* Rund Europa 2017 (Oktober), 9. Tag: Messene – Gythio (2)

Donnerstag, 19.10.2017, 19:48:39 :: Gythio, Hotel Aktaion
Mittwoch, 28.02.2018, 11:36:54 :: Galanado

Teil 1: Das Antike Messene

Nun also erst einmal Frühstück. Unser Lokal ist leer. Das sind wir gewohnt. Und das Frühstück ist reichlich und lecker. Das sind wir eher nicht gewohnt.

Jedenfalls geniessen wir noch einmal die Aussicht auf Messene und machen uns dann auf den Weg nach Gythio.

Der Weg führt uns zunächst nach Süden nach Messini, der Neuausgabe von Messene, vorbei am Flughafen nach Kalamata.

Die umtriebige Stadt durchqueren zügig und verlassen sie auf der Küstenstrasse ebenso …

… hinunter auf die Mani.

Auf der Mani

Nun geht es auf die Mani. Anfang Juni 2011 waren wir ab Kalamata dieselbe Strecke, allerdings bis zur Südspitze gefahren, dem südlichsten Festland-Punkt Europas; die Südspitze liegt übrigens südlicher als Tunis in Nordafrika – würde man nicht denken, oder? In diesem Beitrag gibt’s also mehr zur Mani.

Bis Agios Nikolaos geht es mit einer Ausnahme mehr oder weniger am Meer entlang. Agios Nikolaos hat nur insofern eine Bedeutung, als das der südlichste Punkt war, bis zu dem sich Lis vor vielen Jahren von Kalamata aus alleine vorgewagt hatte.

Und dann fahren wir auch noch fast vorbei, setzen uns aber etwas ausserhalb für eine Cola doch noch an den Strand – Gedenken muss sein. Dann geht es hoch in die Berge, vorbei an den vielen kleinen, zähen Olivenbäume, die hier zwischen den Felsen wurzeln.

Ziel ist nun erstmal die Morea-Ölmühle in der kleinen Siedlung nach Thalames, wo wir 2011 dieses köstliche frische Tropföl erworben hatten. Wir sind gespannt, was wir vorfinden werden.

Kein Öl

Und wir werden enttäuscht: Die Regale sind fast leer. Der umtriebige junge Mann hinter der Theke will uns einen Vortrag über die Vorzüge des Morea-Öls halten, wir winken ab. Was er denn noch da hat? Nichts für uns, die diesjährige Ernte hängt noch auf den Bäumen, im November vielleicht, im Dezember aber sicher wird es neues Tropföl geben. Die Mani ist rau, irgendwie erinnert sie mich immer an die Schwäbische Alb. Vielleicht kommen auch deshalb die Betreiber aus Ulm …

So lange können wir jedenfalls nicht warten. Nun also auf nach Itylo.

Nach einer längeren Strecke durch die Berge kommt man wieder ans Meer: Der erste Kontakt von oben wird mit einem grossartigen Blick hinab in die Bucht belohnt.

Gegenüber von Itylo am Steilhang liegt das Kastro Kalefás, eine Anlage mit fast vollständiger Mauer und Türmen. Sie wurde 1679 von den Ottomanen erbaut und abwechselnd von den Manioten und den Venezianern erobert und von den Osmanen zurück erobert.


By Vincenzo Coronellihttp://el.travelogues.gr/collection.php?view=351, Public Domain, Link

Die lassen wir uns fürs nächste mal …

1821 zog Petros Mavromichalis mit den vereinigten Clans der Mani in den Krieg gegen die Türken; der griechische Befreiungskampf startete nach anfänglichen und missglückten Versuchen im Norden Griechenlands letztendlich hier auf der Mani.

Unten bei Neo Itylo umfährt man sie und kommt zu einem Kleinod, das durch umfangreiche Restaurierung zu neuem Leben erwacht: Limeni, ein kleiner Fischerort, den wir schon im Mai empfohlen bekamen (und wo wir köstlich gespeist haben) und jetzt von der anderen Seite der Bucht nochmals inspizieren.

Dort steht auch der Pirgos Mavromichali, der bewehrte Wohnsitz der berühmten Familie Mavromichalis, etwas oberhalb am Hang. Heute ist er ein exquisit restauriertes Gebäude, in dem ein 4-Sterne-Hotel untergebracht ist.

Eine Städterundfahrt ist das hier nicht, alle Orte hier haben so um die fünfzig und weniger Einwohner. Aber geschichtsträchtig sind sie allemal. Endgültig geht es nun ins karge, wilde, fast leere Innere der Mani und hinüber nach Gythio, wir schneiden also den Südteil der Mani ab und fahren durch sanftes Gebirge hinüber an die Ostküste der Mani.

Buchempfehlung

Sommer 1952. Als Patrick Leigh Fermor 37-jährig über das Taygetos-Gebirge in das bitterschöne Land der Manioten bis an den südlichsten Zipfel der Peloponnes wandert, ist er in seiner Heimat bereits ein Kultautor.

„Es gibt kaum einen Fels oder Bach, zu dem es keine Schlacht und keinen Mythos gibt, kein Wunder, keinen Aberglauben, keine Geschichte … Meine Streifzüge durch Griechenland gelten den entlegensten Landstrichen, denn dort findet man, wonach ich suche.“

Gerade in der rauen, vom übrigen Griechenland durch den Taygetos abgeschnittenen Mani wittert Fermor Lebensformen und Bräuche, die direkt aus dem untergegangenen Byzanz oder dem mythischen Altertum zu kommen scheinen. So findet sich in der aus dem Stegreif gesungenen Totenklage, wenn die Sängerin sich die Haare rauft, Andromaches Trauer um Hektor wieder.

Patrick Leigh Fermor: Mani

Gythio

Das Städtchen ist langsam ein fester Standort für uns. Um diese Jahreszeit ist vom Tourismus nichts zu spüren, wir sind froh, dass wir noch draussen sitzen können und was zu trinken und vor allem zu essen bekommen.

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