* Rund Europa 2017, 5. Tag: Paralia Irion – Tyros (1)

Montag, 15.05.2017, 19:00:28 :: Tyros, Hotel Apollon
Donnerstag, 27.07.2017, 21:43:02 :: Galanado
Samstag, 05.08.2017, 19:07:41 :: Galanado, es ist heiss…

Sie haben derzeit nur am Wochenende geöffnet – wir hätten es auch noch einen Tag länger ausgehalten. Also satteln wir das Senfle, denn zu sehen gibt es heute einiges:

Ausserdem einen kurzen Halt in Astros. Das ist zunächst mal das Tagespensum; ziemlich viel. Jedenfalls, soweit es vorgeplant ist. Mal sehen, wie weit wir kommen.

Nafplio

Die ehemalige und für kurze Zeit und (nach Ägina) zweite Hauptstadt des modernen Griechenlands, Nafplio, erreichen wir recht schnell: Viel Schnellstrasse…

Das schöne Paralia Irion ist offensichtlich eines der Naherholungsgebiete der beiden grösseren Städte Nafplio und Argos. Es geht vorbei an Asine – heute Asini; den nahegelegenen Touristenort Tolo lassen wir ebenfalls und buchstäblich links liegen. Natürlich gäbe es gerade von Asine und Tolo einiges zu berichten; schon Homer wusste davon – vielleicht ein andermal.

Und dann sind wir auch schon mitten im Speckgürtel von Nafplio, links oben die Palamidi-Festung, welche die gesamte Kuppe und mehr einnimmt.

Die Stadt hat eine sehr wechselvolle Geschichte, die nachzulesen sich lohnt: Ägypter, Griechen, Venezianer und Osmanen, sich mehrfach ablösend, wieder Griechen und ein deutscher König, Otto I, ein glückloser Bayer. Wenn man die Vorgeschichte seiner Inthronisierung nachliest, dann wird einem klar, warum Griechenland nie ein selbstständiges Land werden konnte: Die grossen Mächte England, Frankreich und Russland waren stets die Bestimmter (bis die USA nach dem 2. Weltkrieg Englands Stelle einnahmen…).

Wikipedia: Einzug König Ottos in Nauplia, Peter von Hess, 1835

Aber bleiben wir noch bei dem Bayernkönig: Es war ein 16-jähriger Lausejunge, den die europäischen Fürstenhäuser da runter schickten, sein Vater musste die Königswürde für ihn entgegen nehmen. Mehr hatten die europäischen Fürsten für Griechenland wohl nicht im Regal. Was blieb? Es ist mehr als lehrreich, über die Zeit von Otto I nachzulesen. Schloss (heute Parlament) und FIX, das Bier… Alles andere machte i.W. England von aussen.

Nun, wir schauen uns wieder ein wenig um, Stellen, die wir noch nicht gesehen haben. Man bräuchte Tage: Drei Festungen, ein Museum, eine Moschee (Tagungsort des ersten griechischen Parlaments), um nur die zu nennen.

2007 und im Juni 2011 haben wir hier Station gemacht; die Dokumentation von 2007 ist schmalbrüstig.

Die venezianischen Kanonen am Fusse der jüngsten venezianischen Palamidi-Festung ziert der Markus-Löwe

Die Bourtzi-Festung auf einer kleinen Insel in der Bucht schützte die Hafeneinfahrt, war Festung, Gefängnis und Wohnung des Henkers, der hier die Drecksarbeit für die Herrschaften in der Festung erledigte. Von 1930 bis 1970 war es gar Hotel. Schaurig.

Tiryns

Die Akropolis von Tiryns könnte man übersehen, wenn man nur auf die Karte schaut: Direkt südöstlich Nafplio, nordöstlich Argos mit seinem weithin sichtbaren Festungsberg. Aber diesmal habe wir Tiryns als Ziel auf dem Schirm.

Die Stadt erstreckte sich auf einem bis zu 30 Meter hohen Kalkfelsen, der rund 300 Meter lang und 40–100 Meter breit ist. Ursprünglich verlief die Küste näher an diesem Hügel vorbei. Der Ort war ab dem Neolithikum (Jungsteinzeit) besiedelt. Vom dritten Jahrtausend v. Chr. an gehörte Tiryns zu den wichtigsten Zentren des bronzezeitlichen Europas.

Wikipedia

Heinrich Schliemann, der Troja-Ausgräber hat auch hier als erster gebuddelt. Und nicht zu Unrecht, wie man heute weiss und wie wir nach kurzer Anfahrt sehen werden.

Es sind Zyklopenmauern, an denen wir hinauf zur Akropolis laufen, noch ist es erträglich, auch sind wir mal wieder die ersten, die französische Gruppe wird uns aber bald überholen und im Wege stehen…

Hier ein Blick nach Süden auf den Argolischen Golf.

Ich lasse es jetzt mal gut sein mit Bildern…

Das Grab

Im Bereich h von Tiryns liegen natürlich weitere besichtigenswerte Orte. Einer ist ohne Frage das Tholos-Grab am Fusse des westlichen Fuß des Profitis Ilias-Hügels.

Man findet es am Ende eines Kieswegs in die Orangenplantagen. Da parkt schon ein Wagen eines französischen Paares, aber das Senfle passt noch hin. Nur ein dritter darf jetzt nicht kommen…

Der Damm von Kofini

Wesentlich weniger spektakulär fürs Auge, dafür aber ingenieurmässig umso interessanter ist der Damm von Tiryns. Ich zitiere einfach Wikipedia:

Bis Anfang des 12. Jahrhunderts v. Chr. floss der Lakissa, von Osten kommend, nördlich am Profitis Ilias Hügel und etwa 1 km weiter westlich südlich an der Burg von Tiryns vorbei. Eine Schlammlawine, die möglicherweise durch ein Erdbeben ausgelöst wurde, verschüttete die Siedlung um 1190/80 v. Chr. (am Ende des Späthelladikums III B2), die südlich außerhalb der Burg lag. Durch die Schlammablagerung änderte sich der Lauf des Flusses, der nun nördlich an Tiryns vorbei floss.

Vermutlich um eine weitere Katastrophe zu verhindern, leitete man den Lakissa kurze Zeit später (im Späthelladikum III C früh) um. Hierfür grub man kurz hinter der Mündung von zwei Bächen in den Lakissa einen 1,5 km langen Kanal vom alten Flussbett in südwestliche Richtung. Hier traf der Kanal auf das Flussbett des Manessi. Dieser floss zunächst südlich am Profitis Ilias-Hügel und dann nördlich am Agia Kyriaki-Hügel vorbei und mündete etwa 1,5 km südlich von Tiryns in den Argolischen Golf. Das alte Flussbett verschloss man mit einem etwa 10 m hohen und 300 m langen Damm.

Wikipedia

(Fortsetzung folgt.

Dieser Beitrag wurde unter GR, Griechenland, Kultur & Kunst, Kultur + Gesellschaft, Naxos, Peloponnes, Reisen, RundEuropa2017 abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar