Da trennt sich die Spreu vom Weizen…

…und trotz aller Erfahrung erschreckt mich dieser Riesenhaufen Spreu; und das unfasslich kleine, fast verborgene Häuflein Körner. Der Aufschrei einer wie gleichgeschalteten Presse, öffentlicher wie privat in Haft genommener und missbrauchter. In Bild, in Ton und in in paper gegossenem Edeljournalismus.

Natürlich geht’s um Günter Grass. Wieder einmal ruft er Werdet laut und deutlich!. Mit seinem Gedicht Was gesagt werden muss hat er, mehr als seinerzeit, 1998, Martin Walser mit seinem Begriff der »Moralkeule«, der verdruckten Bürgerlichkeit mit dem Stachel der Mahnung den Hintern schmerzlich angerissen. Jedenfalls würde das den mehrheitlichen (nicht kollektiven!) Aufschrei wenigstens erklären.

Was gesagt werden muss

Reflexe, Agressionen, Dummheiten

Eine lange Liste liesse sich aufstellen von Eigenschaften, die beschreiben, wie die Restpresse fast unisono aufschreit und über den Mahner herfällt und die üblichen Kommentartrolls natürlich gleich mit – übereinander purzelnd, dass es nur so rumpelt im Karton. Da ist der Vorwurf des Antisemitismus schon fast eine zu belächelnde Petitesse.

Sternstunde des freien Journalismus?

Ich verbiete mir die Vorführung des Affenzirkus‘, jeder mag selbst in diesen Orkus abtauchen. Wenn wir doch endlich etwas lernen wollten, dann bitte doch das, dass Schwarz-Weiss-Denken, das binäre aristotelische »A ist entweder A oder Nicht-A, es kann nicht beides sein« (Joffe) nicht in allen Fällen das Verfahren der Wahrheitssuche ist, tote Maus hin oder her. Leider ist zu beobachten, dass immer die Entweder-Oder-Empörten das Maul am weitesten aufreissen, wenn jemand was Gescheites, ja Überfälliges, sagt; und das ist ja leider bei uns sehr selten der Fall. Grass hat es jedenfalls mal wieder geschafft.

Ich finde: In Ruhe anhören und/oder lesen, ein wenig nachdenken, nachschlagen zur Geschichte, sich den Unterschied zwischen »Juden« und einer extrem-rechten israelischen Regierung klar machen – man kommt dann auf allerlei alternative Gedanken.

Und dann zurücklehnen und Gefallen daran finden, dass wenigstens noch gesagt werden darf, »Was gesagt werden muss«. Ob’s wer begreift, das ist dann wieder eine andere Diskussion. Sternstunde? Eher nicht.

Links:

Nachtrag:

Stand 2012-04-16 :: für alle, die gerne Fakten heranziehen, wenn sie etwas beurteilen möchten:

Technorati Tags: , , , ,

Dieser Beitrag wurde unter Kultur + Gesellschaft, Politik, Presse veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten auf Da trennt sich die Spreu vom Weizen…

  1. Pingback: Es ist offensichtlich… | Von Mir Nix & Dir Nix

  2. Reinard sagt:

    @ping&pong: kar, ich sprach ja davon, dass der Spreuhaufen ungleich grösser ist. Der Kommentar kommt eben dazu.

  3. ping & pong sagt:

    Man wird doch wohl noch sagen dürfen, dass A = Nicht-A ist. Klar darf man das, ist schließlich ein freies Land. Nichtsdestotrotz ist Thilo Sarrazin ein Rassist und Günter Grass ein Antisemit. So einfach ist das.

  4. Erich sagt:

    Aus dem Herzen geschrieben, auch aus meinem. Nicht jeder, der Israel kritisiert, ist deswegen schon Antisemit.

Schreibe einen Kommentar