* Rund Europa 2012, 97. Tag: Meganisi (1)

Mittwoch, 05.09.2012, 12:23:17 :: Meganisi, Restaurant Paradiso.

Ja. Doch. Schon.

Meganisi ist schon gross, im Vergleich zu einigen umliegenden Inselchen. Oder auch sehr klein und der Name einer Hybris entwachsen. Man kann das sehen wie man will. Jedenfalls ist der Platz, an dem wir hier unter einem uralten, verwundenen Olivenbaum sitzen, mit Paradiso schon recht gut beschrieben.

Italienisch kommt sie mir vor. Der Blick über das hier knapp einen Kilometer breite Meer, hinüber nach Lefkas erinnert an den Blick über einen der kleineren oberitalienischen Seen.

Etwas weiter nördlich liegt die Onassis-Insel Skorpios. Wir befinden uns somit immerhin in illustrem Dunstkreis – immerhin war Jackie Kennedy mal unsere Nachbarin –, auch wenn der derzeitige Besitzer wohl nicht klar ist (siehe Links).

Wir sitzen hier im Olivenhain, schwimmen morgens und abends, wenn der »Durchgangsverkehr« aufgehört hat. Denn in diesem relativ schmalen Stück Meer zwischen Meganisi und Lefkada tummelt sich alles, vom morgendlichen Kanufahrerteam über übende Kleinjachten bis zu trötenden Ausflugsbooten, die ihre Kundschaft mit Musik und – ich vermute mal – flotten Sprüchen und ein paar Erklärungen vergessen machen, dass sie dafür bezahlt haben…

Italiener und Engländer sind wohl die häufigsten Gäste hier, die morgens und gegen Mittag mit Mietwagen oder -bötchen hier anlanden, einen Kaffee trinken, ein Bier oder, gegen später, eben zu Mittag essen. Ruhig und gelassen geht es zu, die Saison war. Aber sie war schlecht, wie uns Lydia erzählt, die Besitzerin. Etwa 30% weniger als letztes Jahr. Vor allem die Griechen selbst haben wohl verzichtet, »normalen« Urlaub zu machen. Da wird sie sichtbar die Krise. Aber so richtig wohl erst in den Städten, Athen ist voller Bettler, gut gekleidet aber ohne Arbeit und ohne was im Bauch. Oder aber, wenn wir zuhören, wie die Steuerbehörde die »kleinen Leute« pisackt. Beispiel? Wer sein Auto noch nicht abgemeldet hat, es also benutzt, zahlt KFZ-Steuer, wie bei uns. Wer sich das nicht mehr leisten kann, den Karren abmeldet und irgendwo bei sich auf den Hof stellt, der bezahlt »Immobilitäts-Steuer«, denn er kann sich ja den Wagen immerhin leisten, sonst stünde er ja nicht da, sondern wäre schon längst verkauft. Nur: Wer sollte ihn kaufen können? Zynisch betrachtet wäre wohl die kostengünstigste Lösung, ihn heimlich mit Benzin zu übergiessen und abzufackeln. Das kostet nur zehn Liter Sprit, der allerdings liegt immerhin deutlich über einsachtzig.

Man kann es drehen, wie man will,…

…geschröpft werden auch hier und immer wieder die Kleinen. Dass die wirklichen Geldsäcke woanders lagern, als dass die kleinen Steuerprüfer drankämen, das weiss jeder. Das ist überall so. Und dass die Politiker hier wie dort und überall sich die nicht holen (dürfen, sollen), das kann man ja quasi live miterleben, wenn’s bei uns drum geht, mit illegalen Daten-CDs (il)legaler Steuerhinterzieher habhaft zu werden. Da entblödet sich auch eine Justizministerin nicht, dumme Vorschläge zu machen, wie Datenhehlern das Handwerk zu legen sei. Also: Griechenland hat seine Krise nicht der »kleinen Leute« wegen. Die Krisenerzeuger, -beförderer und -gewinnler sind andere. Ein Blick in die richtige Presse kann da helfen. Aber ändern wird sich wohl nur was, wenn man diesen Menschen weh tut. Und das werden sie nicht zulassen. Weh tun wird es immer den selben; die Reaktion Australischer Politiker im besagten Beitrag zeigen die Machtverhältnisse mehr als deutlich. Auch wenn SPD-Münte mal was Richtiges zu Europa von sich gibt: Das Primat der Politik ist verloren, es zurück zu holen wäre ein eher revolutionärer Akt. Das hat selbst die bürgerliche Presse längst begriffen.

Aber ich bin schon wieder mal vom Thema abgekommen. Wirklich? Wer durch Europa reist und nicht nur mal so die Kö in Düsseldorf runter rauscht, dem ist das Thema fast permanent vor und links und rechts der Windschutzscheibe präsent.

Ein bisschen Abendstimmung…

…senkt da vielleicht den Adrenalinspiegel. Obwohl – die schweren Wolken…

Ja! Abendstimmung! Abends waren wir in Vathi, dem Hafen im Nordosten; 7 km mit dem Auto. Wir sassen da in der ersten Taverne, allein. Lydia hatte uns die empfohlen und es gibt keinen Grund, ihr zu widersprechen. Beste griechische Hausmannskost.

Nur: Wir haben uns gefragt, ob wir mal wieder die Gäste fernhalten. Vielleicht, weil wir die Katzen nicht ins Hafenbecken jagen sondern streicheln und gar mit dem einen oder anderen Happen füttern. Sie fressen selbst trockenes Brot gierig weg.

Der kleine Spaziergang nach dem Essen belehrt uns: Als Tourist geht man dort hin, wo Touristen hingehen: Fast alle Kneipen im Hafenrund um die Ecke sind gut besucht bis voll. Wir haben also wieder Glück gehabt mit unserer Wahl…

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