* Rund Europa 2013, 28. Tag: Delfi (1)

Samstag, 06.07.2013, 13:36:25 :: Delfi

Wir waren die ersten heute Morgen

Die Sonne noch hinter den Bergen und hinter Wolken, schritt Lis als erster durchs Eingangstor, das vom Personal der musealen Stätte gerade kreischend geöffnet worden war; das Eisentor, nicht die Dame in fast elegantem Schwarz.

Beim Namen tu‘ ich mich immer wieder schwer: Delfi, Delfoi (so steht es mittlerweile auf den Orts- und Hinweisschildern), Delphi oder eben original, Δελφοί. Und nicht Délfi, sondern Delfí. So, damit wäre auch das mit dem Namen hinreichend geklärt.

Endlich mal wieder volle Kultur

Wie oft waren wir in Delfi? Ich bekomme es so nicht zusammen. Ich bin der Meinung zum 4. oder 5. mal, zuletzt 2008 (und hier). Wir haben hier oben übernachtet, den Blick hinunter nach Itea genossen und geschildert und uns bei Hitze durch das Museum geschleppt. Nur: Das eigentliche Gelände, das haben wirk uns immer verkniffen. Beim ersten Besuch war schon geschlossen, weil Abend, sonst war’s uns einfach heiss und damit zu beschwerlich.

Heute nun also sollte es sein. Das Wetter passt, wir gehen ohne Frühstück kurz nach Sieben los und landen wie gesagt als Erste vor verschlossenem Tor. Fünf Minuten zu früh…

Eintritt für Rentner 3 €, da mein Personalausweis nicht mit dabei ist, zahle ich 6 €. Der Kulturverwaltung soll’s gut tun. Wir wandern also den Berg hoch, ohne Mittouristen, nur begleitet von den streunenden Hunden und Katzen. Beklagenswerte Kreaturen. Überall auf dem Gelände wurden neue Wasserleitungen verlegt, z.T. sind sie noch nicht einmal richtig unter der Erde (werden sie das je sein?) und sie enden in armdicken, mehr als 2 Meter hohen Wasserkanonen, die überall im Gelände stehen. Brandgefahr ist virulent, alles schon gelb und die Stämme der Kiefern zeigen die typischen Brandspuren, wie wir sie auch von den Kiefern auf La Palma nur zu gut kennen.

Die Sonne bleibt verborgen, was der Temperatur und damit unserer Konstitution nur gut tut und ein wenig kontrastreiches Fotolicht liefert. Und das ist gut so, wie der Immernochbürgermeister Wowereit in anderem Zusammenhang zu sagen pflegte.

Zwischen Trümmern

Ja. Was soll man Neues sagen? Es nützt alles nichts, man muss hier her kommen selbst sehen. An die 3.000 Jahre Kultur liegen hier teilweise herum. Soweit nicht im Museum, weil zu gross, zu schwer. Die mächtigen Steinquader über und über voller Schrift, Griechisch, Römisch, Wandzeitung voller Informationen.

Wer hier warum und wann eine Niederlassung gründete, natürlich um jemanden hier zu haben, wenn orakelt wurde. Die Opfertiere mussten umgebracht werden, Devotionalien, Geschenke an die Götter. Jeder König, jede Stadt, die was auf sich hielt, hatte hier ein »Schatzhaus«.

Das hier ist das der Athener:

Apollon…

…war der absolute Chef hier, daher auch der grösste Tempel und die dicksten und höchsten Säulen. Hier wird Hierarchie wirklich sichtbar. Da braucht es nur ein paar behauene Steine, aufeinander gesetzt…

Ein Theater…

…gibt es selbstverständlich auch. 5.000 Besucher auf 35 Reihen hatten hier Platz.

Es ist vor allem auch immer wieder der Blick ins Tal, der einem klar macht, weshalb hier der Nabel der damaligen Welt war.

Hier ist er in personam, der Stein, den Zeus dort hin geworfen haben soll, wo der Mittelpunkt der Welt lag, hier in Delfi:

…und ein Stadion

180° Panorama

Selbstverständlich gehörte der Wettkampf damals ebenso zum kulturellen Programm – im Gegensatz zu heute, wo man Kultur nicht mehr so recht zu erkennen vermag. Auch wenn die Athleten damals auch schon »Profis« waren, der Hintergrund war doch ein anderer.

Ganz hoch oben, wo die Luft am frischesten ist, der Wind angenehm kühlt, da liegt es und bröselt vor sich hin – noch viel Arbeit für Archäologen und Restauratoren.

Blick nach links…

…und nach rechts.

Und dann kommen die Busse

Die ersten Besucher kommen uns entgegen, als wir schon fast auf dem Rückweg sind. Jetzt wird’s Zeit, umzukehren. Wir hören griechisch, englisch, russisch, serbisch – und die Katzen werden wichtiger und wichtiger…

Im Museumsshop…

…hole ich mir noch die unvermeidliche Broschüre…

… und ab geht’s zum Frühstück. Dort, wo wir unser Senfle vor zwei Stunden abgestellt haben ist es jetzt voll.

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