Wahlkampf: verbieten oder ertragen?


Einige Gedanken aus der Ferne, ungeordnet…

Es ist Wahlkampf. Jetzt. Heute und morgen auch. Eigentlich ist ja immer Wahlkampf; irgendwo steht immer irgendwo eine wichtige Wahl an, der man wiederum Aussagen darüber entnehmen kann, wie die demnächst stattfindende Wahl…

Und noch eigentlicher bringt er nichts. Er kostet nur Geld, Nerven und (Sende-) Zeit.

Sprich nie schlecht über die Konkurrenz…

Jede Partei behauptet von allen anderen, dass diese zu nichts Vernünftigem in der Lage seien, am wenigsten allerdings dazu, dieses Land zu führen. Ob sie allenfalls zur Opposition taugen, dazu sagen sie nichts. Da aber eine gut eingerichtete Demokratie sowohl der Regierungspartei als eine Opposition braucht, wäre diese Aussage schon wichtig.

Welche Aussagen erhalten wir?

• Wird uns das jeweilige Wahlprogramm jeder Partei durch sie selbst erklärt? Nein, sondern es wird durch die Konkurrenz für uns zerpflückt.
• Erklären uns die Politiker, was sie in der nächsten Wahlperiode vorhaben? Eventuell zum Beleg mit Verweisen und Erfolgen diesbezüglich in ihrer bisherigen Arbeit…? Neiand bekommen würden.
• Was sagen sie uns, wenn alles bisher nicht geklappt hat? Kein Eingeständnis, es nicht gekonnt zu haben (warum auch immer – es gibt innere und äussere Gründe) sondern nur der Hinweis, die Konkurrenz habe alles im BRat blockiert.
• Wie erklären sie uns, dass sie besser machen als andere? Sie erklärt nur, was andere schlecher machen würden.

In Wirklichkeit erfahren wir immer nur, was eine Partei nicht kann; aber immer von den anderen. Da es sinnlos wäre, über andere Gutes zu reden, weil man sich selbst hierdurch indirekt noch schlechter macht, als man eh‘ schon ist, enthalten die Aussagen also auitomatisch keine nützliche Information für den Wähler.

Es ist unsinnig und dem Informationsbedürfnis der Bürger (gibt’s das wirklich?) nicht förderlich, wenn die Parteien sagen, was andere nicht können. Besser wäre, jede Partei sagt von sich selbst, was sie kann und was nicht; und ggf. wie. Das reicht.

Aussagen sind relativ leicht anhand des bisher Geleisteten verifizierbar. Dazu ist allerdings Gedankenarbeit und sind Informationen nötig; die muss man sich beschaffen (wollen).

Da also die Parteien über sich selbst nichts sagen (und wenn, dann auch nie die Wahrheit…), erfahren wir also nichts wirklich Neues. Aber all der Schwindel kostet unsere Steuergelder. Für gegenseitiges Anschwärzen zahlen wir vor jeder Wahl Millionen von Euros.

Auch unter ökonomischem Gesichtspunkt ist Wahlkampf kein Renner: Die Ausbeute an Wählern, die sich beeindrucken lassen und zur Wahl gehen, sinkt; der Einsatz lohnt nicht. Und weit wichtiger: Jedem Verkaufsrepräsentanten wir gleich zu Anfang und immer eingeimpft:

Sprich nie schlecht über die Konkurrenz sondern immer nur gut über das eigene Produkt.

Für das Verkaufsgespräch der Politiker mit ihren Kunden gilt das offensichtlich nicht. Der Wähler ist also noch dümmer als der Konsument oder Klein-Investor…

Und das Ganze jetzt auch noch on-line

Die Mehrheit ist drin berichtet telepolis über den Onlinewahlkampf zur Bundestagswahl. Jetzt aber, das bringt’s …


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