* Athen bei Nacht

Nach 14 Tagen La Palma bei wunderbarem Spätsommerwetter, vielen Ausflügen und Erlebnissen mit unserer Freundin, die uns beim Herflug begleitet und uns am Dienstag wieder verlassen hat, gibt es natürlich viel zu berichten. Aber zunächst klopft in meinem Hinterhirn immer noch das Versprechen, nach der persönlichen »Vernichtung« des Neuen Museums in Athen noch was Positives nachzuliefern. Mhmm – ob daraus was wird, wird sich zeigen. Unser Internetanschluss bei der Telefonica hat mittlerweile total den Geist aufgegeben und steht uns während des Tages allenfalls minutenweise zur Verfügung.

Ich bin überdies auch schon gefragt worden, was denn nun genau mir am Neuen Museum in Athen nicht gefallen hat; dazu vielleicht ein andermal mehr, aber der Bau alleine, für sich genommen, ist gut gelungen. Als Rohfassung für ein Kaufhaus immer hinnehmbar.

Soviel Positives vorab.

Wo waren wir sitzen geblieben?

Ja, im Café neben dem Museum. Und dort hatte es irgendwann den Anschein zu dämmern und da haben wir uns dann auf den Rückweg gemacht, zurück zum Monastiraki. Auf dem Weg dahin wurden wir nicht nur daran erinnert, dass Athen und Griechenland nicht nur aus diesem Café mit heisser Schokolade bestehen.

5000 Jahre Griechenland

Grafitti  

Es wurde auch immer dunkler. Und ab einer gewissen, immer geringer werdenden Beleuchtungsstärke verwackeln auch alle Fotos aus der freien Hand. Es sei denn, man legt an einer Ecke an. Was ich dann auch tapfer versuchte – zum Wohl der Darstellungsgüte aber zuweilen zu Ungunsten des Bildausschnitts. Das mag verziehen sein, denn das Ergebnis gibt die Stimmung in der Plaka gut wieder.

 

 

 

Neben den umwerfenden Souvenirläden finden sich auch schicke Leder- und ausgeflippte Fetztenlädchen, die jeden etablierten Punk cool jauchzen lassen. Der Herbst beschert uns relativ leere Strassen, so dass man sehen kann was man sehen soll.

Die Lokale sind dürftig bis gar nicht besucht, die »Trümmer« wie stets eindrucksvoll beleuchtet und angestrahlt; die Akropolis erstrahlt in vornehm einfarbigem Licht.

  

Vor zwei Jahrzehnten spielten Farbstrahler um ihre Säulen – jede Disco hätte sich nach diesem Farbenrausch geräkelt.

Akropolis, 1986

Der Monastirakiplatz vor der Metrostation aber ist voller Leben. Allerdings sind es weit mehr Fliegende Händler – fast ausnahmslos Afrikaner – als kaufinteressierte Touristen, die sich dort versammelt haben: Taschen, Taschen, Taschen, Regenschirme, Schmuck, klar.

  

Einige sitzen wieder am Rinnstein, auf Mäuerchen oder einfach mitten auf der Strasse und werfen klatschend glibberige Knetmasse auf ein Brett, wo sie sich kurz wie ein glasiger Kuhfladen ausbreitet um sich dann wieder langsam zum kugelich-glibberigen Ekelpaket zusammen zu ziehen; ein schönes Beispiel für Strukturviskosität, wie ich es für »meine Lehrlinge« vor Jahren hätte brauchen können. Aber warum man ihn kaufen sollte, den Glibber, das erschliesst sich mir den ganzen Tag nicht.

Von Zeit zu Zeit zieht einer der Jungs die vier Ecken seines Leintuch-Ladentisches zusammen, schwingt sich das Riesenpaket auf die Schulter um es an anderer Stelle wieder abzusetzen und seine Habe wieder auszubreiten: Taschen, Taschen, Taschen… Ein vordergründig sinnloses Tun. Aber ich vermute, dass in Athen hier auf dem Platz zu sitzen besser sein muss als irgendwo in einem verlassenen Dorf mitten in der afrikanischen Savanne.

Abfüttern vor Ort

Dass man in einer Taverne hier am Rand des Platzes nicht erwarten kann, dass ausser Touristen abkassieren irgendetwas passiert, das wissen wir. Aber man kann von hier so schön zuschauen, was da draussen abgeht. Lis isst ihre Suvlaki, ich lasse den einkalten so genannten Choriatiki oder Bauernsalat stehen. Die Eiseskälte der Tomaten und Gurken ist die einzige Reizung im Mundraum.

Zuletzt wieder in Piräus…

…in »unserer« Strasse. Natriumdampflicht, Autos, Betrieb, Strassenhändler auch hier vor der Metrostation, um deren »Marktstände« herum wir uns den Weg zum Hotel bahnen.

Ja, Athen bei Nacht. Eine Disko haben wir weder gesucht noch gefunden oder gar besucht. Enttäuscht?

Alle Bilder und mehr gibt’s auf Picasa:

From Athens At Night – November 2009

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3 Antworten auf * Athen bei Nacht

  1. Pingback: Von Mir Nix & Dir Nix » Blog Archiv » * Das Neue Akropolismuseum…

  2. Reinard sagt:

    @Günther: Klimaveränderung? Extrem heiss hier im Sommer, bisher kein Regen auf der Westseite von La Palma, der Garten verdorrt. Strassenprobleme? http://noasfalto.wordpress.com, eine angedrohte und unsinnige Autobahn und eine ebensolche Brücke über die Caldera – Sorgen genug hier!

  3. Günther Schäfer sagt:

    Lieber Reinard,
    ja, einerseits kam mir Athen in einem Deiner letzten Berichte vor wie ein Monster, vor dem man Angst haben muss. Jetzt ist Dein Bericht eigentlich ganz sympathisch. Das Museum muss man, glaube ich, nicht unbedingt betreten haben.
    Dass Euch die Telefonica im Stich lässt, bemerkte man am langen Schweigen deiner blogs.
    Natriumdampflicht – wer kennt den Begriff noch ? Erinnert mich an den Chemieunterricht.
    Weißt Du, irgendwie beneide ich Euch um Eure tollen Erfahrungen und vor allem um die Wärme, die Ihr habt. Wobei es bei uns auch noch ausnahmsweie 13°C hat. Da würdest Du sicherlich gleich einen „Erguss“ loslassen über die Klimaveränderung – China- Indien – Amerika im Vergleich mit Dt., das ja als Musterland alles „Super“ erfüllt. Bei uns in BW wird jetzt diskutiert über Straßenmaut. Dieses Problem gibt es auf La Palma garantiert nicht.
    Gruß Günther

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