* Rund Europa 2016 (3), 20. Tag: Mohyliw-Podilskij – Soroca

Samstag, 10.09.2016, 23:50:23 :: Soroca, Hotel Central
Sonntag, 11.09.2016, 22:57:03 :: Todifesti
Dienstag, 17.01.2017, 19:23:28 :: Galanado

Wir haben einen herrlichen Morgen auf der Terrasse zum Frühstück: Sonne, viele Kinder, oft mit den Eltern sind unterwegs, es muss wohl irgendein Schulereignis sein, dass sie so in Scharen an uns vorbei treibt. Wir haben Zeit heute: Bis Soroca sind es nur ca. 70 Kilometer.

Wenig später fahren wir los und suchen den Übergang über den Dnister und damit den Zoll. Vorbei geht es an Strassenhändlern, grauenhaften Wohnblocks, auf der Seite immer begleitet von den Fussgängern des »Kleinen Grenzverkehrs«. Den gibt es überall im Osten, zu stark sind die familiären Bindungen und die gegenseitige wirtschaftliche Verflechtungen. Sichtbar wird das vor allem dann, wenn Flüsse die Grenze bilden. Oft dürfen Fremde solche Übergänge gar nicht nutzen: Fussgänger und Radfahrer, sonst nichts.

Wir fahren an der LKW-Schlange vorbei, leider gegen die grelle Morgensonne…

…finden endlich auch den Holperweg zum ukrainischen Grenzposten und passieren ihn locker. Jetzt noch über die vergitterte Brücke und wir sind in Otaci auf der anderen Flussseite. Die freundlichen Zöllner drängen darauf, eine Vignette zu erwerben, ein administrativer Akt der Oberklasse; jedenfalls wird schlussendlich ein Matrixdrucker angeworfen, der ein DIN-A4-Blatt erzeugt, das, mit Stempeln und Unterschriften versehen, uns endlich die Weiterfahrt ermöglicht.

Zu Otaci meint Wikipedia:

In den 1930er Jahren war die Bevölkerung zu knapp 80 Prozent jüdisch. Heute lebt hier die größte Roma-Minderheit des Landes außerhalb der Hauptstadt.


Bei der Volkszählung 2004 wurde die Zahl der Juden in der Stadt Otaci mit 9 und im gesamten Rajon Ocnița mit 14 angegeben. Was Otaci heute auszeichnet, sind die 3380 Roma, die 2004 gezählt wurden und die 40 Prozent der städtischen Bevölkerung ausmachen. Im Jahr 1989, als die letzte Volkszählung in der sozialistischen Zeit auf dem Gebiet des 1991 unabhängig gewordenen Moldawien stattfand, lebten 1993 Roma in Otaci. Damit haben sich in Otaci, abgesehen von Chișinău, mehr Roma als in jeder anderen Stadt in Moldawien angesiedelt. Soroca, das wegen seiner von wohlhabenden Roma erbauten Villen als „Zigeunerhauptstadt Moldawiens“ gilt, folgt auf dem zweiten Platz. Die Mehrheit der Einwohner waren 2004 Ukrainer (3784), ferner wurden unterschieden: Moldauer (724), Russen (521), Gagausen (14), Rumänen (9), Bulgaren (7), Polen (4) und Sonstige (15).[8] Den Status einer Stadt (oraş) erhielt Otaci 1994.

Wikipedia

Wir machen uns also darauf gefasst, dass wir prächtige »Roma-Burgen« zu sehen bekommen. Aber es hält sich in Grenzen, fast kein »Palast« ist wirklich fertig, so skurril wie sie sind.

Moldawien ist das ärmste Land Europas. Man sieht es an allen Ecken und bei allen Gelegenheiten – es ist sehr arm. Darüber täuschen auch diese Gegensätze nicht hinweg.

Umso erstaunlicher und – wie wir es empfinden – rührend sind die geschmückten Brunnen, die Art und Weise, mit Anstrichen ein wenig Freude in die Trostlosigkeit zu bringen. Strassen existieren abseits der eh‘ schon schlechten Verkehrswege praktisch nicht. Was uns aber im Gegensatz zum letzten Besuch vor sechs Jahren auffällt ist, dass die grossen Hauptstrassen zusehends gerichtet sind. Aber die wollen wir ja eigentlich meiden.

Was auch sogleich wieder ins Auge fällt, das sind die Walnussbäume, die fast überall die Strassen säumen, regelrechte Alleen bilden sie, oft gar in Viererreihe, wenn es neben dem Fahrdamm auch noch Staubwege für die unbereiften Pferdewagen gibt. Und ja, auch die gibt es hier noch. Die Nüsse sind z.T. schon reif und so treffen wir immer wieder Menschen, die sie mit Stangen herunterschlagen.

Hier sind sie allerdings noch selten…

Der Struwepunkt bei Rudi

Unser erstes Ziel heute ist der Struwepunkt bei Rudi. Das ist nun nicht unser ehemaliger Kater, der sich hier niedergelassen hat, sondern ein kleiner Flecken in der Landschaft, am Hochufer des Dnister.

Er ist leicht zu finden: Kapelle und Schild, das verfehlt man nicht. Und er ist der vorletzte Punkt im Süden der 3.000 Kilometer langen Strecke vom Nordkap bis ans Schwarze Meer. Den letzten Punkt dort bei Staro-Nekrassowka (dann wieder in der Ukraine) werden wir dann in ein paar Tagen erreichen.

Der Messpunkt mit einer grossen Säule liegt in einem Obstgarten, dessen leuchtende Äpfel uns animieren, sei auch zu kosten.

Das Nonnenkloster bei Rudi

Kirche und Friedhof von Rudi

Am Steilufer, fast am Dnister, liegt das Nonnenkloster Rudi (Mănăstirea Rudi). Es ist eines von mehreren Klöstern hier am Dnister, aber wohl das einzige von Nonnen geführte. Da möchte Lis hin und so fahren wir die teils sehr abteuerliche Strecke durch den Wald hinab und werden durch einen schon fast selig zu nennenden Ort belohnt.

Lis wird eingekleidet, zwischen den Beinen darf man auch bei langen Hose nicht hindurch schauen, für mich ist der Zutritt selbstverständlich verboten; ebenso wie rauchen und andere schlimme Dinge.

Soroca

Der restliche Weg bis Soroca ist bald geschafft. Kirchen, auch ganz neue wie hier, und verfallende Grosstaten säumen die Strasse,…

…bis dann die Paläste der »Zigeunerbarone« auftauchen; wir sind gespannt.

Also, wenn wir jetzt nach den Vierteln gesucht hätten, in denen auch fertige Villen stehen – vielleicht… Aber, was wir so beim Blick in die Seitenstrassen erhaschen können, macht uns nicht Appetit auf mehr.

Und da erscheint vor uns auch schon die Festung von Soroca. Und die interessiert uns eigentlich mehr.

Es ist noch früh am Tag, kurz nach eins und heiss. Wir suchen jetzt erst mal eine Bleibe. Nach kurzer Fahrt erreichen wir den Markplatz, wo sich vor dem Rathaus (?) der Gemüsemarkt ausgebreitet hat und wo wir freudig begrüsst werden; ein Händler weist wohlwissend über unsere Köpfe hinweg nach hinten…

…denn da gegenüber liegt das Hotel Central, ganz einfach.

Wikimapia

Und was wir unternehmen, nachdem wir eingebucht und uns erholt haben, dat kriegen wa später….

Wat is´ne Dampfmaschin´? Da stelle mer uns mal janz dumm, und sagen: en Dampfmaschin´ iss ne große, runde, schwarze Raum. Und der große, runde, schwarze Raum der hat zwei Löcher. Dat eine Loch, da kömmt der Dampf rein, und dat andere Loch, dat kriegen wa später…

Die Feuerzangenbowle

➜ Fortsetzung, Stadrundgang in Soroca

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