Zurück auf Naxos

Dienstag, 26.05.2015, 13:18:49 :: Galanado
Freitag, 12.06.2015, 14:13:12 :: Galanado

Mahnmal in Ligkiades (Ioannina)

Mahnmal in Ligkiades (Ioannina)

Seit mehr als drei Wochen sind Wolfgang und ich wohlbehalten auf Naxos angekommen. Der Plan hat fast perfekt funktioniert. Ich habe mich soweit akklimatisiert, aber der Sommer hat sich nun endgültig angekündigt – mir ist zu warm. Ich weiss, das sagt sich leicht bei 25-27°C, wenn es weit über 30°C in Deutschland hat wie in den vergangenen Tagen.

Die Krise

Natürlich ist seither einiges geschehen, was berichtenswert ist, nicht zuletzt die Zuspitzung des Konflikts zwischen der griechischen Regierung und Brüssel hält uns in Atem. Es ist eigentlich alles gesagt, die Standpunkt sind unterschiedlicher denn je. Wir hoffen, dass Athen standhaft bleibt, auch wenn es dann zum Grexit kommt. Denn die besseren (makro-)ökonomischen und politischen Argumente sind nun mal die griechischen; jedem, der sich damit beschäftigt, weiss, dass die Sichtweise einer schwäbischen Hausfrau nicht hinreichend sind.

Reparationen

Auch das Problem der ausstehenden deutschen Reparationszahlungen und der Umgang deutscher Regierungen damit sind ein Thema. Ich habe ja auf der Fahrt nach Deutschland und danach zurück – zusammen mit Lis‘ Bruder – die Orte Ligkiades, Kommeno und Distomo besucht (Kalavryta war 2007), um einen Eindruck zu gewinnen, wie diese Gemeinden heute mit dem schweren Schicksal umgehen, von den Nazitruppen 1943 heimgesucht worden zu sein. Sehr unterschiedlich, fand ich.

  • Die Überlebenden von Distomo kämpfen um ihr Recht :: Argyris Sfountouris war vier Jahre alt, als eine SS-Panzergrenadierdivision am 10. Juni 1944 im Zuge einer „Vergeltungsmaßnahme“ für die Aktionen griechischer Partisanen das griechische Dorf Distomo am Fuße des Parnass-Gebirges überfiel. Die SS metzelte seine Eltern und 30 Verwandte nieder. Insgesamt starben bei dem Massaker von Distomo mehr als 200 Menschen – vor allem Alte, Frauen und Kinder.
  • Auschwitzprozess von Oskar Gröning :: Oskar Gröning war Buchhalter in Auschwitz. Jetzt ist er 93 und vermutlich der letzte SS-Mann auf einer deutschen Anklagebank. Er und viele andere hätten schon Jahrzehnte früher verfolgt werden können. Trägt die Justiz ihr Versagen auf dem Rücken eines einzigen Greises aus?

Tourismus

Der scheint trotz aller Vorhersagen bisher (mengenmässig) auszubleiben. Zu Pfingsten war es sehr leer hier, deutschen Stimmen hört man wenig, eher englische und skandinavische; gestern Abend im Café immerhin schwiizerdütsch… Und da landen wir schon beim nächsten Thema:

FaceBook

Vor diesem Portal fürchten sich ja nach wie vor viele beziehungsweise wissen nichts damit anzufangen. Das liegt natürlich weniger an der Frage »Datenschutz« als an der Scheu, sich einfach damit zu beschäftigen. Denn wichtige Meldungen der Tages- und Wochenpresse, Hinweise und Aktuelles von wirklichen(!) Freunden und Bekannten kommt eben über diese Schiene. Auch von uns, insbesondere Bilder. Das ist übrigens mit ein Grund, weshalb dieser Blog etwas bracher liegt als früher.

Es ist einfach praktisch und zeitsparend, sich auf FB mitzuteilen. Und das Argument »Datenschutz«, um nochmals darauf zurück zu kommen, lasse ich deshalb nicht gelten, weil man ja seine persönlichen Daten nicht abliefern muss, wenn man nicht will. Und andererseits: Wenn die Mehrheit schon nicht wählen geht, zu wenig liest und sich informiert, weil das »Neuland Internet« angeblich zu kompliziert sei: Wie in Dreiteufels Namen soll Demokratie denn funktionieren, wenn sich alle verstecken? Das meint auch

  • Sascha Lobo, wenn er schreibt Sie haben die Zukunft verbockt. Und mit »Sie« meint er uns, mich und dich:

    Es ist einfach, auf die böse Politik zu schimpfen, und das tun Sie ja auch. Aber es handelt sich um substanzloses Gemoser, denn Ihrem Unmut lassen Sie keinerlei Konsequenzen folgen. Sie sagen „Man kann ja nichts tun!“, um anschließend nichts zu tun. Sie wählen weiter die gleiche Partei, Sie gehen nicht auf die Straße, Sie engagieren sich nicht. Ihre Beschwerde hat nämlich nicht das Ziel, irgendetwas zu ändern, sondern dient allein als Ventil: Sie sind Wutbürger minus Bürger, und selbst die Wut scheint mir aus Gründen der Seelenhygiene gespielt.

    Eine sehr gute Beschreibung des Istzustands; fast alle müssen da hinterher die eigene Nase zwischen Daumen und Zeigefinger halten…

Ach ja, und unsere Rückreise

Da habe ich zum Abschluss wenigstens den Reiseverlauf zu bieten, Beiträge folgen nun in den nächsten Tagen:

  1. Tag: Hochdorf – München
  2. Tag: München – Rakitnik (SLO)
  3. Tag: Rakitnik (SLO) – Zadar (HR)
  4. Tag: Zadar – Baška Voda (HR)
  5. Tag: Baška Voda – Mostar (BiH)
  6. Tag: Mostar – Denovici (CG)
  7. Tag: Denovici – Lezhe (AL)
  8. Tag: Lezhe – Saranda
  9. Tag: Sarande (Ruhetag)
  10. Tag: Saranda – Zitsa (GR)
  11. Tag: Zitsa – Etoliko
  12. Tag: Etoliko – Delfi
  13. Tag: Delfi – Piräus – Naxos

Für alle, die doch noch mit dem Auto kommen wollen: Man braucht sinnvollerweise mindestens zehn Tage – nix zu machen. Reisen braucht Weile.

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