* Rund Europa 2012, 24. Tag: Skibotn – Tromsø – Bardufoss (2)

Tromsø

Man erreich die Stadt über eine hohe, weitgreifende, ca. 800 m lange Brücke, an deren Anfang die Kirche liegt, über die noch zu berichten sein wird. Der alte Teil liegt wie gesagt auf einer Insel im Fjordgewirr, ca. 10 km lang.

Venedig des Nordens oder »Paris des Nordens« sind ganz sicher masslos übertriebene Bezeichnungen, scharfe Angelhaken der Tourismusindustrie. Tromsø hat nette alte Häuser in der Altstadt, vielleicht zwei oder drei gemütliche Cafés (dort sollte man eigentlich Menschen treffen, die was aussagen zum Charakter einer Stadt), einen Hafen, Hochschule etc., diese grosse Brücke, das eine oder andere, sicher interessante, Museum – und eben diese Kirche, die Eismeerkathedrale,…

viel besucht, von Bussen eingemauert und von viel Volk umschwirrt. Und für 35 Kronen (4,65 €) darf man da auch rein und vermutlich durch das grösste Glasmosaik Europa nach draussen schauen. Ob einem dieser Anblick die norwegische Volksseele näher bringt, darüber müsste ich gesondert nochmals nachdenken, vermute aber, dass das die alten Kirchen, immer offenen Kirchen auf dem Land eher, um nicht zu sagen leicherdings, schaffen.

Ich möchte wetten, der Liebe Gott würde das nicht gutheissen. Aber den schönen Ausblick auf Brücke und Stadt, den gibt’s bisher gratis.

Ganz und gar nicht gratis…

…gibt es Parkplätze. Wenn man herumfahrenderweise einen gefunden hat, braucht man Kronen. Zumindest ahnt man das, da ein Automat aufgestellt ist. Was also tun? Es ist unser erster Stop, an dem wir Norwegische Kronen brauchen. Also raus und Bankomat suchen. Gefunden, kurz einen Cappuccino getrunken, damit aus Scheinen Münzen werden und zurück. Und – da hängt es schon, das Knöllchen!

Hundert Euro…

oder 760 Kr Begrüssungsgeld sollen wir zahlen. Ich bin gespannt, was daraus wird. Erst als wir zurück kamen und an den Automaten traten, sahen wir, dass man mit VISA hätte bezahlen können; allerdings, ob er unsere Karten genommen hätte, das steht wieder auf einem anderen Blatt. Es gibt nämlich Tage und Situation, da verweigern alle Terminals unsere Karten. Und ich sage Karten! Das Bezahlsystem scheint technisch ohne Weiteres noch verbesserungsfähig… Und es sind norwegische Preise, klar, alles mal zwei oder sicherheitshalber mal drei.

Kritik

Worin manifestiert sich eigentlich der Wohlstand und das enorme Pro-Kopf-Einkommen  Norwegens? Wo ist das Geld versteckt? Wer hat es? Sichtbar ist es jedenfalls nirgends. Ich hatte mir vorgestellt, Norwegen müsse nicht gerade protzen mit seinem Reichtum, aber erkennbar müsste er ausser an seinen Preisen doch sein, oder? Es muss ja nicht gleich deutsche Poliersucht sein, in dem er sich zeigt. Jedenfalls und unabhängig von Strafgebühren: So kann Europa niemals funktionieren, derartige Unterschiede verträgt der Kontinent nicht unbeschadet; ob nun Norwegen in der EU ist oder nicht (letzteres trifft derzeit noch zu). Das Erdöl wir irgendwann versiegen. Also nochmal: Wo ist der Kies?

Und: Die faszinierende Natur hat der liebe Gott oder wer auch immer geschaffen, nicht aber die Norweger. Ihre Schönheit können sie sich in diesem Zusammenhang nicht zurechnen.

Hier übernachten?

Ha! Einfachste B&B-Unterkunft mit gemeinsamem Klosett – unbezahlbar, ich hätte an meine Goldbarren müssen. So zogen wir nach einem kleinen Stadtrundgang von dannen. Wir haben auch verstanden, warum es keine Strassencafés geben kann: Der arktische Sommer verbietet sie rundweg. Es ist eine Region, an die man sich vielleicht allmählich gewöhnen könnte aber nicht muss.

Wir haben ja Glück an diesem Tag: Die Sonne ist uns hold, Regen nicht zu erwarten. So fahren wir nach Süden, Richtung Narvik. Auch eine Stadt, von der ich denke, man sollte sie gesehen haben. Aber soweit reicht der Tag dann doch nicht. Wir fahren durch’s Grüne, fast immer einen Fjord zur rechten und die Schneezinnen in der Ferne.

Unverhofft im Skigebiet

War der Ort Skibotn noch irgendwie mit »Ski« assoziiert, ohne dass man dort Ski fahren konnte, so war es Bardufoss nun überhaupt nicht. Aber dort landeten wir nach mehreren erfolglosen Unterkunftsanfragen in einem Skicamp oder ehemaligen Trainingszentrum, etwas herunter gekommen, aber preislich nach Abschaltung aller verantwortlichen Gehirnstränge erträglich. Gleich nebenan liegt der Flughafen, der zivil und vor allem militärisch genutzt wird.

Picasa

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