Ist seit 1880 »schon immer«?

Aus aktuellem Anlass ein bisschen Recycling:

Bis zum heutigen Tag gibt es so etwas wie eine unabhängige Presse in der Weltgeschichte nicht. Sie wissen es und ich weiß es. Es gibt niemanden unter Ihnen, der es wagt, seine ehrliche Meinung zu schreiben, und wenn er es tut, weiß er im Voraus, dass sie nicht im Druck erscheint. Ich werde jede Woche dafür bezahlt, meine ehrliche Meinung aus der Zeitung herauszuhalten, bei der ich angestellt bin. Andere von Ihnen werden ähnlich bezahlt für ähnliche Dinge, und jeder von Ihnen, der so dumm wäre, seine ehrliche Meinung zu schreiben, stünde sofort auf der Straße und müsste sich nach einem neuen Job umsehen. Wenn ich meine ehrliche Meinung in einer Ausgabe meiner Zeitung veröffentlichen würde, wäre ich meine Stellung innerhalb von 24 Stunden los. Es ist das Geschäft der Journalisten, die Wahrheit zu zerstören, unumwunden zu lügen, zu pervertieren, zu verleumden, die Füße des Mammon zu lecken und das Land zu verkaufen für ihr tägliches Brot. Sie wissen es und ich weiß, was es für eine Verrücktheit ist, auf eine unabhängige Presse anzustoßen. Wir sind die Werkzeuge und Vasallen der reichen Männer hinter der Szene. Wir sind die Hampelmänner, sie ziehen die Strippen und wir tanzen. Unsere Talente, unser Fähigkeiten und unser ganzes Leben sind Eigentum anderer Menschen. Wir sind intellektuelle Prostituierte.

John Swinton, Doyen der amerikanischen Presse
und einstigen Redaktionsleiter der „New York Times“, 1880

Swinton sagte das vor dem New Yorker Presseclub, im Jahre 1880. Das war vor der digitalen Umgestaltung des Zeitungswesens und vor der ersten und aller folgenden Wirtschaftskrisen. Demnach ein Naturgesetz? Oder nur der Beleg dafür, dass der Mensch eben einfach an gottgegebenen Amnesie leidet?

Links:

Nachtrag:

2010.05.02, 17:43 :: Matthias Spielkamp über Brain Drain in Verlagen :: „Journalisten nicht wie Bittsteller behandeln“

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1 Antwort zu Ist seit 1880 »schon immer«?

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