Neujahrsfest in Galanado

Sonntag, 26.01.2014, 23:17:31 :: Galanado

Neujahrskuchen anschneiden in der Schule

Eigentlich hatten wir Glück heute: es war Regen angesagt. Doch als wir kurz vor 12 Uhr losgehen, zusammen mit Popi und Christo, ist es sonnig bis bewölkt. Aber nach den Loukoumades fing es dann doch an. Aber ich eile mir selbst wieder voraus.

Vor ein paar Tagen hatte Popi uns diesen Zettel hingehalten…

…und erklärt, dass wir da am Sonntag mitgehen sollten. Ausser »Schule« und »Loukoumades« verstanden wir zunächst nichts, aber das reichte eigentlich schon. Es würde wohl wieder ein Fest geben in Galanado. Studium des Blattes und Nachfrage bei sprachkompetenten Deutschen ergab: Ja, Anschnitt des Neujahrskuchens, mit Segnung durch den Popen, einem Buffet vom örtlichen Caterer – und eben Loukoumades als Nachtisch.

Der griechische Neujahrskuchen, die Vassilopita, hat grosse Bedeutung, mehr als in Deutschland die Neujahrsbrezel.

Auf der Bühne ritzt (»schneidet« wäre nun wirklich zu viel gesagt) der Pope nach einem Gebet zwei Kuchen an, danach Grußworte einiger Leute, die hinter ihm mit auf der Bühne stehen, alles unter viel Beifall. Danach werden die Kuchen richtig zerteilt, mehrere davon in Pappkartons nachgeliefert und die Kuchenstücke an alle verteilt. Zu süß. Mal wieder. Aber jedes Stück liebevoll in Alufolie…

Das Cateringunternehmen Korres (gegenüber von Popis Kafeníon) liefert ein vollständiges Essen für jeden, kostenlos alles, ebenso die Getränke und hinterher die Loukomades. Die ältesten Herrschaften bekommen Stühle und ein Tischen herausgestellt – die Dorfgemeinschaft steht oder sitzt zusammen, isst und trinkt und quasselt. Die Kinder toben durch die Gegend, so sie sich nicht krampfhaft an ihren Loukoumadstellern festhalten, die besorgte Mütter oder genervte Väter für sie ergattert haben.

Musik!

Nnatürlich läuft da nebenher Musik. Und irgendwann tanzen daher (oft zwangsweise!) auch die ersten, es werden mehr, sie verziehen sich irgendwann nach drinnen in das obere Klassenzimmer, das auch als Festsaal bzw. Aula dient. Wir fragen uns bei der Gelegenheit, wo denn die eigentlichen Klassenzimmer sind; wir müssen das mal feststellen. Sicher, die Schule hat wohl nur zwei Doppelklassen, mehr Kinder gibt es hier nicht. Aber trotzdem… Als dann endgültig der Regen kommt, verschwinden alle anderen auch. Korres packt in Windeseile zusammen und dann wird’s richtig laut aber frohgemut!

Tanz! Bis zum Abwinken

Wir hatten das ja kurz vor Weihnachten auch schon erlebt: Getanzt wird ununterbrochen. Die Jungs haben einen Laptop an den Schulverstärker angeschlossen, der seinerseits die ohrenbetäubend dröhnenden Lautsprecherboxen speist, im Laptop und auf Memory Sticks ist traditionelle Musik in Massen, ich kann keine Wiederholung erkennen. Und mittlerweile unterscheide ich sehr wohl, was ungeübteren Ohren als immer gleiches Gedudel vorkommen mag.

Als wir gehen, wird aber noch nicht abgewunken. Ich denke, es ging da dann irgendwann erst richtig los. Immer wieder versuchen die Tänzer und Tänzerinnen, andere in den Kreis zu reissen, oft mit massiver Gewalt. Die alten Sitzen am Rand, klatschen, schauen, reden. Von denen, die tanzen sind viele dieselben wie kurz vor Weihnachten auf dem Dorfplatz. Wie kann’s auch anders sein, in einem kleinen Dorf?

Picasa

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