* Rund Europa 2017, 3. Tag: Methana – Kilada (2)

Samstag, 13.05.2017, 22:22:38 :: Kilada, Pension Galini
Mittwoch, 21.06.2017, 12:46:31 :: Galanado
Mittwoch, 12.07.2017, 00:26:18 :: Galanado

In der Umgebung von Troizen

Unter dem Maulbeerbaum lässt es sich aushalten. Aber wir wollen ja weiter, allerdings ist hier in der Umgebung noch einiges zu sehen. Nebenbei: Ohne Vorbereitung und Speichern von GPS-Punkten in der Navi-App auf unseren iPhones würden wir wohl die meisten Ziele nicht finden, denn eine so gute Beschilderung wie hier in Troizen findet man selten. Gut, Mykene würde man zur Not auch mit einer Papierkarte finden. Aber schon bei Troizen fängt es an: Wer kennt das überhaupt und wo liegt es genau? Wo lag die alte Stadt? Denn wir waren ja nur im Tempelbezirk.

Wo die nächsten Stellen liegen, die wir uns an sehen wollen, wissen wir also; nicht aber das ganze Ausmass.

Musentempel, Wehrturm und Teufelsbrücke

Ofen oder Grab? Wir erfahren es nicht

Und finden sie auch. Die Rest des Musentempels nehmen wir im Vorbeifahren zur Kenntnis, das ist nur was für Spezialisten, ebenso dieses Reste einer römischen Therme.

Der Wehrturm, Diateichisma hingegen, auf dem sogenannten Weg hoch in die Berge, der hat es in sich.

Er ist Teil der Befestigung der ehemaligen Akropolis und wurde später von den fränkischen Kreuzrittern (12./13. Jh.) genutzt und hierzu weiter ausgebaut, was ma gut an der späteren Aufmauerung erkennen kann.

Bei solchen Zahlen kommt man ins Grübeln: Besiedelt seit mindestens 1500 v.Ch., die Franken im 13. Jahrhundert… Und dazwischen waren, wie oben schon angedeutet, natürlich auch die Römer da; römische Gräber finden sich unten im Tal am Rande des antiken Troizen, wie ich zuhause nachlese und das wir wie die Gräber gar nicht aufgesucht haben.

Ja, und dann wird es schwierig: Wir rätseln, ob wir’s wagen sollen, da weiter hinauf zu fahren bis zur oder in die Nähe der Teufelsbrücke, so genau wissen wir es dann doch nicht… Ich fahre also und Senfle holpert gequält über ausgewaschene Querrinnen und tiefe Löcher – und siehe da, nach ein paar Minuten erreichen wir einen regelrechten Parkplatz.

Ein mit Steinplatten ausgelegter und ausgewaschener Weg führt unter dichten Bäumen zur engsten Stelle der Schlucht, nur wenige Meter breit. Es ist wohl ursprünglich eine Unterspülung durch den Bach gewesen, wie man sie auch im Epirus finden kann – mehr Tunnel als Brücke.

Die Wasserrinne ist Teil der antiken Wasserversorgung von Troizen unten im Tal.

Links:

Hinunter müssen wir allerdings auch wieder. Das ist immer spannend. Aber es gelingt wieder.

Megali Magoula, Der Grosse Hügel

Megali Magoula nur wenige Kilometer auf dem weiteren Weg nach Galatas, der Stadt gegenüber der Insel Poros

Dort oben fand man ab 1995 ein mykenisches Kuppelgrab mit Dromos und weitere Gräber und Opferstätten, sowie eine mykenische Akropolis. Die Funde werden teilweise im archäologischen Museum von Poros ausgestellt. Das wäre dann bei Gelegenheit auch noch zu besichtigen. Davon später mehr.

Doch als wir unten am Hügel stehen weigert sich alles in uns: Die Sonne steht senkrecht, es ist windstill und Troizen steckt uns noch in den Knochen. Es reicht. Der Hügel muss warten bis zum nächsten mal, auch wenn die Fachwelt davon ausgeht, dass dort oben das Grab unseres Helden Theseus auf uns wartet.

Galatas

Wir fahren den Weg zur Hauptstrasse etwas wehmütig aber entschlossen zurück und weiter nach Galatas, dem kleinen Städtchen gegenüber von Poros. Wir haben schweren Durst und ein Imbiss würde uns auch gut tun.

Und so sitzen wir kurze Zeit später an der Paralia und sehen hinüber nach Poros, diesem pittoresken Knäuel weisser Häuser mit roten Hauben. Es sind nur ein paar hundert Meter da hinüber, die Boote fahren hin und her, es wäre ein Leichtes… Aber nicht dieses Mal. Wir merken immer mehr, dass es nicht das letzte mal ist, dass wir hierher kommen.

Wir wollen noch ein ganzes Stück fahren, entlang der Küste die Südspitze der Argolischen Halbinsel umrunden und für lange Zeit den Blick auf Hydra werfen, der Insel, auf der so viele Künstler, zum Beispiel der legendäre und letzten November verstorbene Leonard Cohen gelebt haben und leben.

Hydra

Kilada

Und dann der Schock des Tages. Methana ist ja von der Krise hart betroffen, die Bäder sind stillgelegt, wir hatten das ja ausgiebig erlebt. Nun aber, an unserem heutigen Ziel treffen wir in Kilada auf Massen von Werften und Yachten, auf einen überlaufenen Skipperort wie wir meinen.

Was wir vorfinden ist eine triste Promenade mit wenigen Tavernen und – das konnten wir uns nicht vorstellen – ohne ein einziges Hotel. Mir fällt in 17 Jahren »Rund Europa« kein grösserer Reinfall als Kilada ein.

Aber gemach. Nachdem wir die Paralia rauf und runter gefahren sind, verziehen wir uns in den Schatten eines Sonnendachs einer der beiden Tavernen und beraten bei Tzatziki, Fisch, Brot und Cola, was wir den jetzt tun sollen. Der junge Mann, der uns bedient raubt uns zunächst alle restlichen Illusionen: Es gibt keine Badebucht, es gibt keine Bootverbindung zur Höhle von Franchthi, nein überhaupt keine. Er kommt aus Kanada, der Papa hat hier ein kleines Anwesen, er macht hier also gewissermassen »Arbeitsurlaub«. Und nein, es gibt kein Hotel, aber er fragt mal den Wirt, ob der was weiss wegen Zimmern.

Und der Wirt kennt seine Tochter und die betreibt eine kleine Pension in der zweiten oder dritten Reihe. Lis fährt mit ihm hin und bucht. Mit unserem Sefle finden wir den Weg aber hinterher nicht mehr, landen in einer engen Sackgasse, aus der ich langwierig und rückwärts wieder rausmanövrieren muss. Der Wirt muss seine Tochter bitten, uns abzuholen. Und das klappt dann auch.

Erschöpft durch dieses komplizierte Rückwärtsfahren bei grösster Hitze fahren wir hinterher, duschen und fallen ist Bett. Morgen sehen wir weiter…

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