Ausflug nach Riga

Nach vier Jahren war es jetzt doch Zeit, wieder nach Riga zu fahren und zu sehen, ob und was sich da so getan hat in den vergangenen Jahren. Besonderer Anreiz: Im Internet hatte ich schon letztes Jahr ein junge Lettin über einen Internetfreund in Portugal »kennen gelernt«. Jetzt sollte das »in Echt« stattfinden. Sie arbeitet bei einem Touristikunternehmen in Riga. Das sollte doch interessant sein…

Ist es auch gewesen. Gerade kommen wir von einer langen Führung und einem langen Abendessen auf einem der enorm bevölkerten Plätze ins Hotel zurück. Das hat kostenloses WLAN auf dem Zimmer, genau das richtige für meinen Mac… »Kostenlos« ist natürlich relativ – das Zimmer kostet mehr als ein vielstündiger Besuch im Internetcafé mit ausufernder Bewirtung.

Also: Heute morgen fuhren wir bei Regenwetter los. Eigentlich sinnlos. Die Hoffnung war, dass es weiter nördlich besser würde. Und es wurde! Sonne, herrliche Wolkenbilder, viele neue Eindrücke. Und immer wieder diese wundervolle, ruhige Landschaft: Brachen, abgeerntete Felder, Wälder, diese kleinen verstreuten »Anwesen mit Kuh«, gelb-kecke Holzhäuser. Diese Strecken ohne Besiedlung, selten mal ein Auto…

Riga empfing uns also bei Sonnenschein. Auf den ersten Blick hat sich wenig verändert. Riga war vor Jahren schon weit im Restaurieren seiner wahrlich üppigen und wunderbaren Bausubstanz. Doch beim Durchwandern wird deutlich, dass es jetzt doch viel Neues zu sehen gibt. Riga ist eine Pracht, weiter als Vilnius. Obwohl weniger Geld da sei. Wir werden belehrt: Der Anteil der Millionäre in Lettland sei sehr hoch, höher als anderswo… Das Geld sei schon vorhanden, nur in den falschen Händen. Wo ist das schon anders – Korruption en masse auch hier.

Auch die Bestechung der Polizei funktioniert wohl noch immer: Enorm röhrende Motorradfahrer brüllen – wohl schon angetrunken – durch die Fussgängerzone, auch Limousinen mit den berühmten dunklen Scheiben. Obwohl für den Verkehr gesperrt. Kein Eingreifen der Ordnungshüter. Die werden angeblich z.T. richtig reich. Je »ungezogener« die Verkehrssünder, desto reicher. Kommentar unserer Begleiterin: Die müssten eben zeigen was sie haben…

Gegen Mitternacht wird’s voller, nicht leerer in den Strassenkneipen: Ganze Pulks von Touristen, »Wochenendler«, vorzugsweise aus Finnland und Schweden, aber auch Norwegen, Deutschland – Russland auch. Sie holen sich hier ihren Trunk, gehen später in die vielen Nachtklubs und suchen nach »latvian girls«…

Die soziale Situation…

…der Menschen hier ist wohl dramatischer als in Litauen. Der Anteil an russischsprachigen Menschen ist viel höher. Das Schulsystem krankt darunter. Der Exodus der litauischen Intelligenz ist wohl dramatisch. Also holt man noch mehr Ausländer ins Land damit die Arbeit getan wird: Ukrainer, Russen, Weissrussen und Menschen von noch weiter her, Kaukasus….

Und da sind wir dann bei Sibirien: Einige aus der Familie unserer Begleiterin waren dort, sind aber zurückgekommen – »she is a very strong woman« der Kommentar. Nie darüber geredet »in soviet times«. Ebensowenig wurde Weihnachten gefeiert, offiziell jedenfalls nicht. Für die Kinder wurde das auf Sylvester geschoben… Vieles mehr kommt zur Sprache und macht uns betreten, erschrocken. So nah kommt plötzlich das, was man »mal gelesen hat«…

Morgen…

…geht’s weiter, entlang der Rigaer Bucht nach Norden bis Kolkar. Und dort hoffen wir, dass wir weiter fahren können, was vor vier Jahren nicht möglich war. Vielleicht gibt’s da jetzt doch eine Strasse und nicht nur eine Sand/Kies-Piste…

Über reinard

Allen Neugierigen sei meine Webseite http://www.hr-schmitz.de ans Herz gelegt. Dort gibt's alles Un-/Wesentlich zu mir und über mich.
Dieser Beitrag wurde unter Europa, LT, LV, Reisen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort auf Ausflug nach Riga

  1. Pingback: * Rund Europa 2016 (2), 32. Tag: Tukums – Aizputē | Von Mir Nix & Dir Nix

Schreibe einen Kommentar