Schäuble hatte kein Grexit-Mandat

Montag, 24.08.2015, 12:30:54 :: Naxos

Es ist eine ehrlich gemeinte Frage:

Traut man Schäuble, dem Schmiergeldaffären anhängen, die bis heute ungeklärt sind, oder dem »Geschichtenerzähler« Varoufakis, der durch keine Interessen gebunden ist?

Oder schlichter gefragt: Welches Interesse hat/te Schäuble und welches Varoufakis?

YouTube: dbate.de-Interview: Yanis Varoufakis – „Schäuble hatte kein Grexit-Mandat“

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Statt irgendwelcher anderer Dinge…

Sonntag, 05.07.2015, 17:32:09 :: Galanado

Klinik der Solidarität

Klinik der Solidarität

Nachtrag

Donnerstag, 13.08.2015, 10:26:30 :: Galanado

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Auf dem Weg zum Referendum in Griechenland

:: Quelle

Samstag, 27.06.2015, 12:36:06 :: Galanado

In der Nacht von Freitag auf heute kündigte der griechische Premierminister Alexis Tsipras ein Referendum, also eine Volksabstimmung über das Troika-Diktat an. Hier seine im griechischen Fernsehen ausgestrahlte Rede, übersetzt in Deutsche. [Quelle]

Liebe Griechen und Griechinnen,

seit sechs Monaten kämpft die griechische Regierung darum, unter den Bedingungen eines beispiellosen wirtschaftlichen Würgegriffs, das Mandat umzusetzen, das ihr uns gegeben habt.
Ihr habt uns den Auftrag gegeben, in Verhandlungen mit unseren europäischen Partnern die Austeritätspolitik zu beenden, damit Wohlstand und soziale Gerechtigkeit in unser Land zurückkehren können. Es war ein Mandat für ein nachhaltiges Abkommen, das sowohl unsere Demokratie als auch die gemeinsamen europäischen Regeln respektiert und das es uns endlich ermöglicht, die Krise zu überwinden.

Während der gesamten Phase der Verhandlungen wurde von uns verlangt, dass wir das von der letzten Regierung akzeptierte Memorandum umsetzen sollen, obwohl dieses von den Griechinnen und Griechen bei den letzen Wahlen kategorisch abgelehnt worden war.
Doch nicht eine Minute lang haben wir daran gedacht, uns zu unterwerfen und euer Vertrauen zu verraten. Nach fünf Monaten harter Verhandlungen haben unsere PartnerInnen vorgestern schließlich ein Ultimatum an die griechische Demokratie und die Menschen in Griechenland gerichtet. Ein Ultimatum, welches den Grundwerten Europas, den Werten unseres gemeinsamen europäischen Projekts widerspricht.

Sie haben von der griechischen Regierung verlangt, einen Vorschlag zu akzeptieren, der weitere untragbare Lasten für das griechische Volk bedeuten und die Erholung der griechischen Wirtschaft und Gesellschaft untergraben würde. Dieser Vorschlag würde nicht nur den Zustand der Unsicherheit auf Dauer stellen, sondern auch die soziale Ungleichheit verfestigen.

Der Vorschlag der Institutionen umfasst Maßnahmen zur weiteren Deregulierung des Arbeitsmarktes, Pensionskürzungen, weitere Gehaltskürzungen im öffentlichen Dienst und eine Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel sowie in den Bereichen Gastronomie und Tourismus. Schließlich zählt dazu auch die Abschaffung der Steuererleichterungen für die griechischen Inseln.

Diese Forderungen verletzen unmittelbar die europäischen Sozial- und Grundrechte. Sie zeigen, dass einige unserer PartnerInnen nicht ein für alle Seiten tragfähiges und vorteilhaftes Abkommen für Arbeit, Gleichheit und Würde anstreben – sondern die Erniedrigung des gesamten griechischen Volks.

Ihre Forderungen zeigen vor allem, dass der Internationale Währungsfonds auf einer harten, bestrafenden Kürzungspolitik beharrt. Sie zeigen zugleich, dass die führenden europäischen Kräfte endlich die Initiative ergreifen müssen, um die griechische Schuldenkrise ein für alle Mal zu beenden. Diese Krise betrifft auch andere europäische Länder und bedroht die Zukunft der europäischen Integration.

Liebe Griechen und Griechinnen,

die Kämpfe und Opfer des griechischen Volks für die Wiederherstellung von Demokratie und nationaler Souveränität lasten als historische Verantwortung auf unseren Schultern. Es ist die Verantwortung für die Zukunft unseres Landes, und diese verlangt von uns, auf das Ultimatum der PartnerInnen mit dem souveränen Willen des griechischen Volkes zu antworten.

Vor wenigen Minuten habe ich in der Kabinettssitzung den Vorschlag gemacht, ein Referendum abzuhalten, damit die Griechen und Griechinnen souverän entscheiden können. Dieser Vorschlag wurde einstimmig angenommen. Morgen wird das Parlament zu einer Sondersitzung zusammentreten, um über den Vorschlag des Kabinetts und ein Referendum am Sonntag, dem 5. Juli, abzustimmen. Die Griechen und Griechinnen sollen entscheiden können, ob sie die Forderungen der Institutionen annehmen oder ablehnen.

Ich habe bereits den Präsidenten Frankreichs, die Kanzlerin Deutschlands und den Präsidenten der Europäischen Zentralbank über diesen Schritt informiert. Morgen werde ich offiziell darum ansuchen, das laufende Programm um einige Tage zu verlängern, damit das griechische Volk frei von Erpressung und Druck abstimmen kann, wie es der Verfassung unseres Landes und der demokratischen Tradition Europas entspricht.

Liebe Griechen und Griechinnen,

ich bitte euch, auf das erpresserische Ultimatum, welches von uns harte, entwürdigende und endlose Austerität ohne Aussicht auf soziale und wirtschaftliche Erholung verlangt, auf souveräne und stolze Weise zu antworten – so wie es die Geschichte des griechischen Volks verlangt.

Auf Autoritarismus und brutale Austerität werden wir, ruhig und bestimmt, mit Demokratie antworten. Griechenland, der Geburtsort der Demokratie, wird eine demokratische Antwort geben, die in Europa und der Welt widerhallen wird. Ich verpflichte mich persönlich, eure demokratische Wahl zu respektieren, wie immer sie ausfallen wird.
Und ich bin vollkommen überzeugt davon, dass eure Wahl der Geschichte unseres Landes gerecht werden und der Welt eine Botschaft der Würde senden wird. Wir alle müssen uns in diesen entscheidenden Momenten vor Augen halten, dass Europa die gemeinsame Heimat unserer Völker ist. Doch ohne Demokratie wird Europa ein Europa ohne Identität und Orientierung sein.

Ich lade euch alle ein, in nationaler Eintracht und Ruhe, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Für uns, für zukünftige Generationen, für die Geschichte der Griechinnen und Griechen. Für die Souveränität und Würde unseres Volks.

Alexis Tsipras Athen, am 27. Juni, 1 Uhr morgens.

Der Text wurde von Stathis Kouvelakis vom Griechischen ins Englische übersetzt und von der mosaik-Redaktion von Englisch auf Deutsch übersetzt. Die englische Version der Rede findet ihr hier auf Jacobin.

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Davon haben wir nichts gewusst

Mittwoch, 24.06.2015, 19:54:16 :: Galanado

Davon haben wir nichts gewusst!“. Dem Wesen nach oder gar wortwörtlich hört man diesen Satz immer wieder, nicht nur nach dem Zweiten Weltkrieg, die Judenverfolgung betreffend.

Wer hier beipflichtet, also von nichts eine Ahnung hat, kann die Seite wegklicken, er oder sie könnte sonst hinterher Gewissensbisse bekommen. Der Satz fällt auch heute: Kosovo, Irak, Ukraine, Griechenland, Libyen, Syrien – die Liste wird nicht enden. Auf der anderen Seite erlebe ich Diskussion zu diesen ja zum Teil tagesaktuellen Themen, bei denen zerreisst es mir fast das Hirn. Deshalb versuche ich den Druck da oben etwas zu mindern, indem ich hier für mich schreibe – mitlesen ist aber wie immer erlaubt.

Also…

Wir können davon ausgehen, dass wir von staatlichen Stellen und der Presse regelmäßig nicht wahrheitsgemäß unterrichtet werden.

Voran gestellt ein Zitat, das ich bereits 2002 und danach mehrfach herangezogen habe.

»Bis zum heutigen Tag gibt es so etwas wie eine unabhängige Presse in der Weltgeschichte nicht. Sie wissen es und ich weiß es. Es gibt niemanden unter Ihnen, der es wagt, seine ehrliche Meinung zu schreiben, und wenn er es tut, weiß er im Voraus, dass sie nicht im Druck erscheint. Ich werde jede Woche dafür bezahlt, meine ehrliche Meinung aus der Zeitung herauszuhalten, bei der ich angestellt bin. Andere von Ihnen werden ähnlich bezahlt für ähnliche Dinge, und jeder von Ihnen, der so dumm wäre, seine ehrliche Meinung zu schreiben, stünde sofort auf der Straße und müsste sich nach einem neuen Job umsehen. Wenn ich meine ehrliche Meinung in einer Ausgabe meiner Zeitung veröffentlichen würde, wäre ich meine Stellung innerhalb von 24 Stunden los. Es ist das Geschäft der Journalisten, die Wahrheit zu zerstören, unumwunden zu lügen, zu pervertieren, zu verleumden, die Füße des Mammon zu lecken und das Land zu verkaufen für ihr tägliches Brot. Sie wissen es und ich weiß, was es für eine Verrücktheit ist, auf eine unabhängige Presse anzustoßen. Wir sind die Werkzeuge und Vasallen der reichen Männer hinter der Szene. Wir sind die Hampelmänner, sie ziehen die Strippen und wir tanzen. Unsere Talente, unser Fähigkeiten und unser ganzes Leben sind Eigentum anderer Menschen. Wir sind intellektuelle Prostituierte.«

John Swinton, Doyen der amerikanischen Presse und einstiger Redaktionsleiter der »New York Times«, 1880

Wir können also davon ausgehen, dass wir von staatlichen Stellen regelmäßig nicht wahrheitsgemäß unterrichtet werden. Ebenso wenig von der Massenpresse, die entweder Mitteilungen der staatlichen Stellen übernimmt und verbreitet oder aber Informationen streut, die die wahren Auftraggeber der staatlichen Stellen verbreitet haben wollen und die der Regierung indirekt klar machen, was aus höherer Sicht von ihr erwartet wird.

Eine objektive oder zumindest vielfältige Information und Einbeziehung der Bevölkerung zur Meinungsbildung ist nicht vorgesehen. Die Wahlen in Griechenland sind das schlagende Beispiel hierfür.

Massenpresse und Fernsehen sind Steuerungsinstrumente

Wem gehören die Medien?

Die erhaltenen Informationen dürfen für uns objektiv also zunächst immer nur dazu dienen, zu erfahren, was die Leser denken sollen und was sie – soweit verifizierbar – wissen dürfen. Diese Einschätzung verliert ihre Gültigkeit dadurch nicht, dass es sehr wohl Journalisten und deren Beiträge in der Presse gibt, die von solchen Zwängen frei sind. Sie sind entweder für zulässig erachteter Ausweis einer (angeblich) unabhängigen Presse oder sie sind Beleg dafür, dass das Establishment sich die Freiheit der Veröffentlichung leisten kann, weil die Einhegung der Bevölkerung weit genug fortgeschritten ist und ein folgenschweres Umdenken entweder nicht zu befürchten steht oder gegebenenfalls machtmässig als beherrschbar betrachtet wird (zum Beispiel fünf Polizisten auf eine Demonstranten).

Das Internet wird nicht ausreichend genutzt

In dem Maße, wie von herrschender Seite erkannt wird, dass das zunächst nicht kontrollierte und kontrollierbare Internet zur alternativen und der offiziellen Linie zuwiderlaufenden Informationsbeschaffung genutzt wird oder genutzt werden könnte, wird es Schritt für Schritt eingehegt (zum Beispiel Vorratsdatenspeicherung, Zensur, URL-Sperren, zeitliche Einschränkungen, Urheberrecht). Geheimdienste sind schon längst in der Lage, den gesamten Internetverkehr lückenlos zu überwachen. Dies ist bekannt und wird von staatlicher Seite nicht bestritten sondern offensiv vorangetrieben, freilich unter zum Teil verschleiernder Argumentation. Die Tatsache, dass dies zugegeben wird, ist ein weiterer Beleg dafür, dass die Herrschaftsverhältnisse für das Establishment soweit gefestigt gelten, dass Camouflage nicht mehr erforderlich ist.

Dass heute im Internet noch eine gewisse Vielfalt und Freiheit vorhanden ist, ist im Wesentlichen darauf zurück zu führen, dass die Bedeutung von den Herrschenden (Krise im Zeitungs- und Literaturbereich) bisher noch nicht vollständig erkannt wurde („Neuland“) oder das technische Personal sich nicht ausreichend zur Verfügung stellt.

Allerdings darf diese Verzögerung nicht darüber hinwegtäuschen, dass wesentlich Kooperationspartner der Herrschenden sehr wohl präsent sind (BILD, SPON, DIE ZEIT etc.), deren leitenden und Journalisten und Redakteure nachweislich eingebunden sind in „innere Zirkel“ wie Atlantikbrücke und ähnliche informelle Kreise und Thinktanks. Dass diese dem traditionellen Papierbereich noch sehr verhaftet sind, verliert immer mehr an Bedeutung, was man daran erkennt, dass immer mehr grundsätzliche „Leitartikel“ auch in den Online-Publikationen erscheinen um auch hier prägend zu wirken.

Von der Vierten Gewalt zum Handlanger

Schon in der Zeit vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde deutlich, welche Rolle die Presse spielte, wie sie aktiv (und mit ihrer Hilfe die Regierungen) die Öffentlichkeit zu einer ganz gezielten Meinung drängte. Dabei trieb die Presse vielfach die Regierungsverantwortlichen genau so vor sich her wie die Regierung durch Lancierung gewisser Nachrichten über sie die Bevölkerung präparierte.

Nichts anderes passiert heute, nur deutlich sichtbarer durch die Möglichkeiten des Publizierens abweichender Meinungen im Internet, ja das Internet ermöglicht überhaupt nur, der Meinungsmacht der Pressekonzerne und des Staatsfernsehens zu entkommen und deren Funktion zu erkennen.

Die klassischen Medien haben ihren Status als bevorzugte Informationsquelle aber trotzdem nicht verloren. Laut der Umfrage beziehen die Deutschen ihre politischen Informationen nach wie vor hauptsächlich aus dem Fernsehen, und zwar mit weitem Abstand vor allem von ARD und ZDF. An zweiter Stelle stehen Printprodukte wie Zeitungen und Zeitschriften, gefolgt vom Radio und schließlich dem Internet.

DIE ZEIT

Fazit

Wer sich heute eine möglichst unabhängig gebildete Meinung verschaffen will, kommt um ein ausgedehntes Suchen und Lesen im Internet nicht herum. Sich dabei aber wiederum auf die Seiten der etablierten Massenblätter zu begeben ist vergebliche Mühe, es kommt nichts Essenzielles hinzu. Helfen können hingegen Recherche- und Lesehilfen, insbesondere RSS-Reader, in denen man sich relevante gefunden Seiten zur Vorauswahl zusammenstellt. Nur so verwendet man einerseits seine Zeit ökonomisch bei gleichzeitig vielfältiger Information, die einem nicht vorgesetzt wird, sondern die man selbst dynamisch verwaltet und überwacht. Und das eben aktiv muss. Sonst hat man am Ende – siehe Anfang – wieder von allem nichts gewusst.

Eingeschlossen sind ausdrücklich auch zum Beispiel Facebook und Twitter. Jawohl! Werkzeuge sind nützlich, wenn man sie zu gebrauchen weiss. Und das kann man lernen.

Nachtrag:

2015-08-16, 17:44 :: Nachdenkseiten: „Pressefreiheit ist die Freiheit von zweihundert reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten.“

2015.06.26, 20:42 :: Nachdenkseiten: Wie kann man sich vor Manipulation und Meinungsmache schützen? :: Seltsam, wie gewisse Gedanken mehr oder weniger gleichzeitig an verschiedenen Stellen auftauchen…

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Reisebericht, einmal anders…

Sonntag, 21.06.2015, 20:12:59 :: Galanado, 32°C

…und nicht von mir.

Aber demnächst gibt’s wieder welche von mir. Ehrlich. Versprochen.

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Zurück auf Naxos

Dienstag, 26.05.2015, 13:18:49 :: Galanado
Freitag, 12.06.2015, 14:13:12 :: Galanado

Mahnmal in Ligkiades (Ioannina)

Mahnmal in Ligkiades (Ioannina)

Seit mehr als drei Wochen sind Wolfgang und ich wohlbehalten auf Naxos angekommen. Der Plan hat fast perfekt funktioniert. Ich habe mich soweit akklimatisiert, aber der Sommer hat sich nun endgültig angekündigt – mir ist zu warm. Ich weiss, das sagt sich leicht bei 25-27°C, wenn es weit über 30°C in Deutschland hat wie in den vergangenen Tagen.

Die Krise

Natürlich ist seither einiges geschehen, was berichtenswert ist, nicht zuletzt die Zuspitzung des Konflikts zwischen der griechischen Regierung und Brüssel hält uns in Atem. Es ist eigentlich alles gesagt, die Standpunkt sind unterschiedlicher denn je. Wir hoffen, dass Athen standhaft bleibt, auch wenn es dann zum Grexit kommt. Denn die besseren (makro-)ökonomischen und politischen Argumente sind nun mal die griechischen; jedem, der sich damit beschäftigt, weiss, dass die Sichtweise einer schwäbischen Hausfrau nicht hinreichend sind.

Reparationen

Auch das Problem der ausstehenden deutschen Reparationszahlungen und der Umgang deutscher Regierungen damit sind ein Thema. Ich habe ja auf der Fahrt nach Deutschland und danach zurück – zusammen mit Lis‘ Bruder – die Orte Ligkiades, Kommeno und Distomo besucht (Kalavryta war 2007), um einen Eindruck zu gewinnen, wie diese Gemeinden heute mit dem schweren Schicksal umgehen, von den Nazitruppen 1943 heimgesucht worden zu sein. Sehr unterschiedlich, fand ich.

  • Die Überlebenden von Distomo kämpfen um ihr Recht :: Argyris Sfountouris war vier Jahre alt, als eine SS-Panzergrenadierdivision am 10. Juni 1944 im Zuge einer „Vergeltungsmaßnahme“ für die Aktionen griechischer Partisanen das griechische Dorf Distomo am Fuße des Parnass-Gebirges überfiel. Die SS metzelte seine Eltern und 30 Verwandte nieder. Insgesamt starben bei dem Massaker von Distomo mehr als 200 Menschen – vor allem Alte, Frauen und Kinder.
  • Auschwitzprozess von Oskar Gröning :: Oskar Gröning war Buchhalter in Auschwitz. Jetzt ist er 93 und vermutlich der letzte SS-Mann auf einer deutschen Anklagebank. Er und viele andere hätten schon Jahrzehnte früher verfolgt werden können. Trägt die Justiz ihr Versagen auf dem Rücken eines einzigen Greises aus?

Tourismus

Der scheint trotz aller Vorhersagen bisher (mengenmässig) auszubleiben. Zu Pfingsten war es sehr leer hier, deutschen Stimmen hört man wenig, eher englische und skandinavische; gestern Abend im Café immerhin schwiizerdütsch… Und da landen wir schon beim nächsten Thema:

FaceBook

Vor diesem Portal fürchten sich ja nach wie vor viele beziehungsweise wissen nichts damit anzufangen. Das liegt natürlich weniger an der Frage »Datenschutz« als an der Scheu, sich einfach damit zu beschäftigen. Denn wichtige Meldungen der Tages- und Wochenpresse, Hinweise und Aktuelles von wirklichen(!) Freunden und Bekannten kommt eben über diese Schiene. Auch von uns, insbesondere Bilder. Das ist übrigens mit ein Grund, weshalb dieser Blog etwas bracher liegt als früher.

Es ist einfach praktisch und zeitsparend, sich auf FB mitzuteilen. Und das Argument »Datenschutz«, um nochmals darauf zurück zu kommen, lasse ich deshalb nicht gelten, weil man ja seine persönlichen Daten nicht abliefern muss, wenn man nicht will. Und andererseits: Wenn die Mehrheit schon nicht wählen geht, zu wenig liest und sich informiert, weil das »Neuland Internet« angeblich zu kompliziert sei: Wie in Dreiteufels Namen soll Demokratie denn funktionieren, wenn sich alle verstecken? Das meint auch

  • Sascha Lobo, wenn er schreibt Sie haben die Zukunft verbockt. Und mit »Sie« meint er uns, mich und dich:

    Es ist einfach, auf die böse Politik zu schimpfen, und das tun Sie ja auch. Aber es handelt sich um substanzloses Gemoser, denn Ihrem Unmut lassen Sie keinerlei Konsequenzen folgen. Sie sagen „Man kann ja nichts tun!“, um anschließend nichts zu tun. Sie wählen weiter die gleiche Partei, Sie gehen nicht auf die Straße, Sie engagieren sich nicht. Ihre Beschwerde hat nämlich nicht das Ziel, irgendetwas zu ändern, sondern dient allein als Ventil: Sie sind Wutbürger minus Bürger, und selbst die Wut scheint mir aus Gründen der Seelenhygiene gespielt.

    Eine sehr gute Beschreibung des Istzustands; fast alle müssen da hinterher die eigene Nase zwischen Daumen und Zeigefinger halten…

Ach ja, und unsere Rückreise

Da habe ich zum Abschluss wenigstens den Reiseverlauf zu bieten, Beiträge folgen nun in den nächsten Tagen:

  1. Tag: Hochdorf – München
  2. Tag: München – Rakitnik (SLO)
  3. Tag: Rakitnik (SLO) – Zadar (HR)
  4. Tag: Zadar – Baška Voda (HR)
  5. Tag: Baška Voda – Mostar (BiH)
  6. Tag: Mostar – Denovici (CG)
  7. Tag: Denovici – Lezhe (AL)
  8. Tag: Lezhe – Saranda
  9. Tag: Sarande (Ruhetag)
  10. Tag: Saranda – Zitsa (GR)
  11. Tag: Zitsa – Etoliko
  12. Tag: Etoliko – Delfi
  13. Tag: Delfi – Piräus – Naxos

Für alle, die doch noch mit dem Auto kommen wollen: Man braucht sinnvollerweise mindestens zehn Tage – nix zu machen. Reisen braucht Weile.

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* Rund Europa 2015 (2): Die Rückreise nach Naxos – ein Plan

Donnerstag, 30.04.2015, 23:04:50 :: Hochdorf

Diesmal haben wir hoffentlich genügend Zeit, so dass der Plan einigermassen erfüllt wird. Wir, das sind Lis‘ Bruder Wolfgang und ich.

Start: 5. Mai 2015 (Wunsch), real: 8. Mai 2015

  1. Hochdorf – München 250 km
  2. München – Kufstein – Lienz – Mucici 500 km
  3. Mucici – Senj 80 km :: Senj – Baška Voda 340 km
  4. Baška Voda – Mostar 150 km
  5. Mostar – Trebinje – Dubrovnik – Kotor 180 km
  6. Kotor – Bar – Shkodra – Tirana – Fier/Apollonia – Himara oder Tepelene/Gjirokaster – Sarande 443 km…
  7. …Tirana – Fier/Apollonia – Himara oder Tepelene/Gjirokaster – Sarande 443 km
  8. Sarande – Mesopotam oder Butrint – Zitsa 90 km
  9. Zitsa – Etoliko 195 km
  10. Etoliko – Delfi 151 km
  11. Delfi – Piräus 170 km
  12. Piräus – Naxos 160 km

Es werden wohl eher 14-16 Tage Fahrt, ca. 2600 km + Fähre. Es ist dann Mai, das Wetter wünschen wir uns sonnig-freundlich, nicht zu warm… Ja, hört mal: Man wird sich ja wohl noch was wünschen dürfen!

Links:

Stand: Freitag, 01.05.2015, 00:20:45

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* Rund Europa 2015 (1), 6. Tag: München – Nürnberg

Mittwoch, 08.04.2015 :: Nürnberg
Freitag, 17.04.2015, 20:40:38 :: Hochdorf

Fahrt durch

Das ist heute eine eher leichte Übung: Autobahn meiden und auf kleinen Strassen von Ort zu Ort nach Nürnberg. Ich bekomme noch ein paar Tipps mit auf den Weg, wo ich vorbeischauen könnte. Erst geht es durch die Isarauen bis Freising.

Freising

Dann quer durch die Hallertau, das grösste Hopfenanbaugebiet der Welt, bis Neustadt a.d.D., wo ich die Donau überquere; erst in Beilngries mache ich halt und genehmige mir gegenüber der Kirche von Beilngries ein Eis.

Der Brunnen ist noch österlich geschmückt. Lichhungrige Touristen durchziehen die Stadt, die noch kräftig baut und renoviert.

Brunnen

Brunnenfigur

Baukran

Ich mache mehrere Erfahrungen auf dieser Strecke. Augen und Gedanken können ja jetzt wieder wandern beim gemächlichen Zuckeln durch die Landschaft. Es ist sonnig, die Luft warm genug zum Öffnen der Fenster.

  1. gibt es nicht nur in fremden Ländern schöne Gegenden 😉
  2. ist es mir doch zu geschleckt, wo Tourismus betrieben wird; die Renoviererei zerstört, es entsteht viel Unechtes
  3. ich müsste mehr Zeit haben
  4. niemand fotografiert für mich; die Strassen sind zu befahren, um einfach aussteigen und fotografieren zu können

Schliesslich geht’s gegen Ende durch’s Altmühltal entlang des Main-Donau-Kanals, wo Kanal und ein Teil der Altmühl friedlich nebeneinander her fliessen, der schmale Altmühlzweig meist höher als die Strasse.

Wer erinnert sich noch an die heissen Auseinandersetzungen in den 1970er und 1980er Jahren?

In den 1970er und 1980er Jahren war der Main-Donau-Kanal in zunehmendem Maße politisch umstritten. Neben Zweifeln an der Sicherheit und völkerrechtlichen Fragen war der Kanalbau nunmehr vor allem ein umweltpolitisches Streitthema. Vor allem der Ausbau eines 34 km langen Abschnitts der Altmühl und dessen negative Auswirkungen auf die Pflanzen- und Tierwelt waren Thema kontroverser Diskussionen. Insgesamt verlor das Projekt zunehmend an Akzeptanz. Hinzu kamen Kürzungen der Baumittel sowie ein Kurswechsel des damaligen Bundesministers für Verkehr Volker Hauff. Um die jeweiligen Lager zu stützen, wurden unterschiedliche Gütertransportmengen prognostiziert, aus denen Nutzen-Kosten-Relationen hergeleitet wurden.

Wikipedia

Am späten Nachmittag erreiche ich dann Sohn und Enkel in Nürnberg.

Picasa

Picasa

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* Rund Europa 2015 (1), 5. Tag: Šibenik – München

Dienstag, 07.04.2015 :: München
Donnerstag, 16.04.2015, 21:36:51 :: Hochdorf

Strecke Šibenik – München

Schlafen ging ganz gut in diesem Hotel. Es lag aber eher daran, dass ich recht leer gepumpt und müde war. Ich ärgere mich nach dem Aufstehen über die Dusche, die morgens um 7 Uhr und im dritten Stock partout kein warmes Wasser liefern will. So nehme ich eben eine erfrischende Dusche und bin wenigstens wach für das Frühstück, das es immerhin gibt.

Kurz vor acht schleppe ich dann meinen Kram zum Auto und sehe schon: Vorne am Wasser, auf der Bank, da sitzen die Mädels und kauen auf ihren belegten quadratischen Broten, feste eingemummt und mit Pudelmütze. Sie hätten oben an der Festungsmauer im Zelt geschlafen, meinen sie als sie herüber kommen und ihre Rucksäcke wieder verstauen.

Es kommt jetzt darauf an, dass das Wetter regenfrei bleibt heute, dann besteht die Chance, dass ich München erreiche und damit meine Termine halten kann. Vorher freilich werde ich die die beiden Damen in Ljubljana abliefern. Gegen starke innere Widerstände entscheide ich mich lange vor Zadar für die Autobahn; nur, um dann festzustellen, dass wir bald wieder runter müssen: Baustelle. So fahren wir eben auf der Küstenstrasse die endlose Bucht entlang, Starigrad bis Senj. Diese landschaftlich wunderschöne Strecke, immer links die Adria mit den nicht endenden Inseln, rechts das schroffe Gebirge und zu dieser Jahreszeit den Nestern der kroatischen Wappenblume, der Schwertlilie – so kenne ich das, so mag ich das. Gemächlich fährt man die unendlich vielen Baranquos aus, kommt durch diese seelenlosen Touristensiedlungen, hingeklebt an die Felsen, erblickt in malerischen Buchten Hotelklötze, die einem den Zorn in die Schläfen treiben. So kenne ich das und mag es auch.

Nichts da.

Heute nicht. Schon vor Starigrad sehe ich den meterhohen Nebel über dem aufgepeitschten Wasser in der Bucht. Und dann beginnt der Tanz: Die Bora rammt uns von rechts, fällt vom Gebirge herunter, knallt mit Regen gegen das arme Senfle und versucht ihn immer wieder aus der Bahn zu bringen. Wer sie nicht erlebt hat, diese typischen Fallwinde, hat was versäumt, bis zu 250 km/h sollen die Böen erreichen. Nur, warum ausgerechnet heute? Die zwei Mal in den Jahren zuvor, eine sogar mit Schnee in Baška Voda, waren eigentlich genug.

Für die Seefahrt war die Bora schon immer gefährlich. Der Seegang bei Bora ist zwar kurz, aber er erreicht eine beachtliche Höhe, die Wellenkämme werden dann zu Schaum gepeitscht, zerstäubt und in Dunstwolken (fumarea) fortgerissen. Die Höhe des Seegangs bei Borastürmen, wie am 14. November 2004 mit Spitzenböen von 60 m/s, nimmt mit der Entfernung von der Ostküste bedeutend zu. Vor den ersten Anzeichen einer Bora bleiben Seeleuten nur etwa 30 Minuten, um einen sicheren Ankerplatz anzulaufen.

Wikipedia

Ok., das Senfle kämpft sich wacker durch, geschüttelt zuweilen aber es bleibt brav auf der Strasse (Es sollen schon Busse den Weg ins Wasser gegangen sein). Irgendwann ist dann auch Schluss nach ein, zwei Stunden. Es ist dann nur noch windig und recht kalt. Und Senj erreichen wir sogar bei schüchternem Sonnenschein, die Mädels holen den offensichtlich nicht gehabten Schlaf von der Nacht zuvor nach. Unterhaltung ist heute nicht angesagt. Und auch die Uskokenburg Nehaj von Senj und vieles andere bleibt unbeachtet am Strassenrand liegen. Na, vielleicht auf der Rückfahrt wieder…

Senj, Blick zur Altstadt

Der Hafen von Senj

Jedenfalls ist jetzt ein – richtig: Cappuccino fällig. Sie wachen auf, die zwei, als ich auf dem Parkplatz halte. Es ist 12 Uhr. Die Mädels fangen an, ihren morgigen Tag zu planen. Denn erst jetzt rücken sie damit heraus, dass ja morgen die Kurse wieder beginnen, sie also präsent sein müssen! Und ich schätze, dass es wohl reichen müsste: Vor Rijeka und vor der Bucht von Bakar auf die Autobahn und durchbrausen bis Ljubljana. Und dann Salzburg, München. Müsste klappen. Aber sicher bin ich nicht…

Dort, wo es links hinüber zur Insel Krk geht, gehen wir nach rechts auf die Autobahn. Ab jetzt wird wirklich gerast. Und bezahlt, Maut ist angesagt. Das wird in Slowenien noch schlimmer: 15€ kostet die billigste Vignette für 7 Tage. Aber wer fährt schon 7 Tage auf slowenischen Autobahnen? Dazu ist das Land viel zu schön.

Das fällt auf: Auf einen Schlag, nördlich von Rijeka, verschwindet der Hauch der Adria schlagartig und weicht fast schwäbischer Agrarlandschaft. Nur die Bauweise der Häuser erinnern daran, dass Triest und damit Italien nicht weit ist.

Gegen 3 Uhr erreichen wir Ljubljana, ich setzte die Zwei fast vor der Haustüre ihres Domizils ab und fahre dann an den Rand: Jetzt schnell planen, wie es weiter gehen soll, das GPS-Programm rechnen lassen: Bis 21 Uhr müsste ich in München sein. Ich sende die Nachricht nach München und gehe zurück auf die Autobahn um diese blöde Vignette zu erstehen. Der Kiosk, den ich finde ist geschlossen, Tankstellen sind keine zu finden. Also fahre ich zunächst ohne. Nahe der Grenze nach Österreich kaufe ich dann doch noch eine – wieder 15 € weniger.

In Österreich werden es dann nochmal 7 € für die Vignette und zweimal Tunnelmaut: Es sind ca. 50 – 60 €, die man von Rijeka bis Salzburg an die Frontscheibe klebt oder als Kassenzettel in den Geldbeutel versenkt, wenn man’s eilig hat. Reisen hingegen geht maut- und vignettenfrei.

Die Berge sind hoch, noch vollständig mit Schnee bedeckt, schmutziger Schnee in größeren Höhen auch noch an den Rändern der Autobahn, meterhoch. Der Verkehr nimmt zu, die Lastwagenkolonnen werden länger, die typische Raserei geht so ununterbrochen bis München, am Chiemsee fahre ich dann in den Sonnenuntergang.

Autobahnromantik

Es waren über 800 km, als ich in München den Motor abschalte. Alles in allem 2.380 km in 5 Tagen. Geplant hatte ich 10-14 Tage

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* Rund Europa 2015 (1), 4. Tag: Lezha – Šibenik

Dienstag, 06.04.2015 :: Šibenik, Hotel Jadran
Dienstag, 14.04.2015, 14:41:48 :: Hochdorf

Strecke Lezhe - Sibenik

Blick aus dem Hotelzimmer am Morgen

Als ich morgens den Vorhang zurück ziehe und den Himmel über dem grünen Hinterland betrachte, kommt etwas Freude auf: Es regnet nicht, die Bewölkung öffnet sich. Als ich jedoch wenig später aus dem ersten Stock hinunter gehe um zu bezahlen, sehe und spüre ich: Es regnet, der Blick aus dem Fenster vorhin war ein Trug, das Wetter hängt in den Bergen im Norden.

Lezhe Richtung Shkodra

Ein Frühstück gibt es nicht, ich bin der einzige Gast, das Abendessen gestern Abend war vom Preis und vom Geschmack fast ein albanisches Gastgeschenk. Und das zusätzliche Cola von gestern Abend will der Chef jetzt nicht bezahlt haben. Ach was! Und so sitze ich im Auto, und los geht’s. Der Scheibenwischer wischt, aber ich weiss: In zehn Minuten spätestens… Genau. Nach kurzer Wegstrecke fahre ich wieder mit Schlieren vor den Augen. Wenn ich nicht wüsste, wo und wie – ich hätte sofort wieder kehrt gemacht.

So aber fahre ich an all den Stellen vorbei, wo man gemütlich einen Kaffee trinken, die Buna vorbeifliessen lassen, zur Festung hinauf blicken und spielenden Kinder mit den Augen folgen kann… Normalerweise. All das geht mir durch den Kopf wie ich mich so über die Buna, den Abfluss des Skutarisees bewege. Ich weiss, dass es dann nach links geht, vorne links dann eine weitere ehemalige Festung auftaucht, heute wohl Hotel oder so was, dann rechts drum rum… Ich weiss das, erahne den Weg zwischen den Wasserbahnen hindurch und fahre eben.

Ich habe das seinerzeit 2012 in den schwedisch/finnischen Beiträgen wohl schon mal beschrieben: Beim Langsamfahren sieht man wenig, muss ständig den Blick, ja besser den Kopf bewegen, um zwischen den Tropfen und Tränen neue Darstellungen von der Welt da vorn zu erahnen. Erst so ab 80 km/h beginnt der Fahrtwind, die Wasserschicht zur Seite zu treiben um so einen klareren Blick zu schaffen. Aber 80 km/h auf Albaniens oder Montenegro Strassen?

Bis zur Grenze hinüber nach Montenegro geht das so. Alles geht wie gewohnt glatt beim Zoll, kein Öffnen des Kofferraums mehr, kein Desinfizieren. Albanien ist integriert, Montenegro ebenso – keine »Eintrittsgelder« mehr, keine Vignette. Als ich am montenegrinischen Schalter durch bin sehe ich durch die Seitenscheibe – mehr aus dem Augenwinkel – zwei nasse Gestalten mit grossen Rucksäcken an der Strasse und noch unter dem Dach der Zollstation stehen. Ich schlage einen Haken und fahre rechts ran, entriegle die Tür. Zwei Mädchengesichter erscheinen in der offenen Beifahrertüre, fragende Augen. Ich frage auch. Nach Norden eben, so weit wie möglich. Nach näherem Nachfragen: Ljubljana ist das Ziel. Es ist ein Witz und riskant zugleich: Zwei Fahrgäste für einen Grossteil der restlichen Strecke, Regen, Eile, aber kein Scheibenwischer? Ich erwähne das kurz, das ganze geht auf Englisch.

Letztlich steigen sie ein, wir verstauen die beiden Rucksäcke irgendwie, eine klemmt sich hinten rein, die andere neben mich. Wir fahren los – und der Regen hört auf. Schon nach wenigen Kilometern bekommen die Wolken Formen und lassen Blau durch. So »brettere« ich gen Norden, vorbei an Ulcinj, Bar, Budva.

Kurz vor Tivat

In Tivat beziehungsweise Lepetane am Eingang zur Bucht von Kotor ist dann erster Halt: Aber da kommt die Fähre auch schon, schnell raus, Ticket lösen und drauf auf die Fähre. Und wieder was gelernt: Die Zahl der Passagiere zählt nicht, nur das Auto.

Fähre Lepetane

Nur nebenher registriere ich: Das kenne ich alles, heute betrachte ich alles aber nur etwas gehetzt so en passant

Während der Fahrt wird viel erzählt, alles auf Englisch, klar. Das heisst, ich erzähle und meine Nebensitzerin unterhält mich auf weiten Strecken. Sie beide studieren in Ljubljana, ein Erasmus-Jahr. Ich berichte von Erasmus-Gästen auf La Palma in den Jahren 2007-2012. Sie seien Couchsurfer, ob ich Couchsurfing kennen würde? Ich verweise auf meine beiden Scheibenaufkleber an der Heckscheibe… Grosses Hallo! – Junge Leute sind einfach impulsiver und noch begeistert, selbst bei solchen Kleinigkeiten.

Meine Nebensitzerin Danisa selbst kommt aus Tschechien, nahe der Grenze zu Österreich. Telč kennt sie gut (da waren wir ja letztes Jahr). Wir unterhalten uns über Tschechien, Brünn; ich höre zum ersten mal die tschechische Form »Brno« und verstehe erst im dritten Anlauf. Sie studiert Chemie, was natürlich gleich ein neues Thema eröffnet.

Während dessen schläft Maria, die andere junge Dame, irgendwie zusammengefaltet auf dem Rücksitz. Sie ist erkältet, krank, übernächtigt und durchnässt. Eigentlich gehört sie unter eine heisse Dusche und dann in ein anständiges Bett. Sie kommt aus Polen, Warschau, um genau zu sein. Ihr Studium dreht sich um Städtebau.

Irgendwann trinken wir dann doch einen Cappuccino beziehungsweise einen heissen Tee. Das scheint gerade noch drin zu sein im Budget… Die nächste Runde zahle ich dann, es sind ja wirklich nur geringe Beträge, eigentlich wollen sie das nicht. Aber was Heisses braucht Maria dringend.

Kaffee & Tee mit Maria und Danisa

Weiter geht’s nach Herceg Novi, Neum, diesem skurrilen kurzen Stück Meer von Bosnien-Herzegowina, Dubrovnik. In Opuzen, diesem Riesendelta der Neretva, kaufen wir Orangen und Mandarinen; sie halten bis Deutschland.

Nahe der Stadt befinden sich die Ruinen der antiken Stadt Narona, deren damalige Bedeutung von der Lage am Fluss und in Meeresnähe abhing. Auf den letzten 25 km ab Metković ist der Fluss seit der Regulierung im Jahre 1895 für kleine Schiffe befahrbar. Das Delta der Neretva spielt eine große Rolle für die Landwirtschaft im südlichen Teil des Landes, da es zu den wenigen bewässerten und sehr fruchtbaren Ebenen der Region gehört. Seit 1881 und in größerem Maß nach 1945 wurden große Teile der Sumpflandschaft trockengelegt und so für die Landwirtschaft nutzbar gemacht. Im Zuge der Arbeiten blieben von den ehemals 12 Flussarmen nur noch drei übrig.

Bei Ploče in Kroatien mündet der Fluss ins Adriatische Meer.

Wikipedia

Wir passieren Split, Trogir – alles streifen wir in grosser Eile und landen schliesslich tatsächlich in Šibenik am Hafen und lassen uns in die Sessel des erstbesten Cafés fallen: Cappuccino! Geschafft!

Café in Šibenik

Dann geht für die zwei die Suche nach einer Unterkunft los. Das Hostel verschmähen sie des Preises wegen. Sie schultern ihre Rucksäcke und verziehen sich anderweitig. Treffpunkt morgen früh um 8 Uhr vor dem Hotel, das ich ausgeguckt habe: fast direkt neben dem Café mit bewachtem Parkplatz.

Das Hotel Jadran ist eine teure Bruchbude, aber ROTARY-Stützpunkt, wie sich herausstellt, was mich aber weder ehrfürchtig werden lässt noch schockt. Der Laden ist mit 58€ deutlich zu teuer, das Personal spröde, (wohl typisch) kroatisch-dünnlippig, um nicht zu sagen regelrecht unfreundlich. Das ärgert mich. Aber es bestätigt die Erfahrungen der Vorjahre: Kroatien hat preislich den Norden Europas erreicht, bei weitem aber nicht dessen Standards; auch nicht die Freundlichkeit von Bosniaken, Montenegrinern oder gar Albanern; weiter nach Süden wollen wir jetzt mal nicht gehen mit den Vergleichen. Da hapert es nach wie vor. Kroaten und Serben sind und bleiben wohl die Völker, in deren Mitte wir uns über Jahre nie wohl gefühlt haben. Schade, aber wohl nicht zu ändern. Und ich würde mein Urteil gerne widerlegt sehen!

Morgen früh um Acht geht’s weiter.

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