* Rund Europa 2012, 20. Tag: Ruka – Kemijärvi

Mittwoch, 20.06.2012, 14:15:44 :: Kemijärvi, Hotell Kemijärvi

Anmerkungen für aufmerksame Leser

Alle, die regelmässig auf unseren Spuren folgen, werden enorme »Löcher« feststellen, fehlende Tage mit Berichten. Das hat seine Gründe 😉 – will heissen, ich komme nicht immer dazu, und zuweilen tut selbst das Internet nicht, das angeboten wird. Aber das erkläre ich dann zuzeiten, wenn die Berichte (hoffentlich) folgen.

Heute war das eine kurze Fahrt

Wir sind heute Morgen im guten Glauben in Ruka gestartet, wo wir gestern im Motel Willi’s West untergeschlüpft sind, einer zünftigen und preiswerten Unterkunft. »Willy« ein Deutscher, Koch, seit 20 Jahren macht er hier (Dauer-)Urlaub, wie er auf die Frage pfiffig berichtet, wie es ihn denn hierher verschlagen habe.

Nebenher haut er zwei Pfundssteaks in die Pfanne und serviert die zart gebraten mit Bratkartoffeln, Zwiebeln und Pilzen – natürlich an etwas Grün und Tomatenscheiben.

Aber weshalb schwelge schweife ich schon wieder ab? Im guten Glauben starteten wir, dass wir Mounio erreichen würden, ein Flecken am Grenzfluss zu Schweden. Stattdessen versagt nach 20 km der Frontscheibenwischer; dass es regnet und die Wolken in den mittlerweile schütteren Fichten- und Kiefernspitzen hängen, das brauche ich ja wohl nicht extra zu erwähnen – Sonne gibt es frühestens am Freitag, meinen unser Motelwirt und Lis‘ Regenradar im Internet. Wer hilft da in unserer Not? Umkehren, den deutschen Wirt fragen. Dass der uns gestern Abend fast emotionslos erklärt hat, der Bäcker käme 2 mal die Woche 200 km angefahren, und dass das eben hier die normalen Entfernungen seien, stimmt uns im jetzigen Zusammenhang nicht hoffnungsfroh. Wo ist wohl die nächste Renault-Vertretung? In Ruka sind die KFZ-Spezialisten heute nicht in ihrer Werkstatt, wohl nicht genügend los. Ich inspiziere die Sicherungen – alle ok.. Also wird’s wohl der Motor sein. Nachmals 20 km weiter südlich empfiehlt er uns daher eine Tankstelle und Werkstatt, die eine ganze Reihe von Automarken vertritt, so auch Renault. Gerne hilft dort der Werkstattmeister. Nur leider erst kommenden Freitag in einer Woche. Da könnte ein Ersatzteil hier sein. Vorher nicht. Leider.

Blindflug

So entscheiden wir uns zum »Blindflug«, immer so langsam, dass wir durch die Regentropfen die Rentiere rechtzeitig erkennen können und möglichst schnell, damit der Wind sie wegbläst (natürlich deie Regentropfen). Aus demselben Grund.

So geht’s also durch die immer mickriger werdenden Wälder,…

…vorbei an zuweilen fast auf die Strasse schwappenden Seen und Tümpeln,…

…der einen oder anderen Hütte im Wald.

Viel los ist hier nicht mehr. Dennoch: Der eine oder andere Campingplatz preist sich an – oder eben nicht mehr. Geschlossen und verrammelt. Als wir unseren Umkehrpunkt nach Wischermaschienenschaden erreichen, haben wir die ersten 100 km schon hinter uns.

Uunterwegs kam mir die Einsicht, dass es wohl derzeit nachts nicht dunkler werden könne als jetzt…

Ja klar: Die Rentiere…

…die hätte ich bald vergessen, an sie haben wir uns schon so gewöhnt, dass ich an sie schon gar nicht mehr denke. Sie stehen eben alle paar Kilometer auf und neben der Strasse, schauen sich fragend um als seien sie im Zweifel, ob man tatsächlich vorbei will. Schliesslich verlassen sie die Strasse via Strassengraben und verschwinden gelangweilt grasend im Wald. Oder sie bleiben einfach stehen. Dann dauert’s bis zur Weiterfahrt etwas länger.

Und so verzichteten wir weise…

…in Kemijärvi nach einem leckeren Eisbecher und einem Cappuccino im wohl einzigen Café auf eine Weiterfahrt; es war bereits 2 Uhr – kein Gedanke daran, das angepeilte Ziel noch zu erreichen. Allerdings: Nach dem Entschluss und der erfolgten Einmietung ins örtliche Hotel hörte es zu regnen auf… Wohl ein klarer Hinweis auf unsere Kleingläubigkeit dem Wettergott gegenüber. Aber man mag auch bedenken, dass Kemijärvi die letzte Stadt ist, halt, ich korrigiere mich: die nördlichste Stadt Finnlands; danach kommen nur noch Namen und Einzelhäuser – fürchten wir jedenfalls. Und da geniesst man doch noch mal etwas Komfort zuvor…

Was also den Ameisen gut ist…

Die Ameisen

In Hamburg lebten zwei Ameisen,
Die wollten nach Australien reisen.

Bei Altona auf der Chaussee
Da taten ihnen die Beine weh.

Und da verzichteten sie weise
Auf den letzten Teil der Reise.

J. Ringelnatz

Zumindest für heute. Obwohl, das ist gar nicht so teuer, eingedenk der Tatsache, hier im letzten Vorposten der Zivilisation zu nächtigen 😉 Wir warten jetzt eben was geschieht. Ob die Sonne nur theoretisch über dem Horizont bleibt oder sich das auch in Augenschein nehmen lässt. Schaun’n wir mal.

Das Hotel…

…hatten wir uns übrigens schon gestern Nacht in der Webcam angesehen:

Und so sah es hier heute Nachmittag aus:

Ach ja, den Polarkreis,…

…den haben wir auf dieser kurzen Reiseetappe auch wieder überquert. Sonnwendfeier ist übrigens dieses Jahr nicht am 21. Juni sondern erst am 22. – weil Schaltjahr. Jaja, Reisen bildet. Wir sind hier die einzigen Gäste, das Hotel hat die nächsten Tage geschlossen – während der Sonnwende schläft wohl keiner, selbst wenn er wollte. Gefeiert wird hier oben wohl ziemlich doll. Auch bei Regen, wie unser Wirt in Ruka trocken bemerkte, denn alle sind von innen so nass, dass es auf den Regen nicht mehr ankomme. Wir werden berichten.

Er liegt da ziemlich einsam, fern jeder Behausung.

Stand per 2012-06-20:

Tagesleistung, Tracks & Links:

  • 2012-06-20;202;02:32;01:32;116;79.3;49.3;Ruka-Kämijärvi
  • Track
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