* Europa2010: 18. Tag: Randvere-Kargi (Saaremaa)

Mittwoch, 21.07.2010, 23:18:35 :: bei Kargi, im Süden von Ösel, tief im Wald

Wie wir gestern auf Saaremaa (ich schreibe zuweilen Ösel, den deutschen Namen, der ist kürzer…) gelandet sind, wie ich zum Leistungssportler wurde, wie wir Ülle Parga kennen gelernt haben und wie die Meteora-Klöster auf die Insel kamen – all das ein ander Mal, wenn wieder mehr Zeit ist. Und vor allem: Ein hinreichend schnelles, funktionierendes Internet. Denn Estland und Technik hinj oder her: So ganz klappt’s doch noch nicht überall.

Heute durchschweiften wir Ösel

Die grösste der estnischen Inseln (eine andere kennen wir noch nicht) ist einerseits anmutig gelassen und ruhig. Wenige richtige Dörfer oder gar Städte durchfährt man. Wald dagegen fast nur, zuweilen unterbrochen durch heideartige Brachen, irgendwo im Wald oder hinter hohen Hecken versteckt liegen die Häuser, oft sich nur durch einen Briefkasten vorne an der Strasse verratend. Asphaltiertes wechselt mit Sand- und Kiespisten; Wo laut Karte Kies kommen soll, ist wunderbar asphaltiert; umgekehrt aber leider auch.

Diese zuweilen als Eintönigkeit erlebte kilometerlange Naturbelassenheit wird unschön unterbrochen, wenn man Kuressaare erreicht, die Hauptstadt und offenbar Schicki-Micki-Zentrum. Aber nach der ersten Flucht aus dieser mit üblichen Café-, Fress- und Shoppingmeilen versehenen Stadt, die in den wenigen Nobelhotel keine Zimmer mehr frei hat, haben wir uns heute Abend nach nochmaligem Studium der Reise- und Touristikunterlagen doch entschieden, morgen einen Rundgang zu wagen; es sind Kammermusiktage und touristische Hochsaison, wir verzeihen der Stadt und kehren nochmal zurück…

Der Bischofspalast und die schönen alten Häuser reizen uns dann doch.

Sehenswertes

Ansehen soll man sich ja vieles, wenn man Reiseführern, Touristikbroschüren und Wegzeichen Glauben schenkt. Dazu würde man z.T. im Zickzack die Insel durchqueren. Einiges bleibt dann aber selbt dem suchenden Beifahrerblick verborgen oder wird wegen erneuter Holperstrecke gemieden. Anderes taucht auf, ohne dass man es eingeplant hätte. Wie z.B. dieser Windmühlenpark.

Einiges muss aber denn doch sein. Der Meteoritenkrater bei Kaali zum Beispiel. Ok., der Brocken, der im Nördlinger Ried einst runterkam und ein Loch schlug, war grösser als der hier auf Ösel. Vorteil hingegen ist, dass man ihn unmittelbar sehen, ja anfassen und in ein paar Minuten umwandern kann. Das dauert in Nördlingen etwas länger.

Badefreuden

Nach derart tief in die Vergangenheit zurück führenden Exkursionen und mit zusätzlichem Wissen im angeschlossenen Museum mit nicht funktionierendem Wi-Fi (!) versorgt, war uns nach einer Abkühlung in der Ostsee zumute. Also an die Nordküste.

Auf dem Sandweg dorthin…

…fällt dann auch wieder ein ungeplantes orthodoxes Kirchlein an (warum in Estland fast nur russisch-orthodoxe Kirchen stehen, hatte ich an andere Stelle erzählt).

Ans Ende des Universums…

…gelangt man, wenn man ganz in die Südswestpitze nach Sääre fährt. »Boring« vermeldet Lis irgendwann auf diesen 40, 50 Kilometern Wald, auf denen sich keine vernünftige Unterkunft finden lässt, fast kein Gegenverkehr geschweige denn ein Überholmanöver uns aus unseren zusehends abstumpfenden Naturbetrachtungen reisst und das angekündigte russische Ehrenmal unauffindbar bleibt (im 2. WK bekämpften sich hier deutsche und russische Truppen). Wir entscheiden uns, dennoch ganz bis an die Südspitze zu fahren – wenn schon denn schon. Und ich witztle noch über ein Restaurant, das uns dort erwartet und uns zu einem opulenten Abendessen verhelfen wird.

So landeten wir also am Leuchtturm von Sääre,…

…umgeben von bizzaren Hinterlassenschaften der vermutlich russischen Armee, die hier wohl als vorgeschobener Horch- und Schauposten…

…des Nachzarenreiches darüber wachte, dass niemand ungefragt in die Bucht von Riga schipperte. All das sei hier in der Galerie zusammen getragen.

Das Restaurant am Ende des Universums…

…kennt jeder, der Per Anhalter durch die Galaxis kennt. Wer nicht, der muss dach Sääre fahren. Dann weiss er es:

Es gibt dieses Restaurant tatsächlich!

Hier in Sääre auf Ösel, am Fusse des Leuchtums. Und es gibt dort eine umfangreiche Speisekarte,

was zu Essen und zu Trinken, samt Eisbecher mit Erdbeermarmelade.

und nette Mädels, die Englisch können, aber Palun! sagen und sich über unser Tänan! freuen.

Last but not least…

…bekommen wir dort auch den entscheidenden Hinweis auf die Mücken- und bremsenfreie Herberge, tief im Wald…

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4 Antworten auf * Europa2010: 18. Tag: Randvere-Kargi (Saaremaa)

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  4. Günther Schäfer sagt:

    Ihr seid ja auch polyglott, da dürfen sich diese Mädels schon freuen.

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