* Europa2010: 8. Tag, Gizycko – Raudondvaris

Mittwoch, 04.08.2010, 14:17:03 :: Raudondvaris, Bilder Boyen
Montag, 12.07.2010, 21:00:39 :: Raudondvaris, hinterm Bokštas
Freitag, 27.08.2010, 11:22:04 :: Odessa, Picasa-Galerie

Wir können den eingesparten Tag anderweitig verbraten: Da wir Danzig ausgelassen haben sind wir gestern einen Tag früher in Raudondvaris, dem Endepunkt der ersten Etappe angekommen. Heis war es wieder und herzlich der Empfang.

Festung Boyen…

…stand am Sonntag morgen nach einem äusserst reichhaltigen Frühstück als erstes an. Diese riesige preussische Festung südlich von Gizycko, 1847 – 1855 erbaut, findet nur, wer weiss, dass es sie gibt. Der erste Anlauf führte uns an die »Hintertüre«…

…von wo wir auf polnisch wohl zum Haupteingang verwiesen wurden. Was anderes konnten die Worte und Gesten nicht bedeuten. Den fanden wir nach kurzer Irrfahrt auch. Dann aber ist man erst mal erschlagen.

Weniger wegen der Sonne, die einem bereit am Morgen unbarmherzig den Schädel samt Anhang erhitzt, sondern der schieren Gigantomanie wegen, die die Preussen hier in Ziegelstein haben Wirklichkeit werden lassen. Nur ein kurzer Rundgang genügte als Eindruck. Wer an Militaria Gefallen findet kann hier mehr als ein Wochenende verbringen.

Wir haben ja bereits viele Festungen gesehen, angefangen bei den griechischen oder das venezianische Methoni im Südwesten der Peloponnes (hier in Wikipedia), wirklich monumental waren z.B. auch Slavonski Brod, Niš. Die Burgen in Siebenbürgen sind dagegen fast Puppenstuben. Da die Festung Boyen aber erst in moderner Zeit (19. Jh.) erbaut und nie eingenommen wurde, ist sie eben in fast allen Teilen erhalten und vermittelt so eher einen präzisen Eindruck als die üblichen »Trümmerfelder«. Offensichtlich »beeindruckt« das den Wahnsinn unmittelbar deutlich. Nicht zuletzt auch, mit welcher Liebe zum Detail gemauert und verziert wird, wenn es doch nur um Leben oder Tod und grässliche Bedrohung geht. Gedanken an die Wolfsschanze werden wach, die wir 2002 ebenfalls bedrohlich und gigantisch erlebten und die gar nicht so weit entfernt im Wald liegt und deutlich mehr Busse anzieht als diese Festung. »Würde- und ehrenvoll« zu verrecken und niedergemetzelt zu werden scheint doch eine zutiefst männliches Verlangen zu sein…

Der Rest des Weges

Ansonsten fuhren wir bekannte Strassen, erkannten schon Gesehenes wieder, freuten uns über die immer zahlreicher werdenden Storchennester…

…und ihre Insassen. Die Eltern sind entweder zur Futtersuche ausgeflogen und staksen über die Wiesen,…

…während die Jungen unbeweglich auf den Nestern stehen und auf Nahrung warten. Oder die Eltern erteilen verzweifelt Flugunterricht, indem sie mit den Flügeln schlagen und schwebend neben oder über dem Nest verharren: »Nun los, macht’s nach!« soll das wohl bedeuten.

Der Mais, von dem wohl viele Bauern leben, ob als winterliches Futter für das Vieh oder als Garnierung für unsere Standard-Gaststätten-Salate: Er steht miggrig auf den öden Ackerböden, zu klein wohl um noch das zu werden, was man von einer ausgewachsenen Maispflanze erwartet – 1,80m und aufwärts… Vor Jahren fuhren wir hier im September an kilometerlangen, völlig vertrockneten Feldern nach Deutschland zurück. Ob es wieder so wird?

Fast alle Dörfer schmücken sich mittlerweile mit der zweifelhaften Einheitsschönheit der »Euro-Gehsteige« aus Standardkunststein, wie man wohl mittlerweile überall in EU-Land mit Hilfe der Brüsselschen Giesskanne alles zupflastert, was einmal liebenswerte Zufälligkeit und Individualität war; man hätte den armen Dörfern sicher auch anders zu matschfreien Gehwegen in ihren Dörfern verhelfen können, inklusive lokaler Arbeitsplätze. Aber das ist wohl nicht der Sinn von EU-Subventionen. Weder hier noch auf La Palma. Aber das wäre dann ein weiteres Thema. So manifestiert sich Europa allüberall u.a. durch standardisierten Einheits-Strassen- und Gehsteigbau. Selbst die Radwege kennt man nicht mehr auseinander. Von den Leitplanken ganz zu schweigen…

Auf den kleineren, noch nicht renovierten Nebenstrassen haben die LKWs zwei Arten von Rinnen gegraben: Schmale, das waren wohl die älteren, kleineren Mehrtonner und die breiten, das sind diese 5-achsigen Wahlfangmutterschiffe, die die Häuslein erzittern lassen, wenn sie vorbei donnern. Man ist fast geneigt, das Steuer los zu lassen und in den Rinnen wie auf Schienen weiter zu fahren. Aber man lässt das wohl besser und widersteht der Versuchung dieses präelektronischen Leitsystems.

Unser Ziel:

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7. Tag | 9. – 11. Tag

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5 Antworten auf * Europa2010: 8. Tag, Gizycko – Raudondvaris

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  4. Winfried sagt:

    weiterhin gute Reise und viele interessante Eindrücke!

    Winfried

  5. Günther Schäfer sagt:

    Das Riehausener Storchenpaar mit „Kind“ ist auch noch da. Wir waren am „Lenge“ und haben es wieder entdeckt.
    Heute hat es geregnet. Nicht viel, aber das macht 10 °C aus. Uff !! Eine Erleichterung. 2003 war der letzte ebenso heiße Sommer.

    Macht’s gut.
    Grüße Günther

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