* Rund Europa 2011, 20. Tag: Monemvasia – Nafplio (1)

Freitag, 10.06.2011, 22:17:00 :: Nafplio, bei Lilly
Montag, 27.06.2011, 11:15:39 :: Azalas, nach einer Woche Sturm

Monemvasia – ein Morgenspaziergang

Eins muss man dem frühen Aufstehen ja lassen: Man kann in Ruhe Monemvasia besichtigen. Die Festungsstadt schläft da noch, das Tor ist offen, als wie angefahren kommen,…

…aber keine Menschenseele unterwegs.

Die Souvenirläden, die Tavernen, die Cafés – alle zu. Wir sind alleine.

Jannis Ritsos…

…ist hier in Monemvasia geboren; als Büste vor seinem Geburtshaus schaut er sehr selbstbewusst in die Morgensonne. Das darf er auch – wer seine Gedichte kennt, viele vertont von Mikis Theodorakis, wird mir zustimmen.

Und dass Lord Byron hier war – wer wird sich darüber wundern! Wo es zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Griechenland gegen die Hohe Pforte ging, da war er um den Weg: Zitsa, Mani, Aitoliko, Mesolongi – dort starb er im April 1824.

Irgendwann kommt ein Arbeiter mit einem Esel vom Tor her hinter uns her, bepackt mit Baumaterial. Und wir begreifen: Das ist wirklich die einzige Möglichkeit, schweres Zeug in die Stadt zu bringen; selber tragen hat ja bekanntlich seine Grenzen…

Monemvasia wird nicht mehr »ordentlich« bewohnt, will heissen, es war verlassen, zerfiel und wird nun Stück für Stück renoviert, Hotels, Wochenendhäuser betuchter Mitmenschen und eben kleine Läden, Cafés, Tavernen sind entstanden und warten auf Besucher; nur eben jetzt noch nicht.

 

Aber auch die alten Kirchen erhalten viel ihrer ursprünglichen Gestalt zurück. Und wir wandern um die Ecken, durch das wirre Labyrinth der Gassen,…

…selten bergauf, denn dort wächst der Felsen in die Höhe und irgendwo von da oben droht die Zitadelle herunter, einst autark mit Feldern, Wasser und ausreichend Soldaten; Monemvasia galt lange als uneinnehmbar.

Ein serpentinenreicher Weg soll da hoch führen, ähnlich wie in Fira vom alten Hafen zur Stadt.

Wie an vielen touristischen Orten, hat man sich – wohl vor Jahren – etwas Sinnvolles einfallen lassen: Bildschirme mit Videos zur Erklärung der Stätte, an der man steht. Ich stelle mir vor: Deckel auf, Sprache einstellen, Film auswählen, ansehen – Vorausgesetzt, die Sonne benimmt sich anständig – – – ein Traum, ein infantiler Traum. Hier wie überall (z.B. in Nikópolis bei Prévesa): defekt, missbraucht meist als Mülleimer; die natürlich fehlen, die richtigen.

Irgendwann sehe ich oben, so auf halber Höhe, einen fotografierenden Touristen. Von wegen alleine. Er war wohl schon vor uns hierher gekommen. Und so habe ich dann doch den Felsen bestiegen – Neid oder »wenn der das kann…«.

Der Ausblick von oben…

…lohnt dann auch den Aufstieg, muss ich wenig später feststellen.

200-300 Meter sollen das gewesen sein, zick-zack, steil, durch mehrere Tore – ein Soldat der stürmenden Truppe will ich schon deshalb damals nicht gewesen sein.

Aber so, heute Morgen, selbst ohne Frühstück gut zu schaffen bei noch flach stehender Sonne. Das hügelige Plateau ist ein einziges Ruinenfeld.

Hier wäre einiges zu tun, die Strukturen sind wegen kräftigem Überwuchs mit Gras und Gebüsch kaum zu erkennen. Nur die byzantinische Kirche Hagia Sofia aus dem 12. Jahrhundert ragt aus allem heraus.

Sie hat mehrere Teilleben: byzantinische Kirche, zweimal Moschee, dazwischen und danach orthodox; wie viele Kirchen im ägäischen Raum übrigens, so wie auch in Nikosia auf Zypern. Sie ist zum dritten mal Moschee, soweit ich mich erinnere, da im Norden der Stadt gelegen. Ob Gott sich da noch zurecht findet?

Ich belasse es dabei, wate nicht weiter durchs Gestrüpp, rüttle an keiner Tür. Irgendwo soll zwar noch ein erhaltener Turm stehen, langgezogene Festungsmauern, erinnere ich mich. Aber Türme – ich steige wieder hinunter. Denn langsam beginnt mich die Sonne schon so aufzuheizen, dass es lästig wird – Türme gibt’s viele auf der Welt… Und das Frühstück wartet, was immer es sein wird.

Als ich unten ankomme, traben die Esel im Minutentakt hin und her.

Und Lis hat inzwischen alle Katzen aufgespürt,…

…nach Künstlerischem, Pittoreskem und Kuriosem Ausschau gehalten.

Am Tor entladen Kleinlaster Trunk und Speise für die heute erwarteten Gäste – es wir lebendiger in Monemvasia. Und wir fahren zurück…

…über den schmalen Damm – der leere Magen will jetzt irgendwas.

Nach dem Frühstück…

…mit immerhin Omlette und Cappuccino geht’s auf die Piste.

(Teil 2 folgt)

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3 Antworten auf * Rund Europa 2011, 20. Tag: Monemvasia – Nafplio (1)

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  2. Reinard sagt:

    Ein Stück weit ist es natürlich viel Lesen und Planen. Allerdings: Ob die Erwartungen erfüllt werden, ist nie sicher. Aber unsere Erfahrung zeigt eindeutig, dass unsere Erwartungen in aller Regel positiv übertroffen werden. Man muss sich auf was einlassen und sehen, was kommt. Meist was Gutes…

    Die Peloponnes ist eine wilde und touristisch nur an wenigen Stellen »erschlossene« Landschaft; deshalb wollten wir so viel wie möglich sehen; »möglich« im Sinne von »praktisch realisierbar«, denn irgendwann nimmt der Kopf nichts mehr auf und bei genügend Pausen kommt man nie an…

  3. Helmut Hansen sagt:

    Lieber Reinard,

    wie findet man so etwas Schoenes? Sucht man es oder trifft man zwangsläufig darauf, wenn man sich entlang spezieller Routen bewegt? In Deutschland nennt man dann solche Routen „Ferienstraße“, wie z.B. Hochtaunusstraße. Ist es so etwas?

    Euch weiterhin eine schoene und erfuellte Reise.

    Herzliche Gruesse
    Helmut

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