* Rund Europa 2011, 24. Tag: Naxos, Protesttag

Ich werde hin und wieder ja gefragt, wie es den Griechen so geht, im Land und in der Krise. Ich kann das einfach beantworten: Man merkt davon nichts, wer genauer hinsieht, -hört und fragt, wenig.

Die Menschen haben hier nach wie vor ein linkes und ein rechtes Bein und die Nase mitten im Gesicht. In den ländlichen Gebieten – was sollte da auch sein? Die Oliven blühen und werden bis zum Herbst reifen, die Zitronen, Mandarinen und Orangen werden geerntet, die Aprikosen und so weiter. Das Zeug wächst, muss geerntet und vermarktet werden.

Die Vermarktung…

…ist wohl ein griechisches Problem: Wer was braucht bekommt gerne etwas, Griechen teilen gerne und mit Freuden. Wir hatten das ja schon beim Olivenöl auf der Mani. »Der Italiener ist da allemal besser« würde Gerhard Polt da wohl sagen.

Jedenfalls hier auf Naxos ist eigentlich alles beim Alten. Bis auf die neuen oder modernisierten Lokale, die gewechselten Besitzer oder Pächter. Auch die OXTAPODI sind noch zu bekommen.

Und während in Athen wieder die Fetzen fliegen, fliegen hier nur ein paar Flugblättchen.

Naxos ist nicht Athen, bei ca. 19.000 Einwohnern kommen da allemal nur 50 bis 100 Menschen zusammen – so gestern Abend bei der öffentlichen Vorführung eines Videos auf der Platia am Hafen.

Ein Stadtrundgang

Heute morgen war es verhangen, wenig Wind. Ich dachte, da trau‘ ich mich raus zu einem Fotorundgang, nachdem ich die Schlachtrufe einiger Demonstranten vom Hafen her hörte.

Aber ausser Schiffen, Autos und Touristen war nichts Gefährliches unterwegs. Was auffällt: Die kleinen Fischerboote sind fast verschwunden, Yachten und Plastiksegler belegen die in den letzten Jahren gebauten Anlegekais vollständig.

Ein Wegkapellchen…

…gibt es seit ewigen Zeiten auch hier in der Stadt. Seine weltlichen Entsprechungen sind grösser, bunter und spucken offensichtlich immer noch Geld aus;

so lange sie daran verdienen, dass noch jemand was hat, das er abheben kann, jedenfalls. Und die Tempel stehen hier an jeder Strassenecke,

Bank ist oft in der kleinsten Hütte.

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Berichtet wir allerdings über viele Griechen hier, die schon ihre Häuser verloren haben, weil die Finanzierung sie überfordert. Immobilien scheint es genügend zu geben.

Viele haben auch wohl ihr gesamtes Lebensgefühl mit Krediten finanziert. Aber wo passiert das nicht?

Und wer hier nicht mehr kann, der wandert aus, Hinweise gibt’s…

Und mancher baut sich…

…ein Luftschloss.

Für Viele bedeutet die Spirale nach unten

natürlich Armut. Man sieht es schon – wenn man will.

Aber noch weht sie, Flagge Griechenlands, etwas zerfranzt zwar, aber sie weht.

Und vor dem Rathaus wacht »der Zerberus« darüber, dass der Yacht da draussen kein Leid geschieht.

Denn die ist teuer und will bezahlt werden. Von wem?

Naja, eben so wie immer…

Und da wären wir wieder…

…beim Geld und bei den Preisen, bitte sehr:

Unseren kleine Freund vom Hotel kratzt das aber nicht. Den plagt ganz was anderes.

Ja, und am Eingang hängt traurig die Europakarte, auf der ich vor vielen Jahren den dalas noch kleinen Töchtern von Maria erklärt habe, was wo liegt – Europa eine Heimat für alle Bürger. Nur, das ist es bisher nicht geworden sondern nur ein Spielfeld des gefrässigen Finanzkapitalismus, der die Menschen wieder gegeneinander hetzt.

Etwas Freude jedenfalls beim Spaziergang durch den Bilderreigen.Links:

  • An und für sich: :: Ein Beitrag zur Griechenlandkrise, den man sich nicht entgehen lassen darf, bei all dem Gesummse in der Presse.
  • Telepolis: Keine Einigung zur Griechenland-Nothilfe 2.0 :: Die Ratingagenturen wollen mit massiven Drohungen jede Beteiligung der Banken verhindern

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