* Rund Europa 2016, 3. Tag: Karditsa – Metsovo

Mittwoch, 30.03.2016, 22:06:19 :: Metsovo, Hotel Egnatia
Samstag, 02.04.2016, 18:14:55 :: Sarandë

Das war vorauszusehen, dass man den Weg bis Zitsa nicht an einem Tag schafft, wenn man außer Verkehrsschildern auch noch was anderes sehen möchte beziehungsweise wenn Unerwartetes am Weg auftaucht. Das war heute wieder mehrfach der Fall.

Karditsa

Nach einem den griechischen Vorstellungen voll und ganz entsprechenden Frühstück holte uns Marios ab. Mit ihm und dem Schwarm der »Tselentimädchen« sitzen wir normalerweise auf der Paralia auf Naxos den Winter über im Café. Wie nun heute Morgen das? Ganz einfach: Er ist derzeit zuhause. Er stammt aus Karditsa. Und so treffen wir ein paar Minuten später fast die ganze Familie beim Kaffetrinken in der Fußgängerzone. Machen sie jeden Tag so, meinen sie. Plaudern ist schwierig, aber ein bisschen geht schon.

Aber wir müssen dann doch los, weiter nach

Trikala

Auf dem Weg von Karditsa nach Trikala fährt man unspektakulär durch eine weite Ebene, keine 30 Kilometer Landwirtschaft am Stück. Doch plötzlich taucht auf der linken Seite mitten in den Feldern das hier auf:

Da halten wir nicht nur an, sondern wenden und fahren hin. Υψωμα 731, zu deutsch die »Anhöhe 731« ist offenbar von grosser nationaler Bedeutung, 1940 bei der Verteidigung gegen Moussolini, der von Albanien her angriff und wohl aufgehalten werden konnte. Viel genützt hat es ja leider nicht, denn nachdem Mussolini »versagt« hatte, liess Hitler die deutschen Truppen einfallen. Eines der niedergemetzelten Dörfer werden wir morgen besuchen. Mehr dazu, sehr eindrucksvoll beschrieben in Astrid Scharlaus Buch Zwei Türen hat das Leben über das Leben ihres Schwiegervaters.

Gedenkstätten dieser Art in unterschiedlichem Ausmass und in oft gigantischer Grösse beziehungsweise Höhe begegnen wir häufig in dieser Region zwischen Albanien und Griechenland.

Auf der Durchfahrt durch Triksala staunen wir erneut, obwohl wir im September 2008 schon einmal durch Karditsa gefahren war: Eine gewaltige Moschee steht da neben einer eher schüchternen und wesentlich jüngeren orthodoxen Kirche. Also aussteigen und Rundgang. Es ist ein schöner warmer Tag. Er lässt ahnen, wie das in ein paar Wochen sein wird, wenn sich der Sommer mithilfe des Frühlings endgültig durchgesetzt hat.

Die Osman-Schah-Moschee stammt aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, ist heute aber als solche nicht mehr genutzt sondern ist Ausstellungshalle und Raum für allerlei kulturelle Veranstaltungen in Trikala. Die Beschreibung des Gebäudes ist mal wieder ein Beispiel dafür, wie man sich durch Wikipedia täuschen lassen kann, wenn man seine Reisevorbereitungen betreibt. Dort, unter »Trikala« wird die Moschee in einem Nebensatz als Lager für “archäologische Artefakte” gerade mal erwähnt. Dafür werden wir aber ausschweifend über die Verkehrsanbindungen unterrichtet. Naja, lassen wir das. Wir haben uns jedenfalls darüber gefreut, unerwartet einen Schatz gefunden und gehoben zu haben. Und bei der nachträglichen Suche in Wikipedia wurde ich dann ja auch fündig, wie der Link am Absatzanfang zeigt…

Auch die Türbe, das Mausoleum des Osman Schah auf dem grossen Platz, ist beeindruckend. Trikala war Sitz des Gouverneurs des Sandschak von Tirḥāla, der bis Lepanto (heute Nafpaktos reichte.

Ach, ich könnte jetzt endlos weiter erzählen, aber wir wolle weiter nach

Kalampaka

Dort erwartet uns vermutlich schwerer Tourismus. Hier kleben die berühmten Meteoraklöster an den Rändern markanter Felsen. Kilometerweit fährt man schnurgerade auf sie zu. Sie sind jedoch nicht unser Ziel, zweimal schon waren wir hier und haben bei Nebel und Nieselregen und bei Sonnenschein diese einmaligen Klosteranlagen besichtigt. Wir lassen die wenigen Busse rasch hinter uns…

…und suchen uns erst einmal was zu Essen; weiter draussen, bevor es ins Gebirge geht, finden wir eine urige Kneipe – Taverne passt irgendwie nicht.

Metsovo

Ja, und dann geht es in die Berge, nur ein kurzer Anlauf durch noch kahle Alleen bleibt

bis wird in den östlichen Ausläufer des Pindos hinauf klettern (Senile ist Spitze!!!), dessen Nationalpark wir übermorgen zu einem kurzen Besuch auf dem Plan haben: Die Vikos-Schlucht hatte ich ja bereits angekündigt.

Im Rückspiegel bleiben uns die Meteoraberge lange erhalten, zu markant stehen sie in der Landschaft.

Schnee überall auf den hohen Wipfeln, zartes Grün an den Bäumen, satte Wiesen, mit Anemonen übersät – eine wundervolle Landschaft breitet sich vor und neben uns aus, sattsehen würde bleiben bedeuten, aber Metsovo – auf fast 1.200 Metern – wartet auf uns, Zitsa muss noch einen Tag warten, es wäre eine äussert grobe Unterlassen, hier einfach durch zu preschen.

Irgendwo da oben, in einem der wenigen, schütteren Dörfer, finden wir einen alten Herrn in seinem Kafenion, der uns einen Eleniko braut und sich dann wieder seinen kalten Kartoffeln mit einem Hauch von Sosse widmet.

Und dann trifft geballte Technik auf Natur: Der »Egnatia Odos«, die fast schnurgerade neue Autobahn Thessaloniki–Ioannina frisst sich hier oben durch Berge und Täler.

Ich bin verblüfft: Die alte Via Egnatia verläuft mehr als 100 Kilometer nördlich, auf der Höhe des Oridsees, weshalb also diese Bezeichnung? Wikipedia erklärt es uns:

In der Gegenwart soll die Strecke wieder zu einer der wichtigsten Routen auf dem Balkan ausgebaut werden. Der Paneuropäische Verkehrskorridor VIII ist ein vom Stabilitätspakt für Südosteuropa getragenes Projekt.

In Griechenland wurde die Autobahn A2 in Anlehnung an die Via Egnatia Egnatia Odos bezeichnet. Sie bindet den wichtigen Hafen von Igoumenitsa am Ionischen Meer an das Straßennetz Thrakiens an. Im Gegensatz zum antiken Vorbild weicht die westliche Streckenführung aber Richtung Süden ab und erschließt den gebirgigen Epirus.

Quelle: Wikipedia, Via Egnatia

Nach einem letzen Ausblick versuchen wir peinlich, die Autobahn zu vermeiden, die alte Strasse von hier nach Metsovo ist überall eingezeichnet und existiert auch, nur – sie ist gesperrt.

So begeben wir uns eben doch auf die Autobahn, schwach befahren und mehr im Tunnel als im Freien – und zahlen 2,40€ Maut für die fünf Minuten bis zur Ausfahrt nach Metsovo.

In Metsovo waren wir 2011. Das Aromunendorf hat eine sehr eigenartige Atmosphäre. Nicht zuletzt die massigen Platanen, noch blattlos, prägen das Bild rund um die Kirche und den Dorfplatz. Obwohl touristisch – eher zum Wintersport oder zur Sommerfrische – ist es jetzt eher verschlafen. Das Hotel von damals ist dasselbe, Dorf und Hotel vermitteln eher osmanisches Flair als griechisches, geschweige denn ägäisches…

Nur mit dem Internet will’s mal wieder nicht klappen, alles elend langsam. Also machen wir einen Einkaufsbummel, denn Spezialitäten gibt es hier genügend: Käse, Nudeln und alles, was man so aus Holz herstellen kann.

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