* Užupis (2)

Wie berichtet hat man von der Terrasse des Tores einen herrlichen Blick über die Altstadt. Besonders im Winter, da fehlen die Blätter an den Bäumen. Aber da sitzt man nicht draussen…

So jedenfalls bietet sich der Blick im August an einem Sonntagnachmittag, und so erfreut er auch alle Touristen, die abendlich hierher zum Essen ausgeführt werden.

Mit einer solchen Gruppe war auch unsere litauische Freundin drei Abende später hier oben. Und deshalb sassen wir am Mittwoch abend wieder im Tores auf der Terrasse, um sie zu treffen. Auch dieses Wiedersehen war umkränzt von je einem Spaziergang durch die Altstadt; bei Nacht diesmal.

Nach diesem Einschub zurück zum Sonntagnachmittag.

Nochmals zum Ausblick auf den Bildern oben: Baukräne sollten geflissentlich übersehen werden. Erstens wird in Vilnius generell gebaut, gebaut, gebaut. Und weil Vilnius 2009 Europäische Kulturhauptstadt sein wird, laufen überall die Restaurations- und Reparaturarbeiten auf Hochtouren. Wir fühlen uns ähnlich wie im vorolympischen Athen 2003/2004: Nichts wird fertig. Apropos »renovieren«: Ich werde noch darauf zurückkommen, ein andermal…

Auf der Terrasse also wildes Treiben: Rasa, Ievas Schwester, hat eine neue Kamera zum Geburtstag bekommen und so werden die flashcards gefüllt, was das Zeug hält.

Ja, und in dem Zusammenhang…

…wäre dann auch zu erklären, warum man das Vanilleeis mit Ananas und Pfeffer am besten zweimal bestellt. Sie ist ganz einfach, die Erklärung: Weil es so saumässig gut schmeckt.

Das finden auch die Wespen, die es jetzt ständig und überall sofort gibt. Sobald man sich ermattet setzt und entspannt – entspannen will…

Wenn man das Tores verlässt, wird man unmissverständlich darauf hingewiesen, wass Sache ist:

Auf Wiedersehen ... Morgen!

Auf Wiedersehen … Morgen!

Auf dem Weg zurück dann wieder Motiv neben Motiv.

Wenn man Užupis dann verlässt, wird man kurz vor der Brücke über die Vilnia, vor dem gefährlichen Schritt ins »feindliche Ausland«, auf die Gefahren dort draussen hingewiesen. Und wie Užupis so daliegt, hinter der kleinen Vilnia, die der Stadt den Namen gegeben hat, das zeigt das Bild daneben.

Warum dieser kleine Fluss…

…, die Vilnia, dieser Stadt den Namen gegeben hat, wo sie doch nach ein paar hundert Metern in den wesentlich mächtigeren Neris mündet – das weiss wohl keiner so genau. Jedenfalls lieben die – insbesondere jungen – Vilnianer ihre Vilnia. Und alte Liebe rostet oder auch nicht, aber sie scheint zu halten.

Die Vilnia fliesst für sie alle…

Was einem in der Užupio Res Publika

…an witziger künstlerischer Freiheit auf Schritt und Tritt begegnet, an Harmonie und Ruhe, das steht im fast krassen Gegensatz zu dem, auf was man trifft, wenn man – wieder im »normalen Vilnius«, ein paar Schritte weiter geht.

Dort, neben der St. Anna-Kirche (die Napoleon bei seinem Durchzug nach Moskau die »Notre Dame de Vilnius« genannt haben soll), steht ein Nationalheld aus Stein, der Dichter Adomas Mickevičius. Ein litauischer Volksheld. Sagen die Litauer. Adam Mickiewicz ist polnischer Volksdicher. Sagen die Polen.

Darüber könnte man streiten. Aber sie haben beide recht. Und sie wissen es. Darüber vielleicht ein andermal.



3 Antworten zu “* Užupis (2)”

  1. [...] and instantly she came with a real barrage fire of photos without any delay. So, this was just a year ago. [...]

  2. [...] und schon überschwemmte sie uns mit einer Bilderflut ohne Unterlass. Das also war vor gerade mal einem Jahr. [...]

  3. Petra sagt:

    Hallo ihr Beiden,
    es macht immer wieder Spaß eure Reiseberichte zu lesen.
    Es ist ein wahrer Fortsetzungsroman. Bin auf die nächsten Seiten gespannt. Ukraine! So wie es aus sieht habt ihr ja im Großen und Ganzen richtig tolles Wetter da oben.
    Also bis bald.
    Petra

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