* Rund Europa 2012, 14. Tag: Gnarp – Örnsköldsvik

Donnerstag, 14.06.2012, 17:24:45 :: Hütte auf dem Campingplatz bei Himmersundet – nördlich von Örnsköldsvik

Nachtrag:

2012.06.13 :: Das war der Blick aus dem Fenster, kurz nach Mitternacht…

…und das am 14., am nächsten Morgen.

Beim genussvollen Frühstück für zwei (wir waren ja die einzigen Gäste) waren wir uns einig, dass wir Luleå erreichen sollten oder wenigstens Umea. Wenigstens Örnsköldsvik haben wir geschafft. Und das auch nur, weil vorher nichts zu bekommen war zum Nächtigen.

Himmersundet und auch http://de.wikipedia.org/wiki/Örnsköldsvik_(Gemeinde) kennen auch wieder die Wenigsten. Das geht mit fast allen Orten so, hier entlang des Bottnischen Meerbusens; keine/r gräme sich…

Dennoch lohnte die Fahrt da hoch hin und wieder – den Wunsch Polarkreis mal aussen vor gelassen. Im Grunde braucht man nämlich weder Navi noch Karte – E4 genügt zur Orientierung, auf die Schiene setzen und los, Haparanda als Endziel in der Nordspitze des Meerbusens genügt. Ab da einfach nach Norden, bis die Sonne nicht mehr untergeht und grosse Feuer brennen. Wenn man aber Karte und Naivi benutzt und unartig die E4 verlässt, kann man schöne Momente erleben. Weniger in den Industriestandorten in den teils tief ins Land einschneidenden Meeresbuchten. Dort raucht’s, qualmt’s, dampft’s und stinkt’s zum Teil erheblich.

Ostsee, Lustsee

Wir wissen: Es gibt hier mehr. Und das mit der Lust könnte stimmen, wenn das Wetter mitmacht und man Buchten abklappert. An der Pflanzenwelt merkt man übrigens, dass diese Region nicht ganz auf der Höhe von La Palma liegt. Der Flieder blüht wie verrückt,…

die Kastanien, Maiglöckchen, Schlüsselblumen, Weichselkirsche und die Apfelbäume – zum Beispiel.

Vieles davon findet man also in kleinen Buchen, so wie gestern zum Beispiel.

Eine Schwänin mit ihren Kücken wird aus der Ferne vom Vater überwacht, der sofort angeflogen kommt, als wir zu lange verweilen.

Wire schreiben auch noch Postkarten

Aher nur an Enkel und Emaillose…

Bewohntes Terrain…

…meiden wir nicht grundsätzlich. Bevorzugt natürlich ein Ort mit Schären und all dem anderen.

Heute haben wir uns noch ein altes Fischerdörfchen ausgesucht, dessen Häuschen wohl hauptsächlich von schwedischen Urlaubern genutzt wird. Pittoresk alles, viele liebevolle und auch lustige Details vor und an den Häusern, wenig oder eigentlich gar nicht touristisch. Das Fischrestaurant macht um 12 Uhr auf, wir haben aber halb elf.

Also gehen wir rüber zur Fischräucherei, die öffnet um elf.

Aber als sie uns kommen sieht schliesst die Verkäuferin schnell auf, wir sind die ersten Kunden. Alles ist fertig: Wir suchen gerauchten Fisch aus für heute Abend oder so und frische Krabbenmayonaise mit feste Dill und ein hier hergestelltes sehr interessantes Knabberbrot. Damit sitzen wir, komplettiert mit Tass‘ Kaff‘ draussen, mit Blick auf die See.

Und nun das Wetter wieder… Regnen will’s wohl nicht, aber es nebelt leicht und dann schaut auch mal die Sonne nach uns und nimmt dem beginnenden Sommer diese herbe Frische etwas.

Und da sind sie wieder!

Der erste Bus. Aus ihm ergiesst sich eine fröhliche Rentnerschar, alle deutlich älter als wir. Schweden. Sind es die von gestern? Wir sind nicht ganz sicher. Jedenfalls stürmen sie den Laden – und landen bei Eiskreme und Kuchen… Und wir dazwischen mit unseren Krabben.

Nebenbei…

…was es nicht alles gibt in den nordschwedischen Schären:

Wir ziehen weiter, E4 meist, wie gesagt: langweilig. Deshalb suchen wir noch ein paar mal Abwechslung, was aber nicht mehr gelingen will; wir landen allenfalls in touristischen Sackgassen ohne Zugang zur Natur.

Die Städte sind Industriemoloche und/oder Riesenbaustellen…

…und an die See kommt man auch nicht mehr so richtig ran. Ausser wir würden wandern: 127 Kilometer ist er lang, der Küstenwanderweg durchs Naturreservat und Weltnaturerbe der Höga-Küste, einer wohl einmaligen Küstenlandschaft, die durch die Eisdecke (3 km!) der letzten Eiszeit zuerst in die Erdkruste gedrückt wurde und danach wieder auftauchte. Und das tut sie bis heute – noch ca. 1 cm pro Jahr. »Mit 285 Metern hat das Gebiet Höga Küsten die höchste isostatische Bodenhebung der Welt seit der letzten Eiszeit zu verzeichnen.«, wie Wikipedia schreibt. Einige Städte hier mussten extra neu gegründet werden, weil ihnen der Hafen durch die Bodenhebung im Laufe der Jahrhunderte abhanden kam.

Aber eine Wanderung war nun wirklich nicht vorgesehen. Damit war auch kein echte Inaugenscheinnahme möglich. Aber dafür gab’s was technisch Imposantes: Schwedens längste Hängebrücke, die Högakustenbrücke, überspannt elegant und wirklich erhaben den Ångermanälven, 1,9 km lang das ganze. Die Brücke erinnert an die Brücke rüber zur Peloponnes bei Rio/Andirio und ist gewissermassen der Eingang zur Högakusten-Region.

Was uns noch blieb waren die immer wieder der Anblick dieser schmucken und doch so einfachen schwedischen Holzhäuser, die so furchtbar an Ingmar Bergman erinnern und die wunderbaren Ausblicke auf Seen und Buchten, ohne Karte könnte man nicht unterscheiden, was es was ist.

Und durch die oben angesprochene Bodenhebung wären ja viele der Seen heute noch Teil der Ostsee. Viele Häuschen liegen dort verträumt am Ufer – aber nicht für Durchreisende. Für die bleiben Hotels vorbehalten, 200 € die Nacht (die Preise steigen wohl auch hier mit den Breitengraden) oder eben eine Hütte auf dem Campingplatz, knapp 50 € die Nacht, alles tiptop, WLAN reicht bis zur Hütte aber nicht nach drinnen.

Und wieder:

Schweden ist international. Oder ist es nur die Sehnsucht nach dem nebelfreien Süden?

Draussen ist es sehr nebelig, sehr frisch und es regnet hie und da…

Donnerstag, 14.06.2012, 22:34:05 :: Ich muss in den Schlafsack.

Picasa

Tagesleistung, Tracks & Links:

Dieser Beitrag wurde unter Europa2012, Kultur + Gesellschaft, Reisen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar