* Rund Europa 2011, 1. Tag: Naxos – Nerantza

Dienstag, 30.08.2011, 22:06:58 :: 101. Tag = 1. Tag der Rückreise :: Hotel Nerantza, Nerantza (Peloponnes)

Neue Reise, neue Zählweise

Wie es der Zufall will, ist heute der 101. Tag unserer diesjährigen Reise und gleichzeitig der erste Rückreisetag. Das vereinfacht die Zählerei: Wir fangen ab heute wieder bei eins an und denken uns die hundert dazu…

Jedenfalls fiel der Abschied schwer, es half aber der Wind: Er ist schon sehr kühl und ruppig jetzt, die Wolken enthalten einem die Sonne, da sagt der Hinterkopf »es wird Zeit«.

Die Fähre ist voll,…

…Massen stehen oben an den Geländern, die Naxostouristen strömen hinzu, nicht gezählt die Autos, Motor- und Fahrräder, nicht erwähnt der Stress bei Mannschaften und Touristen, die meisten übrigens Griechen… Die Zahl der Stühle auf dem offenen Deck ist der Zahl der Platzsuchenden weit unterlegen. Die Pullmannsitze werden gegen Aufpreis angeboten und sind vollständig besetzt, jedenfalls ab Paros. So lange der Fahrtwind bläst, ist’s gut auszuhalten, draussen, im Freien. Denn heute haben wir schon wieder »gutes Wetter«: Kein Wind, volle Sonne.

Die Fähre verlassen wir nach langem Warten, Ein- und wieder Aussteigen: Da alle Beifahrer schon mit in den Fahrzeugen sitzen, oben auf der Oberbühne, ist diese wohl zu schwer, um sie gefahrlos absenken zu können: Alle wieder raus, nach hinten gehen und zusehen, wie die Rampe sich nun ohne Menschen absenkt. Wieder einsteigen, Bremsklötze weg und der dröhnenden Hitze entfliehen.

Piräus hingegen verlassen wir umgehend…

…wenn auch auf Umwegen so gegen 15.30 Uhr: Das Verkehrsaufkommen ist mehr als erstaunlich. Was die Fähren da so ausspucken. Wer das mit einer Spur Gelassenheit wegsteckt, der hat das ganz sicher schon mehrfach hinter sich gebracht. Und bewundert die Griechen dann doch irgendwie, diese Chaoten, wenn der Verkehr eben doch fliesst, mit Gehupe, Polizistengepfeife, ewigem stop and go in ungeordnetem Nebeneinander nebst unmotiviertem Fahrbahnwechsel, wo eigentlich kein Platz mehr ist für Spirenzchen.

Jedenfalls erreichen wir den Istmus…

und überqueren ihn diesmal an der schmalen Stelle am südlichen Ausgang, wo man ihn auf einer versenkbaren Brücke passiert.

Wir versuchen die Autobahn zu meiden, der drohenden Maut wegen, auf dem Weg nach Korinth und weiter Richtung Patras. Und geraten dabei exakt auf die Mautstrecke nach Süden, Tripolis/Kalamata, keine Abfahrt weit und breit, zahlen brav 2,40 € um nach einem Kilometer endlich eine Abfahrt zu finden und die Autobahn wieder zu verlassen. Die in Deutschland im Juni frisch gekaufte Karte zeigt gelbe Strassen, die durch die Berge wieder zur Künste nach Norden führen und eine davon wählen wir aus, fahren durch wunderschöne Landschaft, viel Wein, viele Orte mit »Archaia« als Vornamen,…

…irgendwo stehen auch Säulen in der Gegend, Weingüter an jeder Ecke. Wenn schon hier – aber dazu bräuchte man nun Zeit. Es ist aber kurz vor Sonnenuntergang und fast 200 km liegen noch vor uns.

Ich brettere daher, wie es sonst gar nicht meine Art ist, besagte Strasse in die Berge. Sie ist hervorragend, breit, asphaltiert, mit Mittelstreifen.

All das hört auf an einem grossen Schild, das uns sagt, dass diese Strasse ein EU-bezuschusstes Unternehmen ist – aber nur bis zum Schild fertig. Das Geld ist wohl mal wieder schneller in irgendwelche Taschen geflossen, als asphaltiert werden konnte. Ab hier Sandpiste. Die wird alle paar hundert Meter schlechter, holpriger, neckt mit Bodenwellen.

Also kurz gesagt: Sonnenuntergang, Sandpiste ins Ungewisse – ich wende und das ganze zurück, wieder 2,40 € Maut, bei Korinth dann endlich auf die Küstenstrasse. Und so sind wir heute Abend eben nicht in Etoliko eingetrudelt sondern in Narantza im gleichnamigen Hotel direkt am Golf von Korith gestrandet, allerdings nicht in diesem Hotel – aber so ähnlich.

Das braucht aber eine Erklärung

Es ist uns aufgefallen, die ganze Strecke entlang der Nordküste des Saronischen Golfs und eben auch der Südküste des Korithischen: Diese Landstriche hat zuletzt wohl der Autobahnbau Athen – Patras um die Existenz, ja Daseinsberechtigung gebracht: Hier gab es Tourismus, viel Kleingewerbe, Restaurants am Strand, Bahnhöfe, also eine Eisenbahn: Heute alles verfallen, verbogen, verrostet – trostlos: Die Menschen rasen über die Autobahn, von A nach B, kein Halt mehr in den Orten, an den Stränden. Nur ein paar einheimische Kinder plantschen da. Und es ist immer noch Saison…!

Wir genehmigen uns in Ag. Theodoron in einem Strassencafé ein Cappuccino und einen Toast und spüren die Trostlosigkeit, Verlassenheit. Dabei schmeckt der Kaffee nur 2,50 €, der Toast ebenso und das Mädel gibt sich Mühe und freut sich, dass da jemand gehalten hat.

So auch hier in Narantza.

Wir sind wohl die einzigen Gäste. Auch bei Abendessen nur zwei weitere einheimische Altrentnerpaare am Nebentisch. Alles prima, die Melonen gibt’s reichlich als Nachtisch und Dreingabe. Ich sitze am Meer, das rauscht und das Internet reicht bis zu mir.

Picasa

Mehr Bildär gibt’s späder…

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  • 2011-08-30;394;08:59;1:42;129;43.8;36.8;Naxos-Narantza
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6 Antworten auf * Rund Europa 2011, 1. Tag: Naxos – Nerantza

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  5. Winfried sagt:

    Gute Reise!
    Wir sind schon gespannt, wie es Euch in den „Schluchten des Balkans“ ergehen wird.
    Winfried

  6. Heide + Erich sagt:

    Hallo Ihr Zwei Abenteurer,
    Habt Ihr’s ja doch geschafft, von Naxos los zukommen. Wir hatten uns schon auf Eure Ueberwinterung eingestellt.
    Herzliche Gruesse von den Eskimos und den Walroessern, die es hier in der Naehe zu tausenden gibt, die wir aber leider nicht zu Gesicht bekommen – die F. fehlt uns auch hier.
    Falls Ihr uns auf Google Earth sucht: Dillingham heisst das Nest am A der Welt. Endlich koennen/muessen wir mal ausschlafen…
    Come home alive!!! Herzlich H+E

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