* Europa2010: 65. Tag, Prčanj/Kotor – Promajna

Montag, 06.09.2010

Montag, 06.09.2010, 21:00:30 :: Promajna, Privatquartier

Dort, wo wir schon zweimal bestens untergekommen waren, in Promajna, wo wir 2006 fast erfroren wären, ist noch echt Saison, unsere bisherige Bleibe besetzt durch »Fremde«… So fragten wir nebenan. Ja, 40 €, weil nur eine Nacht, sonst ist es billiger. Wir willigen ein, weil es auch gerade anfängt zu regnen. Das Zimmer ist 3. Wahl, völlig überteuert und daneben, aber der Tourismus-Boom hat wohl auch diesen doch südlichen Teil der Adria erreicht: Autos aus Österreich, Tschechien, Slowakien, Polen, keine Deutschen ausser uns, Kroaten und Montenegriner, klar. Der Strand war voll wie in Rimini zur Hochsaison, als es beginnt zu regnen, wird er leer, wir können ungestört schwimmen gehen.

Abfüttern…

…nennt man es wohl was da passiert, als wir das Speiselokal nebenan besuchen. Unsere Erinnerung daran war eigentlich positiv. Aber jetzt, gegen Ende des Sommers läuft hier eine Routine wie Anfang der Sechziger »beim Jugoslawen um die Ecke« in Deutschland: Aivarpaste, egal was man bestellt, matschige Pommes und gehackte Zwiebeln. Gut, im Eisbecher wären die wohl nicht obenauf gelegen. Aber nach Kalbsleber, leicht angegrillt und Gummiwürstchen hatten wir nur noch einen Gedanken: Zahl‘ & Flieh‘! Wobei die Preise nordeuropäisch bezeichnet werden können. Wer macht hier Urlaub ???!!!

Es ist also nicht nur der Eindruck beim Hochfahren von Kotor entlang dieser an sich wundervollen und erhabenen Küste: Der Massentourismus friesst auch diesen Landstrich. Während wir, teilweise in der Schlange, angeführt von einem Stop-And-Go-Tschechen im permanenten Überholverbot, das blaue Meer und die Kalkwände der Berge bewundern, mit Griechenland vergleichen, mit unseren Eindrücken aus den Jahren zuvor (2005, 2006, 2007) kommen wir zu dem Schluss, dass die Riesenhotels wohl das Hauptproblem sind, Fremdinvestoren, die absahnen, während die Privatunterkünfte leer stehen.

Die Freude, im Senfle, meist hoch oben, entlang des Küste Dalmatiens zu gleiten, ist also eine schon erheblich vergiftete. Auch Dubrovnik kann uns zum dritten mal nicht davon überzeugen, runter zu fahren zur Besichtigung.

Und da hilft auch kein Bananasplit

samt Cappuccino und Mineralwasser mit 985 mg/l Natrium an der, gemessen an den verfügbaren Sitzplätzen, fast menschenleeren Marina von Tučepi: Unsere Vorstellungen von Reisen und Geniessen passen nicht zum Angebot.

Aber es kommt noch schlimmer.

Senfles Plattfuss

Als mein Vordermann mal wieder ohne ersichtlichen Grund abbremst und ich sachte ausrollen lasse, erscheint plötzlich ein Felsbrocken unterm Fahrzeug vor mir, dem ich nicht mehr ausweichen kann. Ich überrumple ihn mit Mordsgetöse und die Luft beginnt zu entweichen. Nach ein paar Kilometern ist es dann soweit: Radwechsel. Ich schaffe es noch verbotener Weise auf eine Parkplatz auf der Gegenfahrbahn. Alles Gepäck raus, Reserverad und Wagenheber haben Premiere; soweit erinnerlich, der dritte Plattfuss in meinem Autofahrerleben. Ein junger Belgier leiht mir seine Kräfte beim Lösen und Anziehen der Radbolzen. Die Felge ist hin, das Rad werden wir komplett ersetzen müssen.

Die Bucht von Kotor…

…aber war wie immer die reinste Freude, wie ein friedliches Binnengewässer, ganz oberitalienischer See.

Wenn man vom durch den Tourismus überrannten Kotor selbst absieht.

Der Bauboom kündigt sich aber auch dort an. Unserem leckeren Wunschfrühstück voran ging ein ausgedehntes Bad in der Bucht. Dabei begegneten wir dem Effekt aus der Bucht von Azalas auf Naxos: Kaltes Süsswasser aus den Bergen legt sich über das sonnenerwärmte Salzwasser: Oben kalt, unten warm – eine Folge des Dichteunterschieds von Mittelmeer- und Süsswasser.

Ausklang

Und so sassen wir nach Plattfuss, Minimalbleibe und dem derben Abbild eines Abendessens auf der Terrasse des kleinen Hotels am Ende der Promenade bei Cappuccino und Ramazzotti, erfahren, dass dort ein Zimmer »ab 100 Euro« kostet und vereinbaren für morgen früh ein Frühstück dort, acht Euro pro Person.

Kroatien ist auch nicht das, was es mal war: Kostengünstig oder gar erschwinglich. Also noch mal die Frage: Wer macht hier Urlaub? Und unter welchen Bedingungen? Und vor allem: Warum?

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3 Antworten auf * Europa2010: 65. Tag, Prčanj/Kotor – Promajna

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  2. Reinard sagt:

    @Günther: Es ist sicher eine abgehobene aber durchaus legitime Sichtweise. Und es kommt immer darauf an, was man kennt. Aber Kroatien als Urlaubsland? Käme für mich nie in Frage, Auf der Durchfahrt hier und da 1, 2 Tage, aber dann muss man wirklich Zeit zum Suchen haben. Und die nutzt man dann besser zum Fahren.

    Aber wie gesagt: Wir kennen auch schöne Plätzchen, auch Promajna gehört da dazu. Aber es ist die letzten 5 Jahre deutlich schlimmer geworden.

  3. Günther Schäfer sagt:

    Das ist aber überraschend, deine letzten Sätze. Ich war immer der Meinung, Kroatien sei noch so etwas wie ein Geheimtipp für Urlaub. Sowohl preislich als auch landschaftlich. Ich kann mir nur vorstellen, dass es lauter Pauschaltouristen sind, die dort Urlaub machen und der Urlaub dann noch erschwinglich ist.
    Zahlen alle Leute, die dort Urlaub machen diese horrenden Preise ? Ein Kollege macht seit Jahren in dieser Gegend Urlaub mit der Familie. Total begeistert. Allerdings, auf dem Campingplatz. Vielleicht liegt da der Unterschied.
    Ich war noch nie da, wollte auch mal noch hin. Werde es mir unter diesen Bedingungen jedoch überlegen.
    Erstaunlich, dass zu Schulbeginn noch solch ein starker Tourismus herrscht.
    Gut dass es bei Senfle nicht irgendwo den Unterboden, Auspuff oder sonst was beschädigt hat. Ohne Reserverad hat man ein etwas maues Gefühl, oder ?

    Fahrt gut weiter !!

    Günther

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