* Rund Europa 2014, 6. Tag: Sarande – Gjirokaster – Tepelene (2)

Mittwoch, 09.04.2014, 21:09:47 :: Tepelenë, Hotel (»Ali Pascha«)

Sonntag, 01.02.2015, 12:27:43 :: Naxos

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Vorbemerkungen: Ich halte mich nicht immer an eine normierte Schreibweise, es ist auch schwierig. Beispiel »Tepelenë«: Zuweilen schreibe ich »Tepelene«, weil das »ë« auf der Tastatur nicht zur Verfügung steht. Wikipedia schreibt mittlerweile an der Stelle ein »a«, also wäre wohl »Tepelena« eine normierte Form für das (fast) stimmlose »ë« am Wortende (Albanische Sprache).

Tepelena

Wir erreichen den Ortseingang von Tepelena, wo uns eine beherrschende Plastik des Ali Pascha Tepelena von Janina oder der Löwe von Ioannina begrüsst. An ihr teilt sich die Strasse in die stadteinwärts führende Straße und die Umgehungsstrasse, die hinab zum Fluss führt. Dieser Ali Pascha ist der Grund, warum wir Tepelena besuchen. Er war bis 1822 Herrscher über das gesamte Gebiet bis hinab zur Peloponnes. Er wurde hier geboren und 1822 in Ioannina durch osmanische Soldaten ermordet, sein Kopf abgeschlagen, eingesalzen und zur öffentlichen Zurschaustellung nach Istanbul übersandt. Literarisch verarbeitet hat das der Schriftsteller Ismail Kadare in seinem Roman Der Schandkasten. Kadare hatten wir im vorigen Teil schon mal mit dem Krimi von der Brücke…

Ali Pascha also wurde hier irgendwo geboren und hat eine mächtige Festung hinterlassen, die wir uns dann morgen anschauen werden. Es zieht zu, beginnt wieder und wieder zu schütten, Ausgang ist also nicht. Vorausgreifend, weil es passt und wenn wir schon bei berühmten Personen sind, sei auf Lord Byron verwiesen, der u.a. hier als ausgewiesener Philhellene Gast von Ali Pascha war. Der hatte sich nämlich in den frühen Jahren des 19. Jahrhundert mit den Griechischen Freiheitskämpfern verbündet, was seinem Dienstherren im fernen Konstantinopel seltsamerweise missfiel. Daher seine Exekution 1822, s.o. Ali blieb wohl Zeit seines Lebens der Strauchdieb, als der er begann, auch wenn er es u.a. durch die Einnahme von Himara und Porto Palermo zu Ansehen und dem Titel »Pascha« und zu vielen Rossschweifen gebracht hatte. Aber lest selbst, was es damit nun wieder auf sich hat.

Lord Byron

Die Tafel hängt am Festungsturm; wir treffen auf sie erst am nächsten Morgen

Ihm begegnen wir hier also auch wieder, wie in Zitsaoder in Etoliko oder in Mesolongi, wo er 1824 an Unterkühlung starb; an Unterkühlung, im April in Griechenland… Und als letzten kleinen Exkurs noch der Hinweis auf seine Tochter, Ada Lovelace, die erste Programmiererin, ja die erste Person überhaupt, die Programme schrieb; von wegen Männerdomaine. Und noch eins: Nach ihr ist die Programmiersprache Ada benannt, die sich jedoch leider nicht so richtig durchgesetzt hat; sie war einfach zu wenig fehleranfällig vermute ich mal…

Zurück nach Tepelena. Ja, und so dreht sich auch in dieser Stadt alles um die bröckelnde osmanische Herrschaft hier auf dem Balkan und den Griechischen Freiheitkampf, der bis in unsere Tage nie zu eigenständiger wirklicher Freiheit der Griechen geführt hat. Aber da mache ich jetzt nicht dran weiter, obwohl während ich das schreibe, es gerade etwas mehr als eine Woche her ist, dass Alexis Zipras mit seiner SYRIZA versucht, ein neues Kapitel der Griechischen Geschichte zu beginnen – wieder ein Freiheitskampf…

Wir beziehen eine Suite

Ginge es nach dieser albanischen Hotel-Webseite, dann dürfte direkt hinter der Statue des lagernden Ali Pascha kein mehrstöckiges Hotel aufragen. Es hat keinen Namen – nennen wir es also »Ali Pascha Palace«.

Ali Pascha und Hotel

Allem weiteren vorausgeschickt, damit es keine Missverständnisse gibt: Wir haben und dort wohl gefühlt und wurden mit typisch albanischer Freundlichkeit, ja Herzlichkeit empfangen und bewirtet. Es gab WLAN und eine warme Suppe, Kaffee und Cola. Und eben eine Etage mit zwei gegenüber liegenden Suiten, von denen wir uns die zum Fluss hinunter aussuchten konnten, denn wir waren die einzigen Gäste. Dass es nicht abschliessbar war, die Türen teilweise gar nicht zu schließen waren weil schief in den Angeln: Kein Problem. Es gab überhaupt keine Probleme, es war nur wieder ein Erfahrung, wie man sie fast nur noch in Ost- beziehungsweise Südosteuropa machen kann, wo Dinge selbstverständlich sind, die für den deutschen Normaltouristen in seiner schimmernden Katalogwelt unvorstellbar geworden sind; wohl auch deshalb ist ein Hotel wie dieses auf einer Tourismuswebseite gar nicht erst aufgeführt. Und es bewahrheitet sich mal wieder: Man muss einfach hinfahren, um etwas zu sehen.

Stockwerk

Also: Jedes Stockwerk und die Treppen sind mit ständig wechselnden Ornamenten im Boden gestaltet, die Zimmer sind einfachst, natürlich sauber und bieten einen herrlichen Blick über das breite Flusstal und in die gegenüber liegenden Täler, aus denen zwei der drei hier zusammentreffenden Flüsse kommen. Dass es regnet und die Wolken dunstig wabernd in den Tälern hängen, dafür kann das Hotel nichts.

Panorama

Dafür gibt es unten eine deftige Suppe, einen Kaffee und Cola, einen Blick auf die regennasse Strasse und den dauerdudelnden Fernseher über dem international bekannten und geschätzten Cola-Kühlschrank.

Kartoffelsuppe

regennasse Strasse

Bar und Gaststätte

Wir können bis spät in den Abend am Platz des Nachtportiers verbringen und ins Internet starren; bis der sich an seinem angestammten Platz zum Fernsehen niederlassen will. Denn sonst gibt es nichts und wird es nichts zu tun geben in dieser Nacht. Na gut, uns bewachen und das Senfle, das draussen zu Füssen von Ali Pascha im Regen steht.

Wir hoffen auf besseres Wetter im der Früh. Denn morgen früh sehen wir uns erst mal die Stadt an, ehe es weiter geht.

Picasa

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