* Rund Europa 2011, 13. Tag: Aitoliko – Olympia

Freitag, 03.06.2011 :: Fahrt Aitoliko-Olympia
Samstag, 04.06.2011, 10:06:15 :: Antikes Pisa (Miraka), Olympia :: Hotel Bacchus Tavern
Montag, 11.07.2011, 12:29:29 :: Azalas

Das ist der vorletzte fehlende Artikel. Dann bin ich fast durch…

Unser Hotel, das einzige in Aitoliko, bietet bei gesalzenen Preisen (50€, ohne Frühstück) mittel-niedrigsten Komfort. Dafür aber Meerblick und ungehinderte Sicht auf die menschenleere Dorfstrasse.

Wäre es nach Flora und Dimitri gegangen, dann hätte unser Aitoliko-Aufenthalt heute Morgen erst angefangen: Markt zum Beispiel.

Und die Erfahrung mit osteuropäischen Kleinkriminellen und Familiengangs, von denen schon gestern Abend viel die Rede war. Die »Gypsies«, Immigranten wohl vor allem aus Bulgarien, halten diese Märkte im Wesentlichen ab, der Clanchef versucht, das alles auf die Reihe zu bekommen. Und zu Spottpreisen ersteht man hier das eine oder andere Schnäppchen.

Der »Pate«, der alles unter Kontrolle hat

Wie sie insbesondere ältere Frauen mit dem Messer bedrohen und ausrauben, meist zu Zweit. Wie viele sich abends nicht mehr auf die Strasse trauen, wie die Frauen bettelnd durch die Geschäfte ziehen: Heute Morgen wird es real. Und es ist wirklich ein Problem, mit dem die Politik offensichtlich völlig überfordert ist. Brüssel ist weit weg (wie übrigens in den Herkunftsländern auch, wie wir es in den vorangegangenen Jahren erfahren haben), die lokale Politik bedient die alten Vorurteile. Und die Betroffenen natürlich auch. Und sie lernen dazu. Sie kommen eben und bleiben; es ist überall besser als in Rumänien und Bulgarien in den am Stadtrand und in den Wäldern gelegenen Zelt-, Plastik und Schnellbau»dörfern« ohne Kanalisation, Strassen und sonstiger primitivster Infrastruktur: Sie stehen in und vor den Häusern im Matsch, wenn es regnet. Europa löst wieder ein Problem nicht, das bekannt ist und nicht erst seit der Aufnahme der betreffenden Ländern in die EU. Wegschauen, so lange wie möglich, Hauptsache, der Kommerz blüht.

Geld hat eben doch einen Geruch…

… und weiss, wo es hingehört. Und manchmal findet es sogar den Weg zurück zu seinem rechtmässigen Besitzer; freilich passiert das selten, an diesem Nachmittag aber schon:

Als wir am späten Nachmittag dann endlich loskommen und gleich nach Aitoliko den Tiger in den Tank packen, da bahnt sich schwerer Ärger an: Der junge Mann kommt mit dem Wechselgeld durcheinander. Ergebnis: Er hat jetzt 50€ zu viel und wir zu wenig. Lis bleibt zurück an der Tanke, fotografiert und ich fahre zurück und hole Flora und Alexis. Als wir zurück kommen zur Tankstelle hat sich alles geklärt: Er hat wohl gemerkt, dass es ernst werden könnte und hat seine dicke Banknotenwurst in der Hosentasche durchgezählt. Und siehe da: Er fand heraus, dass da ein Fünfziger zu viel reingewickelt war. Dass dann auch per Zufall noch Dimitri im Transporter ankam, das hat dem jungen Mann dann wohl den Rest gegeben; man kennt sich ja und begegnet sich täglich…

Mit der Fähre…

…hinüber zur Peloponnes.

Erleichtert kann es also endlich losgehen. Wir passieren die Berge mit dem »Weissen Gold«, die Stadtmauer und das Stadttor von Mesolongi (Lord Byron, Kenner wissen schon…)…

…und sichten wenig später die Brücke von Rio/Antírio,…

…hinüber zur Peloponnes. Wieder ist eine schwere Entscheidung zu fällen: Brücke oder Fähre? Ich finde Fähre. Weil: billiger, dauert länger, Genuss einer Schifffahrt, sichert mehr Arbeitsplätze. Und so stehen wir eine kurze Zeit später an Deck, knallig von der Sonne beschienen und im Windschatten. Der Genuss hätte nicht grösser sein können, trotz schon relativ tiefem Sonnenstand; es ist mittlerweile schon kurz vor Fünf.

Ein Afrikaner verkauft CDs; vor allem die LKW-Fahrer scheinen gesteigerten Bedarf zu haben und sind sehr wählerisch. So entstehen intensive Verkaufsgespräche während der Überfahrt.

Nochmal zu Rio und Antírio: Die beiden Städtchen waren ja das Tor zur Buch von Korinth. Die waren daher entsprechend befestigt, beide Festungen stehen trutzig am Weg – aber eben nur, wenn man die Fähre nimmt.

Uns ist klar: Bis Olympia sollten wir es schaffen.

Für Unterkunft wäre da in jedem Fall gesorgt und vielleicht würde ich mich dann am nächsten Morgen ja bereit finden, die heiligen Stätten… – auch so ein Schandfleck in meiner klassischen Pseudobildung; zum vierten Mal Olympia und immer noch keine Eintrittskarte gelöst. Lis ist in der Beziehung besser dran, sie hat das schon mal alleine gemacht.

Aber es kommt natürlich wieder völlig anders. Wir passieren auf der neuen Autobahn den Moloch Patras…

…in weitem Bogen, moderne Durchlöcherungstechnik lässt ein Gefühl wie auf der italienischen Autostrade aufkommen.

Wir kommen natürlich voll in den abendlichen Berufsverkehr: Alle Schafe auf der Peloponnes scheinen heim zu kehren und verstopfen uns den Weg gehörig und mehrfach.

Und so landen wir mit den letzten Sonnenstrahlen…

…kurz vor Olympia in einem Dorf, das uns zunächst nichts sagt, aber dicht vor dem Ziel liegt und eine einladende Taverne samt Hotel am Strassenrand sein eigen nennt. Warum nicht mal reinschauen, fragen? Billiger als Olympia müsste es ja noch sein hier.

Ja und dabei blieb es dann, »Alt Pisa«, das Antike Pisa bei Olympia, heisst heute Miráka und hat mit dem alten nur noch die Lage gemeinsam. Aber dazu gibt es genügend zu lesen (siehe Links), denn wir bleiben hier zwei Tage. Aber das wissen wir an diesem Abend noch nicht, klar.

Aber nach gehörigem Geplantsche, gutem Essen und Trunk formte sich so etwas wie eine Ahnung…

Picasa:

Tagesleistung, Track und Links:

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