geändert, wäre das eine Kapitulation vor den Gewalttätern gewesen.

Das ist eine zutiefst aggressive und eskalierende Haltung. Sie lässt nicht etwa Besonnenheit bei der Wahl des Austragungsortes walten, sondern unterstützt Gewaltbereitschaft nach dem Motto: „Kommt doch her, Ihr werdet schon sehen, was Ihr davon habt!“ Zu Ende gedacht ist die Behauptung, man werde nicht vor Gewalttätern kapitulieren, erstens eine vorweggenommene Eskalation. Und zweitens die die offene Einladung an Gewalttäter jeglicher Couleur, zur nächsten Demo zu kommen.

Im Übrigen ist das Argument, man werde sich nicht vor Gewalttätern beugen, ein sehr kleiner Ausschnitt der Lebenswirklichkeit. Denn in Hamburg ging es nicht nur darum, mit einer überschaubaren Zahl von Gewalttätern zurechtzukommen. Es ging auch um den Rest der Bevölkerung, die – Privatleute wie Geschäftstreibende – unter dem Gipfel leiden mussten. Eine 82-jährige Frau erzählte, sie habe am Samstag des Gipfels Bilder des Zweiten Weltkrieges vor ihrem geistigen Auge gesehen. Sie sah, wie ihre Mutter sie an die Hand nahm, ein kleines, verängstigtes Mädchen und versuchte, den nächsten Bunker und somit das Überleben zu erreichen. Was in Hamburg geschah, weckte bei der Frau Erinnerungen, die sehr schmerzhaft waren. Wer verantwortungsvoll handelt, denkt nicht nur daran, ob und wie er mit Gewalttätern klarkommt, die er selbst anlockt. Er macht sich Gedanken darüber, wie die Bürger einer Stadt geschützt werden können.

Es geht also nicht um Kapitulation, sondern um die Fürsorgepflicht gegenüber gefährdeter Bürger. Doch genau diese war in Hamburg nicht zu sehen. Im Vordergrund standen a) die Gipfelteilnehmer und b) die Gewalttäter und c) die restlichen Demonstranten. Für den großen Rest reichten die geistigen und physischen Kapazitäten nicht aus.

Gewalt entsteht im Herzen

Wir sind weit entfernt von einem großen Aufstand oder gar einer Revolution. Doch es knackt im Gebälk. Die Ungleichheit im Land nimmt zu, während die Einflussmöglichkeiten der Bürger stetig abgebaut werden. Vielen Menschen wird die Möglichkeit der gesellschaftlichen Teilhabe nach und nach entzogen, wirtschaftliche Probleme der Betroffenen führen zum Gefühl des Ausgeschlossenseins. Auf der anderen Seite verdienen Spitzenmanager immer mehr, werden Privatisierungsmaßnahmen ebenso an den Menschen vorbei beschlossen wie die kontinuierliche Erhöhung der Rüstungsausgaben. Auch die Wirkungslosigkeit einer Demo wie die gegen TTIP und die Machtlosigkeit gegen Hamburg als Austragungsort für den G20-Gipfel tragen zur wachsenden Unzufriedenheit der Menschen bei.

Politische Entscheidungen werden ohne Mitwirkung der Bürger oder auch nur deren Anhörung gefällt, während der flächendeckende Wohlstand längst Geschichte oder ein Märchen ist. Und selbst zu Zeiten vor der Bundestagswahl kann kein Gefühl für eine Veränderung entstehen. Ein Martin Schulz ist auch deswegen so erfolglos, weil er lediglich das Bestehende an einigen Stellschrauben ein wenig modifizieren will. Nicht einmal die Agenda 2010 steht für ihn zur Diskussion, an ernsthafte politische Veränderungen gar nicht zu denken. Das führt nur wenige Menschen zu den Ideen der SPD, die abgestanden wirken, lustlos und wirkungslos.

Die Menschen erleben seit Jahren, wie Grundrechte beschnitten, seit Wochen, wie Staatstrojaner eingesetzt werden und das Fernmeldegeheimnis abgeschafft wird. Sie erleben die Abschaffung des Bankgeheimnisses und stellen gleichzeitig fest, dass ihr Kühlschrank immer leerer wird. Selbst vor der Bundestagswahl werden von der Politik keine grundlegenden Fragen mehr gestellt oder gar grundsätzliche Forderungen formuliert, das gilt also längst nicht nur für die SPD. Aus dem Bauch heraus entsteht zunächst einmal innerer Widerstand, der sich in einer abwehrenden Haltung gegenüber staatlicher Autorität äußert. Das Vertrauen ist dahin, und das ist kein Wunder. Aus dieser inneren „Kündigung“ gegenüber dem Staat heraus folgt nicht selten der nächste Schritt: Praktischer Widerstand in Form von Demonstrationen. Bis zur Gewalt ist es dann nicht mehr weit, selbst wenn es nur eine kleine Gruppe ist, die tatsächlich zu diesem Mittel greift.

Gewalt als logische Konsequenz

Der Reflex, Gewalt wortgewaltig zu verurteilen, liegt nahe, deckt aber nicht das ganze Thema ab. Wenn die Unzufriedenheit von Menschen wächst, wächst mit ihr die Bereitschaft, Gewalt auszuüben. Wir leben in einer Welt, in der davon ausgegangen wird, dass die demokratischen Strukturen, die Menschenrechte, die Chancengleichheit und materieller Wohlstand nicht die Voraussetzungen für Gewalt bieten. Doch diese Fassade hat schon länger Risse, die demokratischen Strukturen werden in immer mehr Lebensbereichen aufgeweicht, die Menschenrechte laufen immer stärker darauf hinaus, für Menschen zu gelten, die sie sich leisten können. Von Chancengleichheit kann schon lange nicht mehr die Rede sein, nur wer in entsprechende Familien hineingeboren wird, hat Chancen, sich nach oben zu arbeiten, und selbst wenn Talent und Wille fehlen, wird ein wenig nachgeholfen. Und der materielle Wohlstand geht an immer mehr Menschen vorbei, sie können sich am Ende des Monats selbst das Notwendigste nicht mehr leisten, von Dingen, die den Begriff „Wohlstand“ rechtfertigen würden, ganz zu schweigen.

In einer solche Atmosphäre wachsen Unzufriedenheit, Frust, Depressionen und eben auch Wut – die Wut im Bauch. Kaum jemand ist in der Lage, alle Zusammenhänge zu durchschauen, mal sind die Methoden leichter zu erkennen, mal fällt es schwerer, das Prinzip der herbeigeführten Zerfalls zu verstehen. Aber „aus dem Bauch heraus“ wird vermehrt wahrgenommen, dass es ganz und gar nicht stimmt mit dieser Gesellschaft, die Armut verstärkt und die Demokratie schwächt.

Aktuelles Beispiel ist eine Wahlkampfforderung von Martin Schulz (gesehen am 17. Juli 2017). Auf Facebook verkündete Schulz (SPD), er fordere, dass man die Verlängerung des Personalausweises auch online beantragen können müsse. In anderen Ländern gehe das schließlich auch. Angesichts der drängenden Probleme der Menschen, die im September zur Wahl gehen, ist Schulz‘ Forderung im Grunde eine Provokation. Die Idee mag ja nicht schlecht sein, als Bestandteil des Bundestagswahlkampfes wirkt sie allerdings nicht nur deplatziert, sondern regelrecht peinlich. Es ist unwahrscheinlich, dass die SPD aufgrund dieser belanglosen Forderung auch nur eine Stimme mehr bekommen wird. Wahrscheinlicher erscheint es, dass Schulz damit mehr Menschen verärgert als für sich gewonnen hat. Es wirkt, als suche Schulz „mit Gewalt“ Themen, die noch nicht besetzt sind, gleichzeitig aber nichts oder fast nichts kosten und das neoliberale Prinzip, dem er verfallen ist, nicht gefährden.

Die Gewalt wird zunehmen in dem Maße, wie die Unzufriedenheit, die Ungleichheit und die Ungerechtigkeit zunehmen. Die Politik bemerkt das offenbar nicht, sie versucht, Gewalttäter als Ausnahmeerscheinungen darzustellen, die mit der täglichen Wirklichkeit nichts zu tun haben. Doch alleine Hamburg und der G20 haben gezeigt, dass es längst nicht mehr nur die „üblichen Verdächtigen“ sind, die gewaltbereit sind bzw. aktiv Gewalt ausüben. In Hamburg war es nicht eine radikalisierte Gruppe linker Autonomer, die Gewalt ausgeübt haben (auch wenn es sie gab). Es waren sehr unterschiedliche Menschen, die ganz verschiedene Beweggründe hatten, gewalttätig zu werden. Eine genauere Analyse würde sicher Interessantes zutage fördern.

Gewalt jedenfalls ist kein Zeichen von Zufriedenheit, sondern ein Alarmsignal, das aufmerksam machen sollte. Hinzu kommt, dass die deutsche Politik selbst alles andere als ein friedvolles Vorbild bietet. Das Forcieren von undifferenzierten Feindbildern wie Trump oder Putin, massive Waffenexporte in diktatorische Länder, die Beteiligung an Kriegseinsätzen, Privatisierungsmaßnahmen, Überwachungen, Hartz-IV-Sanktionen – all das sind keine Belege einer friedlichen Gesinnung. Und alle das trägt nicht dazu bei, dass die Bevölkerung zufriedener wird, wenn sie sieht, wie viel Geld für den Krieg und die Menschen schädigende Maßnahmen vorhanden ist, ihr aber an allen möglichen Ecken und Enden fehlt.

Übrigens: Die gebetsmühlenartig wiederholte Botschaft, wie gut es uns allen gehe, ist kein geeignetes Mittel gegen die Eskalation von Gewalt, sondern das glatte Gegenteil. Es mag Dinge geben, die die Menschen irgendwann glauben, so lange man sie oft genug wiederholt. Aber wirtschaftliche Not von Menschen lässt sich nicht schönreden. Und wer es dennoch versucht, macht sich der Mitverantwortung des Entstehens der Gewalt schuldig.

Mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Links:

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Rückblick aus gegebenem Anlass

Dienstag, 18.07.2017, 18:43:05 :: Galanado

Die letzten Tage waren heftig heiss, teilweise über 37°C in der Wohnung. Sowohl körperlich als auch geistig Anspannung scheiterten. Deshalb ging’s auch nicht voran mit den Berichten von der Peloponnestour im Mai.

Heute fand ich diesen interessanten Artikel über Korinth, den ich Euch zwischenzeitlich als vollwertigen Ersatz anbieten kann.

Und natürlich auch einen eigen Beitrag vom 11. Juni 2011

der u.a. auch nach Korinth führte. Viel Spass einstweilen. Ich bin dran!

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Phantasma 2017: Vernissage im Pirgos Bazeou bei Halki

Samstag, 10.06.2017, 19:34:18 :: Galanado

Pünktlich zur Eröffnung der documenta in Kassel hier der Beitrag aus Naxos. Die Ausstellungseröffnung fand allerdings schon am 3. Juni statt; wir sind eben etwas schneller…

Betrüblich nur, dass die Webseite des Festivals mit flash gemacht ist.

Hier aber eine Bildergalerie von der Eröffnung:

Wie immer: Auf’s Bild klicken…

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* Rund Europa 2017, 6. Tag: Tyros (Ruhetag)

Dienstag, 16.05.2017, 21:11:49 :: Tyros, Hotel Apollon
Mittwoch, 16.08.2017, 20:41:58 :: Galadado

Es sieht nach Regen aus heute Morgen – ein paar Tropfen fallen auch tatsächlich nach erfrischendem Bade beim Frühstück; aber es ist so schön ruhig hier – wir bleiben einen Tag länger und lassen alles baumeln.

Lis geht bummeln und fördert die eine oder andere Information zutage:

– Es gibt ein kleines Amphitheater, das den Namen von Melina Mercouri trägt

– Wir sind hier in der Kynuria, der zweisprachigen Landschaft am Argolischen Golf. Und so sind einige Schilder zweisprachig: Neben dem »normalen« Griechisch wird hier der tsakonische Dialekt gesprochen, der sich aus dem Dorischen erhalten hat.

– Die Kirche hat einen eigenwilligen freistehenden Glockenturm.

– Es gibt eine geöffnete Taverne, die auch als Eis-Café durchgeht.

Reisen bildet eben…

Tsakonisch (griechisch Τσακωνική διάλεκτος Tsakoniki dialektos) ist ein griechischer Dialekt, der noch in wenigen Dörfern der Regionen Lakonien und Arkadien auf der Peloponnes aktiv gesprochen wird. Tsakonisch ist der einzige noch heute gesprochene griechische Dialekt, der sich nicht aus der hellenistischen Gemeinsprache (Koine), sondern aus dem antiken dorischen Dialekt entwickelt hat.

Wiederentdeckt wurde das Tsakonische durch den französischen Gelehrten Jean-Baptiste Gaspard d’Ansse de Villoison auf dessen Griechenlandreise (1784–1786).

Erstmals gründlich erforscht wurde es durch den Deutschen Michael Deffner, der 1881 eine Zakonische Grammatik herausgab, und durch den Kreter Georgios N. Chatzidakis.

Wikipedia (dort auch eine ethnografische Karte)

Ich sitze derweil an meinen Bildern und am Schreiben des Tagebuchs und der offenen Blockbeiträge.

Irgendwann ist mir dann nach einem Eis auf Waffel. Der Wunsch erwächst meinen Gedanken an das Waffelhouse in Naxos, dem Platz mit dem besten Eis – nach dem in Gubbio. Beim Schreiben jetzt stelle ich fest, dass der Beitrag über dieses Über-Eis vom Mittwoch, dem 19.06.2013 noch gar nicht geschrieben ist. Also das war, als wir von Pesaro – nein, das führt jetzt weit, ich werde doch lieber den Beitrag schreiben.

Wo war ich? Ja, der Wunsch nach einem Eis. Wir also in das von Lis entdeckte Eiscafé. Ich bestelle voller Vorfreude eine Waffel mit vier Kugel und Sahne. Freudestrahlend verschwindet die Bedienung und werkelt drinnen.

Dass meine Bestellung objektiv ein Fehler war, erkenne ich sofort, als der Teller vor mich hin gestellt wird.

Aber ich kämpfe mich durch. Das Abendessen hätten wir damit auch erledigt.

Ansonsten…

…kocht uns die sympathisch mürrische aber stets freundliche Hotelbesitzerin gerne einen Griechischen Kaffee, zu dem sie uns immer wieder einlädt. Die Fischer haben wohl keine Lust zu fischen.Wir freuen uns über jedes Auto das kommt oder startet und natürlich darüber, dass es ausser uns auch noch andere Besucher gibt. Aber nicht mehr als drei oder vier…

Aber da ist der Tag auch schon vergangen – einfach so…

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* Rund Europa 2017, 5. Tag: Paralia Irion – Tyros (1)

Montag, 15.05.2017, 19:00:28 :: Tyros, Hotel Apollon
Donnerstag, 27.07.2017, 21:43:02 :: Galanado
Samstag, 05.08.2017, 19:07:41 :: Galanado, es ist heiss…

Sie haben derzeit nur am Wochenende geöffnet – wir hätten es auch noch einen Tag länger ausgehalten. Also satteln wir das Senfle, denn zu sehen gibt es heute einiges:

Ausserdem einen kurzen Halt in Astros. Das ist zunächst mal das Tagespensum; ziemlich viel. Jedenfalls, soweit es vorgeplant ist. Mal sehen, wie weit wir kommen.

Nafplio

Die ehemalige und für kurze Zeit und (nach Ägina) zweite Hauptstadt des modernen Griechenlands, Nafplio, erreichen wir recht schnell: Viel Schnellstrasse…

Das schöne Paralia Irion ist offensichtlich eines der Naherholungsgebiete der beiden grösseren Städte Nafplio und Argos. Es geht vorbei an Asine – heute Asini; den nahegelegenen Touristenort Tolo lassen wir ebenfalls und buchstäblich links liegen. Natürlich gäbe es gerade von Asine und Tolo einiges zu berichten; schon Homer wusste davon – vielleicht ein andermal.

Und dann sind wir auch schon mitten im Speckgürtel von Nafplio, links oben die Palamidi-Festung, welche die gesamte Kuppe und mehr einnimmt.

Die Stadt hat eine sehr wechselvolle Geschichte, die nachzulesen sich lohnt: Ägypter, Griechen, Venezianer und Osmanen, sich mehrfach ablösend, wieder Griechen und ein deutscher König, Otto I, ein glückloser Bayer. Wenn man die Vorgeschichte seiner Inthronisierung nachliest, dann wird einem klar, warum Griechenland nie ein selbstständiges Land werden konnte: Die grossen Mächte England, Frankreich und Russland waren stets die Bestimmter (bis die USA nach dem 2. Weltkrieg Englands Stelle einnahmen…).

Wikipedia: Einzug König Ottos in Nauplia, Peter von Hess, 1835

Aber bleiben wir noch bei dem Bayernkönig: Es war ein 16-jähriger Lausejunge, den die europäischen Fürstenhäuser da runter schickten, sein Vater musste die Königswürde für ihn entgegen nehmen. Mehr hatten die europäischen Fürsten für Griechenland wohl nicht im Regal. Was blieb? Es ist mehr als lehrreich, über die Zeit von Otto I nachzulesen. Schloss (heute Parlament) und FIX, das Bier… Alles andere machte i.W. England von aussen.

Nun, wir schauen uns wieder ein wenig um, Stellen, die wir noch nicht gesehen haben. Man bräuchte Tage: Drei Festungen, ein Museum, eine Moschee (Tagungsort des ersten griechischen Parlaments), um nur die zu nennen.

2007 und im Juni 2011 haben wir hier Station gemacht; die Dokumentation von 2007 ist schmalbrüstig.

Die venezianischen Kanonen am Fusse der jüngsten venezianischen Palamidi-Festung ziert der Markus-Löwe

Die Bourtzi-Festung auf einer kleinen Insel in der Bucht schützte die Hafeneinfahrt, war Festung, Gefängnis und Wohnung des Henkers, der hier die Drecksarbeit für die Herrschaften in der Festung erledigte. Von 1930 bis 1970 war es gar Hotel. Schaurig.

Tiryns

Die Akropolis von Tiryns könnte man übersehen, wenn man nur auf die Karte schaut: Direkt südöstlich Nafplio, nordöstlich Argos mit seinem weithin sichtbaren Festungsberg. Aber diesmal habe wir Tiryns als Ziel auf dem Schirm.

Die Stadt erstreckte sich auf einem bis zu 30 Meter hohen Kalkfelsen, der rund 300 Meter lang und 40–100 Meter breit ist. Ursprünglich verlief die Küste näher an diesem Hügel vorbei. Der Ort war ab dem Neolithikum (Jungsteinzeit) besiedelt. Vom dritten Jahrtausend v. Chr. an gehörte Tiryns zu den wichtigsten Zentren des bronzezeitlichen Europas.

Wikipedia

Heinrich Schliemann, der Troja-Ausgräber hat auch hier als erster gebuddelt. Und nicht zu Unrecht, wie man heute weiss und wie wir nach kurzer Anfahrt sehen werden.

Es sind Zyklopenmauern, an denen wir hinauf zur Akropolis laufen, noch ist es erträglich, auch sind wir mal wieder die ersten, die französische Gruppe wird uns aber bald überholen und im Wege stehen…

Hier ein Blick nach Süden auf den Argolischen Golf.

Ich lasse es jetzt mal gut sein mit Bildern…

Das Grab

Im Bereich h von Tiryns liegen natürlich weitere besichtigenswerte Orte. Einer ist ohne Frage das Tholos-Grab am Fusse des westlichen Fuß des Profitis Ilias-Hügels.

Man findet es am Ende eines Kieswegs in die Orangenplantagen. Da parkt schon ein Wagen eines französischen Paares, aber das Senfle passt noch hin. Nur ein dritter darf jetzt nicht kommen…

Der Damm von Kofini

Wesentlich weniger spektakulär fürs Auge, dafür aber ingenieurmässig umso interessanter ist der Damm von Tiryns. Ich zitiere einfach Wikipedia:

Bis Anfang des 12. Jahrhunderts v. Chr. floss der Lakissa, von Osten kommend, nördlich am Profitis Ilias Hügel und etwa 1 km weiter westlich südlich an der Burg von Tiryns vorbei. Eine Schlammlawine, die möglicherweise durch ein Erdbeben ausgelöst wurde, verschüttete die Siedlung um 1190/80 v. Chr. (am Ende des Späthelladikums III B2), die südlich außerhalb der Burg lag. Durch die Schlammablagerung änderte sich der Lauf des Flusses, der nun nördlich an Tiryns vorbei floss.

Vermutlich um eine weitere Katastrophe zu verhindern, leitete man den Lakissa kurze Zeit später (im Späthelladikum III C früh) um. Hierfür grub man kurz hinter der Mündung von zwei Bächen in den Lakissa einen 1,5 km langen Kanal vom alten Flussbett in südwestliche Richtung. Hier traf der Kanal auf das Flussbett des Manessi. Dieser floss zunächst südlich am Profitis Ilias-Hügel und dann nördlich am Agia Kyriaki-Hügel vorbei und mündete etwa 1,5 km südlich von Tiryns in den Argolischen Golf. Das alte Flussbett verschloss man mit einem etwa 10 m hohen und 300 m langen Damm.

Wikipedia

(Fortsetzung folgt.

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* Rund Europa 2017, 5. Tag: Paralia Irion – Tyros (2)

Montag, 15.05.2017, 19:00:28 :: Tyros, Hotel Apollon
Donnerstag, 27.07.2017, 21:43:02 :: Galanado
Dienstag, 15.08.2017, 17:03:59 :: Galanado

☛ Teil 1

Wir umfahren die Bucht um in Myloi auf der gegenüber liegenden Seite der Bucht etwas in den Bauch zu bekommen und die Perspektive zu wechseln.

Wir sind froh, dass da überhaupt was offen hat und müssen uns mit einem »Dauertoast« und einem »Nespuccino« zufrieden geben.

Nichts Grossartiges bis Astros beziehungsweise Paralia Astros

Bis wir eine Festung sichten: Wir sind in Paralia Astros, dem Hafen von Astros, heute Badeort wie wir gleich sehen werden.

Astros

In Astros tagte 1823 immerhin die zweite griechische Nationalversammlung. Wir lassen uns an der Paralia nieder und beobachten, was hier so passiert; es ist reichlich nichts.

Kloster Iera Moni Loukous

Und so brechen wir auf, hinein ins Tal des Tangos und hinauf zum Nonnenkloster Loukous, letztes sightseeing-Ziel heute.

Die Bausubstanz des Klosters enthält einiges an antiken Stücken, u.a. aus der Villa des Herodes Atticus, deren Ruinen auf der anderen Strassenseite liegen, leider unausgeschildert und daher erst hinterher entdeckt…

Lis unterhält sich mit einer jungen Nonne, die uns dann auch die Kirche aufschliesst, so dass wir sie von innen bewundern können. Wir werden genau beobachtet, denn fotografieren ist verboten!

Der letzte Abschnitt für heute führt uns im Wesentlichen entlang der Küste. Zunächst fahren wir noch durch die fruchtbare Ebene, die der Fluss Vrasiotis südlich von Astros angeschwemmt hat, viel Wein und Oliven gedeihen hier. Dann ging es immer an den Berghängen mit Blick auf den Argolischen Golf entlang. An manchen Hügeln entstehen Feriensiedlungen von grösserem Ausmass.

Paralia Tyros

So landen wir in Tyros am Wasser. 2007 landeten wir spät abends hier und haben den Ort als beschaulich und gemütlich gut in Erinnerung. Die meisten Hotels und Tavernen haben noch geschlossen, auch unser Hotel von damals. Aber wie (fast) immer: Wir finden ein schönes Haus bei einer alten Dame, die die seltene Gabe besitzt, freundlich mürrisch zu sein.

Links:

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* Rund Europa 2017, 4. Tag: Kilada – Paralia Irion

Sonntag, 14.05.2017, 14:50:46 :: Paralia Irion, Hotel Thalassa
Sonntag, 23.07.2017, 22:21:08 :: Galanado
Donnerstag, 27.07.2017, 19:20:18 :: Galanado

Nach dem Reinfall gestern mit Kilada – nicht Schwimmen und kein Höhlenbesuch – war dieser Tag bitter nötig. Aber das entschied sich erst gegen Mittag.

Allerdings, das sei schon verraten, nicht wegen des dann am Abend bekannt gegebenen Wahlergebnisses von Nordrhein-Westfalen – aber ich greife schon wieder vor. Wie gesagt, die Entscheidung fiel kurz vor 11 Uhr am Mittag.

Wir waren sehr früh wach, das erste Foto ist von 6:30 Uhr… Es ist Sonntagmorgen.

Wir wissen nich so recht, wie weiter; die Pensionswirtin schläft noch, als wir losfahren wollen. Lis bindet Geld und Schlüssel kunstvoll an Ihre Haustüre und wir versuchen, unten am Wasser (Hafen will ich das nicht nennen) wenigstens einen Kaffee zu bekommen. Das klappt auch, ein Kafenion hat tatsächlich offen. Wir überlegen, ob wir zur Höhle auf der anderen Seite der Bucht fahren sollen, von dort am Strand wären es dann noch 20-30 Minuten Fussweg zum Eingang, meinte der junge kanadische Grieche gestern Abend. Nach kurzem Überlegen verwerfen wir das. Unser nächstes grosses Ziel ist Argos beziehungsweise Tyrins. Wir entscheiden, einfach gemütlich in diese Richtung zu fahren und abzuwarten wie weit wir kommen (wollen).

Es geht durch weite Täler, an ihnen entlang und über die Berge. Auffällig: die hervorragende Strasse, die uns auch erklärt, weshalb man von Athen aus mal schnell am Wochenende hier herunter fahren kann. Und die vielen Windräder auf den Bergkämmen. Die vielen Proskinitaria erwähne ich nur durch ein paar Bilder.

Dorfhochzeit

Auf der Hochfläche, bevor es wieder hinunter ans Meer geht, herrscht am Strassenrand, im Olivenhain dahinter und rund um die Kapelle dort, Hochbetrieb: Tische und Stühle werden zu den schon stehenden heran gefahren,…

…Parkplätze werden gesucht, herausgeputzte und aufgeregte Menschen rennen hin und her… Und in der Kapelle steht das Brautpaar, umringt bis vor den Eingang von Gästen, die dem Zeremoniell lauschen. Die Glocke wird eifrig geläutet.

Eine Dorfhochzeit, in Kürze werden sie alle hier sitzen, die Grillplätze werden dampfen und duften, die Kinder werden quengeln und sich schubsend durch die Olivenhain rennen – schade, wir sind etwas zu früh; es ist noch nicht einmal neun Uhr.

Hier also ein paar weitere Impressionen.

Ab jetzt geht es bergab, Richtung Meer. Auf dem Weg hinunter passieren wir wohl die Dörfer der Feiernden, denn es ist menschenleer. Und an einer Gabelung kommen wir wieder ins Grübeln: Sollen wir?

Wir biegen ab auf den immer holprigeren Sandweg, der bis zu Steinwerk noch noch so hervorragend asphaltiert war,…

…hinein in das tief eingeschnittene Tal, das wir gerade umfahren haben. Und geben nach einiger Zeit auf. Der Weg wird immer steiniger und wir erkennen dass er wohl irgendwo dort oben enden wird, wo wir gerade herkamen. Wir drehen um…

Auch die folgenden Dörfer sind verlassen und es ist erkennbar, dass hier nicht der Überfluss herrscht.

Paralia Irion

Als wir dann schliesslich in der Ebene ankommen, wandelt sich das Bild völlig: Weite Felder und Obstgärten, Artischocken, Pfirsiche, Orangen, Zucchini, Salat – hier wird Landwirtschaft im grossen Stil betrieben.

Der Strand und ein Hotel!

Schliesslich, nach einigen laaangen Kilometern, biegen wir auf die Standpromenade.

Und landen direkt vor einem kleine Hotel mit allem, was der geschundene Reisende so sucht: Restaurant, Liegestühle, Strand und Wasser.

Das tut unserer gestern Abend so misshandelten Seele gut. Wir parken, packen aus, beziehen ein Zimmer, setzen uns dann zunächst zum Frühstück und danach ans Wasser.

Es ist kurz nach elf Uhr…

Es sind hier heute ungefähr zwanzig Gäste einschliesslich Kindern zum Plantschen, Sandburgen bauen und zum Essen. Es ist ein Genuss.

Das Wasser ist lange flach wie in der Ostsee, aber für uns angenehm frisch bis warm. Griechen stehen eher bis kurz unterhalb der Knie unentschlossen im Wasser, drehen sich dann um und kommen mit dem Kommentar »πολύ κρύο« zurück an Land; wobei »sehr kalt« also eine wirklich sehr übertriebene Charakterisierung ist. Aber so sind sie eben…

Mit den Preisen und dem Essen sind wir sehr zufrieden – nur dass sie keine Karte nehmen, sondern nur Bargeld, macht es am Abend schwer, die Gesamtrechnung im Rahmen zu halten; der nächste Automat ist irgendwo 20 km entfernt und ob ich ihn dann finden würde, ein völlig offene Angelegenheit.

Und so kommt der Abend

Und wir sind zufrieden.

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* Rund Europa 2017, 3. Tag: Methana – Kilada (1)

Samstag, 13.05.2017, 22:22:38 :: Kilada, Pension Galini
Mittwoch, 21.06.2017, 12:46:31 :: Galanado
Dienstag, 11.07.2017, 22:05:02 :: Galanado

Vorbemerkung: Wie ich hier sitze und diesen Artikel vorbereite und schreibe kommt die traurige Nachricht via Facebook – meine Befürchtung (s.w.u.) erfüllt sich also schneller als gedacht. Ich korrigiere meinen Text aber deshalb nicht.

Unser Frühstück nehmen wir wie gehabt bei den Fischern an der Strandpromenade zu uns. Unsere Vermieterin hat uns nochmals an die warme Gouva-Quelle erinnert und uns ans Herz gelegt, da unbedingt vorbei zu fahren. Sie ist also unser erstes Ziel, ehe wir zu den Trümmern von Troizen aufbrechen.

Das Thermalbecken Gouva

Die Quelle liegt nördlich am Stadtausgang, direkt am Meer an einer Sackgasse nahe dem Kirchlein Ag. Nikolaos; wer es nicht weiss, fährt dort also gar nicht hin, beziehungsweise wenn, dann daran vorbei.

Ein kleines Becken direkt am Ufer, ein kleiner Parkplatz, auf dem ein Camper steht, seine Bewohner kommen gerade aus dem warmen Wasser in der »Badewanne« – mehr ist da nicht. Wir halten die Hand hinein und das war’s dann auch: Es ist warm.

Und so verlassen wir Methana, es tut weh, an der Hotelzeile und dieser schon fast erhabenen Kuranlage vorbei zu fahren.

Griechische Mythologie und Geschichte

Wer durch Griechenland streift, stösst ja fast immer auf Archäologisches. Und wir sprechen da ja von Zeiten 2000 Jahre vor bis ein paar hundert Jahre nach Beginn unserer Zeitrechnung – Zeiten, als der Norden… Nun ja, lassen wir es gut sein.

Auf der Peloponnes ist das jedenfalls gehäuft der Fall, fast überall trifft und tritt man auf Überreste, oft erst in den letzten Jahrzehnten entdeckt und/oder untersucht und ausgegraben. Oder aber eben nur entdeckt… So war es ja auf Methana mit dem mykenischen Heiligtum bei der Kapelle Agia Konstanti-Eleni, das erst 1990 ins Blickfeld trat. Es ist alles mykenisch hier, so auch Troizen, unser erstes Ziel heute.

Und wieder begleitet uns über Kilometer der Verlegungskanal des digitalen Fortschritts.

Troizen

Der Mythologie nach wurde Theseus, der erst König Athens, hier geboren, eben der, der dann von Athen aus, wo sein Vater Aigeus König von Attika war, mit jeweils sieben Jungfrauen und -männern gen Kreta fuhr, wo sie dem Minotauros geopfert werden sollten. Der Rest der Geschichte sollte Allgemeingut sein: Theseus war wohl so smart, dass sich Ariadne, die Tochter des Königs Minos, in ihn verliebte und ihm den berühmten Faden in die Hand drückte. Theseus besiegte den fürchterlichen Minotauros, ging entlang des Fadens direkt zurück in die Arme der Ariadne, schnappte sie und schiffte sich nach Naxos ein. Dort liess er sie wegen einer Anderen hängen, sie wendete sich Dionysos zu – und so weiter.

Hier also kam er her, die Geschichte ist wundervoll und kann u.a. hier nachgelesen werden. Wer sich in die Homersche Ilias einlesen will – bitte schön….

So verbindet sich also die Landschaft, durch die wir ein kurzes Stück fahren, mit Naxos, wo wir vorgestern losgefahren sind.

Das neue Troizina hat gute Wegweiser. So stehen wir nach kurzer Fahrt an der Weggabelung, wo angeblich der Stein des Theseus liegt,…

…der Felsbrocken, unter dem Theseus‘ Vater seine Sandalen und sein Schwert versteckt hat, bevor er – also es ist kompliziert: Er hatte bisher keine Kinder gezeugt, hatte das Orakel in Delfi befragt, die Weissagung nicht kapiert und war hierher gekommen um sich Rat beim Kollegen Pittheus zu erbitten. Der war wohl etwas schlauer, machte ihn betrunken und steckte ihn ins Bett seiner Schwester. Die also war die Mutter des zukünftigen Helden. Und die Sandalen und das Schwert sollte er unter dem Felsen hervor holen, wenn er gross und stark geworden sein sollte. Das hat offensichtlich alles geklappt.

Ohne die Geschichte liegt da heute eben ein Felsbrocken am Weg und wir fahren weiter bis zum Tor, das sich uns unbewacht zur archäologischen Stätte von Troizen öffnet. Wir sind mal wieder die ganze Zeit alleine, niemand steht uns im Weg oder vor der Linse.

Die Reste eines Byzantinischen Klosters faszinieren mich fast mehr als die Reste des Asklepeions und des Heiligtum des Hippólytus (das war übrigens der Sohn von Theseus, sein Leben wäre schon wieder eine tolle Geschichte).

Dass hier deutsche Wertarbeit zum Tragen kam sei nur am Rande erwähnt.

Die Sonne beginnt mittlerweile zu stechen und so flüchten wir uns unter den Maulbeerbaum der da imposant und Alleine auf der Wiese steht. Er spendet Schatten und seine weissen Früchte.

Wir wollen weiter zu den Resten des Musentempels, zum Wehrturm von Diateichisma der ehemaligen Akropolis und vielleicht hoch zur Teufelsbrücke, wo das Wasser für die Stadt abgeleitet wurde. Ob wir das schaffen, das erfahren wir dann im 2. Teil.

Links:

  • Das antike Troizen auf der Webseite von Tobias Schorr, eine nahezu unerschöpflichen Quelle für dieses Gegend rund um Methana
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* Rund Europa 2017, 3. Tag: Methana – Kilada (2)

Samstag, 13.05.2017, 22:22:38 :: Kilada, Pension Galini
Mittwoch, 21.06.2017, 12:46:31 :: Galanado
Mittwoch, 12.07.2017, 00:26:18 :: Galanado

In der Umgebung von Troizen

Unter dem Maulbeerbaum lässt es sich aushalten. Aber wir wollen ja weiter, allerdings ist hier in der Umgebung noch einiges zu sehen. Nebenbei: Ohne Vorbereitung und Speichern von GPS-Punkten in der Navi-App auf unseren iPhones würden wir wohl die meisten Ziele nicht finden, denn eine so gute Beschilderung wie hier in Troizen findet man selten. Gut, Mykene würde man zur Not auch mit einer Papierkarte finden. Aber schon bei Troizen fängt es an: Wer kennt das überhaupt und wo liegt es genau? Wo lag die alte Stadt? Denn wir waren ja nur im Tempelbezirk.

Wo die nächsten Stellen liegen, die wir uns an sehen wollen, wissen wir also; nicht aber das ganze Ausmass.

Musentempel, Wehrturm und Teufelsbrücke

Ofen oder Grab? Wir erfahren es nicht

Und finden sie auch. Die Rest des Musentempels nehmen wir im Vorbeifahren zur Kenntnis, das ist nur was für Spezialisten, ebenso dieses Reste einer römischen Therme.

Der Wehrturm, Diateichisma hingegen, auf dem sogenannten Weg hoch in die Berge, der hat es in sich.

Er ist Teil der Befestigung der ehemaligen Akropolis und wurde später von den fränkischen Kreuzrittern (12./13. Jh.) genutzt und hierzu weiter ausgebaut, was ma gut an der späteren Aufmauerung erkennen kann.

Bei solchen Zahlen kommt man ins Grübeln: Besiedelt seit mindestens 1500 v.Ch., die Franken im 13. Jahrhundert… Und dazwischen waren, wie oben schon angedeutet, natürlich auch die Römer da; römische Gräber finden sich unten im Tal am Rande des antiken Troizen, wie ich zuhause nachlese und das wir wie die Gräber gar nicht aufgesucht haben.

Ja, und dann wird es schwierig: Wir rätseln, ob wir’s wagen sollen, da weiter hinauf zu fahren bis zur oder in die Nähe der Teufelsbrücke, so genau wissen wir es dann doch nicht… Ich fahre also und Senfle holpert gequält über ausgewaschene Querrinnen und tiefe Löcher – und siehe da, nach ein paar Minuten erreichen wir einen regelrechten Parkplatz.

Ein mit Steinplatten ausgelegter und ausgewaschener Weg führt unter dichten Bäumen zur engsten Stelle der Schlucht, nur wenige Meter breit. Es ist wohl ursprünglich eine Unterspülung durch den Bach gewesen, wie man sie auch im Epirus finden kann – mehr Tunnel als Brücke.

Die Wasserrinne ist Teil der antiken Wasserversorgung von Troizen unten im Tal.

Links:

Hinunter müssen wir allerdings auch wieder. Das ist immer spannend. Aber es gelingt wieder.

Megali Magoula, Der Grosse Hügel

Megali Magoula nur wenige Kilometer auf dem weiteren Weg nach Galatas, der Stadt gegenüber der Insel Poros

Dort oben fand man ab 1995 ein mykenisches Kuppelgrab mit Dromos und weitere Gräber und Opferstätten, sowie eine mykenische Akropolis. Die Funde werden teilweise im archäologischen Museum von Poros ausgestellt. Das wäre dann bei Gelegenheit auch noch zu besichtigen. Davon später mehr.

Doch als wir unten am Hügel stehen weigert sich alles in uns: Die Sonne steht senkrecht, es ist windstill und Troizen steckt uns noch in den Knochen. Es reicht. Der Hügel muss warten bis zum nächsten mal, auch wenn die Fachwelt davon ausgeht, dass dort oben das Grab unseres Helden Theseus auf uns wartet.

Galatas

Wir fahren den Weg zur Hauptstrasse etwas wehmütig aber entschlossen zurück und weiter nach Galatas, dem kleinen Städtchen gegenüber von Poros. Wir haben schweren Durst und ein Imbiss würde uns auch gut tun.

Und so sitzen wir kurze Zeit später an der Paralia und sehen hinüber nach Poros, diesem pittoresken Knäuel weisser Häuser mit roten Hauben. Es sind nur ein paar hundert Meter da hinüber, die Boote fahren hin und her, es wäre ein Leichtes… Aber nicht dieses Mal. Wir merken immer mehr, dass es nicht das letzte mal ist, dass wir hierher kommen.

Wir wollen noch ein ganzes Stück fahren, entlang der Küste die Südspitze der Argolischen Halbinsel umrunden und für lange Zeit den Blick auf Hydra werfen, der Insel, auf der so viele Künstler, zum Beispiel der legendäre und letzten November verstorbene Leonard Cohen gelebt haben und leben.

Hydra

Kilada

Und dann der Schock des Tages. Methana ist ja von der Krise hart betroffen, die Bäder sind stillgelegt, wir hatten das ja ausgiebig erlebt. Nun aber, an unserem heutigen Ziel treffen wir in Kilada auf Massen von Werften und Yachten, auf einen überlaufenen Skipperort wie wir meinen.

Was wir vorfinden ist eine triste Promenade mit wenigen Tavernen und – das konnten wir uns nicht vorstellen – ohne ein einziges Hotel. Mir fällt in 17 Jahren »Rund Europa« kein grösserer Reinfall als Kilada ein.

Aber gemach. Nachdem wir die Paralia rauf und runter gefahren sind, verziehen wir uns in den Schatten eines Sonnendachs einer der beiden Tavernen und beraten bei Tzatziki, Fisch, Brot und Cola, was wir den jetzt tun sollen. Der junge Mann, der uns bedient raubt uns zunächst alle restlichen Illusionen: Es gibt keine Badebucht, es gibt keine Bootverbindung zur Höhle von Franchthi, nein überhaupt keine. Er kommt aus Kanada, der Papa hat hier ein kleines Anwesen, er macht hier also gewissermassen »Arbeitsurlaub«. Und nein, es gibt kein Hotel, aber er fragt mal den Wirt, ob der was weiss wegen Zimmern.

Und der Wirt kennt seine Tochter und die betreibt eine kleine Pension in der zweiten oder dritten Reihe. Lis fährt mit ihm hin und bucht. Mit unserem Sefle finden wir den Weg aber hinterher nicht mehr, landen in einer engen Sackgasse, aus der ich langwierig und rückwärts wieder rausmanövrieren muss. Der Wirt muss seine Tochter bitten, uns abzuholen. Und das klappt dann auch.

Erschöpft durch dieses komplizierte Rückwärtsfahren bei grösster Hitze fahren wir hinterher, duschen und fallen ist Bett. Morgen sehen wir weiter…

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* Rund Europa 2017, 2. Tag: Abendspaziergang in Methana City

Freitag, 12.05.2017, 22:17:16 :: Methana, Pension Vienna
Dienstag, 20.06.2017, 23:20:32 :: Galanado

Abendspaziergang durch die Stadt

Uunsere Rundfahrt am Tage betrug gerade einmal 46 km, anstrengt war sie also nicht. Dennoch wollen uns noch die Beine vertreten, bevor wir uns ein Plätzchen zum Abendessen suchen.

Die Uferstrasse ist nahezu leer. Taxis stehen verloren auf Abruf, niemand wird sie brauchen.

Die Hausfassaden zeigen uns mit wenigen ausnahmen die Krise. Selbst dort, doch sich die Küstenwachen eingemietet hat, gähnen unten leere Glasflächen.

Je mehr man sich der würdigen Kuranlage nähert, steigt einem penetrante Geruch nach faulen Eiern in die Nase. Das war uns schon am Vortag aufgefallen, als wir hier eintrafen; also ist das ein Dauerzustand, H2S, der Schwefelwasserstoff tritt hier also ständig aus dem Untergrund. Da muss man sich damit abfinden, sich einfach daran gewöhnen.

Zum Abendessen such wir uns eine kleine Familienkneipe in einer Seitenstrasse aus, die aber Tische auf der Paralia hat. Dort setzten wir uns, wir sind mal wieder die einzigen Gäste, wie so oft. Wir fragen uns, was sie denn kochen sollen, wenn ausser uns keiner kommt? Später kommen noch zwei Paare hinzu, aber trotzdem. Der alte Herr, der uns bedient, ist sicher der Besitzer, seine Frau wird in der Küche stehen und zaubern. Alles ist lecker und sehr preiswert. Aber ernähren wird es die beiden alten Leute, derzeit zumindest, nicht. Wie unsere Vermieterin uns erzählte, bleiben wohl selbst im Sommer die Griechen aus. Kurgäste gibt es nicht mehr, die Versicherungen genehmigen und zahlen keine Kuren, wer also sollte kommen?

Die Fähre, die hier ab und zu doch noch anlegt, bleibt heute liegen: Die Besatzungen streiken in diesen Tagen. Wir ziehen deprimiert ab in die Kojen.

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Nachtrag:

  • 2017.06.21, 20:19 :: Das griechische Amt für Staatsimmobilien hat das Heilbad in Methana geschlossen.
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