* Rund Europa 2012, 32. Tag: Siltakylä – Helsinki – Tallinn

Montag, 02.07.2012, 24:00:00 :: Tallinn, Hotel L’Erimitage

Dienstag, 03.07.2012, 19:27:21 :: Kärdla
Mittwoch, 04.07.2012, 21:28:03 :: Randveere

Das Ende einer Skandinavienfahrt…

…hätte nicht so ausfallen müssen, nein, es hätte die Sonne scheinen können, auf einer Hotelterrasse in den Schären, mit…

Es regnet was so runterkann pro Zeiteinheit, Nebel – und dann eben Vanessa mit ihrem Frühstück. Lis lässt Wurst und Käsebrot liegen, ich bescheide mich mit Joghurt und ein paar Corn Flakes. Wir packen, zahlen, laden ein und quälen uns ohne Wischer durch Nebel, Regen und Spritzer der anderen Wagen. Richtung Helsinki. Das Navi zeigt mehr Details als der Blick durch die Frontscheibe; es geht fast immer geradeaus, ich kann also kaum was falsch machen, wenn ich das Lenkrad festhalte.

Kurz vor Helsinki klart es auf,…

…später scheint die Sonne – es wird ein brandheisser Tag… Aber gemach. Das Navi (darüber muss ich mal einen Lob- und Preis-Beitrag machen) bringt uns auf das Fährdock, direkt in die Schlange. Als wir dran sind die lapidare Auskunft: Nichts mehr frei für uns heute Morgen, heute Nacht, 21.30 Uhr aber schon…

Also zum Terminal, Schlange stehen. Als wir dran sind die Auskunft, dass wir am falschen Schalter stehen, der richtige ist geschlossen. In 15 Minuten, wenn hier alle Reisenden abgefertigt sind, machen sie den richtigen Schalter auf für uns. Also warten…

Ich frage an einem Schalter, an dem gelangweilt zwei junge Damen auf eine anspruchsvolle Aufgabe warten. Die eine ist die, die mich zuvor am Checkin auf heute Abend vertröstet hat; wir freun uns, uns wieder zu sehen. Sie macht uns die Buchung und auf die Frage, ob wir uns dann heute Abend wohl wiedersehen, grinst sie: Ja, wohl schon.

Ein voller Arbeitstag in Helsinki

Was macht man damit? Sightseeing, was sonst. Was machen wir mit dem Senfle? Innenstadt, Parkhaus – nichts ahnend. Nun sind wir frei, es ist zugig aber sonnig. Cappuccino. Wir finden eine erste Bleibe zur Stärkung und zum Überlegen. Wir mögen keine grossen Städte. Obwohl, die Bauten sind imponierend, viel Jugendstil, Neoklassik, »Backsteingotik«, gewaltig und in unübersehbarer Zahl.

So kämpfen wir uns durch den Tag: Park, Hafen, Touristen-Buden-Chaos, Tauben, Möwen, Eis, Cappuccino… Sitzen, stehen, gehen – nur liegen, das geht nicht.

Kauforgienhaus Stockmann

Stockmann scheint die halbe Stadt zu gehören, sein Parkhaus liegt weiss-nicht-wie-viele Stockwerke unter der Erde und hat unseren Twingo geschluckt heute Morgen. Cafés, Bars, Billigshops – und eben dieser 8-stockige Gigantomanie-Pseudo-Erlebnisparadies-Schuppen. Wir spazieren durch und sind enttäuscht bis gerade noch zufrieden: Auch nichts anderes also irgendwo sonst. Nur teurer.

Als wir unseren Twingo auslösen, fordert der Automat 36 €, sechs-und-dreissig. Zur Hell denk‘ i. Aber andererseits: Gibt es etwas Schöneres, als in der Hauptstadt Finnlands seine Zeit zu verbummeln, frierend, schwitzend, je nach Strassenseite?

Die Fähre fährt pünktlich…

…und wir suchen uns ein Plätzchen, möglichst ohne Beschallung, ohne TV-Nötigung, ohne grölende Kampftrinker und irren durch den ganzen Kahn – es scheint nicht möglich. Da entdecken wird die Tischchen des Schnellrestaurants, Bänke am Fenster und Warnschildern auf den Tischen, dass hier nur Gekauftes verzehrt werden darf. Und wenn gar nichts? Egal, wir setzen uns und werden nicht belästigt. Neben uns liest ein Herr unseres Alters sogar ein Buch. Ein Buch! Man möge sich das vorstellen, das gibt es, Bücher lesende Passagiere. Ich lese auch. Auf dem Kindle… Lis besorgt irgendwann zwei Pappbecherkaffees und Schmalzgebackenes von Vor-vorgestern.

Wir lieben Fähren, diese grosse Welt des Grosse-Welt-Gefühls.

Und kurz vor 11 geht dann tatsächlich und sichtbar die Sonne unter; wir sind nicht mehr da oben, wo die Sonne (zuzeiten) nicht mehr untergeht. Aber wir haben es erlebt. Und das zählt.

Kurz nach Mitternacht…

…rollen wir von Bord. Tallinn hat uns mal wieder, aber so richtig »Nacht« ist es nicht. Problem: Was nun? Unsere Couchsurferin hatte uns nicht geantwortet. Daher SMS: Wir kommen. Aber darf man von jemandem noch unbekannten verlangen, dass er/sie einen um Mitternacht vom Hafen und so? Das geht nicht, also wo ist das Hotel in der Touristenhochburg Tallinn, das unserem müden Haupt ein bezahlbares Kissen bietet, morgens, kurz vor eins?

Wie fast immer: Wir finden es. In jeder Hinsicht Klasse und der Beweis, dass Geld und Leistung auch dann zusammen passen können, wenn die Gefühle des Gastes berücksichtigt werden. Und der Prunkkasten heisst auch noch L’Eremitage – Russlands letzter Gruss am Ende dieses Reiseabschnitts.

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