* Europa2010: 70. Tag, Radolfzell

Samstag, 11.09.2010

Samstag, 11.09.2010, 17:14:54 :: Radolfzell, Hotel Seerose

Wir sind wieder in Deutschland

Und das ist unverkennbar, spätestens nach meinem kleinen Spaziergang durch die Fussgängerzone von Radolfzell, den Markt (jeden Samstag), einem Eis dortselbst und dem Rückweg zum Hotel.

Nichts ist so deutlich, wenn man zurück kommt wie deutsche Ordnung, Sauberkeit und Verbotsschilder. Und Vorgärten.

Es werden die Demonstranten gebeten
Den städtischen Rasen nicht zu betreten.

z.B. hier oder hier, aber Vorsicht! Aus 1965, 1966…

Daran wurde ich erinnert, als ich an einem Grundstück diese wundervolle deutsche Phrase fand; an einem Grundstück der sich hier am See wohl häufenden Finanzservice- und Treuhänder-Dienstleister. Offenbar braucht man die hier am See besonders dringend. Und dass man denen nicht in den Rasen treten, sprich: in die Karten schauen darf – das versteht sich sofort von selbst. Dass ein grosser Teil dieser Finanzriege die halbe Welt in Bedrängnis bringt und Menschen regelrecht enteignet, ist da wohl die gärtnerische Leistung, die nicht zerstört werden darf.

Relativiert der Karneval?

Der Markttag…

…ist ebenfalls hervorragend bis ins Kleinste geregelt: Standflächen angezeichnet, Ausrichtung fast militärisch, alles mir Schildern bewehrt (»Zutritt nicht mit Hunden und Fahrrädern«),

die Stände selbst schöner als jeder fest installierte Krämerladen auf dem Lande in Osteuropa. Die Menschen, die dort täglich ihre handvoll Tomaten und Gurken auf einem wackeligen Schemelchen an den Strassenrand stellen, die, die in grösseren Orten die teils hunderte von Metern sich denenden Strassenständen bevölkern, sie würden sich wundern, wie man den dort täglichen Verkauf von alltäglichen Lebensmitteln zum stylischen Wochenend-Event entwickeln kann. Und während die EU z.B. die palmerische und griechische Ziegen- und Schafskäseherstellung durch unsinnige Auflagen abwürgt, man sich darüber aufregt, dass die Lebensmittelindustrie durch gezielte Lobbyarbeit mal wieder erfolgreich eine Überfress-Ampel auf abgepackten Kunstprodukten verhindert hat und Greenpeace (zu Recht!) für genfreie Nahrungsmittel wirbt überpudern vorbeidonnernde LKW-Riese das gesamte Lebensmittelangebot in Ländern wie z.B. Rumänien und Bulgarien mit einer Staubschicht, die wohl so ziemlich alles enthält was Natur und Industrie so zu bieten haben bzw. hervorbringen und ausstossen. Reden wir nicht von der Ukraine oder Moldavien. Aber all das ist Europa, das zusammen gehört, gemeinsame Geschichte, ähnliche Bräuche, Musik hat und das ganz sicher über das hinaus reicht, was derzeitige Wohlstandspolitiker als politisch-oportunistisch für integrationswürdig halten.

Apropos genfrei: Bulgarien ist es. Clever, gell?

Wir alle in Europa werden das zu tragen und zu verbessern haben. Damit es in ein paar Jahrzehnten nicht heisst »Eu… – was?« China braucht uns nicht so sehr wie wir uns.

Komisch,…

…was einem für Gedanken kommen, wenn man am Samstag durch Radolfzell flaniert. Aber Kultur kommt da auch nicht zu kurz: Beste Musik aus Karlsru‘ gab’s auch.

  

Und faszinierte Zuhörer.

Der Nachmittag auf der Mettnau

Das ist natürlich schon was: Der Nachmittag im frühen Herbst, schönste Sonne, blauer Himmel, verwegenes Wolkenspiel auf der Mettnau.

Und natürlich…

Volker Paul. Er sucht im Standbad nach den besten Steinen, die er zu seinen unglaublichen Steinskulpturen türmt. Selbst wenn man daneben steht will man es nicht glauben. Er ist weltweit wohl der einzige, der diese Kunst so perfekt beherrscht.

Da fehlt dann nur noch…

…der Besuch des Cafés am See und, während man die frechen Spatzen…

…mit Krümeln füttert, der Genuss einer guten Sahnetorte oder eines Bananen… – genau!

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