* Wenn die Störche…

…das Fliegen üben, hoch am Himmel am Morgen die Thermik suchen, wenn die winzigen Jungfrösche, deren Eltern mittlerweile – wenigsten zum Teil – in den Bäuchen eben dieser Störche verschwunden sind, über den Sandweg hüpfen, wenn Teichrosen und Froschlöffel verblüht sind und sich die Rohrkolben wie Riesenzigarren am Ufer »meines« Sees zeigen und das letzte Reiterturnier vor dem Schulbeginn vorbei ist – dann wird es Herbst.





Und wie Störche sich für den Flug in den Süden rüsten, so rüsten auch wir uns… — Ach klingt das ramontisch!

Ok., wir fahren morgen früh los.

Das sind die Fakten. Es geht zunächst durch Ostpolen nach Süden und bei der erstbesten Gelegenheit in die Ukraine nach Khmelnitsky, wie in den beiden letzten Jahren (und hier).

Von dort geht es weiter nach Satu Mare, knapp an Ungarn vorbei, nach Nordrumänien und weiter nach Süden. Wir besuchen Klöster und Burgen, alte ehemals deutsche Städte. Irgendwann geht es mit der Fähre über die Donau, weiter nach Bulgarien und über die Rhodopen nach Nordgriechenland.

Und dort erhoffen wir uns besseres Wetter als das letzte mal, 2006, für die Meteoraklöster. Ja, und der Rest ist dann schon fast Routine: Fahrt nach Athen und Piräus, Tickets kaufen, Fähre nach Naxos…

Aber vorher…

…noch ein paar Eindrücke aus Raudondvaris, dem Ascot Litauens 😉 . Hier dominieren nicht die wagenradgrossen Hüte der Aristokratie sondern das familiäre Leben: Es ist ein kleines Volksvergnügen, vielleicht 50, 60 Gäste, finanziert i.W. aus Sponsorengeldern.

Zuschauer





Nicht immer gelingt der Sprung – manches Pferd verweigert schlicht die Arbeit. Die Zuschauer freut die Unterbrechung der routinemässigen Hopserei. Mit grossem Hallo wird kommentiert.



Man staunt immer wieder: Das Alter der erfolgreichen Reiter scheint keine Rolle zu spielen – von souverän siegenden kleinen Mädchen bis zu fast schon behäbigen Herren gesetzten Alters ist alles vertreten.



Die Sponsoren selbst ehren dann die Sieger mit Pokal und Geschenken und ihre Werbung hängt z.T. an den Stallwänden. Der Wirt des Restaurants von der anderen Seeseite kommt mit dem Lieferwagen und reicht zum Mittagessen Cepelinai (oder hier).



Abends sassen wir dann u.a. mit ihm und seiner Partnerin »in the stable« im Innenhof, Speck, Gurken, Tomaten, Salami auf dem Tisch – und »holiday water«, das letzlich Wodka auf Traubenbasis ist, Brandy und und und… Der litauische Standardset. Am Ende ist blau, wer nicht über ausreichende Körperfülle verfügt und/oder nicht rechtzeitig aufgehört hat. Alles in Fröhlichkeit und Harmonie, auch wenn der Georgienkonflikt auftaucht, die Furcht vor einem dritten Weltkrieg und der schon fast vorwurfsvollen Sichtweise der Litauer – »nicht vergessen, wir haben es dort mit Russland zu tun«. Und da haben die Balten hinreichend schmerzliche Erfahrungen; immer noch!

Geburtstagsfeier

Gestern Abend war Geburtstagsfeier

Vincas Civinskas, der Vater unserer Freundin wurde 65. Angefangen hat die Feierei eigentlich schon kurz vor Mitternacht des Vortages, als wir vom Gelage im Stall zurückkamen. Da sass schon ein Teil der angereisten Verwandschaft beim Ledo, dem 40%-igen Geist in der Flasche. Wir haben noch mitgehalten bis kurz nach Mitternacht, um die ersten zu sein, die ihm zum Geburtstag gratulierten – samt Übergabe unsere Präsents, Stendhals »Kartause von Parma« auf Litauisch; erstaunlich, was doch alles übersetzt wird in dem so stolzen und doch so kleinen 3,3-Millionen-Land.

Ja, und diese Gelage und die competition, die harte Arbeit für ihn ist (Parcours ausdenken, aufstellen, abmessen, Schiedsrichter…), das alles bewältigt er mit stoischer, schelmischer Ruhe, der »senēlis«, der Grossvater…



Während Tochter, Sohn und die Enkel reiten und Preise einheimsen; Ehrensache, wenn man diesen litauenweit bekannten Trainer zum Vater resp. Grossvater hat…





Links:

Technorati Tags: , , , , , , , , , , , ,

Dieser Beitrag wurde unter Bücher, Lesen, Foto, Kultur + Gesellschaft, LT, Politik, Reisen, Rund Europa 2008, RUS veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar