* Rund Europa 2017 (Oktober), 6. Tag: Archaia Pisa-Pylos

Montag, 16.10.2017, 19:27:41 :: Gialova/Pylos, Hotel Resort Zoe

Gestern Abend hole ich mir die letzten Nachrichten. Erleichtert bin ich nicht: In Niedersachsen hat die SPD die Stellung gehalten, die CDU leicht verloren. Und in Österreich sind die Rechten endgültig auf dem Vormarsch. Schönes Europa. Die ganze ehemalige k.u.k.-Ecke scheint sich gegen Brüssel im nationalen Separatismus einzuigeln.

Aber nicht deshalb habe ich die Nacht schlecht geschlafen. Als wir dann so gegen halb zehn in Archaia Pisa viel zu spät loskommen und uns nach Olympia hinunter zu begeben habe ich schon so eine Ahnung…

Und als ich dann auf den Parkplatz fahre, die Busse und die Menschenmassen sehe, da bin ich mir schnell sicher, dass ich heute wieder an diesem Kelch, ein viertes oder fünftes Mal, vorbei gehe, Kultur und Interesse an Altertümern hin oder her.

Und so gebe ich Gas. Wir grüssen noch schnell zurück, als eine Busladung Schwaben mit Hallo an uns vorbei zieht – sie seien aus Stuttgart, wir sollen Ludwigsburg grüssen – und fahren durch die wasser- und seenreiche Ebene gemütlich hoch in die Berge, am Hang der kommenden Bergrücken nach Süden. Das Sträußchen ist gesäumt von Olivenbäume, deren Äste tief herabhängen, schwer tragen sie an den reichlich reifenden Oliven. Es ist eine kleine Sorte, denn zuweilen wird schon geerntet.

Der Palast des Nestor ist das nächste Ziel auf dem Weg nach Pylos.

Im Bergdorf Mouzaki machen wir nach einer teils halsbrecherischen Fahrt auf geröllfeldartigen Strassenabschnitten halt für einen Kaffee.

Die Taverne führt eine blutjunge Mutter, hübsch aber sicher hier nicht glücklich mit ihrem ca. zweijährige Blondschöpfchen, auf das weniger die Mutter als die Gäste aufpassen…

Einer der Männer am Nebentisch erkundigt sich nach einiger Zeit wie üblich danach, woher wir kommen.

Naxos, antworte ich. Kennt er offenbar nicht, er murmelt was von »Epiroti«, was nahelegt, dass er Naxos in Nordgriechenland verortet. Sein Mitsitzer am Tisch, aus seiner Mimik und dem verständnisvollen Wiederholen des Wortes »Naxos« zu schliessen, hingegen schon. Ja, unsere griechischen Inselfreunde mögen schon recht haben: Wir kennen ihr Land oft besser als sie selbst.

Der Palast ist heute geschlossen

Als wir auf den Parkplatz unseres archäologischen Ziels rollen, ahne ich es schon: Der Palast ist eines jener Altertümer, die nicht so häufig besucht werden wie Olympia: Montag ist Ruhetag; »Δευτέρα« sagt der Arbeiter nur, der aus dem Gelänge kommend das Tor wieder hinter sich schliesst und nur die Schultern zuckt. Einen weiteren Reinfall ertrage ich heute nicht mehr. Wir suchen jetzt eine angenehme Bleibe, obwohl es erst kurz nach zwölf ist.

An der Nordseite der Buch von Pylos in Gialova finden wir direkt am Strand das Hotel Resort Zoe, das wir mit Emphase empfehlen können. Lis nimmt hier direkt ein Apartment mit zwei getrennten Zimmern. So ist die Nachruhe beider gesichert.


Wir kommen uns vor wie auf La Palma

Der Strand ist wie gesagt vor der Tür, ein grosses Schwimmbecken auf dem Gelände, ebenso ein sehr gepflegtes Restaurant. Alles perfekt. Morgen werden wir Nestors Palast nachholen und uns Pylos ansehen. Vor exakt 190 Jahren, genau am 20. Oktober 1827, fand in der Bucht vor uns,

wo wir hier am Strand liegen und die Beine nach Süden strecken, die entscheidende Schlacht von Navarino statt, nicht zu verwechseln mit der Seeschlacht von Lepanto. Die war 16.. weiter nördlich in der Bucht vor Patras beim heutigen Nafplio. Die extrem verlustreiche Schlacht hier in der Bucht bedeutete das Ende der osmanischen Herrschaft in Griechenland und machte klar, wer fürderhin in Griechenland das Sagen haben würde: Gross Britannien, Frankreich und Russland.

Auch Deutschland beziehungsweise Bayern wurde früher Nutzniesser:

Mit der ägyptisch-türkischen Flotte war eine große Anzahl bronzener Kanonen untergegangen. Ein Großteil davon wurde unter dem griechischen König Otto gehoben und als Recyclingmaterial in Europa verkauft, wobei etliche davon nach Bayern gelangten und für den Guss des Obelisken am Karolinenplatz in München, der Bavaria und der Tilly-Statue in der Feldherrnhalle verwendet wurden.

Wikipedia

Tauchen mit Atemgerät ist auch heute noch bei schwerer Strafe verboten – die gesunkene türkisch-ägyptische Flotte liegt noch immer da unten am Grund.

Wir geniessen indes den Abend.

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