* Rund Europa 2011, 21. Tag: Nafplio – Naxos

Sonntag, 12.06.2011, 10:30:21 :: Naxos, Hotel Elizabeth

Unsere Nacht bei Lilly und ihren beiden quirligen Kindern verlief angenehm – dank offenem Fenster und einem wunderbaren, erst gestern Abend noch schnell gekauften Ventilator, einem Wunderwerk der Luftleit- und Kunstoffverarbeitungstechnik.

Nach einem Joghurt-Frühstück setzen wir uns in Bewegung, verlassen die Gasse,

grüssen die Festung von Naflio hoch droben (die wir auch noch nicht besichtigt haben)

und das Strassenkapellchen neben unserem Senfle, das von fast allen frühen Passanten mit heftigem Kreuzschlagen gegrüsst wird – nein, das Kapellchen!

Unser Ziel ist Argos

Zunächst jedenfalls, denn Argos liegt auf dem Weg, hat ein antikes Amphitheater, das wir, neben der Agora liegend, kurz besichtigen. Die Festung hoch oben verkneifen wir uns ebenso wie die in Nafplio – es liegt noch eine auf dem Weg nach Piräus und die steht auch auf dem Besichtigungsprogramm. Die ganze Gegend hier stotzt ja nur so vor Altertrümmern, Mykene liegt rechtsab. Nur zum Beispiel. Nein Mykene, nicht Mykonos. Das wäre dann eine ganz andere Geschichte; Delos, Mykonos… Ein andermal. Man könnte also tagelang hier darin herumstiefeln, in den Trümmern.

Als wäre ein Theater nicht genug: Auf dem Weg zurück zum Auto entdeckt Lis noch das »Kleine Haus«. Oder gar ein Kindertheater. Wer weiss.

Weiter geht’s. Von einem Kiosk am Strassenrand erwarten wir uns einen guten Kaffe und was zwischen die Zähne. Den Kaffe und das Wasser trinken wir, den Rest lasse ich nach zwei Bissen liegen – ungeniessbar. Das Schlimme sind nicht die Preise: Die Qualität, ihr lieben Hellenen, die Qualität!

Berge links und rechts und in der Ferne. Da naht dann auch bald unsere nächste tägliche Burg.

Akrokorinth

Etwas westlich vom Isthmus liegen Dorf und Festung Akrokorinth. Der Felsen ähnelt dem Klotz im Meer von Monemvasia (Bericht steht aus…) – nur eben an Land.

Vor die Burg haben diue alten Griechen die Tempel gesetzt, also wieder Trümmer, aber ganz berühmte:

Und die modernen Griechen haben davor ein Kapellchen gestellt; das kontrastiert herzallerliebst. Aber allzu viel hat sich offenbar doch nicht geändert. Nur die Tempel waren damals etwas grösser.

Die Festung, hoch oben auf über 500 Meter, erklimmt man auch in der frühen Mittagshitze relativ unbeschadet mit dem Auto, die letzten 200 Meter unasfaltiert, trifft da oben zwei Camping-VWs aus Karlsruhe und Mitmenschen, die sich tatsächlich die Stiefel anziehen um den Rest in der Glut zu erklimmen.

Aber der Blick auf Burg…

…und Landschaft ist auch hinreichen imposant.

Und auch den Isthmus von Korinth kann man von hier oben unbeschädigt erkennen. Den Querschnitt durch das Erdreich überfahren wir wenig später.

Vorher gilt es aber…

…noch moderne Nachbauten von Tempeln und Amphitheatern zu passieren und zu bewundern; gated area i.S. positiver menschlicher Kultur sozusagen. Ich muss aber belehrend hinzufügen: i.S. Plakaten sind die Polen den Griechen weit voraus.

Ja, und damit ist natürlich…

Piräus, unser Schicksalshafen und der Moloch Gross-Athen bedenklich nahe und es wird Zeit, eine neue dramatische Geschichte zu erzählen. Nein, kein Unfall kurz vor dem Gate. Es ist nur so, dass wir ja seit drei Wochen relativ sorg- und zeitlos nach Süden gezockelt sind, unabhängig sozusagen. Otranto/Brindisi ist schon fast vergessen. Kurz: Wir brauchen eine Fähre nach Naxos. Es ist gerade Mittag, genügend Zeit, an die Pier zu fahren, Tickets zu lösen. Es ist Wochenende, das fahren genügend Fähren. Denken wir so und rufen Maria an, unsere Wirtin auf Naxos. Sie bringt uns in die Wirklichkeit zurück auf die Idee, dass mittlerweile Pfingsten ist – dieses Wochenende. Und da wollen nicht nur alle Inselgriechen weg aus Athen, auch die Urlauber wollen hinaus auf Meer. Alles ausgebucht, meint sie. Aber Maria wäre nicht Maria, wenn es da nicht doch… Sie meint, wir sollen ihr das Autokennzeichen durchgeben und sollten sie in 10 Minuten wieder anrufen. Daraus werden drei Anrufe nach jeweils zehn Minuten. Aber dann: Sie hat die Tickets, sagt uns die Buchungsnummer und im Blue-Star-Büro könnten wir sie abholen.

Und so hat’s dann auch geklappt. Ohne Bezahlung (das wurde bereits in Naxos erledigt) und dank modernster Computertechnik hält Lis kurz nach Ankunft dim Hafen die Tickets in Händen. Wir finden einen (illegalen) Parkplatz in der prallen Sonne,…

einen Sitzplatz im Schatten (ohne Wind!) im olbligatorischen Hafencafé und bekommen alles was wir brauchen: Omelett, zu Trinken – ja, mehr war da eigentlich nicht.

Und haben nun drei, vier Stunden Zeit um vor uns hin zu schwitzen; 17:30 soll sie abfahren, die stolze »Paros«.

Mann, hat die sich verändert! Vor 25 Jahren war sie kleine, rot und klapprigen – aber bequemer und romantischer. Diese war nur nur laut und voll.

Indes, bis zur Abfahrt bleibt Zeit, Radfahrer zu beobachten, die gar nicht fahren, sondern verzweifelt basteln,…

…Katzenmütter, die zur – offensichtlich tagtäglichen – Fütterung der Raubtiere erscheinen…

…und im Internet zu schmökern, das hier mittlerweile für 4€ zwei Stunden lang funktioniert. Mann Piräus, wat haste dir verändert!

Die Spuren im Internet

Piräus ist ein Traum. Wenn man den Hafen gefunden hat. Wenn man ein Ticket hat. Wenn man den Ablege-Kai kennt. Wenn man einen Parkplatz gefunden hat. Wenn man weiss, wo das Café ist. Wenn man dort einen schattigen Platz, genügend Zeit und etwas bestellt hat. Und wenn das auch kommt…

Ansonsten ist Piräus ein Alptraum.

Quelle: 2011.06.11 13:27 :: selbst

Sie legt pünktlich ab…

…und los: Bald hatte sie ihre 42 km/h – Entschuldigung: knapp 23 nautische Seemeilen 😉 und Kurs auf Paros und Naxos. Das Deck war überfüllt, die Innenräume ebenso. Aber der Sonnenuntergang, der Sonnenuntergang, der war klasse.

Dass sich ein Lehrerehepaar aus Freiburg mit an unseren Tisch setzte, halte ich für die selbstverständlichste Sache der Welt – Schwaben (und Badenser, ok.) reisen eben gerne.

Aber dass die Wäscheleinenbespannung der Deckstühle (hoffentlich keine bleibenden!) Spuren auf zarten Damenbeinen hinterlässt, das ist dem Fortschritt geschuldet.

Genauso wie die Tatsache, dass Fernsehen an und unter Deck nicht noch kostenlos sondern zwangsweise verabreicht wird, für eine Internetverbindung aber, die’s gibt weil Satellit, gnadenlos abgezockt wird.

Links:

  • 2011-06-11;374;8:36;3:28;118;43.5;31;Nafplio-Naxos
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