* Rund Europa 2012, 34. Tag: Kärdla – Randvere

Mittwoch, 04.07.2012, 16:06:29 :: Gästehaus Aavikunurga, Randvere auf Saaremaa (Ösel)

Also, um ehrlich zu sein: Hätten wir den kommenden Freitag nicht mit Agrita in Riga vereinbart – niemand hätte uns hier heute Morgen wegbekommen. Sowenig wie am kommenden Morgen – aber ich enteile mir schon wieder. Das Padu Hotell ist einfach ein Platz zum Entspannen. Ausser dem Konsum um die Ecke keine weitere Ablenkung, Spaziergänge enden da wo sie begannen… Ich hätte da gut zwei Tage sitzen und schreiben können. Wenn man’s recht bedenkt, ist Hiiuma eben eine kleine Insel, die Uhren gehen gemächlicher. Nichts scheint einem zu entgehen…

Das merken wir auch, als wir losgefahren sind zur Südküste, um die Fähre nach Saaremaa zu bekommen. Leere Strassen… Ausser Wald und Wiesen ein paar alte Windmühlen und Kirchen, deren Zustand bejammernswert ist, da helfen die paar Euros in die Opferbüchse wohl auch nicht, denn so viele Besucher haben die Inseln hier eben nicht.

Die Fähre sehen wir von hinten…

…als wir ankommen im Hafen. Aber wen kümmert das? Man sieht das andere Ufer, es wird schon wieder eine kommen. Und so ist es auch und die wenigen Autos passen locker drauf, vorweg zu buchen wäre echte Zeitverschwendung.

Wir vergnügen uns bis dahin u.a. damit, was dabei heraus kommt, wenn man Pekinesen gewähren lässt,…

…bewundern die Steine am Hafen und besetzen sie.

Schärenfahrt

Ausgerechnet auf dieser kurzen Fahrt wütet ein exemplarischer Workoholic: Mit seinen zwei Jungs und seiner Frau eindeutig auf Urlaubsfahrt, ist er fast die ganze Strecke permanent am telefonieren, Mama erträgt’s sichtbar ergeben, die Jungs schert’s nicht die Bohne,…

…sie scheinen keinen Papa zu haben oder gar zu vermissen; sie daddeln und nerven die Mama, die liebevoll in Schranken hält. Wird’s dem iPhone-Anhang zu laut, geht er hinaus aufs Autodeck und verzieht sich, hochkonzentriert, in die vorderste Ecke; weiter weg geht nicht – er würde nass und überfahren. Geld umzuschichten scheint eine schreckliche Bürde zu sein…

Auch auf Saaremaa gibt es Kirchen

Und nicht zu wenig. Wir haben zwar ein klares Ziel, aber wo’s was zu sehen gibt, da halten wir. Interessanterweise begegnen wir zuerst einer orthodoxen Kirche. Und Windmühlen – gleich einem ganzen Museum.

Holzhäuser…

…sind ja ein eigenes Gebiet – wenn man sie mag (und das ist bei mir so) kann man sich halb tot fotografieren.

Andere Häuser verschwinden wiederum unter der Erde. Diese Vorratsgebäude sind häufig, dieses aber in der Form eher selten.

Ja gut, und eben die nächsten Kirchen…

Deise hier zum Beispiel ist als älteste Kirche im ländlichen Estland ausgewiesen, 1227 begonnen. Mit sei Euro kann man sich an ihrer Rettung beteiligen – wenn’s klappt, wir geben’s gerne.

Und dann verfransen wir uns mal wieder

Wir wissen wo wir hin wollen, nach Randvere. Navi und Wegweiser zeigen uns, wo’s lang geht. Aber unsere Erinnerung meint, sie wisse es besser… Pech gehabt.

Oder doch Glück? Diese Kirche lag am Wegesrand, bevor wir vor der Realität kapitulierten und umkehrten.

Und nach ein paar Kilometern Sandpiste waren wir am Ziel. Ganz einfach.

Das Gästehaus Aavikunurga

Werbung? Egal, ausnahmsweise. Aber dieses Fleckchen Erde muss man einfach loben – nur erwähnen wäre ungerecht. Mitten in der Pampa, nur über besagte Sandpiste voller Schlaglöcher erreichbar, liegt dieses kleine Paradies, das wir 2010 zufällig gefunden hatten, weil ein avisiertes Hotel nicht (mehr) existierte. Mit der Besitzerin waren wir in losem Kontakt geblieben und hatten Glück: Für diese eine Nacht war alles frei, ab morgen früh alles belegt.

Und so geniessen wir den Abend, trotz reichlich Moskitos und instabilem Internet im Freien, mit einem Schäferhund, der als Babysitter taugt, freundlich und zu witzig, wenn er spielen will.

Ein leckeres Abendessen für Lis

Alles biologisch einwandfrei, frisch aus dem Meer und aus dem eigenen Garten – für mich bleiben nur Salat, Brot und Preiselbeersaft… Die Schwiegertochter hat sich grösste Mühe gegeben, liebevoll alles angerichtet und dann ich: Kein Fisch, keine Kartoffeln…

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Tagesleistung, Tracks & Links:

  • 2012-07-04;123;03:07;02:50;96.4;39.2;20.5;Kärdla-Randvere
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Nachtrag:

2012.07.24, 11:27 :: Lis macht mich nach Veröffentlichung dieses Beitrags darauf aufmerksam, dass mir zu meiner Stärkung ein Hähnchenbrustfilet gebacken wurde. Das war mir unverzeihlicherweise entfallen. Ich gestehe es.

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Eine Antwort auf * Rund Europa 2012, 34. Tag: Kärdla – Randvere

  1. Helmut Hansen sagt:

    .. wie man den letzten Blogbeiträgen entnehmen kann, geht es Euch sichtlich gut. Man schaut stets in zufriedene Gesichter.

    Wir wünschen Euch weiterhin eine schöne Reise. Man kann ehrlichen Gewissens sagen, dass Ihr uns für einen Teil Europas begeistert habt, den wir bislang nicht kannten.

    Anne & Helmut

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