* Keine Grossparty…

…anlässlich unserer 25-Jahre-Naxos-Reise. Gesponnen hatten ich ja von einer grossflächigen Seebühne im alten Hafenbecken mit Verbindung zur »Kircheninsel«,

Grossfeuerwerk und so. Aber wie das so ist mit grossen Träumen: Wird meist nichts draus 😉 Stattdessen: Sturm, zuweilen Regen, zu ungemütlich für Freilichtbühnen.

Nein, im Ernst: Die drei Wochen sind rum wie nichts, wir hatten wunderschöne Herbsttage, zuletzt aber eben dieses hartnäckige Tief, das sich über Griechenland festgekrallt hat. Aber Strandspaziergänge am Morgen sind in luftiger Kleidung möglich. Das Meer, vom steifen Nordwind in die Bucht getrieben, holt sich gerade wieder so ein, zwei Meter der von Touristen kaputt und niedergetrampelte Dünen. In der Tat, da wo der Pfad auf den Dünen verlief für all die, die sich keine nassen Füsse holen mochten, genau da – wie mit dem Messer geschnitten – bricht jetzt die Düne ab und wird von der Brandung abgetragen. Da auf den Abschnitten teilweise Jahrzehnte alte Tamarisken und Strandwacholder samt der Strandhütte der Surfer mit sterben, darf man getrost davon ausgehen, dass das keine »natürlichen« Vorgänge sondern dass sie menschengemacht sind. Wie viel Zerstörung und Verwüstung hier (und anderswo…).

Es wird einem dann sehr bewusst, dass es mittlerweile wohl keinen Fluchtort mehr gibt, an dem einen die »Segnungen« der Zivilisation und des blind-biederen Massentourismus nicht einholen – letztendlich. Und sei es auch nur in Form EU-gestützter Fehlinvestitionen bzw. skandalöser Einladungen zum »Geldabheben«. Hier auf Naxos hat das System kleinere Dimensionen, aber weniger als eine gute Handvoll mehr oder weniger honoriger Naxioten bestimmt auch hier, wo’s lang geht…

Am OCHI-Tag…

…am 28. Oktober kann man das dann besichtigen und war das auch wieder gut zu erleben: Wer Seit‘ an Seit‘ stand, wer die Kränze am Ehrenmal ablegte und sich mit unsicheren Verrenkungen sprich versucht zackigem Salutieren und Verbeugen der Öffentlichkeit präsentiert.

Das enge Verhältnis zwischen Kirche und Staat z.B. ist weitaus inniger als dass es einem keinen Schauder im Kreuz erzeugen würde.

Die Türkei ist hinsichtlich einer sauberen Trennung da wohl weiter, das wissen Merkel und die anderen »Partnerschaftler« möglicherweise nicht…

Und nach vor marschieren die Schülerinnen und Schüler der Insel, angetrieben von Trillerpfeifen blasenden Lehrern.

Der national-martialische Aufmarsch, die Kränze, der Schmuck an den Laternenmasten und am Rathaus –

das alles berührt immer wieder auf eigentlich unbehagliche Weise. Aber für uns ist das eben Griechenland. Und für die Griechen selbst zum grössten Teil normal. Die Eltern, Onkel und Tanten stehen am Strassenrand, sind stolz und klatschen Beifall, wenn der Filius vorbeimarschiert und dabei versucht, die Arme irgendwie so zu schwingen, dass es männlich aussieht; es ist aber mehr ein Geschlenkere. Aber das gilt eben nicht für alle Griechen. Man hört auch von mnchen Töne vollständiger Ablehnung und des Spotts. Ja, eines gewissen Langmuts bedarf’s zuweilen, aber dann fühlt man sich hier völlig zuhause.

Morgen früh bringt uns die Fähre…

…zurück nach Piräus, in der Hoffnung, das der Wind unter neun Beaufort bleibt. Im Ticketoffice hat man uns heute morgen geraten, nicht erst Sonntag zu fahren; es könnte dann zu spät sein um am Montag den Flug nach Stuttgart zu bekommen. Und Freunde raten uns, in Piräus ein Hotel zu nehmen, um die Plaka herum ist es nicht nur zu teuer sondern mittlerweile eben auch lebensgefährlich. Das ist auch neu: vor 25 Jahren musste man im Zentrum allenfalls die Abgase fürchten (temporäre Fahrverbote waren da en vogue), heute ist Plaka und das Rotlichtviertel rund um den Omonia-Platz auch durch direkte Übergriffe gefährlich; illegale Migranten warten nicht nur auf Gelegenheiten, sich irgendwo in Piräus unter einen LKW klemmen zu können. Sie besorgen sich ihren Lebensunterhalt bis dahin auch auf unangenehme Weise, vorzugsweise bei Touristen. Und das wollen wir gern beherzigen.

Ob wir das neue Museum…

…von innen sehen werden, steht in den Sternen. wohl eher nicht; zu voll, zu überlaufen, zu neu… Und naja: Was drin steht, kennen wir eigentlich ja schon. Also werden wir sehen, was wir Sonntag und Montag in Athen so erleben werden.

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3 Antworten auf * Keine Grossparty…

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  2. Reinard sagt:

    @Albert: Wir waren drin, für mich war’s enttäuschen, Lis fand’s schön – die Gescmäcker sind unterschiedlich. Für mich ist das ein Einkaufszentrum mit ein paar Skulpturen…

  3. Albert sagt:

    Bleibt zu hoffen, das ihr als standhafter Teil auch die widrigsten Schiffs- und sonstigen Bewegungen bewältigt und mit dem unbeschadenen Erreichen des einzig wahren „Ländles“ abschließt….
    und wenn ihr ins Museum geht, dann seht zu, das sie euch da wieder raus lassen…..

    Ein Museum ist für mich was anderes. Jetzt fliegen wir erstmal nach Zürich/Stuttgart, dann vielleicht mehr.

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