* Rund Europa 2008, 14. Tag: Riga – von Hexen, Kobolden & Fledermäusen

Sonntag, 27. Juli 2008

Die Baltischen Länder leben stark aus und in ihren Traditionen; ohne diese starke Bindung hätten sie den ganzen europäischen Wirrwarr wohl nicht überlebt. Kleine, verfeindete Stämme, die sich ständig bekriegten, Ordensritter, gegen die sie sich verteidigen wollten/mussten, Russen, Schweden, Dänen, Deutsche, Polen – so ganz einfach hatten sie es nie.

Und das alles in karger, in Wäldern düsterer Umgebung und langen, deprimierenden Wintern. Man merkt das in vielem, in dem sich – von aussen betrachtet – Litauer und Letten insbesondere – diese Völker gleichen. Ob es die kernigen Holzplastiken sind, die sie mit der Axt aus dem Vollen schnitzen, ob es die Liebe zur Musik und gemeinsamem Singen ist, oder auch die Krux, übermässig zu trinken; in langen Wintern, alleine – man kann es nachvollziehen.

Von innen betrachtet sieht das anders aus: Da nennen die Letten die Litauer »polnisch«, fühlen sich mehr den Esten zugehörig (die Sprache sagt aber ganz was anderes, die ähnelt in vielem stark dem Litauischen), die Esten fühlen sich wie halbe Finnen , die Litauer betrachten ehemals lettische Gebiete als originär die ihren usw.

Und so, wie die Volksseele gestrickt ist, teilt sie – trotz aller Gegensätze – die Liebe zu dem Geheimnissvollen, dem Gelichter in den den dunklen Wäldern, an den Gewässern, seien es verschilft-verträumte, braune Seen oder verwachsene Ufer von mächtigen Flüssen oder kaum fliessenden Bächen. Immer bleibt etwas Geheimnissvolles, was fasziniert, ängstigt, aber eben auch verbindet. In Liedern, alten Geschichten und Sagen.

Man lese am besten Czeslaw Miłosz‘ Das Tal der Issa und Paradiesstraße: Lebenserinnerungen der ostpreußischen Bäuerin Lena Grigoleit, um in diese Welt einzutauchen.

verträumter See

Oder man fährt hin.

Und das taten wir am Sonntag. Wir fuhren in den Landschaftspark von Tērvete.

Tervete

Man geht durch das weiträumige Gelände auf und ab (!), auf naturbelassenen Schotter- und Wiesenwegen, auf schwindelerregenden Holzstegen und -treppen, über ehemalige Burgberge, vorbei an Seen, Teichen – ja, und an Riesenspinnen, Fledermäusen, Hexen, Riesenpilzen und den Märchenfiguren der Anna Brigadere, dem kleinen Sprīdītis, der – ähnlich unserem Kleinen Däumling – die Welt erobern will, aber feststellen muss, dass es zuhause doch am schönsten ist. Ob das wahr ist, steht auf einem anderen Blatt.

Ganz ohne Fahrgeschäft, ohne Rutschbahnen, Karussels, Achterbahnen und magenverstimmende Falltürme geht das übrigens, ohne Eisbuden – einfach und naturbelassen. Nur anuf einem Baumstamm hat ein Händler ein paar Souvenirs ausgebreitet; wenig später verlässt er den Park mit seinem kleinen Sack auf dem Fahrrad.

Spriditis

Pilze

Monster

Hexenpfad

Fledermaus

Und in dieser Umgebung findet sogar ein Trauermantel noch ein Zuhause…

Trauermantel

Und danach ein Bad.

Das obligatorische. In einem der obligatorischen Seen. Braun, sauber und warm.

Badesee

Reisestatistik

Tagesleistung 2008-07-27: 193 km, 04:28 h in Bewegung, 03:51 h Ruhe, 110 km/h Spitze, 43,1 km/h in Bewegung, 23,2 km/h gesamt.

GPS Track Logs 2008-07-27.kml

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Eine Antwort auf * Rund Europa 2008, 14. Tag: Riga – von Hexen, Kobolden & Fledermäusen

  1. fröhlich sagt:

    hallo reinard, hallo lis

    ihr machd oim gosch sche wässrig. mir schwitzad bei d`r orbet ond ihr dreibd aich in d`r weltgschicht omanand.
    sieht jo aus als ob er a guads wetter hebt, soll aich vergend sei.

    also a grißla aus am schwobaland, wenns au net ganz richtig gschrieba isch, soll jo no de heimisch glängle vermittla.

    viele grieß au von petra

    bernd

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