71.692 ignorante Kinderschänder…

…habe bis Montag, 11.05.2009, 18:09:47 (deutsche Zeit) die Online-Petition von Franziska Heine gegen den schlampigen und unnützen Gesetzentwurf i.S. BKA-Filterlisten gegen Kinderpornografie gezeichnet.

Mittlerweile hat sogar die Presse in Teilen kapiert bzw. widerwillig anerkannt (jedoch nicht z.B. DER FREITAG), um was es hier geht. War vor Tagen noch von »sogenannter Onlinepetition« die Rede (tagesschau), wurden noch die unqualifiziertesten Regierungsmäuler an die öffentlichen Mikrofone gelassen (v. Guttenberg z.B.), so wird die Sache doch offizieller und ernster als die Regierungskloakisation – ‘tschuldingung: -koalition – sich das erhofft hatte.

Über den praktischen Erfolg sagt das aber leider noch nichts aus. Wie u.a. F!XMBR in diversen Beiträgen nachvollzieht, haben wir es ja (was wir aber wissen!) mit der mittlerweile fast ekelhaften Arroganz unserer Volksvertreter zu tun. Ein gutes Beispiel ist Herr Wiefelspütz, der hier nochmals exemplarisch aus dem Abgeordnetenwatch zitiert sei, und wir dürfen der grundfesten Überzeugung sein, dass er nicht volltrunken war, als er sich so äusserte:

Sehr geehrter Herr Hipp,

was soll denn ein “Computer” sein, was soll “Internet” sein?

Ich habe diese Begriffe noch nie gehört oder gelesen. Ich stamme nämlich aus dem vergangenen Jahrtausend.

DNS, TLD, GAGA, GOGO, TRALAFITTI oder was?

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Dieter Wiefelspütz, MdB

oder

Frage:

Sehr geehrter Herr Dr. Wiefelspütz,

im Kölner Stadtanzeiger haben Sie die Maßstäbe der Internet-Gemeinde, welche die Petition gegen eine Sperre und Indizierung von Internetseiten gezeichnet hat, als “teilweise undifferenziert” bezeichnet und darauf hingewiesen, dass das Gesetzgebungsverfahren dadurch nicht beeinträchtigt werde.

Mir stellt sich nun die Frage, welches Verständnis Sie von Demokratie haben (Artikel 20 GG) und wie Sie zu der Annahme kommen, dass Sie als Jurist über mehr Fachverstand und eine differenziertere Sichtweise verfügen?

MfG

09.05.2009

——————————-

Antwort von Dr. Dieter Wiefelspütz

Sehr geehrter Herr Ebert,

ich habe mich im Kölner Stadtanzeiger klar, allgemeinverständlich und deutlich geäußert.

Sie können in der Sache gerne anderer Meinung sein.

Wo steht, daß ich mehr Sachverstand als andere habe? Wo steht, daß ich Art. 20 GG in Zweifel ziehe?

Sie können es offenbar nicht ertragen, daß ich eine Auffassung habe, die Sie nicht teilen. Ich kann Ihnen nicht helfen. Sie müssen meine Überzeugungen ertragen. So ist das in unserem wunderbaren Deutschland.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Dieter Wiefelspütz, MdB

In wie weit wir Herrn Wiefelspütz an dieser Stelle nun linde Anflüge von Witz, Satire oder Ironie unterstellen dürfen, das mag jeder für sich beantworten. Für mich, der ich diesen Herren auch an anderer Stelle und in anderer Sache immer wieder erlebt habe, ergibt sich kein neuer Sachstand. Wir müssen nur endlich lernen, dass solche Menschen uns allerhöchstens treten. Aber niemals ver. Und Konsequenzen daraus ziehen.

Ein positives Beispiel…

…gibt’s aber auch. Ich hatte ja in meinem letzen Beitrag über die MacWelt hergezogen, die ganz offensichtlich wie SZ u.a. eine mehr als missverständliche dpa-Meldung unredigiert veröffentlicht hatte. Ich hatte den Link als Lesebrief an die MacWelt gesandt und heute diese Antwort per Email erhalten:

Guten Tag Herr Schmitz,

vielen Dank für Ihren Leserbrief, bzw. die kritische Auseinandersetzung mit der erwähnten Nachricht. Allerdings möchte ich Ihnen erklären, dass Sie mit Ihrer Vermutung in Ihrem Blog ganz richtig liegen.

Der Artikel ist nicht abgeschrieben (auch nicht von uns verfasst), sondern stammt 1:1 von der Deutschen Presseagentur (dpa), der größten
ihrer Art in Deutschland. Gelegentlich veröffentlichen wir Meldungen, die von der dpa stammen, so auch in diesem Fall.

Ich teile Ihre Meinung, dass der Bericht nicht deutlich genug macht, dass die Mitzeichner gegen das Instrument der Sperren protestieren und nicht gegen die Bekämpfung kinderpornografischer Inhalte. Wir müssen uns deshalb die Kritik gefallen lassen, dass wir den Artikel in dieser Form veröffentlicht haben.

Die Redaktion hat sich zusammengesetzt und beschlossen, derart missverständliche Formulierungen zu diesem Thema nicht mehr zuzulassen. Wir stehen den geplanten Websperren ebenfalls kritisch entgegen und wollen auch entsprechend berichten.

Mit freundlichen Grüßen aus der Redaktion,

Patrick Woods

So oder ähnlich stelle ich mir Meinungsaustausch und Kommunikation vor, Damen und Herren Guttenleyenspütz etc. päng-päng.

Links:

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Eine Antwort zu “71.692 ignorante Kinderschänder…”

  1. Reinard sagt:

    Nur um es festzuhalten: Sonntag, 24.05.2009, 13:34:04, haben wir 93.000 Mitzeichner.

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