Schiffchen versenken…

…nur auf kariertem Papier. Unsere Bundesmarine brauchte wohl mal wieder einen Ausflug, der länger dauerte als durch den Nordostseekanal. Anders ist nicht zu erklären, dass sie vor der libanersischen Küste nur das Michele spielen dürfen und das auch nur, wenn der libanersische Papa das erlaubt und/oder zum Aufpassen dabei ist.

So erfahren wir das aus der Tagesschau. Ob das zu der Merkelaussage über Kontrollraum und -auftrag

  • »…von der Küstenlinie bis 50 Seemeilen vor der Küste. […] Es gibt keine ausgeschlossenen Gebiete für die deutschen Schiffe.«

passt?

Und dass die Bundeswehr auch ein paar Nekrophile beschäftigt – hätten Sie’s gewusst? Wobei der Job »Soldat« selbst an sich schon den Geruch hat, wenn man genauer hinriecht. Nur dass in der BRD bisher Militär immer eher nach Sandkasten & Spielwiese roch. Bisher! Zum Leichenschänder wird man bei den «harmlosen» bisherigen Einsätzen der BW im Norden Afghanistans nicht automatisch. Verrohung durch unmenschliche und permanente Fronteinsätze, das war ja – gottlob – bisher nicht. Woher also diese abscheuliche Haltung? Jeder noch so halbherzig Erzogene hier hat es in sich: Tote sind tabu. Die Fotos gingen rund. Und kein Vorgesetzter will was bemerkt haben.

Ein, zwei, drei, viele Einzelfälle

»Will« – denn entweder stimmt das nicht oder die Vorgesetztenfunktion ist ausser Kontrolle. Keiner kann mir einreden, dass das eine über Jahre unbekannt gebliebene »Ausnahme« ist. Das ist partieller Geist – nicht »der Truppe« aber grösserer Kreise allemal. Jeder, der »gedient« hat, wird mir beipflichten, dass er da Dinge erlebt hat, die mit Nur-Kopfschütteln zu erlegigen waren.

Sagen wir es drastisch: Einer, der – und sei’s symbolisch – einem Totenschädel ins Hirn wichst, der war auch anderweitig schon auffällig. Aber »echte Männer« schaun da weg und grinsen allenfalls, ich weiss…

Aber der SPIEGEL schreibt von mutmaßliche Totenschändungen. Man stelle sich vor: Da zeigen Fotos mutmaßliche Männer in mutmaßlichen BW-Uniformen mit mutmaßlichen Leichenteilen mutmaßlich Schabernack treiben. Möglicherweise waren es also gar keine »echen Männer«. Dann könnten wir (mutmaßlich) ja aufatmen.

Aber auch so mancher Journalist ist nicht ganz bei Trost. So schreibt Bärbel Kraus in der StZ vom 28.10.2006:

  • »Die Fotos aus Afghanistan wecken Zweifel, ob die Soldaten darauf vorbereitet sind, sich in fremden Kulturen richtig zu verhalten. Ethnologen und Landeskundler sollen eigentlich dafür sorgen, dass bei Auslandseinsätzen die Kommunikation mit den Einheimischen klappt.«

Soll das heissen, dass das lustige Totenschädelspielchen zuhause gang und gäbe ist und nur auswärts zu un terlassen ist?

Das neue Weissbuch…

…der BW weist wohl auch neue Wege, nach aussen wie nach innen. Die Tage halbwegs geregelter Polizeieinsätze sind wohl gezählt. Auslandeinsätze dagegen wohl eher bald ungezählt.

BTW: Darfur wäre vielleicht einer Erwähnung wert. UN-Beschlüsse zuhauf, aber keiner, der sie umsetzt. Ok., 100 km vor der libanesischen Küste rumschwimmen, das ist einfacher. Geb‘ ich zu.

Und dass die NATO mittlerweile den US-Truppen in Afghanistan nacheifert und Zivilisten mitkillt – alles kein Problem und eben nicht zu vermeiden, wenn man Frieden stiften will. Und irgendwas verteidigen. Eben endlich mehr tun als nur Kreuzchen machen hinter vorgehaltener Hand bei D-4 oder K-7…

Israelische Kampfflieger…

…sorgen ja jetzt schon dafür, dass die Marine weiss, wer dort unten das Heft in der Hand hält; nicht das mit dem karierten Papier, das richtige…!

Wenn das alles nicht so stinkgefährliche wäre, es wäre Stoff für eine Lachnummer im Vorabendprogramm und man könnte von »Narrenfreiheit« reden, die die Israeli mit ihren Luftnummern demonstrieren. Das muss denen doch guttun: Deutsches Militär unter isrealischer Oberhoheit…?

Deutsche Aussenpolitik am Hindukusch und 100 km vor der libanesischen Küste unter weiterhin angedrohter israelischer Oberaufsicht. So sieht historische Verantwortung aus. Da bleibt nur abzuwarten, wann »ungezielte Schüsse« nicht nach hinten raus gehen sondern ganz unverständlicherweise treffen.

Ist das jetzt schon Antisemitismus? Aber davon abgesehen: Was machen »wir« denn, wenn aus Versehen der erste Schrappschrapp vom Himmel ins Wasser fällt?

Freitag, 10. November 2006, 13:39 (Reinard) :: Nachtrag: Mittlerweile mussten die Franzosen da unten schon die Kanonen freilegen, weil ihnen wohl die israelischen Jets zu nahe kamen (StZ vom 10.11.2006, S. 3 & 4).

Den Fall Kurnaz…

…will ich jetzt und hier nicht aufrollen. Aber hier anführen muss man ihn schon, ebenso wie den des vom CIA in Mazedonien gekidnappten Ulmers Mosadeq. Denn beide Schicksale belegen, dass vieles nicht geheuer ist, wenn Militär, Geheimdienste und Politik mit im Spiel sind. Denn offensichtlich tun die alle nicht das, was ihre Aufgabe ist – zumindest nicht das und nur das. Und packen wir daher auch die »Cicero-Affäre« mit drauf, die unrechtmässige Beschattung und Auspioniererei von Journalisten in den vergangenen Jahren.

Alles in allem…

… ein Bananenstaat mit »Möchte-gern«-Allüren. So recht zum Musterknaben, was demokratisches Benehmen angeht, taugt er nicht. Und wenn wir jetzt noch den sich ausbreitenden und weiterhin verharmlosten Rechtsradikalismus mit hinzu nehmen, dann wird’s so richtig spannend, samt abnehmender Lust, wählen zu gehen und sich zu kümmern, anhaltender Verarmung (»Unterschichtenproblem«), unwidersprochenen Vorwürfen Knoblochs, wir hätten »Zustände wie nach 1993« – verschränkt mit der erwartbaren Konfrontation vor der Libanon-Küste – es hängt eben alles irgendwie miteinander zusammen.

Junge-junge, das ist ziemlich heisses Badewasser…

Die neue Rolle der USA

Donnerstag, 16. November 2006, 17:35 :: Nachtrag.

Ein Beitrag in telepolis.

Über reinard

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