* Europa2010: 67. Tag, Novi Vinodolski – Cernobbio (Italien)

08. September 2010

Mittwoch, 08.09.2010

Mittwoch, 08.09.2010, 19:44:43 :: Cernobbio/Como, Albergo Centrale***

Im Moment geht ein schweres Gewitter nieder, Sturm und Hagel, es hört sich an, als ob alles zerschlagen wird, warten wir, was mit Senfles Schiebedach passiert.

19:59:03 :: Jetzt tobt die Feuerwehr/Polizei mit Lalülala durch Cernobbio.

Ok., mittlerweile weiss ich auch, weshalb ich mich in den letzten Tagen mehr und mehr unwohl fühle: Ich bin zurück im Alten Europa, einem Europa, das mir nicht mehr gefällt, das nicht mein Europa ist, das i.Ü. auch nichts mehr vernünftig oder gar gerecht geregelt bekommt. Das fängt im Kleinen an und endet in der Grossen Politik. Woran ich das merke? Ich lese Zeitung im Internet. Im Ernst:

Je näher wir Deutschland kommen, umso mehr erkenne ich, wie eingebildet, überheblich und eigensüchtig – ja, ich empfinde es so, wie verkommen das westliche Europa ist. Waren es zunächst die Zimmerpreise in Kroatien, sind es z.B. die Hotelpreise und Zusatzkosten hier in Como: Unterste Klasse, direkt an der lauten, tobenden Uferstrasse: 120 €/Nacht, Internet extra 4 €/Stunde; das sei so in Italien, da würde man für’s Internet bezahlen. Und in der Tat: Erst das Hotel Regina Olga, 225 €/Nacht, verlangt nichts extra, unser Albergo gegenüber, 85€/Nacht, wiederum 5€/Stunde. Das Best Western Hotel Intercontinental, wahrlich keine Perle an der westlichen Hauptachse an der Stadtmauer, ohne eigene Parkplätze 125€/Nacht, für’s Parken (so man ein Plätzchen findet) muss man Groschen in die Parkuhr werfen bis 20 Uhr, ab 9 Uhr morgen früh auch wieder und Internet extra…

Das gab es auf unserer ganzen bisherigen Reise nicht und nirgends. Wir hatten vor Jahren auch den Fall, dass öffentliche Parkautomaten bemüht werden mussten. Aber da gab’s dann eben ein Gutscheinticket und alles war erledigt. Jeder Gemüsehändler in Ludwigsburg ersetzt mir meine Parkgebühren.

Und kein Hotel in gesamt Osteuropa, das Internet hatte (und danach hatten wir sie ausgesucht und fast stets Glück), verlangte für die Nutzung Gebühren. der schlimmste Fall war, dass der Anschluss auf dem Zimmer nicht funktionierte; dafür entschuldigte man sich aber. Ganz an der Spitze natürlich Estland, ich will das jetzt nicht wiederkäuen. Aber das steht generell fest: Es ist das Reiseland, wenn man preiswert, sorglos und naturnah jeden Komfort sicher gestellt haben will.

Es mag dem Einen oder Anderen übertrieben vorkommen, dass ich mich darüber auslasse oder gar ereifere. Es ist nicht die Verfügbarkeit des Internets und seine Kosten als solche, die ich bemängle. Dieses dämlich Internet ist pars pro toto, ist ein Beispiel. Wie verdaut man z.B. die Tatsache, dass ein Hartz-IV-Empfänger von weniger als zwei Übernachtungspauschalen leben muss und zwar dreissig Tage lang? Ich weiss, dass diese Masslosigkeit auch im Osten schon los geht: Das sich besonders doll findende Grandhotel Alexander in Skopje wollte 190 €/Nacht. Zum Vergleich: Das ebenbürtige Hotel in Sliven verlangte 45€/Nacht und das 5-Sterne-Teil in Shkodra 85€/Nacht; es liegt also nicht unbedingt am Land, denn vergleichbar sind Mazedonien, Bulgarien und Albanien schon. Und in die grosse Politik, dieses westerwellesche Gemerkel, will ich jetzt gar nicht eintauchen; das darf jeder wie er mag und lustig ist selbst.

Ees gibt einfach Menschen, die die guten Sitten und damit die Preise verderben, indem sie dieses abstruse Spiel unterstützen. Mit Kultur hat das meist wenig oder besser: gar nichts zu tun. Beispiel: Unsere Wirtin in Novi Vinodolski erzählte Lis nach dem Frühstück heute morgen allerhand aus ihrem Leben und die folgende Meldung aus der Zeitung von vor ein paar Tagen.

Der Russe mit dem steilen Zahn

Da mietete jemand per Email kurzerhand eins der nobelsten Hotels in Opatja (nahe Rijeka), das gesamte Haus, für einen Monat. Es erschien ein Russe in Begleitung einer jungen Dame. Den Einwand des Managers, das sei nicht möglich, denn sie hätten weit über hundert Angestellte usw. liess er sehr wohl gelten, er bezahlte alle Zimmer und die üblichen Dienstleistungen, überschüttete nach einem Monat die Angestellten mit reichlich Trinkgeld und verschwand. Ein Märchen? Könnte man denken. Nur: Alle Welt fragt sich nun, was mit diesem Hotel los ist, das offenbar »immer« leer steht. Das Hotel leidet nun erheblich unter Gästemangel, keiner traut sich da wohl mehr rein…

Ok., gefahren sind wir…

…häufig in Nebel, Wolken und Regen via Rijeka, Triest nach Como. Triest stand schon nach kurzem Wolkenbrüchlein nahezu unter Wasser: Die Gullies spuckten bereits Fontänen und die Strassen am Hafen verwandelten sich in Anlagen zur Unterbodenwäsche.

Venedig haben wir natürlich wieder diskutiert aber ebenso natürlich wieder verworfen, nicht zuletzt der Tatsache geschuldet, dass die Wolken Trauer trugen.

Slowenien

Der Wechsel von Kroatien nach Slowenien, also zurück ins EU-Reich, verlief reibungslos durch oberflächliche Begutachtung unserer Pässe. Autopapiere interessierten nicht. So weit ist Kroatien also schon integriert. Mit Euro zu zahlen ist dort übrigens auch kein Problem (In Montenegro erst recht nicht, die haben den Euro als Währung). Er ist also noch was wert, der Euro, unsere DM-Ersatzwährung.

Darf ich noch erwähnen, dass die kleine Rastätte, die Bar DIMNICE oben in den slowenischen Bergen nicht nur guten Cappuccino sondern auch kostenloses WIFI hatte?

Der Trip auf der Autobahn (20€ bis Bergamo) ist ein ständiger Versuch, ausscherenden LKWs auszuweichen und in der Schlange mitzuhalten; sie reicht wohl, 2- bis dreispurig von Triest bis Turin, ich weiss es aber nicht genau.

Ach ja,…

…eins noch: Die 5 €/Stunde für ein Internetticket, die habe ich jetzt eben bezahlt. Sonst könntet Ihr das hier nicht lesen. :-)

Pustekuchen

Wer mit dem Internetzugangs-Verkauf Geld verdienen will, sollte es wenigstens technisch beherrschen. Die kostenlosen Zugänge machen nie Schwierigkeiten. Jetzt sass ich eine geschlagene halbe Stunde und versuchte, den Beitrag zu veröffentlichen. Ärgerlich…

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* Europa2010: Heimweg durch Regen und EU

08. September 2010

Ob das jetzt alles die Strafe für all die schönen Tage ist — ich weiß es nicht. Jedenfalls regnete es bei Abfahrt und in Rijeka in Strömen. Jetzt, kurz vor Triest, wird’s wieder schöner. Bella Italia!

* Europa2010: 66. Tag, Promajna-Novi Vinodolski

08. September 2010

Dienstag, 07.09.2010

Dienstag, 07.09.2010, 19:40:25 :: Novi Vinodolski, Hotel Ema

Ein derart gutes Frühstück wie heute Morgen auf der Hotelterrasse in Promajna hatten wir schon lange nicht mehr. Davor waren wir schwimmen; die Bucht von Kotor am Morgen zuvor war wärmer. Sei’s drum, es war herrlich. Aber man merkt: Wir fahren nach Norden.

Eine langer Fahrt…

…ist das immer durch Kroatien nach Norden, umgekehrt hat man ja immer noch was Neues vor sich. Und gestern gab es wenigstens noch ein paar Zollkontrollen, heute nur noch ermüdendes Schlangefahren im Verband mit offensichtlich gehetzten Menschen. Wir wollten bis Senj kommen und dort irgendwo Unterkunft suchen, Senj, die Stadt meiner Kindheit (weil dort doch »Die Rote Zora« spielt). Ha, ha, ha. Ein Hotel am Platz und Busse. Busse!

Kroatien, Land hinterm Wald?

Ich weiss nicht, ob das repräsentativ ist, aber irgendwie fragten wir uns nach jedem neuen Erlebnis, ob wir wirklich in Europa sind. Massen von Urlaubern, Massen von Zimmerangeboten, mit und ohne Sternen. Aber keines der Etablissements hat einen Internetanschluss. Das einzige Hotel auf der Strecke, in Senj, in dem wenigstens jemand ansprechbar ist, will 120 € für die Nacht. Alle anderen Hotels und Apartmenti unterwegs wissen nichts vom Anschluss an die Welt, sind geschlossen oder der Besitzer ist nicht auffindbar, die Gäste zucken nur mit den Schultern. Es darf einfach nicht wahr sein. Ich frage mich schon, wie es möglich ist, dass in jeder Kneipe mindestens ein, zwei Fernseher dudeln, in jedem Zimmer einer nutzlos rumsteht. Aber die Leute haben keinen Internetanschluss, Telefon haben sie ja wohl. Ich könnte nicht nur verstehen, es fände sogar meine volle, inbrünstige Unterstützung, wenn sie kein Fernsehen anbieten würden. Es gäbe mehr Platz im Zimmer um mal was abzulegen, die Atmosphäre in den Lokalen wäre ruhiger und gelöster, man könnte sich konzentrierter und leiser unterhalten – irgendwie wär’s dann so ähnlich wie im Urlaub…

Aber kein Internet?

Das bedeutet ja, dass sie auch privat keine Gebrauch davon machen. Wie und wo leben die Kroaten? Wie informieren die sich alle? Selbst im äussersten Osten Europas haben wir so was nicht erlebt. Im kleinen Estland schon gar nicht. Aber ich merke bei diesen Gedanken: Der »normale Alltag« beginnt, schon hier unten an der (noch) sonnigen Adria, wieder Besitz zu ergreifen. Der nicht versiegende Verkehr, eine Ortschaft an der anderen, Werbung zum Erbrechen. Es ist wahrscheinlich wie fast überall im »zivilisierten Europa«. Wir sind verwöhnt.

Schliesslich lese ich so im verkrampften Vorüberfahren, so halb aus dem Augenwinkel nur, irgendwo im Grün eines Gartens, »Hotel Ema«. Kehrtwende, Lis geht zum x-ten Mal los. Na endlich! Das nehmen wir, der Preis passt wohl mit 40 € in diese Landschaft, es gibt was zu Essen (wie sich herausstellt, ein hervorragendes), ein Frühstück wird geboten und der Gatte der Wirtin hat Internet, er kommt später aus Zagreb, dann wird das schon irgendwie gehen…

Jo. Der Computer steht in der Rezeption und läuft, das WLAN ist aktiv, aber niemand im Haus kennt das Verschlüsselungspasswort; kommt mir irgendwie bekannt vor. Jeder Mensch kennt seinen Geburtstag; Passwörter sind aber heute viel wichtiger. Der Herr Gemahl ist um 22 Uhr noch nicht zurück. Morgen früh um acht.

Lis und ich zechen und essen daher auf die althergebrachte Art, wie die anderen Gäste (alles Deutsche!) ohne Internet-»Zeitung«, ohne Gezwitscher, ohne Skype. Der Weisswein hat über 15%, gelbe Farbe, ist hinreichen trocken und vernebelt uns die Sinne, nach zwei Gläsern braucht’s wirklich kein Internet mehr heute Abend.

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* Europa2010: 65. Tag, Prčanj/Kotor – Promajna

06. September 2010

Montag, 06.09.2010

Montag, 06.09.2010, 21:00:30 :: Promajna, Privatquartier

Dort, wo wir schon zweimal bestens untergekommen waren, in Promajna, wo wir 2006 fast erfroren wären, ist noch echt Saison, unsere bisherige Bleibe besetzt durch »Fremde«… So fragten wir nebenan. Ja, 40 €, weil nur eine Nacht, sonst ist es billiger. Wir willigen ein, weil es auch gerade anfängt zu regnen. Das Zimmer ist 3. Wahl, völlig überteuert und daneben, aber der Tourismus-Boom hat wohl auch diesen doch südlichen Teil der Adria erreicht: Autos aus Österreich, Tschechien, Slowakien, Polen, keine Deutschen ausser uns, Kroaten und Montenegriner, klar. Der Strand war voll wie in Rimini zur Hochsaison, als es beginnt zu regnen, wird er leer, wir können ungestört schwimmen gehen.

Abfüttern…

…nennt man es wohl was da passiert, als wir das Speiselokal nebenan besuchen. Unsere Erinnerung daran war eigentlich positiv. Aber jetzt, gegen Ende des Sommers läuft hier eine Routine wie Anfang der Sechziger »beim Jugoslawen um die Ecke« in Deutschland: Aivarpaste, egal was man bestellt, matschige Pommes und gehackte Zwiebeln. Gut, im Eisbecher wären die wohl nicht obenauf gelegen. Aber nach Kalbsleber, leicht angegrillt und Gummiwürstchen hatten wir nur noch einen Gedanken: Zahl’ & Flieh’! Wobei die Preise nordeuropäisch bezeichnet werden können. Wer macht hier Urlaub ???!!!

Es ist also nicht nur der Eindruck beim Hochfahren von Kotor entlang dieser an sich wundervollen und erhabenen Küste: Der Massentourismus friesst auch diesen Landstrich. Während wir, teilweise in der Schlange, angeführt von einem Stop-And-Go-Tschechen im permanenten Überholverbot, das blaue Meer und die Kalkwände der Berge bewundern, mit Griechenland vergleichen, mit unseren Eindrücken aus den Jahren zuvor (2005, 2006, 2007) kommen wir zu dem Schluss, dass die Riesenhotels wohl das Hauptproblem sind, Fremdinvestoren, die absahnen, während die Privatunterkünfte leer stehen.

Die Freude, im Senfle, meinst hoch oben, entlang des Küste Dalmatiens zu gleiten, ist also eine schon erheblich vergiftete. Auch Dubrovnik kann uns zum dritten mal nicht davon überzeugen, runter zu fahren zur Besichtigung.

Und da hilft auch kein Bananasplit

samt Cappuccino und Mineralwasser mit 985 mg/l Natrium an der, gemessen an den verfügbaren Sitzplätzen, fast menschenleeren Marina von Tučepi: Unsere Vorstellungen von Reisen und Geniessen passen nicht zum Angebot.

Aber es kommt noch schlimmer.

Senfles Plattfuss

Als mein Vordermann mal wieder ohne ersichtlichen Grund abbremst und ich sachte ausrollen lasse, erscheint plötzlich ein Felsbrocken unterm Fahrzeug vor mir, dem ich nicht mehr ausweichen kann. Ich überrumple ihn mit Mordsgetöse und die Luft beginnt zu entweichen. Nach ein paar Kilometern ist es dann soweit: Radwechsel. Ich schaffe es noch verbotener Weise auf eine Parkplatz auf der Gegenfahrbahn. Alles Gepäck raus, Reserverad und Wagenheber haben Premiere; soweit erinnerlich, der dritte Plattfuss in meinem Autofahrerleben. Ein junger Belgier leiht mir seine Kräfte beim Lösen und Anziehen der Radbolzen. Die Felge ist hin, das Rad werden wir komplett ersetzen müssen.

Die Bucht von Kotor…

…aber war wie immer die reinste Freude, wie ein friedliches Binnengewässer, ganz oberitalienischer See.

Wenn man vom durch den Tourismus überrannten Kotor selbst absieht.

Der Bauboom kündigt sich aber auch dort an. Unserem leckeren Wunschfrühstück voran ging ein ausgedehntes Bad in der Bucht. Dabei begegneten wir dem Effekt aus der Bucht von Azalas auf Naxos: Kaltes Süsswasser aus den Bergen legt sich über das sonnenerwärmte Salzwasser: Oben kalt, unten warm – eine Folge des Dichteunterschieds von Mittelmeer- und Süsswasser.

Ausklang

Und so sassen wir nach Plattfuss, Minimalbleibe und dem derben Abbild eines Abendessens auf der Terrasse des kleinen Hotels am Ende der Promenade bei Cappuccino und Ramazzotti, erfahren, dass dort ein Zimmer »ab 100 Euro« kostet und vereinbaren für morgen früh ein Frühstück dort, acht Euro pro Person.

Kroatien ist auch nicht das, was es mal war: Kostengünstig oder gar erschwinglich. Also noch mal die Frage: Wer macht hier Urlaub? Und unter welchen Bedingungen? Und vor allem: Warum?

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* Europa2010: Abgehängt in Promajna

06. September 2010

Ohne Internet, in einem drittklassigen Zimmer für sagenhafte 40€ – das ist Kroatien 2010. Aber es ist eben noch Saison und offensichtlich wird’s bezahlt: Polen, Slowaken, Tschechen, Österreicher — und eben wir…

So sitzen wir im einzigen Hotel mit Internet im Restaurant bei Cappuccino. Mal sehen, wann die Moskitos kommen.

Sie kommen gar nicht, komisch. Und es gibt Ramazzotti (schreibt man ihn so?).

Morgen wollen wir bis Senj. Mal seh’n…

* Europa2010: 64. Tag, Skodra – Prčanj/Kotor

05. September 2010

Sonntag, 05.09.2010

Sonntag, 05.09.2010, 20:32:07 :: Prčanj/Kotor, Hotel Bokeljski Dvori

Letzter Blick aus dem 7. Stock

Nach der Nahrungsverweigerung gestern Abend hatten wir die Nacht bestens überstanden. Der nächste Morgen bracht wieder den gewohnten Sonnensein. Die Temperatur ist zwar gesunken, aber das kommt mir ja entgegen: Bestes Reisewetter. Das Frühstück hat man uns dann zugebilligt. Ob wir die einzigen Gäste waren ist unwahrscheinlich, aber wir waren alleine in diesem Riesenrestaurant, wir hätten uns durch das umfangreiche Frühstücksbuffet essender Weise durchwühlen können; aber wer kann schon Eier unterschiedlichster Zubereitung, Börek, Würste/Schinken/Speck, Obst, Wurst- und Käseplatten am frühen Morgen…

Jedenfalls: Gestärkt kamen wir schön früh los, Montenegro, die Bucht von Kotor ist unser erstes Ziel.

Die alte Holzbrücke in Shkodra ist immer noch die einzige Verbindund zum anderen Ufer des Bojana oder Buna, der Zoll Albanien/Montenegro ist ein Klacks,…

…nicht zu vergleichen mit Ukraine oder Moldavien. Hat Albanien mittlerweile auf eine Ein-/Ausreisegebühr verzichtet (Visum ist ja schon lange nicht mehr), so hat Montenegro sich seit 2006 entschlossen, eine »Ökoabgabe« in Höhe von 10 € zu erheben, Bapperl rechts unten eingeschlossen. Jetzt hängen in der rechten Fensterscheibenecke drei Aufkleber: Deutsche Umweltplakette, Bulgarische Vignette und eben das Montenegrinische Ököbapperl. Demnächst kommt die Schweizer Vignette dazu, ich fürchte allmählich um den verkehrssicheren Durchblick.

Imprerssionen

Zweisprachigkeit führt zu lustigen Schildern

Panta rei

Allesw fliesst, alles ändert sich, ich weiss. Nur wie. Heute besuchten wir auf dem Weg nach Norden zum dritten Mal Ulcinj.

Und drehten sofort wieder um. Un wussten, das war das letzte Mal. Nicht anders während der Fahrt: Die »jugoslawische Adria« ist eine Katastrophe. Lis sah sie vor ca. 35 Jahren zum ersten Mal, ich 2005 und 2007. Schon dieser Unterschied von fünf bzw. nur drei Jahren reicht um zu konstatieren, dass diese wundervolle Küste totgebaut ist, mit Beton, Plakaten, Werbewänden und mörderischem Verkehr; selbst jetzt im September.

Der Weg durch die italienischen Berge ist abwechslungsreicher und erholsamer, wir überlegen, die Fähre nach Venedig zu nehmen.

Die Bucht von Kotor…

…allerdings besitzt noch immer ihr oberitalienisches Flair; das Nordufer allerdings beginnt, mit Neubauten zu zuwachsen. Blüht dieser himmlischen Bucht das Schicksal der Adria? Am Buchteingang, in Tivat, holen wir Euros aus dem Automaten und sitzen bei Cappuccino und Eischreme (oder besser dem, was Touristen unter dem jeweiligen Namen zugemutet wird) an der Mole, am Mittelmeer.

Sowas fehlte unterwegs, in Griechenland eine Selbstverständlichkeit. Und so bestätigen wir uns gegegenseitig mal wieder: Es geht nichts über Griechenland, speziell die Ägäis…

Und dann entscheiden wir uns zur frühen Hotelsuche in der Bucht, um dann morgen echt Kilometer zu machen – Augen zu und durch, soweit wir eben kommen, Promajna vielleicht. Wir finden ein kleines Familienhotel, wo Eltern und (Schwieger)-Kinder einen traditionellen Betrieb führen, erweitert durch Internetzugang im Restaurant. Das Essen ist so wie früher »beim Jugoslawen«, mit Zwiebelchen, Aivar usw.

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* Europa2010: 63. Tag, Burrel – Shkodra

04. September 2010

Samstag, 04.09.2010

Samstag, 04.09.2010, 21:36:17 :: Shkodra, Hotel Grand Hotel Europa *****

Es regnet!

Gestern Abend fielen die ersten Tropfen, kurz nachdem ich meinen Abendspaziergang zur Erkundung des kleinstädtischen Abendverhaltens in Burrel beendet hatte. Und heute Morgen war das nicht anders als anderswo, wenn’s regnet: Die meisten gingen unterm Regenschirm ihren samstäglichen Verrichtungen nach. Zuweilen schreitet aber auch ein Albaner flotten Schritts entlang, gefolgt in gehörigem Abstand von seiner Frau mit weissem Kopftuch, nach albanischer Art lässig gebunden, die verzweifelt versucht, Schritt zu halten mit ihrem Herrn und Gebieter. Welche Gegensätze!

Wir hatten das Glück, dass sich gleich neben dem Hotel die »Pasticeri Greke Jonida« mit Café befindet. Dort erhalten wir in gewohnt herzlicher Art unseren Espresso Latte und je einen Crêpe. Die Inhaberin (!) war 19 Jahre in Griechenland, was maches erhellt und was sie uns in perfektem Englisch mitteilt, nachdem sie Lis ein traditionelles Mandelpräsent überreicht hatte; das gibt’s in Griechenland zu mancherlei Anlässen wie Taufe oder Hochzeit für jeden Gast.

Per Handschlag werden wir nach Begleichung der Zeche (3,90 € für 2 Crêpes und 4 Kaffees) entlassen, es ist nicht zu fassen.

Danach versuchten wir uns noch im Internetshop, zu dem uns ein Barbesitzer führt, den wir danach fragen. Auch er verabschiedet sich mit Handschlag. Geführt wir das Computerstudio von einem alten Herrn, tatkräftig unterstützt wohl vom Enkel und seinen Freunden, die uns in bestem Englisch erklären wollen, wie man ins Internet kommt. Das gelang mir auch alleine. Indes: Mangels Passwort komme ich nicht an meine Emails. Und auch dort: Verabschiedung durch Handschlag…

Die Fahrt durch die Berge zur Hauptstrasse…

…erfolgte also im Regen. Tief, bis auf 100 Meter herab hingen die Wolken- und Nebelfahnen. Die Schlaglöcher waren gut gefüllt, die Ungewissheit, wie tief sie wohl sind, ein stetes Erlebnis. Fernsicht war nicht, aber die Ahnung war sichtbar: Albanien ist grossartig! Alles hier ist grossartig: die Natur, die Berge, die tiefen Täler, Stauseen und kiesbankgefüllten Flüsse mit ihren waghalsigen Hängebrücken. Und nicht zuletzt die Menschen mit ihrer herzlichen und immer lachenden Offenheit und Hilfsbereitschaft. Selbst die Polizisten lächeln einem zu beim Durchwinken durchs Verkehrschaos. Kein Land in Europa hat bei uns einen derartigen emotionalen Eindruck hinterlassen wie Albanien; so auch heute wieder, zum x-ten Mal. Und trotz Regen. Und trotz der kolossalen (nicht grossartigen) Müllmengen, ja -bergen, die sich nach wie vor überall ausbreiten wie die Pest, an Strassenrändern, im freien Gelände, ja selbst in den Strassen von Dörfern und Städten. Und sie wissen es selbst, blicken betreten, wenn man darauf kommt. Aber ändern? Wann? Wer? Wie?

Wir wollten eigentlich weiter. Montenegro sollte es eigentlich werden. Aber im Regen? Wir kurvten durch Shkodra, suchen ein Hotel, um besseres Wetter abzuwarten. Und fanden das Grand Hotel Europa, das sich redliche Mühe gibt, den fünf Sternen zu genügen, das aber wirklich nicht schafft. Dafür ist der Preis ok., die Atmosphäre am Nachmittag und Abend angenehm, auch wenn wir keine Chance bekamen, im Restaurant ein Abendessen zu bekommen. Es war wohl Fastenbrechen angesagt, das Lokal war brechend voll mit Muslimen und -innen besetzt, die eifrig feierten und assen; kein Platz für Hotelgäste… Schon den ganzen Tag rief der elektronische Muezin von der Moschee die Gläubigen, unten im Park versammelte sich gegen Sonnenuntergang eine riesige Menschenmenge, fast ausschliesslich Männer. Irgendwann waren sie alle verschwunden, der Park leer.

Da wir am frühen Nachmittag nach einem Stadtbummel bereits in einer Gartenkneipe Salat und Fleischliches zu uns genommen hatten, nahmen wir am Abend mit einer Dose Erdnüsse aus dem Auto, Capucchino und Eisbecher vorlieb und liessen am Ende der Festivität die ganze Gesellschaft der Herren (sie kamen zuerst die Treppe herab) und hernach der festlich gekleideten Damen an uns vorüber defilieren; Sozialstudie zur albanischen Mittelschicht aus erster Hand…

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Links:

* Europa2010: 62. Tag, Skopje – Burrel (Albanien)

04. September 2010

Freitag, 03.09.2010

Freitag, 03.09.2010, 20:24:47 :: Burrel (Albanien), Hotel Skura

Was eine Riesenpizza mit Kosowo…

…zu tun hat? Sehr viel, wie der heutige Tag zeigt. Denn hätte Lis gestern Abend nicht in Unkenntnis der wahren Grösse dieser Teile zwei dieser Wagenräder bestellt, von denen je zwei Drittel in den Müll wanderten, dann – ja dann wären wir heute Abend nicht in Burrel in den Albanischen Bergen. Dort – nein, ich greife vor. Also:

Wir haben heute Morgen bestens und in angenehmer Atmosphäre gefrühstückt, haben eine Griechin am Nebentisch irritiert, weil ich »orea!« sagte und sie hernach nicht sicher war, ob ich nun alles verstehe was sie am Telefon sagt, haben uns gegen eine erneute Altstadttour durch Skopje entschieden, haben uns vom katholischen Drohkreuz auf dem Berg nicht beeindrucken lassen und sind so früh los gekommen; die Uhrenumstellung auf deutsche Sommerzeit (ja! Mazedonien hat sie auch) hat uns dabei ebenfalls geholfen, eine Stunde früher los zu kommen. Priština und Prizren würden wir also gut schaffen. Von Skopje bis zur Grenze sind es ca. 20 km, der mazedonische Zoll ist freundlich und flink, der Kosowarische sehr freundlich. Nur: Die deutsche Grüne Versicherungskarte, sie gilt nicht im Kosowo. Bitte dort hinten Versicherung kaufen. Ich parke an der Seite, Lis marschiert los und kommt wutschnaubend zurück. Vierzig Euro wollen sie haben für zwei Tag, billigster Tarif.

So. Und die haben wir nicht mehr. Die Pizzas hatten 14 € verschlungen, von fünfzig, da waren’s nur noch 36 Batzen im Beutel. Der nächste Bankomat da vorne, ein Kilomter im Kosowo, darf nur zu Fuss – Nein, ich entscheide, wir fahren zurück. Die Zöllner beider Länder lachen und finden das ok., meist auf Deutsch wünschen sie gute Fahrt, geben Tips, wie wir am besten via Albanien nach Montenegro kommen. So viele Möglichkeiten gibt es nicht, die Strassenverhältnisse sind darüber hinaus nicht bekannt.

So platzte unser Plan endgültig. Und aus der Fahrt nach Priština und Prizren wurde nur ein kleiner morgendliche Abstecher an die Grenze zum Kosowo.

Wir entscheiden uns für eine der beiden Möglichkeiten und fahren über Tetovo, Gostivar hinein ins Gebirge, durch den Nationalpark Mavrovo und bei Debar direkt nach Albanien und wählen dann eine Strecke, die wir noch nicht kennen, eben die nach Burrel. Eigentlich sollte es heute schon regnen. Das hätte bedeutet, dass wir wieder bei Regen durch Kosowo gefahren wären. Aber es war nur dunstig, die Sonne war nur sporadisch zu sehen. Entsprechend duster wurden die Fotos; ohne Sonne mag die Kamera nicht so richtig, weder Farben noch Schärfe.

Die besten Bilder…

…sind aber eh’ die, die man im Kopf hat. Das zeigt sich immer wieder, so auch heute Abend, als ich die Fotos des Tages durchsehe. Nichts oder kaum etwas von dem ist drauf, was in meinem Schädel ist. Wenn man das dann mit der Kamera umsetzen kann, dann hat man auch ein gutes Foto. Deshalb muss man eben reisen, sonst hat man nur mittelmässige Fotos anderer und keine Bilder.

Burrel liegt ca. 40 km östlich der Küstenstrasse zwischen Tirana und Shkodra im Mati-Tal. Sagt sicher kaum jemandem was, jedenfalls ist es eine wundervolle Fahrt bis dort hin; die Strassen sind nicht immer so, wie wir das als verwöhnte Nordeuropäer gewohnt sind, aber sie sind i.W. befahr- und nicht nur passierbar. Auf dieser Strasse werden wir wohl morgen über Shkodra nach Montenegro reisen und hoffentlich dann mal wieder im Mittelmeer schwimmen gehen; nach Ostsee und all dem Süsswasser in den letzten Wochen sicher eine Wohltat. Dabei fällt mir wieder ein: Wir sind noch nie im Schwarzen Meer geschwommen, haben uns das stets verkniffen, war immer irgendwie nicht so animierend.

Ich habe das anlässlich unserer früheren Fahrten durch Albanien ja schon und immer wieder geschildert: Das Land ist fantastisch. Die Landschaft gewaltig, die Menschen durchweg ausnehmend freundlich, offen und hilfsbereit. Sie lachen fast immer. Bis auf unseren Hotelier übrigens. Der muffelte herum, bis wir die zweitausend Lek (14 €) für das Zimmer aus einem Automaten geleiert hatten, obwohl unser ganzes Gepäck schon auf dem Zimmer war. Erst danach konnte sich offenbar eine gewisse Freundlichkeit abringen.

Männergesellschaft

Wir brauchten nach dem hektischen Bezug des Hotelzimmers etwas zu Essen. »Restaurant?« fragten wir Passanten, die uns, wie schon zuvor bei der der Suche nach einem Hotel, freudig in unterschiedliche Richtungen schickten. Einer wollte gar vor uns her fahren, 10 Jahre Oxford, auch Stuttgart kennt er. Aber ein Restaurant fanden wir nicht. Als wir in einem der vielen Cafés (die sich zuweilen ungeniert auch »Restaurant« nennen) fragten, kam »hungry???« zurück und nach kurzer Diskussion der Einheimischen stand einer auf und führte uns in eine Nebenstrasse. Das Etablissement aber, wohl das einzige in der Stadt, hatte geschlossen. Als wir uns zum Gehen umdrehten, blickte er glücklich auf einen Hähnchenbratstand mit einem (!) Tisch und einer hungrigen Katze und verwies uns noch glücklicher auf dieses Tischlein. Wir waren ebenfalls hinreichend glücklich: Hotelzimmer für 14 €, zwei halbe Hähnchen, Brot und zwei Tonic für 3,30 €. Meckern wäre da ungerecht. Auch das Fehlen des Internetanschlusses ist da hinnehmbar. Aber ich wollte ja zur Männergesellschaft etwas sagen.

Auf den Strassen flanieren und in den Cafés sitzen am Abend fast ausschliesslich Männer, dort wo Fussball über den Schirm flimmert, die meisten. Eben ist wohl ein Tor gefallen, die Luft ist stadtweit gefüllt vom Bocksgesang der Fans. Eine einzige junge Dame sah ich vorhin, selbst flanierend, mit zwei jungen Männern sitzen, vier Damen mittleren Alters den Gehsteig entlang spazieren. Dazu gibt es heute, Freitag Abend, einen Autoscooter auf dem Hauptplatz. Dort tummelt sich die Jugend, ausschliesslich männlich und ein Vater mit kleiner Tochter. Das war’s. Eine Gruppe Jungs sah mir wohl an, dass ich keiner der Ihrigen war. »Hello!«, »What’s your name?« und »Where are you from?« schmetterten sie mir lauthals entgegen. Was dann auf Albanisch nachkam, kam freudig und spöttisch. Und fröhlich zogen sie nach einer Kopfnuss meinerseits weiter.

Nicht so ausgeprägt findet man diese Zustände auch noch in Griechenland. Aber es weicht auf, das zeigt sich auch am frühen Abend hier in Burrel: Wer will, darf total verwestlicht über den Gehsteig stöckeln, das Niveau der Ukraine wird allerdings ganz offensichtlich nicht erreicht. Auch am Steuer der zahlreichen Autos, vorzugsweise ja Mercedes in Albanien generell, habe ich noch nie eine Frau gesehen.

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* Europa2010: 60. Tag, Sliven – Pazardschik

03. September 2010

Mittwoch, 01.09.2010

Donnerstag, 02.09.2010, 22:08:47 :: Skopje, Hotel Vergina

Freitag, 03.09.2010, 10:11:21 :: Skopje, vor der Abfahrt nach Pristina, Prizren und Albanien

Jubiläum!

Der 60. Reisetag fällt auf den 1. September, Schulanfang in vielen der vormals sozialistischen Länder. Wir feierten den Tag zufälliger Weise im Hotel Akropolis in Pasardschik, hier beginnt Bulgarien, leicht griechisch zu werden, der südliche Flair bricht sich langsam Bahn. Aber bis wir in diesem sehr gemütlichen Haus landeten, machten wir an diesem Tag vor allem Kilometer: Unsere Zeitplanung leidet unter dem Mangel, den jeder Plan aufweist: Er stimmt irgendwann nicht mehr. Und so preschten wir durch die Thrakische Tiefebene mit wenig Dörfern, dafür aber durch eine – wie ich finde – berauschende Landschaft. Der Sommer hat alles getrocknet, alles leuchtet gelb, braun, zuweilen noch immer grün.

Futter fassen…

…müssen wir trotzdem irgendwann und so ergattern wir in einem Supermarkt in Stara Zagora zu den abgepackten Dauerwürsten sogar frische, knusprige Brötchen – welche Köstlichkeit nach dem kätschigen Kram, den man gemeinhin erwerben kann. Sie wurden gerade fertig, als wir einkauften.

Eigentlich wollten wir in Plovdiv…

…bleiben, das wir vor Jahren so wunderschön fanden. Dann fragten wir uns, was wir denn tun würden, wenn wir das nette winzige Hotel wiedergefunden hätten? Doch als wir ankamen, den Lärm vernahmen, das Chaos sahen, da wurde uns klar, das Kilometer erst mal wichtiger sind und ein wiederholender Rundgang in der entzückenden Altstadt so wichtig nicht ist.

Auch Chirpan umfuhren wir zuvor elegant.

So landeten wir in Pazardschik…

…und nach langer Irrfahrt im Akropolis und genossen einen langen, arbeitsamen Spätnachmittag und Abend, unterbrochen durch ein gemütliches Abendessen. Die fällige Vignette für die Strassenbenutzung hatten wir aber wieder vergessen zu kaufen. In Bulgarien herrscht Vignettenpflicht, darauf machen immer wieder die Schilder an der Strasse aufmerksam; die kleinen Tankstellen verkaufen aber keine. Auch dem Öldrucklämpchen hatte ich keine weitere Beachtung geschenkt, es hatte sich wieder beruhigt. Doch dazu und mehr im Beitrag zum nächsten Tag.

Bilder folgen.

* Europa2010: 59. Tag, Varna – Sliven

01. September 2010

Dienstag, 31.08.2010

Dienstag, 31.08.2010, 23:37:40 :: Sliwen, Hotel Sportpalace

Der letzte Tag im August: Sommer ade? Nein, weit gefehlt, das war wohl der heisseste Tag überhaupt bisher, auch wenn wir dann abends Sturm und Regen hatten und mich fror… Aber gemach, der Reihe nach. Und – das ist unser spezieller Service – alles in lateinischem geschriebenem Deutsch, nicht Kyrillisch, womit wir, speziell Lis, uns wieder rumschlagen müssen.

Hotelzimmer in Varna…

…und der Bahnhof

Ein Kloster…

…pro Tag sollte es schon sein, wenn man durch Rumänien und Bulgarien reist. Und so war an diesem Morgen das Kloster Aladscha, das Felsenkloster nördlich von Varna auf dem Plan. Es ist schwül heiss, es braucht fast die Sonne nicht, um einem die Frühstücksäfte aus den Poren zu treiben.

Die Frage, ob man alles gesehen haben muss, wenn man schon in der Nähe ist, stellt sich an diesem Morgen dringend: Viele Touristenbusse sind unterwegs, es geht von Varna aus durch die nördlichen Touristensammelstellen, die da u.a. »Goldstrand« heissen, Hurghada im reduzierten Format, jedenfalls in GoogleEarth betrachtet. Nach 18 km und ein paar Serpentinen ist man auf dem Pauschaltouristenwunderlandparkplatz vor dem Zugang zu dem zweifellos interessanten Baudenkmal frühchristlichen Mönchtums: Eine in die Steinwand des hohen Kalkfelsens gehauene Klosteranlage, versehen mit wuchernden gesicherten Eisentreppen, Geländern, Drahtgittern; damit keiner runterfallen kann. Gut, aber dem ursprünglichen Eindruck tut das natürlich nicht gut. Ebenso wenig die wohl seit Jahrzehnten ungehemmte Kritzel- und Ritzwut der Besucher, die letzte Reste der Fresken und ursprünglichen Inschriften »aufwerten«. Hier hat ganz sicher staatliche Kulturhoheit kräftig versagt; und, da Bulgarien zu Recht stolz auf seine Altertümer ist, ganz unverständlicherweise.

Die Antwort auf die Frage,…

eingangs gestellt, ob man denn alles gesehen haben muss, was auf der Route liegt, ist also mal wieder ein überzeugtes »ja eigentlich schon«. Denn warum soll man sich durch den Massentourismus wichtige Kulturgüter verleiden lassen; die Wege des frühen Christentum liefen nun mal nicht über Rom.

Bulgarischer Nationalheld

Den Herrn hatten wir vor vier Jahren links liegen gelassen; man kann nicht alles – Ihr wisst schon. Diesmal aber lag er “>so dicht am Weg, dass wir vorbeisehen mussten beim Reiter von Madara.

In extremster Mittagshitze geht es ab kioskbewehrtem Parkplatz über 300 Stufen…

…nach oben zur meteora-ähnlichen Felswand, wo der Reiter in 23 Meter Höhe als lebensgrosses Relief auf uns herunterschaut.

Die weiteren Stationen dieses kulturellen Zentrums streifen wir beim Nachuntenschlendern auf den Wegen im kühleren Wald. Ein Hauch von Delfi verspüren wir. Irgendwie fühlt man unwillkürlich, dass derartige Naturwunder die Menschen einnehmen, zu mystischen Gedanken verleiten.

Den Kiosk nutzen wir hernach ausgiebig: Schaschlik, Pommes, Eis und Wasser, Wasser, Wasser… Und wie gesagt: Wer’s Kyrillisch lieber mag, kann sich hier einlesen.

Ein weiteres Naturwunder…

…lag zuvor direkt am Weg, Probiti Kamani, der Steinwald. Und dort kann man neben dem bizarren Naturwunder der Kalksäulen auch gleich seine negative Energie loswerden. Wer also esoterisch angelegt ist, ist hier richtig: auf einem mehrere Quadratkilometer grossen Sandgelände stehen Kalkfelsen in Massen herum, wan meint wirklich, durch einen versteinerten Wald am weissen Strand von Esoteriko zu wandeln. Die Entstehung der Säulen scheint immer noch nicht vollständig geklärt. Und wo Theorien aufeinander stossen, da ist eben auch der Glaube nicht weit…

…und der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. So ist das.

Nach dreifacher kultureller Betätigung…

…in dieser unsäglichen Hitze war uns nach air conditioning zumute, das Verlangen nach einer Bleibe war ganz stark um nicht zu sagen, vorherrschend. Aber vor jedes Ziel haben die Götter bekanntlich den Schweiss gesetzt, die Arbeit oder eben auch – den Horror.

Ok., ein paar landschaftlich und sonstwie liebliche bis interessante Blicke gab’s schon – bis es richtig los ging.

Architektur und Senfle, zwei Gegensätze…

… – noch.

Ein Horrortrip durch die Berge…

…unangekündigt, unerwartet und nicht ahnbar brachte völlig neue Erkenntnisse über bulgarische Strassen, deren Einträge und Qualität in Landkarten, auch den aktuellen des ADAC. Und über Schlaglöcher und das zur achsbruchfreien Befahrung erforderliche minimale Verhältnis zwischen Asphaltdecke und abgrundtiefen Löchern.

Und er förderte die umfangreiche und intensive philosophische Betrachtung über den Unterschied zwischen »befahrbar« und »passierbar« und über den Tod von Strassen und dessen Etappen. All das ward uns bescheret auf einer Passtrasse, die als einziger Hauptverkehrsweg jedwede Landkarte der Gegend schmückt.

Das nahezu völlige Fehlen von Dörfern auf der Strecke über den 850 Meter hohen Pass und danach durch Wald und Feld,…

…das plötzliche sporadische Aufleuchten der Ölkontrolllampe und der Gedanke, ob der ADAC uns wohl finden würde, hier im Niemandsland zwischen Veliki Preslav und Šumen.

Link:

Viliki Preslav bei Google

Doch Renault hatte vorgesorgt: Senfle hat diese Tortur überstanden. Und wir auch. Man fragt sich nach derartigen Aufregungen immer wieder, warum man nicht mal die richtig dicken Schlaglöcher abgelichtet hat. Tja, da scheint der Stress dafür zu sorgen…

Schumen dann war uns nicht sonderlich wohl gesonnen, ein Hotel liess sich nicht finden.

Mittlerweile goss es (wovor wir in den Bergen verschont blieben).

Erst in Sliwen, schon im Dunkeln fuhr dann ein Taxifahrer für drei Leu (1,50€) vor uns her, um uns zum Hotel Sportpalace zu geleiten, raunend, falls uns das zu teuer sei, er wisse was Günstigeres.

Aber wir waren angetan von diesem Superkomplex, zumindest was Preis und Leistung anging:

90 Leu, also 45€ für Zimmer und Frühstück, letztes bulgarisch, ersteres mit Internet und allem Komfort. Sportanlagen jeder Art und Grösse,

Stützpunkt der Ralley rund um Sliven, voller rauchender, biertrinkender Outdoor-Sportler, vermutlich eben die Ralleyvorhut, überall Flachbildschirme mit den catwalk gehenden Unterwäschemädels und schlechter Musik – ein Traum für jeden Urlauber, der sonst schon alles gesehen und genossen hat. Ehrlich: Im Speisesaal riecht es wie im Autohaus unseres Vertrauens.

Jedenfalls: Erschöpft und glücklich und daher geschlafen gut.

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