* Noch mal was zu Albanien

Wer der völligen Unkenntnis über Albanien entkommen möchte, für den ist sicher das Büchlein Nach Albanien – Bericht einer Reise. von jörg dauscher [er mag's gern klein :-) ] der richtige Einstieg. Für diejenigen, die Albanien kennen, ist es hingegen eine gelungene Wiedersehenlektüre.

Albanien in die EU?

Das Land will bis zum Sommer diesen Jahres ja einen Bewerbungsantrag zur Aufnahme in die EU stellen. Was auf der einen Seite nur logisch ist (der restliche Balkan wird konsequenterweise irgendwann ja auch noch folgen müssen), wirft andererseits natürlich die selben wirtschaftlichen und korruptions-politischen Fragen auf wie dies bei Bulgarien und Rumänien der Fall war und ist; dazu kommt noch die religiöse Komponente, denn mit Bosnien-Herzegowina, dem Kosovo und Albanien erwachsen uns Integrationsprobleme, die wir zwar heute auch schon haben, die aber mit der Aufnahme der Türkei (die ich für ebenso konsequent und richtig halte, denn wer will seine Wiege schon im »Ausland« stehen haben…) dann ihren Höhepunkt erreichen würde.

Für unseren bayrischen Papst ein genügend weites Feld zum Weiterholzen, auch wenn viele Hänge entlang der Adria ja schon sehr kahl sind. Aber er wird ganz sicher immer noch ein Hälmlein finden, das er aussreissen und herbarmässig in sein Gebetbuch einlegen und in seine Fürbitte um unerbittliche Missionierung einschliessen kann. Und nachdem er in Afrika sein medizinisches Wissen so hemmungslos hat auslaufen lassen wäre nun mal wieder Europa dran; wir fühlen uns sonst nicht ernst genommen. Etwas Unfehlbarkeit wollen auch wir abbekommen. Man fragt sich ja mittlerweile fast schon wieder, ob sich die Sonne nicht doch – wer weiss, bei dieser päpstlichen Gradlinigkeit ins Lächerliche überlegt sie sich’s ja vielleicht, damit er wenigstens einmal Recht hat.

Aber nochmal zum Balkan

Gelungene Literatur zum sich »Einleben« und -lesen wäre auch Apostoloff von Sibylle Lewitscharoff, einer deutschen Bulgarin, die uns auf eine ätzende Autofahrt mit nach Bulgarien nimmt, ehe wir vielleicht selbst ins Auto steigen. Und wer es dann vielfältig weiter vertiefen will, dem seien Die Hunde von Plovdiv ans Ohr gelegt (die Rezensionen bei Amazon lohnen gelesen zu werden). Als wohltönender empfinden andere vielleicht Das Klavier im Nebel. Da wären wir dann in Siebenbürgen in Rumänien. Und von dort ist es dann nur noch ein Katzensprung in die Ukraine zu Juri Andruchowytsch (der mit Mein Europa wieder was zum ursprünglichen Thema zu sagen hat) und zu Andrzej Stasiuk, noch eine Windung skuriler.

Als letzten Schritt…

…für heute empfehle ich dann den nach Belarus, wo Artur Klinau über Minsk, die Sonnenstadt der Träume auf eine Art schwärmt, die einem den überlebten aber doch eben auch überlieferten Sozialismus so herrlich nahe bringt. Wer dann noch mag, kann sich ja daran anschliessend noch an meinem 19-Stunden-»Horrortrip« durch Weissrussland ergötzen.

Schöne Reise!

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