* Rund Europa 2013, 5. Tag: San Benedetto in Alpe – Pesaro

Donnerstag, 13.06.2013, 21:46:40 :: Pesaro bei Roberto
Montag, 17.06.2013, 14:05:39 :: Pesaro, mittlerweile mit Internetanschlusss…

Eine Nacht im Albergo

Gestern Abend noch in die einzige Pizzeria wäre vielleicht doch keine sooo schlechte Idee gewesen, wie Lis beim morgendlichen Rundgang durch’s Dorf feststellt.

Aber wir waren müde, etwas genervt und soweit satt, dass wir uns in unser Stubenschicksal fügten.

Aller guten Dinge sind drei

Aber der Reihe nach. Als wir gestern Abend den Track und die Planung verglichen haben, mussten wir erkennen, dass wir uns gestern wohl gehörig verfranst hatten. Forli, was wir zuletzt als Grobrichtung aus den Schilderalternativen ausgewählt hatten, ist nun doch zu weit nördlich, die geplante Strecke durch die nördlichen Apenninen wäre zu schnell zu Ende gewesen.

Nach dem italienischen Frühstück (Beuteltee, Weissbrot, Bütterchen, Marmelade, ohne Teller) um 8 Uhr für je 4€ liebevoll serviert von der Besitzerin für uns einzige Gäste und von uns vollständig verputzt…

…waren wir einig: Wir fahren zurück bis zu der Stelle, wo die geplante Route abzweigen muss, auch wenn ein Wegweise uns dabei nicht unterstützt. Wir betrachten Versuch eins von gestern für gescheitert. Wir haben Zeit, also gar nicht schlimm. Giulia hatten wir gestern ja bereits telefonisch unterrichtet, dass wir einen Tag später kommen. Einen Tag – aber ich greife schon wieder vor.

Bei schönstem Sonnenschein also wieder über zwei Pässe nach Südwesten, anderer Sonnenstand als gestern Abend, daher die Landschaft wie neu. Dank GPS auf wieder voll aufgeladenen iPads/iPhone finden wir die Abzweigung und fahren wieder in ein wildes, grünes Tal, hoch den Pass, ganz nach Plan – herrlich. Bis zu dem Schild, das uns mitteilt, in 5 km sein Ende, Sackgasse; Lis sieht das gerade noch im Augenwinkel.

Wir hirnen, schauen die Karten an: Das ist eine weisse Strasse wie alle weissen Strassen, mit Nümmerchen und so… Wir haben schon fast die Hälfte hinter uns. Meinen die das ernst? Nun, die Strasse wurde immer schlechter, aber so was sind wir gewohnt, schreckt uns nicht.

Also fahren wir weiter, höher und höher, die Schlaglöcher und Auswaschungsrinnen nehmen an Zahl und Tiefe zu, aber es geht, wir kennen Schlimmeres.

Wir freuen uns an Ginster, Orchideen, Heckenrosen, den saftig grünen Bergrücken.

Irgendwann dann ein Schild, das uns sagt, dass wir uns jetzt im Nationalpark befinden und dass wir die Natur schützen und bewahren sollen.

Gut. Keine Blumen abreissen, auf dem Weg bleiben. Dann ein grosser Parkplatz, wohl für Wanderer. Und wieder ein Schild: Durchfahrt zwischen April und September – ja, was? Was heisst dieses Wort? »Verboten«? Macht keinen Sinn.

Also weiter. Und so holpern wir bis zum nächsten Parkplatz. Und nun ist wirklich Schluss. Wildpark. Zaun, Gatter. Schild.

Nur noch zu Fuss. Ein Italiener mit Frau, der uns einige Zeit zuvor überholt hatte, steht vor dem selben Problem. Mit Papierkarte. Schulterzucken auf beiden Seiten, freundliches ciao! und zurück geht’s. Ein Tal weiter südlich soll’s wirklich gehen. Das war der zweite Versuch. Ein letzte Ausblick…

…und wieder bergab.

Anlauf drei gelingt!

Trotz der Wegweiser, die uns immer wieder mehr verwirren als helfen, gelangen wir bei diesem dritten Anlauf tatsächlich ans erste Tagesziel: San Marino. Wir erkenn unterwegs, dass alleine diese Teilstrecke gut eine Woche vertragen würde: Dörfer, Städtchen, die »Bad« und »Römisch« im Namen tragen, Burgen…

…Brücke über den Arno, wundervolle Marktplätze, Kirchen, leckerstes (italienisches!) Eis,…

…fette Wiesen, dichte Wälder, Wahnsinns-Gebirgs- und Felsformationen, Wasserfälle – nur, und das ist was vom Schönsten: Keine Touristen (ausser uns, naja…). Gegend und Jahreszeit sind offensichtlich nicht dazu angetan, grössere Menschenmengen zu beglücken. Uns aber schon.

Treppenwitz San Marino

Mehrere Burgen…

Nicht einmal dort oben herrscht touristischen Massentreiben. Aber langsam. San Marino gehört einerseits zu den Staaten in Europa, daher zu unserer »Sammlung«. Andererseits ist es ein Anachronismus und deshalb reizte mich der Besuch. Beindruckend liegen Stadt und Festung in der Landschaft, hoch oben auf einem der ersten Berge, wenn man von der Adria her kommt, einer der letzten, wenn man den Apennin verlässt. Aber das war’s dann auch, wir fahren kurz kreuz und quer da oben hin und her und rund herum und ich erfasse die Dimensionen und die Wucht der Festungsmauern. Und den Aufwand, den man für den Ansturm der Sommertouristen treibt. Keine Bilder ausser diesem…

Nach zehn Minuten geht’s darum wieder abwärts, Richtung Catolica und letztlich Pesaro.Was auch wieder nicht sooo einfach ist, wenn man nicht willig und blind den Wegweisern zur Autostrada folgt; auch hier wieder Strassen, die es nicht oder zwar gibt… Zwei Polizisten der San Marinerischen Staatspolizei überzeugen uns, die Strassen für Touristen zu benutzen. Es sei einfacher für uns. Und das gelingt. Wieder durch den Vorhof der Hölle, wie 2011, das wissen wir.

Aber zunächst den erste Blick auf die Adria und die unvermeidlichen Pinien…

flow

Pesaro…

…und Robertos Haus finden wir auf Anhieb. Roberto ist wie wir auf Reisen, deshalb öffnet uns seine Tochter sein Haus, das wir wie unseres nutzen sollen. So sind Couchsurfer…

Und deshalb sitze ich im Wohnzimmer am Esstisch und tippe. Nur leider ohne Internet. Ich bin zwar mit dem Router des Cafés/der Bar nebenan verbunden, der Provider lässt uns aber nicht ins Internet. Der Barbesitzer spricht von Störungen gestern – aber für uns bestehen sie fort. Ich könnte zwar vom Wohnzimmertisch aus seinen Router vollständig in Besitz nehmen und konfigurieren, aber das hülfe nicht weiter…


Anmerkungen zur Besichtigung historischer Stätten:

Viele habe ich schon bewundert und gesehen. Mittlerweile empfinde ich den Besuch aus einer gewissen Distanz für ausreichend. Das mag snobistisch klingen, aber: Die Lage von Sparta oder Olympia, auch die von Knossos zu erleben und zu erkennen reicht i.W. aus, um zu verstehen, warum sie dort gegründet wurden. Selbst Delphi beeindruckt aus einer gewissen Ferne und mithilfe etwas historischer Kenntnisse fast mehr, als vor Ort im Touristenstrom mit zu schwimmen und vor Exponaten Schlange zu stehen, Schildchen zu entziffern etc.

Tagesleistung, Tracks & Links:

  • 2013-06-13;San Benedetto-Pesaro;277;06:36;02:39;96.1;41.9;29.9
  • Track

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