* Rund Europa 2012, 122. Tag: Sonntag in Chora

Sonntag, 30.09.2012, 16:43:33 :: Hotel Elizabeth

Frühstück bei …

… – nein Tiffani ist woanders; ausserdem gibt’s da gar nichts zum Frühstücken, nur Klunker. Aber im Hotel Nissaki, direkt am Wasser, direkter geht es nicht und nirgends.

Es is ja direkt vor unserer Haustüre und da Maria einen Ausflug nach Paros unternommen hat, treibt uns der Sonntagmorgenhunger eben ans gehobenere aber noch nicht mondäne Frühstücksbüffet. Ambiente kostet: 10 € pro Person und Zugreifen. Das ist ok..

Und dann endlich mal wieder…

…ein Rundgang durch die mittlerweile touristisch fast leergeblutete Chora: Sonntag, viele Geschäfte und Restaurants haben schon oder machen gerade dicht – es ist der letzte Septembertag. Ab morgen wird gehungert…

Gestern Abend zum Beispiel…

…hatten wir noch Durst, was lag da näher, als an den Strand ins Kavouri, noch einen Ouso, ’ne Cola dazu vielleicht, weil Durst. Oh-oh-oh! Gerade noch und weil wir’s waren. Zu einer Zeit, zu der sich Südländer überlegen, wohin sie denn nun Essen gehen heute Nacht und sich zuhause landfein machen, da machen die schon zu. Salzfässchen, Blümchen, Servietten, Tischtücher – weg. Den letzten Tisch mit Tischtuch, den kapern wir und bekommen unseren Absacker. Aber ohne Eis… Nun ja, eine Edelkneipe war das Kavouri noch nie, Cola drüber. Und darüber hinaus: Wer zu diesen Zeiten Menschen, speziell Griechen sehen möchte, der muss an die Paralia. Dort trifft sich, wer Hunger hat.

Und die kleinen Mädchen…

…die eine Begleitung suchen, es war schliesslich Samstag Abend. Auch neben uns hat sich eine flotte Schwarze eingemietet und zog so los, dass man nicht raten musste, was sie suchte… Und fand! Maria erzählt da zuweilen Geschichten… – wie sie das Leben eben so schreibt.

Aber ich schweife schon wieder ab

Rundgang, dabei waren wir stehen geblieben bzw. abgezweigt. Die Chora. Verlassen, das Kastro nicht weniger. Gähnend langweilig. Einige wenige Touristen üben noch immer mit ihrer dicken Spiegelreflex, bei gleissendem Sonnenlicht den Partner im tiefen Schatten erkennbar auf den Chip zu übertragen; was so ganz sicher misslingt, die Automatik weigert sich in solchen Situationen entschieden. Und die Knöpfchen? Ja welches? Und warum?

Die Souvenirhändler und Kunstgewerbler, soweit sie noch offen haben, räumen teils ein, teils sitzen sie gelangweilt rauchend oder gehen unmotiviert zwischen all dem Unverkauften auf und ab. Herbst. Ende der Saison, wir hatten das ja schon. Aber gern hier direkt noch mal. Zum Mitträumen…

Das Ursulinerinnenkloster,…

…mittlerweile renoviert und von Lis vor einigen Tagen kameralos besichtigt, hat heute zu. Lediglich der einstige Garten, in dem wir zuzeiten, als Ingbert dort im Kloster noch sein Atelier hatte, ist offen aber ein eher erbärmlicher Anblick. Gartenparty würde man da jetzt nicht mehr feiern wollen.

So bleibt uns im Kastro nur noch zu konstatieren, was noch ist wie immer und was sich (nach unserer Erinnerung) verändert hat. Zum Beispiel ist der Anstrich der Katholischen Kirche von Papa Manolis endlich wieder so, dass man die darunter liegenden Glasfasermatten nicht mehr erkennen kann. Und so fort.

Und als letztes noch, auch hier der letzte Tag, die kleine Ausstellung unseres jahrzehntelangen Bekannten und Keramiklieferanten Nikos Voulgaris und seiner Lebensgefährtin; Nikos ist Urgestein, wie der verlinkte Artikel ausweist. Fotos zu machen ist unerwünscht, es bleibt so nur das Plakat.

Was sonst noch?

Viele Erinnerungen. Der Kaktus zum Beispiel, dessen Blüten ich vor elf Jahren mit meiner ersten ernstzunehmenden Digitalen begeistert abgelichtet und verwandelt habe, er hängt da etwas dürstend über die Mauer bei Soulis, der seine Tische auch schon gestapelt hat und seine vertrockneten Blüten hängen noch mehr. Aber wen interessiert das? Erinnerungen eben…

Damals (2011, klicken lohnt!)…

…und heute.

Naxische Arithmetik…

…kann man im Kastro ebenfalls studieren. Um welchen Betrag es sich denn nun wirklich gehandelt hat, den hier die EU zugeschossen hat, muss man raten; 2.850.00,00 Euro sind kein Betrag, der sich abrechnen liesse. Aber so sind sie nun mal, eine Null mehr oder weniger…

Ach ja, diese neue Galerie,…

…dort, wo einst die Hafenpolizei residierte und darunter der Zeitungshändler jahrelang unsere einzige Quelle für deutsche Zeitungen war. Das Haus ist wunderbar renoviert, innen wie aussen und beherbergt zwei grosse Räume: Unten der Präsentations- und Verkaufsraum mit dieser schönen, stolzen Marmorsäule (sie wurde wohl von einer anderen Insel hierher »verschleppt«), in dem sich Tand nicht finden lässt. Nur Naxisches, von lokalen Kunsthandwerkern und Künstlern aus hiesigen Material verfertigt. Nichts, was es an jeder Ecke en passant zu erwerben gäbe.

Ein Stockwerk darüber ein lichtdurchfluteter Saal für Veranstaltungen, Konzerte vielleicht und geschaffen für Vernissagen und weitere Ausstellungen. Vielleicht fehlen dafür aber (noch) die entscheidenden Stücke…

Ioanna Kritikou-Matakia kommt aus einer Familie hier, die u.a. das Hotel Adriani im Stadtteil Grotta betreibt. Sie habe das bewusste Gebäude gekauft, renoviert und die Galerie im August eröffnet. Die Geschichte des Hauses wäre noch mal einen Beitrag wert, fand ich nach ihren Erzählungen.

Nur der Name: Φλέα wird latinisiert zu Flea – und im Englischen damit zum deutschen Floh. Vielleicht unglücklich bei einem internationalen Publikum, das die Galerie allzu leicht zum Flohmarkt degradiert.

Jebenfalls: Viel Spass beim Rundgang – wer mag.

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Eine Antwort auf * Rund Europa 2012, 122. Tag: Sonntag in Chora

  1. Misi sagt:

    Da hat sich jemand auf der Reise viel Mühe gegeben. Manchmal vermisst man die Ferne, wenn man hier rumsurft!

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