Das politische Griechenland: Wie bisher, wie immer

Dienstag, 18.02.2020, 23:35:38 :: Naxos

Yanis Voroufakis sorgt für Unruhe: 5 Jahe nach seinem Abgang als griechischer Finanzminister gibt er bekannt, dass er seine Audio-Aufzeichnungen aus seiner Ministerzeit veröffentlichen wird: Euroleaks: Why release? And why now?.

Ich habe eine deutsche Übersetzung der oben verlinkten Erklärung hierzu angefertigt: Wer ist Schuld? Varoufakis!

Ich halte es für unerlässlich, sich das zu Gemüte zu führen. Es spielt sich wohl ab, wie seinerzeit die Episode mit dem Speicherstick mit den Steuerhinterziehern: Die amtierende Regierung will nicht wissen was ist und was war. Deshalb wird Y. Varoufakis das volle Transskript der Aufzeichnungen öffentlich machen. Termin: Um den 10. März 2020.

Man darf gespannt sein.

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* Rund Europa 2020

Samstag, 25.01.2020, 22:18:13 :: Naxos

Mitte April werden wir im Wesentlichen die gewohnte Balkanstrecke nach Deutschland nehmen. Einiges Neues wird es aber dennoch geben – zu viel liegt auf dieser Strecke, als dass ich sagen könnte, wir hätten nun langsam alles gesehen. Die Rückreise wird aber sicher interessanter …


Rot: 2006, blau: entlang der Save, gelb: fehlen Donauabschnitte

Hier geht’s zum aktuellen Stand.

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75 Jahre Befreiung von Auschwitz

Sonntag, 26.01.2020, 14:50:59 :: Naxos
Dienstag, 28.01.2020, 11:41:26 :: Naxos

Brecht hatte recht.

Hier zum einen der Hinweis auf einen aktualisierten Beitrag vom September 2007, den ich nach unserem Besuch von Auschwitz niedergeschrieben habe. Wir waren nach »Auschwitz I« so fertig, dass wir Birkenau gar nicht mehr besuchten. Fotos? Keine.

Was uns aber damals ins Auge stach: Die Infotafeln. Der Gegegensatz konnte nicht grösser sein, überall Scharen vor allem junger Israelis und bei Lesen der Tafeln der Eindruck, dass hier eigentlich nur Polen ermordet wurden. Auch 2003 in Warschau: Die Gedenkstätte des Warschauer Ghettos suchten wir vergeblich … Soviel zur offiziellen polnischen Sichtweise der eigenen Geschichte.

Der heutige 75. Gedenktag ist überschattet von wieder sehr hoher Kriegsgefahr, Wortgefechten über die Deutungshoheit darüber, wer welche Schuld am 2. Weltkrieg habe, die Rolle Polens, der Roten Armee … Gut, dass jemand zusammenfassend berichtet.

Links:

Das Buch von Pavel Polian, zur Lektüre empfohlen; auch als EBook

Vorsatz aus eben diesem Buch

 

Der FREITAG: Deutschland macht mich ratlos :: (PDF)

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Ägäis: Der türkisch-griechische Konflikt

Freitag, 24.01.2020, 18:50:31 :: Naxos

Dieser Konflikt kommt in deutschen Medien so gut wie nie vor. Warum? Ansehen!

Es ist alles brandgefährlich …

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Medien: Glotze, Zeitung, Blogs?

Freitag, 24.01.2020, 11:07:50 :: Naxos

Wo und was soll man lesen? Reicht die Tageszeitung, die morgens im Briefkasten steckt? Die abendliche Viertelstunde vor der Glotze? Das werbeschwangere Gebabbel im Radio?

Für alle, die hier vorbei schauen: Hier findet Ihr eine Linksammlung zu Informationsquellen im ausufernden Mediendschungel.

Instagram und Facebook reichen eben nicht.

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Wir sind von Sinnen: AKKs „Hunnenrede“

Samstag, 09.11.2019, 14:37:17 :: Naxos

Dies ist ein Beitrag, den ich von den Nachdenkseiten übernommen habe.

Wenn es noch einen Beleg für die Rechtsverschiebung des politischen Diskurses braucht, dann ist dies das Schweigen zu AKKs „Hunnenrede“

Die CDU-Vorsitzende und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hat eine Grundsatzrede zur neuen sicherheitspolitischen Ausrichtung Deutschlands und den damit verbundenen Aufgaben für die Bundeswehr gehalten. Unter anderem gehe es nun darum, „Chinas Machtanspruch“ im „Indo-Pazifischen Raum“ einzudämmen, um Deutschlands globale wirtschaftliche Interessen zu verteidigen. Noch vor wenigen Jahren wäre dies ein Tabubruch gewesen und Kramp-Karrenbauer hätte einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Doch heute? Bleiernes Schweigen. Von Jens Berger.

„Meine Einschätzung ist aber, dass insgesamt wir auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen negativ durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen. Alles das soll diskutiert werden und ich glaube, wir sind auf einem nicht so schlechten Weg.“

Nein, diese Sätze stammen nicht aus Kramp-Karrenbauers Grundsatzrede, sondern aus einem Interview, das der damalige Bundespräsident Horst Köhler am 22. Mai 2010 dem Deutschlandfunk gab. Die Kritik, die diesen Sätzen folgte, war gewaltig. Der damalige SPD-Fraktionsführer Thomas Oppermann verkündete, „Wir wollen keinen Wirtschaftskrieg“. Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin sagte, „Wir brauchen weder Kanonenbootspolitik noch eine lose rhetorische Deckskanone an der Spitze des Staates“ und befand, Köhlers Äußerungen stünden nicht mehr auf dem Boden des Grundgesetzes. Auch aus den Reihen der damaligen Regierungsparteien CDU und FDP gab es Kritik. Köhlers Äußerung sei „keine besonders glückliche Formulierung, um es vorsichtig auszudrücken“ (Ruprecht Polenz, CDU) und „etwas befremdlich“ (Rainer Stinner, FDP). Sogar sicherheitspolitischen Falken gingen diese Äußerungen zu weit. Michael Wolffsohn forderte Köhler auf, er solle sich öffentlich korrigieren. Der Verfassungsrechtler Ulrich Preuß von der Berliner Hertie School of Governance resümierte: „Das ist eine durch das Grundgesetz schwerlich gedeckte Erweiterung der zulässigen Gründe für einen Bundeswehreinsatz um wirtschaftliche Interessen. Da ist ein imperialer Zungenschlag erkennbar“.

Aus einer politischen wurde schnell eine gesellschaftliche Debatte und die Kritik an Horst Köhler war so präsent, dass sich dieser wenige Tage später zum Rücktritt gedrängt fühlte und sein Amt niederlegte. Das war vor etwas mehr als neun Jahren. Schauen Sie sich Köhlers Äußerungen noch einmal an und vergleichen Sie sie mit den Äußerungen in Annegret Kramp-Karrenbauers Grundsatzrede

Es besteht breite Übereinstimmung, dass Deutschland angesichts der strategischen Herausforderungen aktiver werden muss. […] Ein Land unserer Größe und unserer wirtschaftlichen und technologischen Kraft, ein Land unserer geostrategischen Lage und mit unseren globalen Interessen, das kann nicht einfach nur am Rande stehen und zuschauen. Nicht einfach nur abwarten, ob andere handeln, und dann mehr oder weniger entschlossen mittun, oder auch nicht mitzutun. […] Unsere Partner im Indo-Pazifischen Raum – allen voran Australien, Japan und Südkorea, aber auch Indien – fühlen sich von Chinas Machtanspruch zunehmend bedrängt. Sie wünschen sich ein klares Zeichen der Solidarität. […] Wir sind die Handelsnation, die von internationaler Verlässlichkeit lebt.
Wir sind neben China führend in der internationalen Containerschifffahrt – und auf freie und friedliche Seewege angewiesen. […] Denn natürlich hat Deutschland wie jeder Staat der Welt eigene strategische Interessen. Zum Beispiel als global vernetzte Handelsnation im Herzen Europas.

Zur grundsätzlichen Frage, ob es sinnvoll ist, den Welthandel militärisch abzusichern, hatte Albrecht Müller im August bereits Stellung bezogen. Was hier besonders ins Auge fällt: Während Köhlers Äußerungen vor neun Jahren noch als Tabubruch wahrgenommen wurden und dementsprechend kontrovers diskutiert wurden, löste Kramp-Karrenbauers Grundsatzrede vor allem eins aus: Schweigen.

Offenbar gehört es mittlerweile zum normalen politischen Diskurs, aus wirtschaftlichen Motiven heraus globale Machtansprüche zu formulieren und diese Ansprüche auch militärisch zu „verteidigen“ oder besser gesagt durchzusetzen. Was vor neun Jahren noch als Tabubruch wahrgenommen wurde, ist heute Normalität.

Es wäre auch falsch, dies nun auf die Person Kramp-Karrenbauer zu fokussieren. Es ist kaum vorstellbar, dass die CDU-Vorsitzende und Verteidigungsministerin ihre Aussagen nicht zuvor mit der Kanzlerin und sicherlich auch mit ihren internationalen Partnern aus der NATO und den USA abgestimmt hat. Dort wird man diesen Vorstoß sicher mit Freude vernommen haben, fordert Kramp-Karrenbauer – mit Rückendeckung der Kanzlerin – in ihrer Rede doch auch andere Dinge, die vor wenigen Jahren noch ein Tabubruch wären – z.B. will sie Deutschlands Sicherheit künftig auch in der Sahelzone verteidigen und fordert nachdrücklich eine massive Aufrüstung gemäß des 2%-Ziels.

Und die Reaktionen? Die Linkspartei kritisiert die Äußerungen erwartungsgemäß und auch aus den Reihen der Grünen ist dezente Kritik zu vernehmen. Was erstaunlich ist, hatte Grünen-Chef Habeck doch vor kurzer Zeit selbst eine militärische Sicherung der Handelswege für „denkbar“ gehalten Die SPD geht indes auf Tauchstation. Verständlich, denn auch aus ihren Reihen gab es in den letzten Monaten Vorstöße in diese Richtung. Die Medien verteidigen Kramp-Karrenbauer sogar proaktiv gegen die gar nicht vorhandene Kritik. Der Tagesspiegel meint, sie sei „auf dem richtigen Weg“ und die FAZ sekundiert, „Ja, wir müssen uns engagieren“. Und der Rest ist Schweigen. Es ist hoffnungslos.

Titelbild: Germans to the front! – Nach einem Gemälde von Carl Röchling 1855-1920

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Vom Wert westlicher Werte

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Den Planeten zu retten, heißt die herrschenden Eliten zu stürzen

Sonntag, 29.09.2019, 12:38:14 :: Galanado

Dies ist die übersetzte Wiedergabe eines Artikels auf den Nachdenkseiten vom 28. September 2019, der alarmierend und es mehr als wert ist, breit gestreut und auch gelesen zu werden.


Nach der aufsehenerregenden und aufrüttelnden Rede der Klimaaktivistin Greta Thunberg und einer Woche voller Protestzüge und Aktionen, mit denen Menschen weltweit einen effektiven Klima- und Umweltschutz forderten, ruft der renommierte US-Journalist Chris Hedges zu gewaltfreiem zivilen Ungehorsam auf. Demonstrationen alleine bewirkten nichts gegen die rücksichtslose Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen durch die Herrschaft der Konzerne und ihrer Handlanger in der Politik.

Aus dem Englischen von Susanne Hofmann

Der weltweite Schülerstreik vom vergangenen Freitag wird genauso folgenlos bleiben wie die Massenmobilisierung von Frauen nach der Wahl Donald Trumps oder der Protest von Hundertausenden, die gegen den Irak-Krieg auf die Straße gingen. Das heißt nicht, dass es diese Proteste nicht hätte geben sollen. Im Gegenteil. Doch derartige Demonstrationen müssen auf dem Boden der bitteren Realität stehen, dass wir in den Führungsetagen nicht zählen. Lebten wir in einer Demokratie, was wir nicht tun, hätten unsere Hoffnungen, Rechte und Forderungen, insbesondere die Forderung, dass wir dem Klimanotstand entgegentreten müssen, einen Einfluss. Wir wären in der Lage, Repräsentanten an die Regierungsmacht zu wählen, um einen Wandel zu bewirken. Wir wären imstande, Umweltgerechtigkeit von den Gerichten zu verlangen. Wir könnten Ressourcen in die Beseitigung von Kohlendioxidemissionen umleiten.

Wahlen, Lobbyarbeit, Petitionen und Proteste, um die herrschenden Eliten dazu zu bringen, rational auf die Klimakatastrophe zu reagieren, haben sich als genauso ineffektiv erwiesen wie das Flehen der an Skrofulose Erkrankten an Heinrich VIII., sie durch königliche Berührung zu heilen. Die bekannten Taktiken, die Umweltschützer in den letzten Jahrzehnten angewandt haben, waren spektakuläre Misserfolge. Im Jahr 1900 erzeugte das Verbrennen fossiler Brennstoffe – vor allem von Kohle – ungefähr zwei Billionen Tonnen CO2 im Jahr. Diese Zahl hatte sich bis 1950 verdreifacht. Heute wird 20 Mal so viel Kohlendioxid emittiert wie 1900. Während der letzten zehn Jahren schritt die CO2-Zunahme 100 bis 200 Mal schneller voran als weltweit seit dem Übergang von der letzten Eiszeit. Am 11. Mai verzeichnete das Mauna Loa Observatorium in Hawaii 415,26 ppm CO2 in der Luft. Man geht davon aus, dass es sich dabei um die höchste Konzentration seit der Entwicklung des Menschen ist. Wir werden ein neues Paradigma des Widerstandes ergreifen oder zugrunde gehen.

Die herrschenden Eliten und die Konzerne, denen sie dienen, sind die Haupthindernisse eines Wandels. Sie können nicht reformiert werden. Und das heißt: Revolution, also das, was Extinction Rebellion erreichen möchte mit seinem Ruf nach einer „internationalen Rebellion“ am 7. Oktober. An diesem Tag will es die Stadtzentren auf der ganzen Welt mittels anhaltendem zivilen Massenungehorsam stilllegen. Wir müssen die Macht übernehmen. Und nachdem die Eliten ihre Macht nicht freiwillig abgeben werden, werden wir sie uns durch gewaltfreie Aktion nehmen müssen.

Proteste können ein politisches Bewusstsein einleiten. Sie können aber auch lediglich leeres politisches Theater sein. Sie können dazu benutzt werden, unsere moralische Integrität zu feiern –Werbung für uns selbst im Zeitalter der Sozialen Medien. Sie können Schaufenster-Aktivismus sein, bei dem sich Demonstranten durch Polizeibarrikaden leiten lassen und Verhaftungen höflich choreografiert werden, was dazu führt, dass die Demonstranten einige Stunden im Gefängnis sitzen und sich damit als Radikale ausweisen. Sie können dafür benutzt werden, uns von einer abstoßenden politischen Figur wie Donald Trump zu distanzieren, aber unser stilles Einverständnis geben, wenn die gleiche Politik von einem vermeintlichen Progressiven wie Barack Obama betrieben wird. Dies ist ein Spiel, das der Staat gelernt hat, zu seinem Vorteil zu spielen. So lange wir die Maschine nicht stören, so lange wir gemäß ihren Regeln protestieren, werden uns die Eliten in pinken Wollmützen durch die Straßen von Washington marschieren oder einen Tag lang der Schule den Rücken kehren lassen.

Ist die Macht bedroht, so wie es während der lange anhaltenden Proteste im Rahmen der Occupy-Belagerung und im Reservat Standing Rock der Fall war, reagieren die herrschenden Eliten ganz anders. Sie setzen das ganze Gewicht des Überwachungsstaates dafür ein, die Demonstranten zu dämonisieren, ihre Anführer zu verhaften und festzusetzen und Agents provocateurs einzuschleusen, die gewaltsame Angriffe ausführen, um zu rechtfertigen, dass Polizei und Sicherheitskräfte die Proteste abwürgen.

Die präventiven Maßnahmen der Sicherheitskräfte, die geplante Besetzung der Innenstädte durch Extinction Rebellion im Oktober zu behindern und zu vereiteln, welche den Handel beeinträchtigen und Teile von Großstädten zum Erliegen bringen soll, haben bereits begonnen. Roger Hallam, der Mitbegründer von Extinction Rebellion, wurde am 14. September festgenommen und beschuldigt, mit einer Drohne versucht zu haben, den Betrieb am Flughafen Heathrow zu stören. Hallam hat Heathrow als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ bezeichnet – nach Angaben von Klimaaktivisten werden dort 18 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr ausgestoßen, das ist mehr als die Emissionen von 118 Ländern zusammen. Er und andere Aktivisten haben geschworen, die Pläne des Flughafens zum Bau einer dritten Startbahn zu stoppen. Hallams Fall wird am 14. Oktober vor dem Isleworth Crown Court verhandelt. Das bedeutet, dass er erst nach den Protesten vom 7. Oktober freigelassen wird. Darüber hinaus wurden andere Organisatoren von Extinction Rebellion, darunter Andrew Medhurst, in England festgenommen, und die Polizei hat ihre Telefone und Computer beschlagnahmt.

Es spielt keine Rolle, wer das öffentliche Gesicht des konzernregierten Staates ist. Es geht hier nicht um politische Persönlichkeiten. Schließlich war es Obama, unter dessen Ägide die koordinierte nationale Anstrengung unternommen wurde, die Occupy-Lager aufzulösen und die Wasserschützer im Reservat Standing Rock zu belagern. Obamas Umweltpolitik war furchtbar, trotz seines Lippenbekenntnisses, die globale Erderwärmung bremsen zu wollen und trotz seiner Unterstützung des unverbindlichen Pariser Klimaabkommens, das der Klimaforscher James Hansen einen Schwindel nannte. Während Obamas Amtszeit stieg die US-Öl-Förderung Jahr für Jahr und erreichte eine Steigerung von 88 Prozent. Es handelte sich um die größte Steigerung der heimischen Öl-Förderung in der amerikanischen Geschichte. Obama machte amerikanischen Ölfirmen den Weg zur Offshore-Förderung frei, als sei er Sarah Palin. „Die amerikanische Öl-Produktion, das ist vielleicht nicht überall bekannt, ging jedes Jahr meiner Präsidentschaft weiter nach oben“, sagte Obama letztes Jahr einem Publikum auf der Rise University. „Und wissen Sie, dass Amerika plötzlich der größte Ölproduzent ist… das habe ich bewirkt, Leute.“

Die Demokraten wie die Republikaner dienen der Macht der Konzerne. Sie werden die staatlichen Subventionen für die fossile Brennstoff- und Förderindustrie nicht beenden. Sie werden keine CO2-Steuer einführen, damit die fossilen Brennstoffe in der Erde bleiben. Sie werden übermäßigen Konsum nicht begrenzen. Die Technologien, in die sie investieren – Fracking, Hybrid-Autos, genetisch veränderte Lebensmittel – zielen darauf ab, das Konsumniveau zu erhalten oder gar zu erhöhen und nicht zu senken. Sie werden Billionen Dollar und wissenschaftliche und technische Expertise nicht vom Militär und Konzernen abziehen, um sie so einzusetzen, dass sie uns vor der Umweltkatastrophe retten. Die Rhetorik und die Mätzchen, die sie dazu einsetzen, die Öffentlichkeit zu besänftigen – angefangen von CO2-Krediten zu Windturbinen und Solarpanelen –, sind, so der Wissenschaftler James Lovelock, die Entsprechung zu dem Versuch von Ärzten im 18. Jahrhundert, ernste Erkrankungen mithilfe von Schröpfen und Quecksilber zu heilen.

Die Schaffung immer komplexerer bürokratischer und technokratischer Systeme in einem Zeitalter schwindender Ressourcen ist ein Charakteristikum zu Grunde gehender Zivilisationen. Zivilisationen in ihrer Endphase suchen verzweifelt nach neuen Ausbeutungs-Methoden, statt sich an eine sich ändernde Umwelt anzupassen. Sie unterdrücken die unteren Klassen und beuten sie immer rücksichtsloser aus, um die unersättlichen Gelüste der Elite nach Macht, Luxus und Hedonismus zu aufrecht zu erhalten. Je schlimmer die Umstände, desto mehr ziehen sich die Eliten in ihre privaten Enklaven zurück. Je abgehobener die Eliten, desto sicherer die Katastrophe. Dieser selbstzerstörerische Prozess ruiniert das Ökosystem, bis die verhängnisvollen Systeme zusammenbrechen.

Die herrschenden Eliten, die an Business Schools und in Manager-Kursen ausgebildet wurden, sind nicht in der Lage, die existenziellen Probleme zu bewältigen, die durch die Klimakatastrophe verursacht werden. Sie sind dazu ausgebildet, koste es, was es wolle, die Systeme des globalen Kapitalismus aufrechtzuerhalten. Sie sind System-Manager. Ihnen fehlen die intellektuelle Fähigkeit und die Phantasie, nach Lösungen außerhalb des engen Parameters des weltweiten Kapitalismus zu suchen.

Diejenigen, die im globalen Süden leben, leiden und sterben schon an den Auswirkungen der globalen Erderwärmung, für welche vor allem die wohlhabenden industrialisierten Nationen des globalen Nordens verantwortlich sind. Die reichsten 0,54 Prozent oder 42 Millionen Menschen auf der Welt verantworten mehr Emissionen als die ärmste Hälfte der Weltbevölkerung oder 3,8 Milliarden Menschen. Diese Eliten opfern zunächst die Ärmsten des Planeten, während sie sich die soziale und ökonomische Hierarchie heraufarbeiten, um schließlich uns alle auszulöschen.

Wir müssen unser unerbittlich positives Denken fahren lassen, unsere absurde Manie der Hoffnung, unseren naiven Glauben, dass wir alle Probleme lösen können, wenn wir nur Mumm in den Knochen haben und entschlossen genug sind. Wir müssen der Düsternis vor uns ins Auge blicken. Wir leben in einer Welt, die die globale Erwärmung bereits stark geschädigt hat, und sie wird unweigerlich schlimmer werden. Die Weigerung, sich an der weiteren Zerstörung des Planeten zu beteiligen, bedeutet einen Bruch mit der traditionellen Politik. Es bedeutet, die Zusammenarbeit mit der Autorität aufzukündigen. Es bedeutet, auf jede erdenkliche gewaltfreie Weise, dem Konsum-Kapitalismus, Militarismus und Imperialismus zu trotzen. Es bedeutet, unseren Lebenswandel anzupassen, dazu gehört auch, fortan vegan zu leben, um den Kräften entgegenzuwirken, die auf unsere Auslöschung aus sind. Und es bedeutet Wellen anhaltenden zivilen Ungehorsams, bis die Maschine kaputt ist.

Die Biosphäre, einschließlich dem Amazonas, der Meere und der Polkappen, verschlechtert sich sichtbar. Hitzewellen lähmen Europa, Australien und den amerikanischen Südwesten. Überschwemmungen zerstören den Mittleren Westen der USA. Letzte Woche erlitt der südöstliche Teil von Texas heftige Überflutungen mit Toten, als er vom siebt-regenreichsten tropischen Zyklon der US-Geschichte getroffen wurde, durch den in manchen Regionen innerhalb von drei Tagen mehr als 40 Zoll (mehr als ein Meter) Regen fielen. Monströse Wirbelstürme verwüsten die Karibik und die Küsten der USA. Waldbrände verschlingen die Wälder der Westküste. Doch trotz der greifbaren Anzeichen eines Klimanotstandes, versichern uns die Eliten, dass wir unser Leben wie bisher weiterführen können.

Die mathematischen Modelle für die Zukunft des Planeten zeigen drei verheerende Verläufe: ein Massensterben von vielleicht 70 Prozent der Menschen und daraufhin eine gewisse Stabilisierung; das Aussterben der Menschen und der meisten anderen Arten; eine sofortige und radikale Umgestaltung der menschlichen Gesellschaft, um die Biosphäre zu schützen und sie vielfältiger und produktiver zu machen. Dieses dritte Szenario, von dem die meisten Wissenschaftler einräumen, dass es unwahrscheinlich ist, hängt davon ab, dass die Förderung und der Verbrauch fossiler Brennstoffe eingestellt wird, dass die Massentierhaltung und industrielle Landwirtschaft – deren Anteil an den Treibhausgasen fast so groß ist wie der der fossilen Brennstoffenergie – zerstört werden, indem die Menschen auf eine pflanzenbasierte Ernährung umsteigen, dass die Wüsten begrünt und die Regenwälder wiederhergestellt werden. Wir wissen, was wir tun müssen, wenn unsere Kinder eine Zukunft haben sollen. Die einzige offene Frage ist: Wie können wir Anführer dazu ermächtigen uns zu retten?

Klimaforscher warnen davor, dass wir bald einen Wendepunkt erreichen werden, an dem die Biosphäre so geschädigt ist, dass kein Versuch, das Ökosystem zu retten, den außer Kontrolle geratenen Klimawandel stoppen wird. Diesen Wendepunkt haben wir vielleicht schon erreicht. Der Wendepunkt, glauben viele, ist ein weiterer Anstieg der globalen Temperaturen um zwei Grad Celsius. An diesem Punkt werden sich „Rückkopplungsschleifen“ durch Umweltkatastrophen gegenseitig verschärfen.

Wir brauchen einen neuen Radikalismus. Wir müssen nachhaltig zivilen Ungehorsam betreiben, um die Ausbeutungsmaschinerie zu stören, auch während wir uns auf die unvermeidlichen Verwerfungen und Katastrophen vorbereiten. Wir müssen unseren Lebensstil und unseren Konsum ändern, um unseren persönlichen CO2-Fußabdruck zu verringern. Und wir müssen uns organisieren, um bestehende Machtstrukturen durch solche zu ersetzen, die die vor uns liegende Krise bewältigen können.

Titelbild: Ink Drop/shutterstock.com

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Das Thema Klimawandel ist nicht neu

Donnerstag, 26.09.2019, 13:08:25 :: Galanado

Dies ist die Wiedergabe eines Artikels von Jens Berger auf den Nachdenkseiten vom 25. September 2019, der es mehr als wert ist, breit gestreut und auch gelesen zu werden.


Politik und Medien tun gerne so, als sei das Thema Klimawandel ein neues Thema, das erst von den jungen Aktivisten von Fridays for Future oder gar Greta Thunberg aufs Tableau gehoben wurde. Dabei sind die grundlegenden Erkenntnisse zum menschgemachten Klimawandel älter als alle im Bundestag sitzenden Abgeordneten und selbst die Erkenntnis, dass global auf politischer Ebene eine Reduzierung der Emission von Treibhausgasen eingeleitet werden muss, wurde bereits vor 40 Jahren auf der ersten Weltklimakonferenz formuliert. Niemand kann behaupten, man hätte nichts gewusst.

Von Jens Berger

In privaten Debatten über das Thema „Klimawandel“ stelle ich immer gerne die Frage, wann mein Gegenüber zum ersten Mal etwas von der Erderwärmung durch Treibhausgase, die unter anderem bei der Verbrennung fossiler Energieträger entstehen, gehört haben. Die Antworten sind zumindest im Kontext zur aktuellen Aufgeregtheit erstaunlich. Oft war es der Schulunterricht, oft ältere TV-Dokumentationen wie die Querschnitte-Sendungen des ZDF aus den späten 1970ern und manchmal werden sogar noch ältere Quellen, wie der Bericht des Club of Rome aus dem Jahr 1972, genannt. Ich selbst kam mit dem Thema – zumindest bewusst – das erste Mal intensiver in Berührung, als ich 1992 oder 1993 im Schulunterricht das Buch „Wege zum Gleichgewicht“ von Al Gore vorstellen durfte. Und allerspätestens seit der Klimakonferenz von Kyoto im Jahre 1997 sollten die konkreten Zusammenhänge, die heute als akut und oft gar als neu dargestellt werden, als allgemein bekannt vorausgesetzt werden. Das ist nun aber auch schon mehr als zwanzig Jahre her. Greta Thunberg war noch nicht einmal geboren.

Was auf internationaler und nationaler Ebene folgte, war eine große Ankündigungspolitik von Zielen, die allesamt verfehlt wurden. Der Telepolis-Autor Wolfgang Pomrehn hatte dazu 2007 einen sehr lesenswerten Artikel geschrieben. Und selbst dieser Artikel ist nun schon zwölf Jahre alt und auch seitdem hat sich nichts zum Besseren verändert Im Gegenteil – der Klimagipfel vom letzten Freitag ist sogar ein Eingeständnis, dass man die selbst in internationalen Verträgen zugesagten Ziele gar nicht mehr einhalten will.

Mehr noch – die Vorschläge, die schon vor 40 Jahren diskutiert wurden, wie eine Einführung des Tempolimits, eine schrittweise Abkehr vom Verbrauch fossiler Energieträger, die Transformation unserer Wirtschaft in eine Kreislaufwirtschaft oder die Energiewende, werden heute, 40 Jahre später, immer noch größtenteils als neue Themen aufgefasst, über die man erst einmal gründlich nachdenken sollte. Nur nichts übereilen. Man muss die Menschen und die Wirtschaft mitnehmen. Kein Wunder, dass den Jugendlichen von heute der Geduldsfaden gerissen ist.

Die NachDenkSeiten haben versucht, eine – sicher nicht vollständige – kurze historische Übersicht zu einigen Eckpunkten der Klimaforschung und der gesellschaftlichen und politischen Debatte aufzuzeichnen, die sich bereits vor der dritten Weltklimakonferenz in Kyoto abgespielt haben; also in einer Zeit, in der ein Umsteuern noch relativ problemlos möglich gewesen wäre und die meisten Aktivisten von Fridays for Future noch gar nicht geboren waren.

1896

Der schwedische Physiker und Chemiker und spätere Nobelpreisträger Svante Arrhenius sagt als erster Forscher eine globale Erwärmung aufgrund der menschgemachten Kohlendioxidemissionen durch Verbrennung fossiler Energieträger voraus. Damals sah man diese Entwicklung übrigens positiv und versprach sich davon bessere Ernten.

1938

Der Brite Guy Stewart Callendar wertet die Temperaturdaten der letzten 50 Jahre aus und entwirft als erster Forscher ein sehr grobes lineares Klimamodell, das die globale Erwärmung auf Basis des Kohlendioxidausstoßes prognostizierte. Die von Callendar für das Jahr 2100 prognostizierte CO2-Konzentration von 396ppm wurde übrigens bereits 2013 erreicht.

1956

Der kanadische Physiker Gilbert Plass setzt erstmals Computer zur Berechnung der globalen Erwärmung ein. Er prognostiziert einen Temperaturanstieg von 3,6 °C bei einer Verdoppelung der CO2-Konzentration.

1957

David Keeling nimmt auf dem Mauna Loa auf Hawaii das erste wissenschaftlich präzise Observatorium zur dauerhaften Messung der CO2-Konzentration in der Atmosphäre in Betrieb. Die Messreihe belegt eindrucksvoll bis heute den Anstieg durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe.

1961

SPD-Kanzlerkandidat Willy Brandt fordert „Der Himmel über dem Ruhrgebiet muss wieder blau werden“ und markiert damit den Beginn der umweltpolitischen Debatte in Deutschland.

1965

Ein von US-Präsident Lyndon B. Johnson eingesetztes Expertengremium bestätigt den Effekt der Klimaerwärmung durch die Verbrennung fossiler Energieträger.

1968

Forscher des „American Petroleum Institute“ sagen aufgrund der Verbrennung fossiler Energieträger für das Jahr 2000 eine Erhöhung der CO2-Konzentration auf 400ppm voraus und warnen vor signifikanten Temperatursteigerungen, schmelzenden Polkappen und einer Erhöhung des Meeresspiegels. Das Papier landet im Giftschrank der Erdöllobby.

1971

Der Parteitag der SPD verabschiedet, dass umweltfeindliche Produkte stärker besteuert werden.

1972

In Stockholm findet die Weltumweltkonferenz UNCHE statt, die als weltweit erste globale Konferenz der Vereinten Nationen zum Thema Umwelt gilt. Im Abschlussbericht wird u.a. ein weltweites Monitoring des Einflusses der Umweltverschmutzung auf das Klima empfohlen. Chronisten zufolge [1] hat die Delegation der Bundesregierung, die damals von Ehrhard Eppler angeführt wurde, bei der Konferenz eine progressive Rolle eingenommen.

Im ersten Bericht des Club of Rome wird der menschgemachte Treibhauseffekt als Ursache für die globale Erwärmung diskutiert.

Der sowjetische Klimaforscher Mikhail Budyko berechnet, dass ein 50%-Anstieg der atmosphärischen CO2-Konzentration durch die Nutzung fossiler Energieträger in „wahrscheinlich nicht mehr als einhundert Jahren“ zu einem vollständigen Abschmelzen der Polkappen führen würde.

Die SPD startet eine Kampagne mit Motiven von Tomi Ungerer, um auf die Umweltverschmutzung durch Lärm und Abgase und die Belastungen durch den Verkehr aufmerksam zu machen.

1977

US-Präsident Jimmy Carter gibt eine Studie in Auftrag, die die grundlegenden Entwicklungen der Umweltbedingungen und ihre Auswirkungen auf die Zukunft der Menschheit bis zum Jahr 2000 bestimmen soll. Später wird „Global 2000“ veröffentlicht und verkauft sich weltweit 1,5 Millionen Mal. Auch das Thema Klimaerwärmung durch menschgemachte Emissionen wird in der Studie behandelt.

1978

Der Wissenschaftler und Fernsehmoderator Hoimar von Ditfurth erläutert in seiner zusammen mit Volker Arzt produzierten zweiteiligen TV-Dokumentation „Der Ast auf dem wir sitzen“ sehr anschaulich die Ursachen des menschgemachten Klimawandels und greift dabei zahlreiche Themen auf, die auch heute die Klimadebatte bestimmen (CO2-Konzentration in der Erdatmosphäre, CO2-Ausstoß, CO2-Speicher, Regenwaldrodung). Die Dokumentation, die im Rahmen der ZDF-Reihe „Querschnitte“ ausgestrahlt wurde, finden Sie auch auf YouTube (Teil 1, Teil 2) .

1979

Auf Initiative von Klimaforschern, wie dem Deutschen Hermann Flohn, wird in Genf die Erste Weltklimakonferenz abgehalten. Beschlossen wird die Schaffung eines Klimaprogramms zur Untersuchung und zum Austausch der Klimadaten und zur gemeinsamen Arbeit an besseren Klimamodellen. Der neun Jahre später gegründete Weltklimarat IPPC geht aus dieser Initiative hervor.

Der SPIEGEL notiert: „Daß der Treibhaus-Effekt die Erde, zumindest theoretisch, dereinst bedrohen könnte, mochte die Mehrheit der in Genf versammelten Wissenschaftler nicht mehr ausschließen. Differenzen gab es nur über das Ausmaß der Gefahr. (…) Fast einmütig aber empfahlen die Forscher, den Verbrauch fossiler Brennstoffe drastisch einzuschränken und die irdischen Waidreserven nicht noch weiter abzuholzen.“ 

Ein weiterer Expertenbericht der US-Regierung beziffert den Temperaturanstieg bei einer Verdoppelung der CO2-Konzentration auf 2°C bis 4°C und warnt einmal mehr vor der Folgen.

Zeitgleich startet das „American Petroleum Institute“ (siehe 1968) eine weitere groß angelegte Forschungsreihe, die die negativen Auswirkungen der Nutzung fossiler Energieträger zweifelsfrei belegt und auch quantifiziert. Auch diese Studien landen jedoch im Giftschrank der Ölkonzerne, die zehn Jahre später massiv in die Debatte eingreifen, indem sie sogenannte „Skeptiker“ finanzieren, die bis heute die Debatte torpedieren. Ans Licht kamen diese und vergleichbare unter Verschluss gehaltene Studien der Ölkonzerne erst 2015 im Rahmen einer für den Pulitzer-Preis nominierten Recherche der Internetseite InsideClimate News.

1980

Die Nord-Süd-Kommission unter dem Vorsitz von Willy Brandt empfiehlt in ihrem Abschlussbericht die Stärkung regenerativer Energien und die Abkehr von der Nutzung fossiler Energieträger und die Fokussierung auf die Nachhaltigkeit bei der globalen Entwicklungspolitik.

1985

Der Meeresforscher Veerabhadran Ramanathan erweitert die Debatte, indem er in einer Studie 30 Spurengase identifiziert, die als Treibhausgase wirken und zusammengenommen dasselbe Treibhauspotential wie Kohlendioxid haben.

Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) veranstaltet gemeinsam mit dem Umweltprogramm (UNEP) und dem Internationalen Wissenschaftsrat (ICSU) eine Klimakonferenz in Villach. In der Abschlusserklärung heißt es, dass „in der ersten Hälfte des nächsten Jahrhunderts mit einer Erderwärmung zu rechnen sei, die größer ist als je zuvor in der Geschichte der Menschheit“.

Die Deutsche Physikalische Gesellschaft warnt vor einer „drohenden Klimakatastrophe“ und fordert die Politik auf, Maßnahmen zu ergreifen, dass die Erwärmung unterhalb von 1°C bleibt. Aktuelle Messungen der NASA besagen, dass die Erwärmung 2018 bereits 0,83°C beträgt. Die Basis ist übrigens das Mittel von 1951 bis 1980.

1986

In einer Studie beziffern die Klimaforscher Dickinson und Cicerone die Klimaerwärmung durch Treibhausgase in den kommenden 65 Jahren auf mindestens 1°C und möglicherweise sogar mehr als 5°C.

Der SPIEGEL titelt „Das Weltklima gerät aus den Fugen“ und gibt einen Überblick über den Stand der Forschung.

1987

In seinem Buch „Die gespeicherte Sonne“ entwirft der SPD-Politiker Hermann Scheer einen umfassenden Plan zur Substitution fossiler Energieträger durch regenerative Energien.

In einem Interview mit dem SPIEGEL warnt der Klimaforscher Hartmut Graßl vor den Folgen der globalen Klimaerwärmung und fordert die Politik zum sofortigen Handeln auf.

1988

„Es ist zwingend geboten, unverzüglich zu handeln“ – so endet das Schlussprotokoll der Weltklimakonferenz von Toronto. Empfohlen wird eine Reduktion der Treibhausgase bis 2005 um 20% und später auf 50%.

Im SPIEGEL mahnt der Atmosphärenforscher Paul Josef Crutzen die Politik, schnell zu handeln. Der Klimawissenschaftler Wilfrid Bach nennt konkrete Forderungen an die Politik – keine dieser Forderungen wurde ernsthaft umgesetzt.

1989

In seiner kurz vor seinem Tod erschienenen Autobiografie „Innenansichten eines Artgenossen“ widmet Hoimar von Ditfurth dem Thema „Klimawandel“ gleich mehrere Seiten und stellt die Reduktion der Treibhausgase als eine der wichtigsten Menschheitsaufgaben dar.

1990

Beim G7-Gipfel in Paris steht erstmals auch die „drohende Klimakatastrophe“ auf der Agenda.

1992

Mit der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen wird auf dem Umweltgipfel in Rio de Janeiro das erste völkerrechtliche Abkommen verabschiedet, das sich zum Ziel gesetzt hat, die menschgemachte Störung des Klimasystems zu verhindern und die globale Erwärmung zu verlangsamen. Auf der Konferenz hält auch die damals 12jährige kanadische Klimaaktivistin Severn Suzuki eine engagierte Rede. Heute bedauert sie, dass die Politiker nichts aus ihrer Rede gelernt haben.

In seinem Buch „Wege zum Gleichgewicht“ widmet sich der spätere US-Vizepräsident Al Gore ausführlich dem Treibhauseffekt und der Klimaerwärmung und bringt das Thema damit einer breiten Masse nahe.

Zum ersten Mal taucht der Begriff „Klimapolitik“ im gedruckten SPIEGEL auf.

1995

Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung befürwortet die Einrichtung eines Zwei-Grad-Ziels, da man befürchtet, dass bei einer höheren Erwärmung sogenannte Kipppunkte erreicht werden, die unumkehrbare und in ihren Konsequenzen kaum einschätzbare negative Folgen nach sich ziehen.

Auf der ersten Weltklimakonferenz (COP1) in Bonn einigen sich die Staaten auf die Erstellung eines gemeinsamen Protokolls zur Verringerung der Treibgasemissionen.

1997

Auf der dritten Weltklimakonferenz (COP3) in Kyoto wird erstmals ein verbindliches Ziel für die Emissionshöchstmengen der Industrieländer formuliert. Nach langwierigen Verhandlungen und zahlreichen weiteren Weltklimakonferenzen trat das Kyoto-Protokoll jedoch erst 2005 in Kraft. Außer den USA, Kanada, Süd-Sudan und Andorra haben alle UN-Mitglieder das Abkommen ratifiziert.


[«1] Kai F. Hünemörder: Die Frühgeschichte der globalen Umweltkrise und die Formierung der deutschen Umweltpolitik (1950–1973). Franz Steiner Verlag, 2004, ISBN 3-515-08188-7.

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SCHEISS AUF DAS KLIMA …

Montag, 23.09.2019, 17:01:02 :: Galanado

Ein Beitrag von Christoph Sieber auf Facebook am 23.09.2017

…so könnte man die Maßnahmen des Klimapaketes zusammenfassen. Um dann genauer zu werden: Scheiß auf das Klima – so lange mit solchen Maßnahmen wenigstens die Große Koalition gerettet werden kann. Mal wieder.

Und die Frage, die sich stellt: Kommen sie damit durch? Kommen sie tatsächlich damit durch, mit einem Füllhorn an blutleeren Maßnahmen den Aktivisten von „Fridays for Future“ Sand in die Augen zu streuen? Kommen sie mit ein paar erbärmlichen Ankündigungen durch, mit denen niemandem geholfen ist?

Wir werden die Ziele des Pariser Abkommens meilenweit verfehlen. Punkt.

Die große Koalition hat erneut bewiesen, dass sie den Ernst der Lage nicht verstanden hat. Und sie hat erneut gezeigt, dass sie nicht willens oder in der Lage ist Zukunft zu gestalten.

Mit ein paar korrigierenden Globuli ist die Erderwärmung aber nicht zu kurieren.

Wir müssen jetzt die Systemfrage stellen. In einem System des „immer mehr“ ist das Klima nicht zu retten. Der Erfolg des Kapitalismus beruht auf der Ausbeutung von Mensch und Natur.

Wir müssen erkennen: Die Party ist vorbei. Klar, der DJ spielt noch. Aber so war es auf der Titanic ja auch.

Wenn die Bundesregierung ehrlich wäre, hätte sie gar kein Klimapaket geschnürt, sondern ganz offen gesagt: Wir wollen so weitermachen wie bisher. Wir als Regierung und ihr als Bevölkerung. Die paar warmen, trockenen Sommer – wird schon. Wir schaffen das. Und die Klimaflüchtlinge lassen wir im Mittelmeer ersaufen.

Und dann werden wir uns fragen müssen: Was werden wir den Enkeln mal sagen: Mehr war nicht drin? Paar Fahrverbote für Diesel in den Innenstädten, paar Cent mehr fürs Fliegen und überall neue Ölheizungen???? Echt jetzt? Mehr war nicht möglich?

Wenn wir wollen, dass unsere Kinder und Enkel eine Zukunft haben, dann braucht es jetzt Widerstand.

Und um es noch mal zu betonen: Jetzt! Und nicht erst 2028, 2032 oder 2050.

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