Es ist offensichtlich…

…nicht nur die Frage, wodurch Spreu und Weizen anfallen, sondern auch eine des Aufbewahrungsorts; besonders der Spreu. Letztere scheint mittlerweile in Deutschland vorzugsweise dort aufbewahrt, ja gar gehortet zu werden, wo vormals angeblich Hirn war.

Worum geht’s jetzt?

Während sich in Deutschland, einem angeblich säkularen Staat, in dem jeder nach seiner Façon selig werden darf, sogar oberste Gerichte um ein Tanzverbot an Karfreitag kümmern, »Tanzdemos« verboten und Land und Leuten die Trauerkappen verordnet werden – während also Deutschland mal wieder preussisch-stramm den Dummen Michel spielt, zeigt ein (darf ich’s sagen?) erzkatholisches Land, dass es auch anders geht. Nein diesmal geht es nicht um Griechenland, wo Kirchenfeste Tanzfeste sind.

Es geht um Spanien

Kurz und knapp: Wir waren gestern Abend, Karfreitagabend!, in El Paso beim Flamenco-Tanzabend. Dass der Flamenco kein Toten- oder Sakraltanz ist, ist geläufig, um auch an dieser Stelle Grass zu zitieren. Das Problem, dass die abendliche Karfreitag-Schweige-Prozession von und später wieder zurück zur Kirche direkt vor der Bar Central, dem Veranstaltungsort der lautstarken Flamcodarbietungen, vorbei führt – das stellte Ausrichter und Publikum vor kein unlösbares Problem: Als jeweils die Spitze der Prozession sichtbar wurde, kam ein freundlicher junger Herr ans Mikrofon,…

…Musik und Tanz wurden unterbrochen und viele gingen hinaus auf die Strasse, denn eine Prozession lässt man sich schliesslich nicht entgehen.

Di.e. Prozession wurde beide Male mit gebührender Rücksicht und Sittsamkeit beobachtet, ganz ohne richterlich Anordnung (die Polizisten vorneweg scherten sich nur um potenzielle Falschparker), ganz ohne störendes Einschreiten der vergnügungssüchtigen Flamecobegeisterten. Das Gehirn konnte offensichtlich in allen Fällen schnell genug hin und her schalten.

Der »seelischen Erhebung« (GG, $140) an diesem Tag haben weder die fulminanten Darbietungen auf der Bühne noch die farben- und formenprächtige Prozession geschadet. Wie auch?

Und so entstand diese lange und zwischen Flamenco- und Prozessionsschritten oszillierende Fotogalerie in Picasa. Die Frage bleibt: Was stört hier die »seelische Erhebung« oder wen oder wodurch?

Ach ja,…

…und fast hätte ich es vergessenen: Es ist Ostersamstag und es regnet endlich. Nicht viel zunächst, ich gebe es zu, aber es ist ein Anfang gemacht. Den Wunsch hätte ich auch bezüglich anderer Dinge, die vom Himmel fallen, auch wenn noch nicht Pfingsten sondern erst Ostern ist.

Oh Herr, wirf Hirn…
Oder Steine,…
Hauptsache, du triffst!

gefunden auf Facebook

Bbezüglich des Regens gab’s ein Einsehen – er pflaschte bis nach Mitternacht. Und während in Deutschland der Schnee die Eier kühl hält prangt hier wieder die Sonne am Firmament, dem blauen.

Frohe Ostertage!


Links:

  • Das Grundgesetz, §140, zum Sinnieren darüber, worüber Juristen sinnieren. Dort steht auch »Artikel 139 WRV: Der Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage bleiben als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung gesetzlich geschützt.«

Picasa

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2 Antworten auf Es ist offensichtlich…

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  2. Hans-Georg sagt:

    Nach diesem Paragrafen müssten alle Theater und Restaurants an Sonn- und Feiertagen geschlossen bleiben.
    Wir haben uns am Karfreitag köstlich erbaut im Operettenhaus in Hamburg und zum wiederholten Mal das Musical Sister Act angeschaut. Ein herrlicher Spaß!

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