* Rund Europa 2016: Die zweite Etappe

Freitag, 13.05.2016, 13:01:03 :: Hochdorf

Nachdem der letzte Beitrag der ersten Etappe im Kasten ist, geht es an die Planung der zweiten Etappe, die uns in den Norden bringen soll:

Deutschland – Dänemark – Schweden – (Åland) – Finnland – Estland – Lettland – Litauen

Falls jemand jetzt fragt: Und Russland? Karelien, St. Petersburg? Da kann ich nur antworten: Schrecklich gern, aber dazu fehlt schlicht das Geld.

Da wir vom Baltikum auch wieder irgendwie zurück nach Griechenland gelangen möchten, wird es – wenn alles gut geht – im Frühherbst ein dritte Etappe geben:

Litauen – Polen – Ukraine – Rumänien – Bulgarien – (Türkei) – Griechenland

Am 1. Juni soll’s losgehen

Damit gar nicht erst irgendwann die Gefahr besteht, dass der Vorwurf auftaucht, wir würden uns zu wenig um Deutschland kümmern, treten wir dieser Möglichkeit gleich am ersten Tag energisch entgegen: Wir werden nicht auf der Autobahn nach München fahren sondern via Aalen, Nördlingen, Donauwörth etc. versuchen, dorthin zu gelangen.

Bald also mehr davon.

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* Rund Europa 2016, 17. Tag: Camorino – Hochdorf

Mittwoch, 13.04.2016, 21:55:06 :: Hochdorf
Donnerstag, 14.04.2016, 22:31:41 :: Hochdorf

Wetteraussicht am Morgen

Dies ist ein vorgezogener Bericht über den letzen Reisetag. Der kam überraschend. Wir hatten eigentlich noch vier bis fünf Reise- beziehungsweise Besuchstage vor uns, als am Dienstagabend kurz vor Bellinzona das Senfle beängstigende knackende und knarrende Geräusche von sich gab – als rieben sich Metallteile an einer Bruchstelle…

Wir fuhren erschrocken an die Seite und ein paar Meter weiter auf den Parkplatz eines Gartencenters. ADAC? Muss wohl sein. Ich rufe also in München an, gebe unsere Position durch und nach einer guten Stunde stand der Schweizer Pannendienst neben uns, genauso gelb wie der deutsche. Er hebelte den Wagen hoch und kroch halb drunter – und sah einen Schaden! War es der Schaden? Jedenfalls war die Manschette um das Kardangelenk der rechten Antriebswelle völlig zerstört und das Schmiermittel im ganzen Radkasten verteilt. Der junge Mann war guter Dinge und wir erleichtert, als er uns erklärte, dass sich ein paar hundert Meter weiter eine Renault-Werkstatt befinde, ein Hotel sei hundert Meter weiter auf der anderen Strassenseite.

Wir fuhren also bedächtig zur Werkstatt, der Meister bestellte mich für den nächsten Morgen – also heute früh – und wir bezogen voll bepackt ein Zimmer im Hotel gegenüber, Businessqualität für 160 sfr. Dass dann ein Teller Spaghetti am Abend 11 sfr kostete, das nur am Rande und damit Ihr alle mitnicken könnt: Jaja, die Schweiz ist teuer…

Heute früh also…

…kurz nach neun stehen dann der Werkstattmeister, der direttore und ich unter dem hochgefahrenen Senfle. Er sieht aus wie die S…, alles voller Schmierfett und die linke Manschette ist genauso hinüber wie die rechte. Die beiden Renault-Leute schauen fachmännisch und diskutieren wohingegen ich eher staune und zum ersten Mal in meinem Leben eine Antriebswelle und ihr Kniegelenk sehe…

Mir schwant einiges.

Der direttore, der ein perfektes Schwiizerdütsch beherrscht (deshalb ist er mit dabei!) erklärt mir, dass man die Manschetten natürlich unbedingt ersetzen muss, das Auto sei aber tadellos in Ordnung, wir könnten bedenkenlos damit die 500 Kilometer nachhause fahren, Autobahn und – zwinkernd – nicht zu schnell…

Mir ist mulmig, aber der direttore bestärkt mich, der Meister nickt absolut zustimmend, selbst nach einer gemeinsamen Proberunde, bei der das Geräusch wieder auftritt und so packen wir eben, beladen den Wagen wie jeden Morgen, kaufen zähneknirschend an der nächsten Tankstelle die Vignette für 40 sfr – die wir uns eigentlich sparen wollten! – und starten den Gotthard-Trip. Geplante Besuche sagen wir ab.

Es nieselt und regnet, die Wolken hängen sehr tief im Tal, fast bis auf den Talgrund. Reisewetter ist das nicht, Freude über eine unvorhergesehene Bergtour kommt daher nicht auf, zumal nicht mit dem mulmigen Gefühl, dass da unten vor uns zwei Kardangelenke ohne Schmiere arbeiten. Jetzt, wo ich das schreibe, interessiert mich natürlich, wie das Teil wirklich aussieht. So:

Die Verkehrsdichte ist erstaunlich gering, nach dem 16-km-Tunnel wird es bei Göschenen sogar freundlich,…

…d.h. bis zur Raststätte vor der Südspitze des Vierwaldstätter Sees geht alles glatt, wir leisten uns dort noch einen C… (genau!) und Wiener Würstchen zu himmlischen Preisen und geniessen so gut es geht, die Fahrt durch die vielen Tunnel entlang des Sees.

Dann aber, kurz vor Zürich, beginnt es zu schütten und da versagt dann der Front-Scheibenwischer wie erwartet und befürchtet und wir fahren halb blind durch das Strassengewirr des Großraums Zürich bis Schaffhausen. Eigentlich verantwortungslos, aber was tun? Im Hegau dann hört der Regen auf, es wird fast freundlich. Nach einem Cappuccino und einer Willkommensbutterbrezel in der dortigen Raststätte beschließen wir, gleich zur Werkstatt in Seebronn zu fahren, wo Senfle ja gewissermaßen zuhause ist, und Lis‘ Schulfreundin einen Besuch abzustatten.

In Seebronn bekommen wir bei dem freundlichen türkischen Werkstattchef für Montag einen Termin und bei Lis‘ Schulfreundin einen doppelten Espresso und Kekse. Ihr Mann, der vor vielen Jahren das Senfle aus dem Hut zauberte, ist leider unterwegs.

Der Weg bis Hochdorf ist dann – für Adaptierte – normaler Feierabendverkehr im Großraum Stuttgart. Für uns antrainierter Wahnsinn im Musterländle.

Wir stellen fest:

Bis zur Mitte von Istrien konnten wir reisen, danach nur noch fahren. Mitteleuropa ist übervölkert, zugebaut. Insbesondere Norditalien ist eine “Siedlung am Stück”. Die Preise steigen ins Absurde. Der Teller Spaghetti zum Beispiel kostete im Hotelrestaurant gestern Abend 11 sfr. Die Preise in der Gotthard-Raststätte waren schwindelerregend. Wir sind andere Qualitäten gewöhnt.

Und ich habe vergessen, dass heute der 13. war…

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* Rund Europa 2016, 16. Tag: Clusane – Giubiasco (Bellinzona)

Dienstag, 12.04.2016, 21:05:11 :: Giubiasco, Hotel Morabbia
Mittwoch, 11.05.2016, 22:38:23 :: Hochdorf

Das is der letzte Beitrag dieser ersten Etappe »Rund Europa 2016« von Naxos nach Hochdorf. Alle Etappen in der Übersicht finden sich hier.

Das war heute kein Glückstag. Diese fürchterliche Fahrerei generell in Oberitalien, ob Landstraße oder Autobahn. Nichts, mit wenigen Ausnahmen, was man erleben muss. Aber das sagte ich ja bereits mehrfach.

Dann die Überraschung in Chiavenna, dass wir wieder ganz zurück und nach Lugano mussten.

Und dann später, kurz vor Bellinzona, das Krachen irgendwo vorne im Gebälk vom Senfle.

Aber der Reihe nach…

Der Morgen in Clusane begrüsst uns mit herrlicher Sonnen- und Wolkenszenerie. Es wird also ab Lecco eine vergnügliche Fahrt am Ostufer hinauf zu den Alpen nach Chiavenna geben. Zuvor heisst es aber, die Strecke bis Lecco zu überwinden. Wir wählen die Landstrassen über Bergamo, »Mörderstrecke« wie überall hier oben.

Unsere Freundin in Lecco werden wir heute leider nicht – wie eigentlich geplant – antreffen, wir sind einige Tage zu früh dran, die Übernachtungspreise treiben uns. In Chiavenna werden wir vor dem Aufstieg zum Splügenpass ein Eis essen und dann am Abend am Walensee bei einem Freund sein und dort übernachten.

Das ist der Plan.

Um Zeit zu sparen, wählen wir die fast vollständig im Tunnel verlaufende Schnellstrasse am Ostufer des Comer Sees. All das kennen wir ja aus vielen Jahren »Oberitalienische Seen«. Auf dem Splügenpass werden wir dann umso genüsslicher fahren.

In Chiavenna tanken wir, bestellen unser Eis und sind guter Dinge. Bis Lis hinter mir ein Schild sieht, das ihr gar nicht gefällt.

Jaja, meint die Frau an der Theke, die auch bedient, der Pass sein noch zwei, drei Tage geschlossen. Was das bedeutet, lässt sich auf der Karte am Beginn des Beitrags gut nachvollziehen: Alles zurück, San Bernardino oder Gotthard.

Aus jeder Situation das Beste machen

Dass der Splügen-Pass gesperrt ist, hat nun aber auch sein Gutes: Wir können so ein wenig auf alten Wegen fahren: den Comer See am Westufer nach Süden, Menaggio, Porlezza, Luganer See, Albogasio und Oria…

Nun ja… – was wir sehen, ist nicht immer anrührend. Man muss mittlerweile höllisch aufpassen, um nicht auch hier am Westufer komplett in der Röhre zu landen. Das «Albergo Riviera«, einst unsere Perle am Luganer See in Oria, steht immer noch traurig und ziemlich abgerissen da. Gras, Moos, die Zeit… War eigentlich schon 2005 der Autoverkehr unerträglich geworden, ist nun endgültig fast alles im Tunnel verschwunden, die Uferstrasse kaum befahren, die Orte mit ihren Cafés menschenleer – wer soll da auch vorbei kommen und in einem »alten« kleinen Hotelchen direkt am Wasser logieren, wenn es doch diese prächtigen Betonklötze mit vorgelagertem pool gibt…

Mit einem Wort: Wir sind enttäuscht, wie die letzten sechzehn Jahre alles zerstört haben, was wir liebten. Dennoch fahren wir einen Umweg, in Rezzonico den Berg hinauf um wenigsten einen immer noch grossartigen Ausblick auf den See zu geniessen.

Lugano, Bellinzona, Aus.

Lugano passieren wir ohne Halt. Ziel sind die Ortschaften nach Bellinzona, wo wir hoffen, eine bezahlbare Unterkunft zu finden, denn unser eigentliches Ziel Walensee werden wir nicht mehr schaffen.

Kurz vor Bellinzona, in Camorino, jagt uns ein heftiges Krachen im Gebälk des Senfle einen Riesenschreck ein. Ich denke unwillkürlich an einen Bruch der Karosserie, des Bodenblechs und rette uns langsam schleichend und den Abendverkehr blockierend auf den Parkplatz des vor uns liegenden Gartenzentrums. Was nun? Ich rufe den ADAC in München an und nach einer Stunde steht der Gelbe Engel der Schweiz neben uns, setzt den Wagenheber an, lässt mich die Lenkung scharf einschlagen, legt sich neben den Wagen, steht auf und nickt.

Die Manschetten um das Gelenk der Antriebswellen sind zerfetzt, das Fett in den Radkästen verspritzt. Das alles entlastet uns nicht wirklich, er aber belehrt uns fröhlich, dass zweihundert Meter weiter gegenüber ein RENAULT-Betrieb ist, weitere hundert Meter weiter ein Hotel. Und morgen früh sähe man weiter.

Alles Weitere steht hier.

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* Rund Europa 2016, 15. Tag: Dolo – Clusane

Montag, 11.04.2016, 19:09:42 :: Clusane (Iseo-See), Hotel Rosmunda
Freitag, 06.05.2016, 17:24:56 :: Hochdorf
Dienstag, 10.05.2016, 23:40:48 :: Hochdorf

Unser Frühstück ist italienisch, was Wunder. Aber gepflegt.

Wir wollen danach dem oberitalienischen Horror aus aneinandergereihten Ortschaften, Kreisverkehren und Autobahnen so schnell wie möglich entfliehen. Padua, Verona etc. verwerfen wir schnell – mal wieder.

Stattdessen satteln wir zum Parforceritt von Dolo nach Garda – 127 km sagt die Navi-App; und sie hat prinzipiell recht.

Zunächst geht es aber vorbei an den ehedem fürstlichen alten Landsitzen der wohlhabenden Venezianern. Jedenfalls zeugt die meist verfallene Pracht der Latifundien und Schlossanlagen, die sich auf unserem Weg nach Westen aneinander reiht, dass es wohl sehr darauf ankam, wer den größten Park, die aufwendigste Fassade und wohl auch, welchen Nachbarn hatte. Fast kommt es einem so vor, als dass einige Landgüter schon damals verlassen wurden, wenn der Nachbar nicht genehm war. Es gab genügend Platz; in modernen Neubausiedlungen ist das heute schwieriger.

Ansonsten bewegt man sich wirklich fortgesetzt durch einen gefühlten physischen Ort, der nur durch Ortsschilder innerhalb der geschlossenen Baureihe strukturiert ist, ohne dass Abschnitte erkennbar wären. Dann geht’s auf die Autobahn und das macht dann endgültig so viel Spaß, dass wir die vergangenen Reisetage fast vergessen.

Der Gardasee – Peschiera del Garda

hält dann wieder eine Überraschung bereit, ich gestehe es. Wir hatten vor Jahren den Gardasee im Sommer besucht und außer Restaurants und Campingplätzen wenig wahrgenommen, was uns zum Bleiben angeregt hätte. Das hatte dazu geführt, dass wir danach nur noch zwischen Luganer- und Comersee gependelt sind, denn auch der Lago Maggiore hatte das Verlangen nach einem Wiedersehen sehr schnell gedämpft. Jedenfalls bin ich überrascht, als wir nach einer Cappuccinopause durch ein Gewirr aus Festungsmauern weiter fahren: Peschiera del Garda am südlichen Ende des Sees, wo der Mincio den See verlässt. Warum ich den immerhin schiffbaren Fluss erwähne?

Nachlesen hilft, ich war erstaunt, nicht nur wegen des Begrigffs des Festungsvierecks. So ist das nun mal: Reisen bildet, vorher, während und danach.

Nächstes Ziel ist der

Iseosee

im Nordwesten – knapp 70 km sagt die Navi-App; und sie hat prinzipiell recht. Doch wir erleben eine irrwitzige Tour. Und das kam so:

Die Fahrweise der Italiener ist ja eher forsch. Wenn man sich daran gewöhnt und mitmacht, kommt man recht gut vom Fleck. Es gibt allerdings – wie andern Orts ebenso – auch…, wie soll ich’s sagen… unentschlossene Fahrerinnen. Sie nehmen einem bei der Auffahrt brutal und wenig elegant die Vorfahrt (bei mit über 100 km/h fliessendem Verkehr!), eiern dann langsam und unentschlossen vor einem über die Fahrbahn, bremsen unvermittelt und ohne Grund, fahren dann ohne Lichtzeichen plötzlich ab – kurz: Sie verwirren den nachfolgenden Senflefahrer samt Reisebegleitung derart, dass sie die eigene Abfahrt übersehen:

Es beginnt damit eine kleine Irrfahrt an den Iseosee, die ohne Navi-Einsatz nur sehr schwer zu meistern gewesen wäre, ist sie es doch sogar mit dessen Hilfe. Fündig werden wir dann nach vielem Herumgekurve in Clusane am Südwestufer.

Dass die deutsche Wikipedia den Ort gar nicht kennt ist unverständlich, denn es ist wirklich beschaulich und ruhig dort: Hotel ok., Balkon zum See, netter kleiner Ort mit Hafen – und eine tolle Burganlage (Castello Carmagnola), Renaissance will mir scheinen.

Sie ist leider geschlossen, so dass nur etwas Klettern hilft, um einen Blick in den Innenhof und die Fassade zu erhaschen.

Im kleinen Café unten am Hafen gibt es erstklassigen Cappuccino, ebensolches Eis und eine größere Zahl Flüchtlingskinder, die unbeschwert und ungestört an einem Tischchen sitzen, toben und auf mehreren Smartphones daddeln.

Die Geschäfte sind noch geschlossen, ebenso die wenigen Restaurants resp. Pizzerien. So bleibt uns nur ein fast grossbürgerliches Arrangement im Hotel.

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* Rund Europa 2016, 14. Tag: Buzet – Venedig – Dolo (2)

Sonntag, 10.04.2016, 19:40:06 :: Dolo, Albergo alla Campana
Mittwoch, 27.04.2016, 20:28:22 :: Hochdorf
Dienstag, 03.05.2016, 16:43:25 :: Hochdorf

Warum Venedig?

Venedig war zweifellos eine Großmacht im gesamten Mittelmeerraum. Venedig begegnet uns stets entlang der Adriaküste, ja selbst noch weitab der Küste im Landesinneren bis hinab zu den Südzipfeln der Peloponnes auf Schritt und Tritt. Auch Naxos erzählt heute noch viel aus dieser Zeit, das Kastro und viele andere Stellen auf der Insel belegen die Macht dieses Stadtstaates in der Lagune. Dazu kommt die einzigartige Bauweise dieser Stadt, die technisch wie hinsichtlich der Baukunst ihresgleichen sucht. Deshalb kann man die Ansicht vertreten, als Europäer müsse man dieses einstige Machtzentrum wenigstens einmal besucht haben, Paläste, Kirchen und Plätze bestaunt haben.

Anderseits: Venedig ersäuft in Touristen, selbst jetzt Anfang, Mitte April. Es ist keine Stadt, in der Menschen einfach nur leben können, es ist ein Freilichtmuseum im Freigehege und freiem Zugang.

Wir schauen uns ein paar Stunden um, sind beeindruckt, verirren uns, finden aber letztendlich zurück, sind ein bisschen enttäuscht, dass wir die Rialtobrücke und den Markusplatz verfehlt haben, leisten uns noch erschöpft einen dünnen Cappuccino zu einem legendären Preis – jedenfalls: Ich habe genug gesehen, jedoch kaum das, was man angeblich – einem vorgeblichen Bildungskanon entsprechend – gesehen haben muss.

Zu den Venedigkennern werde ich mich also auch fürderhin nicht zählen dürfen und sterben will ich auch nicht unbedingt jetzt und hier sofort. Eher fliehen. Aber nochmal: gesehen habe ich genug. Um mir nun ein Bild machen zu können, verstanden zu haben, was Venedig ausgemacht hat, dazu reicht’s.

Und ich frage mich natürlich auch, während ich schreibe: Soll ich Bilder von Venedig beifügen? Wirklich? So ganz ohne Marktplatz und so? Ich tu’s. Einerseits, damit bewiesen ist, dass wir dort waren und anderseits – vielleicht waren ja noch nicht alle dort und ich kann so noch die/den eine/n abschrecken. Wesentliche Bilder also unten bei Picasa…

😉

Wir wackeln zu unserem Parkhaus, zahlen die horrende Parkgebühr und ziehen wieder ab, was wie die Anfahrt erstaunlich flüssig klappt in diesem Verkehrschaos.

Aber wohin jetzt?

Wir fragen uns, bis wohin wir fliehen müssen, um ohne Venedigaufschlag übernachten zu können. Die ersten Nachfragen entlang der Straße sind ernüchternd aber erwartungsgemäß. In Dolo schließlich, einige Kilometer westlich, sehe ich gerade noch im Augenwinkel ein Hotelschild »Albergo alla Campana«, das in die Tiefen des total verwinkelten Ortes zeigt. Der Besitzer bietet uns das Zimmer für 69€, nachdem wir zuvor über 100€ angesagt bekommen hatten. Das sind eben die Preise hier. Wir bleiben und richten uns ein. Das Internet schäumt fast über vor lauter Bandbreite. Aber wir haben irgendwie Hunger.

Der Hotelier betreibt eine Art Bistro/Cafeteria, bietet aber keine Speisen, nur Frühstück. Er verweist aber sofort auf ein Lokal auf der anderen Straßenseite, das er uns durch eine kleine, fast schon als Geheimtüre zu bezeichnende Pforte zeigt. Vorsicht, der Kopf! Sie ist niedrig. Es gibt eine Klingel außen, er macht uns dann auf, wenn wir zurückkehren.

Und so verbringen wir einen sehr angenehmen Abend am rauschenden Mühlbach, in einem stilvollen und vor allem teuren Weinlokal in der dazu hergerichteten alten Mühle, die Flasche Weisswein sehr gut aber auch 35€, wie wir am Ende auf der Rechnung lesen. Ok., wir hatten unseren Wunsch zu Anfang geäußert: weiß, trocken, von hier und das traf alles zu…

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* Rund Europa 2016, 14. Tag: Buzet – Venedig – Dolo (1)

Sonntag, 10.04.2016, 19:40:06 :: Dolo, Albergo alla Campana
Mittwoch, 27.04.2016, 20:28:22 :: Hochdorf

Buzet

Morgens steht zunächst die Frage offen, ob wir einen Tag bleiben. Wir verzichten dann aber wegen des schlechten Internets. Auch dieses Haus leidet unter der Telekom…

Stattdessen fahren wir nach hervorragendem Büfett-Frühstück hoch und hinein nach Buzet. Es ist Kirche, der Platz voller Autos, wir streiten mit einem Bürger wegen unseres Parkplatzes (ist angeblich keiner, aber ich denke, er will ihn frei halten für Gäste…) und sehen uns dieses alte Festungsstädtchen an, das im 17./18. Jh. seine Prägung durch Venedig erfahren hat (teils Hochbarock). Ein bisschen Vorgeschmack auf Italien…

Schnell sind wir an der Grenze nach Slovenien. Das Wetter macht soweit mit, dass es nicht regnet, nur zuweilen sprüht. Wir machen Bekanntschaft mit einigen Baustellen, es wir immer »normaler«.

Und dann sind wir auch schon in Italien, umfahren wenig später grossräumig Triest und sind dann endgültig angekommen im industriellen Europa mit seinen Autoschlangen. Nach kurzer Zeit auf Autobahn und ödem Von-Dorf-zu-Dorf entscheide ich mich doch für Venedig. Und das will was heissen. Aber es muss irgendwann mal sein.

Es gibt ein zentrales Parkhaus, wo wir für 30€ Parkgebühr Unterschlupf finden und von wo aus wir losziehen. Das Auto muss offen, der Zündschlüssel stecken bleiben; etwas mulmig ist uns schon…

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* Rund Europa 2016, 13. Tag: Gospic – Buzet

Samstag, 09.04.2016, 19:11:27 :: Buzet, Hotel Fontana
Montag, 18.04.2016, 22:12:23 :: Hochdorf

Der Morgen nach der Partynacht der Ex-Schüler? Wir einigermassen ausgeschlafen, das »Schlachtfeld« aufgeräumt.

Als wir das Restaurant betreten um zu frühstücken, ist unser Tisch vorbereitet, direkt neben der Backstube, wo offensichtlich morgens frisches Brot und abends Pizza gebacken wird. Alles andere ist aufgestuhlt. Der Tisch ist reichlich gedeckt, das viele Brot geht weg wie warme Semmeln – der Ort kauft hier seine Tagesration.

Und draussen regnet es.

Wir fahren also später bei schönstem Nieselregen weiter durch das Hinterland der Touristen-Küste. Unser Ziel ist zunächst Senj an eben dieser Küste. Wir hoffen, da unten wäre es vielleicht besser. Es ist deprimierend. Ich habe es in den Berichten über die letzten beiden Etappen schon angesprochen: Wir haben gestern wie auch heute wohl noch nie so viele verlassene, zerstörte, teils abgebrannte Häuser gesehen, selbst in Bosnien vor vielen Jahren nicht, wie hier. Teils wachsen darin schon stattliche Bäume. Wie lange braucht ein Baum, um so auszusehen? Reichen 20, 25 Jahre?

Am Pass auch das letzte Dorf für uns hier oben, Vratnic, wo trotz des Schmuddelwetters jemand versucht, Kundschaft für seinen Käse zu finden. Wir haben mittlerweile so viel gebunkert, es geht sinnvollerweise nichts mehr.

Und plötzlich ist es wieder da, wie unten im Dunst: Das Meer.

Als wir vom Gebirge durch Schluchten hinab an die Küste fahren, packt uns am Kamm die Bora.

k.u.k.-Spuren

Aber auch seltsame Gedenkstätten stehen da plötzlich am Hang, diese hier weist die Inschrift

FERDINANDUS I.
AUSTRIAE IMPERATOR
MDCCCXXXVII (1837)

auf. Ferdinand I. war von 1835 bis 1848 Kaiser von Österreich und König von Böhmen und als Ferdinand V. seit 1830 auch König von Ungarn und Kroatien (Wikipedia). Er war Vorgänger des letzten habsburgischen Kaisers Franz Joseph I.

So schnell taucht man an einem nassen Tag in einer Schlucht in Kroatien in die k.u.k.-Geschichte ein: 1848-er-Revolution, Ersten Weltkrieg und Untergang der Habsburgmonarchie…

Senj

Kurz vor Mittag erreichen wir Senj. Die Burg ist verschlossen, Pech für Lis, die sie immer noch nicht von innen gesehen hat (Mit Wolfgang gelang das letztes Jahr, da war es aber eben Mitte Mai). Die Geschichte von Senj, der Uskokenburg und Kurt Helds »Rote Zora und ihre Bande« muss ich endlich fertig schreiben – die Berichte von vor einem Jahren warten auf der Festplatte, dass sie endlich fertig werden. Ein kurzer Blick nach oben…

…und weiter geht’s, hinunter zum Hafen.

Ein Cappuccino dort muss sein, dann müssen wir weiter, wir wollen am Nachmittag irgendwo in Istrien aufschlagen.

Bakar

Nächstes Ziel ist Bakar und seine Bucht, in der Hoffnung, dass es dort nicht regnet und wir endlich mal die Altstadt und die Burg inspizieren können.

Aber es nieselt und es ist ungewiss, was daraus wird – also heute wieder nichts. Stattdessen Cappuccino in einer Pinte gegenüber dem Café an der Bucht.

Warum wir immer Cappuccino trinken und ich das immer betone? Nun, wir haben den Ehrgeiz, die europaweiten Cappuccino-Kenner Nummer eins zu werden 😉

Wir umfahren Rijeka weiträumig, blicken auf Opatija hinab, als es in die Berge geht, und richtig steil wird. Und wieder diese seltsame Grünfärbung durch die jungen Blätter der Bäume, selbst bei diesem nieseligen Wetter; teilweise fahren wir in den Wolken.

Noch mehr Wasser…

Wir wollen nicht mehr, suchen eine Bleibe.

Bei der Hotelsuche erschrecken wir über die Preise, selbst auf dem Land und bei geringem Komfort: Wir sind nicht mehr im Süden, auch der Verkehr nimmt zu.

Buzet

Schlussendlich entscheiden wir uns nach mehreren Versuchen an der Straße und in den kleinen altertümlichen befestigten Dörfern für das Hotel Fontana am Fusse des Hügels, auf dem dass alte Buzet thront. Do wollen wir morgen früh natürlich hoch.

Und wieder Ärger mit dem Internet. Erst funktioniert es wunderbar, dann nicht, dann wieder. Letzen Endes vertue ich eine Menge Zeit… Und das ganze für 70€… Am nächsten Morgen erfahre ich dann, dass nicht nur wir Leidgeprüfte sind: Wer gestern und heute seine Bankgeschäfte online erledigen wollte, wurde zur Verzweiflung gebracht. Herr der Leitungen in Kroatien ist die Deutsche Telekom…

Aber wir relaxen und geniessen handgemachte Nudeln mit frischen Trüffeln aus der Umgebung; die ist wohl voll davon. Ein Trüffelschwein lief uns aber nicht über den Weg.

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* Rund Europa 2016, 12. Tag: Baška Voda – Gospić (Teil 2)

Freitag, 08.04.2016, 22:48:12 :: Gospić, Hotel Ana
Sonntag, 17.04.2016, 21:35:27 :: Hochdorf

Festung Knin

Ja, wer würde sich davon beeindrucken lassen, wenn er rund 2.000 km Reise durch mindestens 5 Länder in 2-3 Wochen plant?

Die Hauptattraktion Knins ist eine große Festungsruine auf dem Berg Spas. Die Festung ist jährlich am 5. August einer der Schauplätze der Festlichkeiten zum Tag des Sieges und der heimatlichen Dankbarkeit.

Am Rande von Knin befindet sich die Quelle des Flusses Krka. Bei ausreichend Schmelzwasser aus den Bergen kommt es zu einem Wasserfall am Quellort.

Sehenswürdigkeiten bei Wikipedia

Als wir Knin erreichen und zum Hügel mit der Festung hinauf blicken, da ahnen wir nicht, was uns erwartet, als wir gönnerisch entscheiden dass wir uns die ansehen…

Wir fahren zunächst durch das Tor eines Pförtnerhäuschens und betreten danach die Festung durch ein relativ kleines Tor, über dem unübersehbar der venezianische Löwe Wache hält.

Was wir Stück für Stück zu sehen bekommen, als wir den Eintritt bezahlt und dann langsam durch die Anlage hochsteigen, ist eine nicht enden wollende Festung, die zweitgrösste in Europa nach Ulm/Neu-Ulm, so lese ich später. Verwinkelt, Treppen ohne Ende, lange Mauern mit Schiessscharten, verwinkelte Kasematten. Einige Festungsteile – es sind fünf oder sechs, jeweils mit eigenem Namen – sind wesentlich älter, als der Löwe vermuten lässt. Baubeginn im 9. Jahrhundert, wurde sie offensichtlich von allen, die hier herrschen immer weiter ausgebaut, zuletzt diente sie nur noch als Gefängnis, die Länge der Mauer beträgt mehr als zwei Kilometer…

Eine gute Stunde steige ich hoch bis ans andere Ende – Lis gibt zwischendrin auf – lasse mich kurz vom Regen durchnässen, die Kamera erreicht er aber, meinem Hemd sei’s gedankt, nicht.

Aus- und Rundblick sind trotz Dunst fantastisch, die Landschaft mit den Windungen der Krka hinreissend, sattsehen ist das eine, alles festhalten wollen das andere. Der Kompromiss »kostet« mich über eine Stunde.

Hoch oben, auf einem weiten grossen Platz steht neben der Kroatischen Flagge ein Standbild von Franjo Tuđman, des ersten gewählten kroatischen Staatspräsidenten (1990–1999) nach Auflösung der jugoslawischen Konstruktion Titos – ein mehr als überhebliches Porträt, wie ich finde.

Die Politik Tuđmans während seiner Präsidentschaft wurde als autokratisch und nationalistisch charakterisiert.

Wikipedia

An anderer Stelle ist eine als Museum getarnte Heldenhalle offen für das Publikum. Aber diese beiden Ausrutscher stören das Gesamtwerk nur sehr unwesentlich. Die Festung ist gigantisch und lässt einen spüren, was es bedeutete, hier Untertan oder Herrscher gewesen zu sein. Andererseits muss man wohl bedenken, welch schweren Weg die ex-jugoslawischen Länder gehen mussten in den Jahren ab 1990/91. Das erklärt vieles.

Das Gefängnis wirkt etwas eng, hat aber einen ausreichend massiven Deckel…

Gospić

Der Weg nach Gospić, unserem heutigen Ziel, ist nicht mehr allzu weit, führt uns aber nochmals durch prächtige, ja grandiose und erhabene Landschaften – trotz immer wieder auftauchendes und vorbeiziehender Ruinen mit ihren dunklen Fensterhöhlen und dem grünenden Bewuchs, der ihnen aus dem Kopf spriesst, ist es schön hier. Aber den insgesamt bedrückenden Eindruck wiegen auch die zuweilen verloren dastehenden neuen Kirchlein kaum auf. Wir fangen an zu schätzen: Wie viel Prozent der Häuser sind zerstört, unbewohnt? Wir kommen auf 30 bis 40 Prozent…

Die im Übermass blühenden Weissdornbüsche trösten uns ein wenig. Sonne würde wohl auch helfen…

Als wir Golspie erreichen werden wir unsicher: Werden wir hier eine Unterkunft finden?

Wir sehen 2 Hotelschilder, irren durch die Strassen und finden schliesslich das hier. Es ist Schulabschlussfeier, ca. 300 Junge Menschen werden hier heute Nacht feiern.

Wir werden deshalb schon gleich in die Dépendance verfrachtet. Das Restaurant ist belegt, die Türklinke des Zimmers herausgerissen, jemand wollte da ganz offensichtlich gewaltsam rein und die Düsen der Wohlfühlbadewanne sind ohne Funktion. Das ganze zum stolzen Preis von 60€ und mit musikalischer Unterhaltung und lautem Geschnatter bis in den frühen Morgen. Ich muss mich zügeln: Es regnete die halbe Nacht, deshalb war der Aufenthalt der Raucher im Freien begrenzt. Es hätte also schlimmer sein können.

Ach ja: Und gegenüber gab es dieses »Bifi«, eine Minikneipe, in der uns die Wirtin wunderbare Ćevapčići mit allem Zubehör zum Cola machte. Was brauchten wir mehr an diesem Abend. Ok., das Internet hätte besser sein können für den Preis. Und ich wäre dann auch mit meinen Berichten voran gekommen.

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* Rund Europa 2016, 12. Tag: Baška Voda – Gospić (Teil1)

Freitag, 08.04.2016, 22:48:12 :: Gospić, Hotel Ana
Samstag, 16.04.2016, 19:17:30 :: Hochdorf

Üder das hervorragende Frühstück hatte ich mich ja schon ausgelassen. Diese moralische Stütze brauchen wir heute auch. Denn über das Wetter müssen wir reden. Die Vorhersage lautet nämlich »zwei Tage Regen«. Mindestens. Es wären die ersten Regentage auf dieser Reise.

Es ist sehr diesig an diesem Morgen. Zunächst denken wir, es sei eben Dunst, Wasserdampf, Nebel. Aber als wir beim Verstauen des Gepäcks das Senfle näher betrachten, da wird uns schnell klar, dass das nicht der Fall ist. Er hat uns eingeholt. Es ist roter Sahara-Staub. Jeder kleine Regentropfen hinterlässt auf der Scheibe sofort einen Roten Staubbelag. Später erfahren wir, dass er bis Deutschland kam. Was die wenigsten Menschen wissen: Die Sahara düngt sogar das Amazonasbecken.

Nach einem kurzen Schauer fahren wir los, unter dauerndem Scheibenwischen, der roten Staubflecken wegen…

Ein letzter Blick auf Baška Voda

Wir wollen heute ins Landesinnere, die Küstenstrasse und die (noch leeren) Touristengebiete verlassen und relativ dicht an der Grenze zu Bosnien-Herzegowina nach Nordosten fahren. Vielleicht ist es hinter dem Küstengebirge anders? Wie weit wir kommen werden, wissen wir auch nicht. Vor allem der angesagte Regen macht uns Sorgen, insbesondere weil ich weiss, dass bei zu starkem Dauerguss mit hoher Wahrscheinlichkeit der Scheibenwischer aussetzen wird. Natürlich macht Reisen dann auch keinen Spass, Besichtigungen gehen dann gar nicht.

Wir wollen sehen, ob und welche Spuren bald 25 Jahre nach Ende des Kroatienkriegs (1991-95) noch zu sehen sind. Die Route entlang der Küste kennen wir mittlerweile so gut, dass wir uns neu orientieren möchten.

Wenige Kilometer weiter, hinter Bela, wo die Küstenstrasse sich zur Umrundung der Bucht eh‘ auf über 200 Meter hochzieht, zweigt auch die Strasse ins Landesinnere ab.

Bei Trilj überqueren wir die Cetina,…

…die vor Omiš einen wilden Canyon bildet um dann in der Stadt in die Adria zu münden. In Omiš waren wir ja schon einige Male. Aber nur, weil damals, 1995, die Serben die Staumauer des Peruća-Stausee nicht »richtig« sprengen konnten:

Während der Militäroperation Sturm versuchten 1995 serbische Soldaten, den randvoll gefüllten Staudamm des Peručko Jezero zu sprengen. Der Damm wurde dabei erheblich beschädigt, jedoch kam es nicht zu einem völligen Dammbruch, sonst wäre wahrscheinlich der gesamte Unterlauf der Cetina mitsamt den Städten Sinj und Omiš zerstört worden.

Wikipedia

Es ist ein geschichtsträchtiges Gebiet. Jetzt im Frühling quillt die Landschaft förmlich über vor weiss blühende Obstbäumen, meist Pflaumen und Zwetschgen, vermute ich, und Weissdornhecken. Eine arme aber schöne Landschaft.

Wären da nicht diese Häuser, diese Ruinen: Ausgebrannt, eingestürzt, mit Einschüssen übersät, mittlerweile teils schon fast von der Natur eingenommen und zugedeckt – noch nie haben wir auf einer Fahrt durch die Länder des ehemaligen Jugoslawiens derart viele Kriegsruinen gesehen, teils auch verlassene Versuche, neu anzufangen.

Es mag sein, dass nicht alle Ruinen diesem Krieg geschuldet sind; dennoch, ein trauriges Bild, das durch das düstere Wetter keine Aufhellung erfährt.

Und dann diese »Warnkreuze«, wie ich sie nenne: Grosse Stein- und Holzkreuze, wie man sie auch in der Republik Srpska in Bosnien-Herzegowina und in Serbien selbst sieht, an Wegen, auf Hügeln auf Bergen: Als Drohung gegen die muslimischen Bosnier.

Nichts Vergleichbares auf bosnischer Seite… Der Islam ist eine sanfte Religion im Vergleich; so jedenfalls unsere Erfahrung, immer wenn wir Moscheen besuchen.

Noch immer: Kriegsfolgen

Der Kroatienkrieg 1991-95 hat seine Spuren tief eingegraben, da helfen auch die vielen properen Neubauten nichts.

Sinj

Bald nach Trinj kommen wir dann nach Sinj (nicht zu verwechseln mit Senj an der Küste, da wollen wir dann morgen sein), den ersten grossen Ort auf dieser Strecke. Irgendwie verpassen wir die Einfahrt zur Altstadt und lassen uns von der Umgehungsstrasse vom wichtigsten Teil der Stadt abdrängen. Gut, dann eben ein ander Mal…

Der Peručko Jezero

Wir passieren diesen w.o. genannten Stausee, immer die Obstbäume in den Gärten und auf den Wiesen vor Augen, aber eben auch diese Ruinen. Mit dem Blick hinab zum See geniessen wir unser zweites Frühstück.

Knin

Die Stadt Knin ist wieder so ein Fall, in dem Wikipedia mich getäuscht hat – wegen fehlender Informationen.

Die Krka entspringt hier und die Krkawasserfälle sind vielen sicher bekannt. Sie sind aber nicht unser Ziel.

Knin ist Verkehrsknotenpunkt mit einem enormen Gleisgeflecht vor und neben dem Bahnhof. Das sehen wir aber erst, als wir das Highlight (für mich, mit Überraschungseffekt) der Stadt mit Senfles Hilfe im ersten Schritt »bestiegen« haben: Es ist die Festungsanlage von Knin. Die in Europa zweitgrößte. Die grösste soll die in Ulm / Neu-Ulm sein. Nirgends so beschrieben, dass man darauf gestossen oder hellhörig würde.

Ader darüber dann mehr in Teil 2.

Links:

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* Rund Europa 2016, 11. Tag: Baška Voda (Ruhetag)

Donnerstag, 07.04.2016 :: Baška Voda, Hotel Palac

Samstag, 16.04.2016, 16:05:38 :: Hochdorf

Was macht man an einem Ruhetag? Bei passendem Wetter geht man ein paar Schritte, man sitzt draussen, unweit des Hafens, erträgt die Motorsäge der Arbeiter, die die Palmen (die hier noch prächtig stehen!) beschneiden, trinkt einen …, hört und schaut den Stammgästen zu, allesamt Einheimische, die sich hier mangels Touristen treffen – es ist nichts los. Hier dem Haus parken zwei Pkw aus München, aber ich nehme an, die gehören auch Einheimischen.

Das Restaurant des Hotel ist noch nicht in Betrieb, ein ausgezeichnetes und reichhaltiges Frühstück produziert sie aber anstandslos. Die meisten anderen Cafés und Restaurants sind ebenfalls noch geschlossen, in den beiden, die geöffnet sind, sind wir an den zwei Abenden ganz schnell die einzigen beziehungsweise die letzten Gäste. Friedlich das ganze.

So sitzen sie also fast alle, und immer dieselben, vor dem Palac, trinken ihren Espresso und quatschen. Was, das bleibt uns zwar verschlossen, aber es wird sich wohl kaum von dem unterscheiden, was in anderen Ländern, an anderen Orten, so besprochen wird: Die Friseuse vom Nebenhaus, die Mädels der Mobilfunkanbieter, junge Mütter, ältere Damen, einzelne Herren mit dem kroatischen Revolverblatt, dicker als unser Springerblättle; wird vom Fussballteil kommen. Und vor den beiden Bankfilialen geht ein an einen Cowboy angelehnter Wachmann auf und ab, Colt an der Seite, Zigarette in der Hand, Kennkarte um den Hals. Hin und her und her und hin und hört nicht auf. Ist eben sein Job. Aber wer wollte hier jetzt wohl einen Bankraum inszenieren. Es ist friedlich.

Während ich versuche, Ordnung in unsere Bilderflut zu bringen und Berichte zu schreiben, inspiziert Lis die südlich und nördlich angrenzenden Gefilde.

Die werden mit Hotels zugebaut und die Strände mit Kies aufgefüllt.

Nochmal »Heldenverehrung«

Das Plakat gleich nebenan zeigt den zwielichtigen Ante Gotovina, einst General der Kroatischen Streitkräfte, in Den Haag angeklagt wegen Kriegsverbrechen an Serben und zunächst zu 24 Jahren verurteilt, dann aber freigesprochen. Google hat fleissig gesammelt, was so rumhängt. Man erkennt auch an derartigen Kleinigkeiten, dass das ehemalige Jugoslawien noch lange nicht versöhnt ist. Schlimmeres sollte noch kommen auf unserer weiteren Fahrt.

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