* Rund Europa 2008, 2. Etappe – 2. Tag: Chelm – Khmelnitskyi (2008-08-26)

In Chełm starteten wir nach einem (für mich) schmalen Frühstück: 2 Joghurt mit Cornflakes, mehr ging nicht – der Tee schmeckte tranig…

Wir wollten die Gegend um Kovel erkunden. Dort irgendwo spielt wohl die absurd-schöne Suche nach der Vergangenheit in Jonathan Safran Foers »Alles ist erleuchtet«. Also nördliche Route durch die Sümpfe. Was wirklich so ist – später…

Zunächst: Grenzkontrolle

Wir hatten ausser langen Wartezeiten von der Ukraine nach Polen nie Probleme. Warum dann nicht mal ein verschärftes? Also: Die Polen lassen uns warten, Stempel werden hin und her getragen zwischen den Kabinen, das flotte schwarze Polenmädel hat’s nicht eilig, trotz extra Durchgang für EU-Bürger. Sie will nach dem Studium der Kfz-Zulassung die Fahrgestellnummer sehen. Sie steht nach unserer Kenntnis beim Twingo nicht irgendwo unter der Motorhaube sondern am Türrahmen, Beifahrerseite. Sie schaut und geht. Irgendwann kommt ein freundlicher junger Zöllner mit Englischkenntnissen. Sorry, meint er, in der Zulassung sei die Wagenfarbe »braun« angegeben, unser Auto sei aber silber (»nebelbraun« nennt das Renault, glaube ich). Seine Kollegin nehme das wohl etwas zu genau, wir mögen Geduld haben. Ob wir den Wagen umgespitzt hätten? Haben wir nicht, es ist derselbe Wagen wie ein Jahr zuvor an der selben Zollschranke!

Nochmal nach einer Weile kommt ein anderer Kollege und kratzt mit seinem Schlüssel irgendwo unter Lis‘ Sitz herum. Dort findet er, was er sucht: Die Fahrgestellnummer auf dem Rahmen, unter dem Teppich…

Uff!

Papiere zurück, alles in Ordnung. Schreck, lass‘ nach! Und Tschüss. Weiter zum ukrainischen Zoll, ein Zettelchen mit Autonummer, von einem »Vorposten« ausgestellt, samt auszufüllendem »Passierschein« werden uns ausgehändigt. In der Schlange irgendwo einreihen, ausfüllen. Stempelchen auf Zettelchen sammeln. Und durch, problemlos, obwohl offenbar Lis‘ Passfoto nicht mehr ihrem aktuellen Habitus entspricht; jedenfalls mustert die Zöllnerin sie eingehender als mich.

Die Strasse nach Kiew,…

…auf der wir nun fahren, einzige Transitstrasse, ist in jämmerlichem Zustand, jedoch nicht stark befahren. Die LKW stehen auf polnischer Seite auf ca. 10 km. Gegenüber letztem Jahr aber haben sie die Seiten gerodet, Pappeln, Weiden und Erlen sind weg, die pechschwarze Erde aufgerissen, aufgewühlt und grossteils voller Wasser – Sumpfgebiet hier. Aus diesem Grunde besteht auch die Landschaft ringsumher aus pottebener Brache, grün und gelb von der Goldrute, die hier in teils riesigen Flächen für Farbe sorgt.

Ok., die fast 600 km nach Kiew werden wohl nicht mehr fertig dieses Jahr… Die Arbeitsweise, verglichen mit dem, was in Vilnius mittlerweile Standard ist, unterscheidet sich schon sehr.

Kovel…

…ist mangels jeder Vorstellung und Erwartung eine unerwartet quirrlige Stadt. Wie durchwandern den lokalen Markt, Container und Hütten unter freiem Himmel, wir fühlen uns an den Sonntagsmarkt vom Khmelnitskyi vor zwei Jahren erinnert. Die Bevölkerung versorgt sich dort mit allem, Läden gibt es ansonsten keine.

Markt in KovelMarkt in Kovel

Markt in Kovel

Markt in Kovel

Markt in Kovel

Markt in Kovel

Markt in Kovel

Kirche in Kovel

Kirche in Kovel

Luzk

Die Pracht und Vielfalt dieser Stadt hat uns umgehauen. Klein-Minsk. Prachtbauten, eine Universität, Boulvards, Strassencafés, eine Wucht.

Boulvard de Luzk

Universität in Luzk

Universität in Luzk

Luzk, Buchhandlung

Luzk, Café Rose

Luzk, Rose Café

Luzk, Café Rose

Und ein paar Kilometer weiter: Der Kontrast könnte nicht grösser sein: Geduchte Holzhäuschen, blumenreiche kleine Vorgärten – aber ärmlich, traurig.

Galizische Landschaft

Wäre die Blumenpracht nicht, die in Pfützen, Bächlein oder Tümpeln badenden Gänse und Enten, die alten Leutchen auf der Bank vor dem Haus, radfahrende und tollende Kinder, man würde trübsinnig werden ob dieser Armut. Die Landschaft: weite Brachflächen und abgeerntete Getreidefelder, die dann in der späten Abendsonne wie goldene Polster links und recht bis zum Horizont reichen. Leute, hinfahren!

Rivne

Neben vielen, vielen Dörfern die letzte grössere Stadt auf unserem Weg nach Khmelnitskyi, wo wir von Viktor und Svitlana erwartet werden. Erst ca. 15 km vor Rivne wird es hügelig. Alles bisher war flach, 200 m +/- 20m. Jetzt geht es auf 300 m und im Schuss bergab. Teilweise ein echtes Kunststück bei den Strassen…

Galizische Dorfkirche

Zungenbrecher: Wie heisst der Ort?

(Panorama: 7,8 MB)

Reisestatistik

Tagesleistung 2008-08-26: 455km 07:05h 03:32h 116km/h 64,2km/h 42,8km/h

GPS Track Logs_2008-08-26_Chelm-Khmelnitskyi.kml

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