* Rund Europa 2011, 18. Tag: Gerolimenas – Gytheio (Mani, Lakonien)

Mittwoch, 08.06.2011, 14:52:32 :: Gytheio, Hotel Pantheon

Während Lis in aller Frühe aufsteht und das Dorf Gerolimenas durchstreift, schlafe ich aus. Der Versuch endet jäh, als die Steineklopfer ihr Tagewerk beginnen, direkt unter unserem Zimmerfenster.

Also doch aufstehen. Lis‘ Bemühungen, die kleine Spezialitäten von Gerolimenas zu entdecken, sind erfolgreicher als mein versuchter Tiefschlaf am Morgen. Neben den Feinheiten des am Vorabend von uns verschmähten Spitzenhotels…

…findet sie vor allem – Verfall. Die Mani lebt geradezu vom Verfall.

Und, um der Wahrheit die Ehre zu geben, auch vom Versuch des Wiederaufbaus – wir hatten das schon.

Nach einem erweckenden Bad im Meer, bei dem Lis mich als Neptun auf den Fotochip bannt, versuchen wir’s mit Frühstück.

Vor der Kneipe unserer Wirtin dröhnt der Betonmischer, der das Kittmaterial für die Mauerer liefert. Also weiter zum anderen Hotel, man sitzt da gemütlich an der Mole. Kaum haben wir unser Omelett bestellt, da beginnt der Kleinbagger dort mit dem Aufmeisseln der Strasse, keine 5 Meter vom Tisch. Wir flüchten ins Innere, weit weg von der Türe. Naja, irgendwie frühstücken wir halt…

Als wir dann zurück zu unserer Wirtin kommen, ist der Betonmischer weg, bis auf das Steingeklopfe »Himmlische Ruhe« dort… Nun ja, man sammelt sich und seine Siebensachen, zahlt und ab geht’s, hinauf und zur anderen, der östlichen Seite der Mani. Es soll heiss werden. Wie weit wir’s schaffen? Wir haben spätestens hier gelernt, Prognosen entweder nicht zu machen oder sie wenigstens nicht zu ernst zu nehmen. Bei einem realen Schnitt von 16 – 25 km/h müsste es aber mindestens bis Gythio reichen, vielleicht Skala. Oder doch auf den letzten lakonischen Finger?

Lakoniens zweiter Finger…

…ist der dritte Finger der Peloponnes, von Westen her gezählt. Dass nur die Mani, der zweite Finger, einen eigenen Namen haben soll, will ich nicht so richtig glauben, habe aber keine Namen für den zweiten Lokonischen Finger gefunden. Nennen wir ihn also Südoststlakonien. Der üdliche Teil davon, der Fingernagel, heisst Vatika; wenigstens das ist geklärt 🙂

Aber da greife ich vor, zunächst gilt es, die Mani zu verlassen.

Kein Fotowetter

Es ist trübe, Fernsicht ein frommer Wunsch, ab dem Weg nach Osten ist uns auch der Sonnenstand nicht gewogen. Wir bemühen uns trotzdem. Überhaupt: Wie entstehen unsere Bilder überhaupt?

Die überwiegende Zahl der Aufnahmen entsteht während der Fahrt, es sind regelrechte Schnappschüsse, »Augenblicke«, die Lis aus dem Fenster oder durch die Scheibe schiesst.

Aber oft steigen wir aus, sehen uns um, schauen nach besseren Perspektiven und Standorten. Dabei entdeckt man dann auch immer wieder Käferchen, Blümelein und andere »Kleinigkeiten«.

Bei Besichtigungen gehen wir mit zwei Kameras los, jeder knipst seine Sicht der Dinge. So entstehen stets um die 400 – 500 Bilder, oft mehr, pro Tag. Diese ein bis zwei Gigabyte an Daten werden dann jeden Abend auf den Rechner gezogen, umnummeriert, katalogisiert, mit GPS-Daten versehen, ggf. gedreht, (für’s Internet gerichtet und aufgepeppt) und auf zwei weitere Festplatten kopiert. Sicher ist sicher.

Bei dieser Arbeitsweise entsteht viel Ausschuss, gewiss. Aber anders wäre die Vielfalt mit vertretbarem Aufwand – vor allem an Reisezeit – nicht zu erreichen. Und manches Ausschussbild ist für Fremde entbehrlich, nicht aber für unsere Erinnerung… Denn nicht jeden Abend kann/will ich schreiben. So bleibt häufig nur die Durchsicht der Fotos, die ja auch enthalten, wo und wann sie entstanden sind. Die GPS-Daten liefern ja auch den genauen Weg , den wir zurück gelegt haben, mit allen Haltepunkten, Irrfahren etc. Diese Tracks, die jedem Bericht angeheftet sind, liefern in GOOGLE Earth ein fast metergenaues Abbild, das man jederzeit wieder abfahren kann, in 3D.

Kapellchen am Wege…

…sind in Griechenland ja absolut üblich, wir finden aber, hier häufen sie sich richtig und ich beschliesse, eine »Wegekirchlein-Sammlung« auf zu machen; das bedeutet: noch mehr Bremsen, Zurückrudern – nein -fahren. Aber sie sind derart unterschiedlich in jeder Hinsicht, zuweilen putzig und rührend. Und sollen offenbar zuweilen auch einen pädagogischen Zweck erfüllen: Oft stehen sie vor oder neben einem Schild »Vorsicht Kurve« – der Wink hilft aber bei den jungen Rasern nicht allzu viel. Immer wieder muss dann ein Kapellchen mit Bild drin für sie neu aufgestellt werden und eine Mutter hat sich wieder umsonst ins Zeug gelegt…

Die endgültige Sammlung braucht aber noch Zeit…

Lokale Leckereien

Wer mit einem mickrigen griechischen Frühstück im Bauch losfahren muss, hat bald wieder Hunger. Da freut deinen dann der Anblick eines zwar völlig ungriechischen aber dafür unmittelbar verständlichen Schildes.

Und was Lis dann dort an Nichtalltäglichem findet, erfreut uns sehr: In Öl gebackene frische Kringel, untypisch-ungriechisch nicht gesüsst.

Die Kringel erinnern uns an Pärnu, wo das Schmalzgebackene ebenfalls unseren Beifall und einen hungrigen Magen fand.

Und neben allem nicht vergessen:

Die Landschaft. Aber hierzu nur noch ein Bild.

Schäfchenzählen

Für alle, die abends oder des Nachts eine Schäfchenvorlage vermissen, vielleicht hilft denen diese richtig grosse Ziegenherde weiter. Ziegen und Kühe haben auf der Mani Vorfahrt. Wer’s nicht glaubt hat totsicher Beulen am Auto und Schadensersatzforderungen am Hals.

Eine Bucht, eine Badebucht!

Was wäre Griechenland ohne Meer und Buchten. Wie sehen viel, besuchen einige und wenn sie dann so richtig passen, dann bleiben wir auch kleben. Das zieht den Schnitt dann gaaanz tief runter, aber macht nix. Wat mut dat mut.

Dass dann hier ausgerechnet ein Schauer runter geht – nun, er zwang uns zum Einkehren… Saganaki und Zatsiki waren mal wieder dran. Oma und Opa sorgen für die Küche, der Sohn malt und sammelt Kugelfische und Südseemuscheln, er scheint gar nicht von dieser Strandwelt.

Und hinterher war da noch das Kirchlein hinter dem Schiffsbruch. Und seine Fresken.

Andere stille Buchten lassen wir aus – es sind zu viele.

In Gythio geben wir auf –

Skala kommt nicht mehr in Frage.

Genug für heute und das hat zwei plausible Gründe. Erstens ist es heiss, wir denken an die Calima auf La Palma, dazu ab und an Regen, der stets grosse Staubrückstände auf der Windschutzscheibe hinterlässt. Ja, und zweites: Gythio gefällt uns auf Anhieb gut, das Hotel ebenso. Warum sich also quälen?

Einen letzten Stoss geben wir uns noch und besuchen das kleine, durch einen schmalen Damm mit dem Festland verbundene Inselchen Marathonisi; Paris und Helena sollen dort auf der Flucht von Sparta nach Troja ihre erste Liebesnacht verbracht haben. Na also…

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