In jeder Redaktionsstube erbricht sich immer mal wieder ein Journalist, weil er sich an den Beiträgen der Blogger im Internet verschluckt hat. Nun ist nicht zu bestreiten, dass viel Bockmist gebloggt wird – hier wie da, wie es eben so geht wenn man die Möglichkeit hat, sich zu äussern. Da kommt nicht immer nur Blitzgescheites und Geschliffenes dabei raus. Was die betreffenden Journalisten oder deren Brötchengeber (»Wess’ Brot ich ess’, dess’ Lied ich sing’«) so ärgert an den von ihnen ins Lächerliche gezogenen Schreibern, wird ja nicht immer klar. Klar wird in ihren Artikel nur eins: Recherche schlecht bis miserabel, Lese- und Verstehlust gleich null, Angst gross.
Zuletzt haben nun beim SPIEGEL welche gereihert und mit dem Kalauer Die Beta-Blogger dann auch in SPON aufgemacht. Das, was früher mal bei der Süddeutschen abgelassen wurde, war auch nicht bedeutender – nebenbei bemerkt. Von daher: Journalismus ist unter den kapitalistischen Verwertungsbedingungen von Journalistenhirnen auch nicht das, was es mal sein sollte. Das beweisen sie leider täglich. Vielleicht sollten sie sich ein Beispiel an Karl Krauss nehmen und dann wieder kommen…
Sei’s drum.
Hier die Replik der Nachdenkseiten und die des Spiegelfechters. Dort gibt es denn auch reichlich Kommentare.
Deutlich gesagt werden aber muss dies: Das Internet und entsprechende Software gibt jedem die Möglichkeit sich kurz, umfänglich und nicht nur am Stammtisch zu äussern. Das ist im Sinne echter Demokratie zu begrüssen. Jeder, der das versucht zu massregeln oder lächerlich zu machen, hat sich als Demokrat disqualifiziert. Wer Qualität und Reichweite leichtfertig hier in die Diskussion bringt, der kneift sich selbst.
Vielleicht zum Trost für die geplagten Journalisten in den Kapitalistenkäfigen und ihrer Auseinandersetzung mit der tatsächlich unabhängigen Meinung:
Da kommt mer ganz draus, weil mer nemme draus kommt! (Helmut Pfisterer)
Oder etwas feinsinniger:
Wenn du liebst, was du tust, wirst du nie wieder in deinem Leben arbeiten. (Konfuzius)
Letztendlich…
…helfen da auch mal wieder die selbstkritischen Worte John Swintons aus dem Jahre 1880. Darauf dann, und dann soll’s gut sein, nochmals Konfuzius:
Der Mensch hat dreierlei Wege klug zu handeln: Erstens durch nachdenken, das ist der edelste, zweitens durch nachahmen, das ist der leichteste und drittens durch Erfahrung, das ist der bitterste.
Links:
- Kleines Sammelsosium zum Thema Journalisten, Objektivität und jämmerlichem Versagen
- und was sonst so zu wünschen übrig lässt – neben einem ordentlichen Journalismus.
- Onlinezugriff auf Die Fackel von Karl Kraus; für alle Neugierigen…
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In jeder Redaktionsstube erbricht sich immer mal wieder ein Journalist, weil er sich an den Beiträgen der Blogger im Internet verschluckt hat. Nun ist nicht zu bestreiten, dass viel Bockmist gebloggt wird - hier wie da, wie es eben so geht wenn man die Möglichkeit hat, sich zu äussern.