* Rund Europa 2015 (1), 5. Tag: Šibenik – München

Dienstag, 07.04.2015 :: München
Donnerstag, 16.04.2015, 21:36:51 :: Hochdorf

Strecke Šibenik – München

Schlafen ging ganz gut in diesem Hotel. Es lag aber eher daran, dass ich recht leer gepumpt und müde war. Ich ärgere mich nach dem Aufstehen über die Dusche, die morgens um 7 Uhr und im dritten Stock partout kein warmes Wasser liefern will. So nehme ich eben eine erfrischende Dusche und bin wenigstens wach für das Frühstück, das es immerhin gibt.

Kurz vor acht schleppe ich dann meinen Kram zum Auto und sehe schon: Vorne am Wasser, auf der Bank, da sitzen die Mädels und kauen auf ihren belegten quadratischen Broten, feste eingemummt und mit Pudelmütze. Sie hätten oben an der Festungsmauer im Zelt geschlafen, meinen sie als sie herüber kommen und ihre Rucksäcke wieder verstauen.

Es kommt jetzt darauf an, dass das Wetter regenfrei bleibt heute, dann besteht die Chance, dass ich München erreiche und damit meine Termine halten kann. Vorher freilich werde ich die die beiden Damen in Ljubljana abliefern. Gegen starke innere Widerstände entscheide ich mich lange vor Zadar für die Autobahn; nur, um dann festzustellen, dass wir bald wieder runter müssen: Baustelle. So fahren wir eben auf der Küstenstrasse die endlose Bucht entlang, Starigrad bis Senj. Diese landschaftlich wunderschöne Strecke, immer links die Adria mit den nicht endenden Inseln, rechts das schroffe Gebirge und zu dieser Jahreszeit den Nestern der kroatischen Wappenblume, der Schwertlilie – so kenne ich das, so mag ich das. Gemächlich fährt man die unendlich vielen Baranquos aus, kommt durch diese seelenlosen Touristensiedlungen, hingeklebt an die Felsen, erblickt in malerischen Buchten Hotelklötze, die einem den Zorn in die Schläfen treiben. So kenne ich das und mag es auch.

Nichts da.

Heute nicht. Schon vor Starigrad sehe ich den meterhohen Nebel über dem aufgepeitschten Wasser in der Bucht. Und dann beginnt der Tanz: Die Bora rammt uns von rechts, fällt vom Gebirge herunter, knallt mit Regen gegen das arme Senfle und versucht ihn immer wieder aus der Bahn zu bringen. Wer sie nicht erlebt hat, diese typischen Fallwinde, hat was versäumt, bis zu 250 km/h sollen die Böen erreichen. Nur, warum ausgerechnet heute? Die zwei Mal in den Jahren zuvor, eine sogar mit Schnee in Baška Voda, waren eigentlich genug.

Für die Seefahrt war die Bora schon immer gefährlich. Der Seegang bei Bora ist zwar kurz, aber er erreicht eine beachtliche Höhe, die Wellenkämme werden dann zu Schaum gepeitscht, zerstäubt und in Dunstwolken (fumarea) fortgerissen. Die Höhe des Seegangs bei Borastürmen, wie am 14. November 2004 mit Spitzenböen von 60 m/s, nimmt mit der Entfernung von der Ostküste bedeutend zu. Vor den ersten Anzeichen einer Bora bleiben Seeleuten nur etwa 30 Minuten, um einen sicheren Ankerplatz anzulaufen.

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Ok., das Senfle kämpft sich wacker durch, geschüttelt zuweilen aber es bleibt brav auf der Strasse (Es sollen schon Busse den Weg ins Wasser gegangen sein). Irgendwann ist dann auch Schluss nach ein, zwei Stunden. Es ist dann nur noch windig und recht kalt. Und Senj erreichen wir sogar bei schüchternem Sonnenschein, die Mädels holen den offensichtlich nicht gehabten Schlaf von der Nacht zuvor nach. Unterhaltung ist heute nicht angesagt. Und auch die Uskokenburg Nehaj von Senj und vieles andere bleibt unbeachtet am Strassenrand liegen. Na, vielleicht auf der Rückfahrt wieder…

Senj, Blick zur Altstadt

Der Hafen von Senj

Jedenfalls ist jetzt ein – richtig: Cappuccino fällig. Sie wachen auf, die zwei, als ich auf dem Parkplatz halte. Es ist 12 Uhr. Die Mädels fangen an, ihren morgigen Tag zu planen. Denn erst jetzt rücken sie damit heraus, dass ja morgen die Kurse wieder beginnen, sie also präsent sein müssen! Und ich schätze, dass es wohl reichen müsste: Vor Rijeka und vor der Bucht von Bakar auf die Autobahn und durchbrausen bis Ljubljana. Und dann Salzburg, München. Müsste klappen. Aber sicher bin ich nicht…

Dort, wo es links hinüber zur Insel Krk geht, gehen wir nach rechts auf die Autobahn. Ab jetzt wird wirklich gerast. Und bezahlt, Maut ist angesagt. Das wird in Slowenien noch schlimmer: 15€ kostet die billigste Vignette für 7 Tage. Aber wer fährt schon 7 Tage auf slowenischen Autobahnen? Dazu ist das Land viel zu schön.

Das fällt auf: Auf einen Schlag, nördlich von Rijeka, verschwindet der Hauch der Adria schlagartig und weicht fast schwäbischer Agrarlandschaft. Nur die Bauweise der Häuser erinnern daran, dass Triest und damit Italien nicht weit ist.

Gegen 3 Uhr erreichen wir Ljubljana, ich setzte die Zwei fast vor der Haustüre ihres Domizils ab und fahre dann an den Rand: Jetzt schnell planen, wie es weiter gehen soll, das GPS-Programm rechnen lassen: Bis 21 Uhr müsste ich in München sein. Ich sende die Nachricht nach München und gehe zurück auf die Autobahn um diese blöde Vignette zu erstehen. Der Kiosk, den ich finde ist geschlossen, Tankstellen sind keine zu finden. Also fahre ich zunächst ohne. Nahe der Grenze nach Österreich kaufe ich dann doch noch eine – wieder 15 € weniger.

In Österreich werden es dann nochmal 7 € für die Vignette und zweimal Tunnelmaut: Es sind ca. 50 – 60 €, die man von Rijeka bis Salzburg an die Frontscheibe klebt oder als Kassenzettel in den Geldbeutel versenkt, wenn man’s eilig hat. Reisen hingegen geht maut- und vignettenfrei.

Die Berge sind hoch, noch vollständig mit Schnee bedeckt, schmutziger Schnee in größeren Höhen auch noch an den Rändern der Autobahn, meterhoch. Der Verkehr nimmt zu, die Lastwagenkolonnen werden länger, die typische Raserei geht so ununterbrochen bis München, am Chiemsee fahre ich dann in den Sonnenuntergang.

Autobahnromantik

Es waren über 800 km, als ich in München den Motor abschalte. Alles in allem 2.380 km in 5 Tagen. Geplant hatte ich 10-14 Tage

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