* Rund Europa 2017, 7. Tag: Tyros – Molaoi

Mittwoch, 17.05.2017, 18:35:21 :: Moláoi, Hotel Gregory
Freitag, 23.03.2018, 14:43:23 :: Galanado

Regen

Was uns gestern Morgen eher zart getroffen hatte, trifft uns heute schwerer und vor allem anhaltend: Es nieselt, regnet, die Sonne hat keine Chance. Und es ist kühl.

Wir werfen einen letzten Blick zurück auf Tyros …

… und dann fahren wir in die Berge, ins Parnon-Gebirge, hinüber ins lakonische Melonáoi, zunächst aber nach

Leonidi

Leonidi kommt uns schon beim Durchfahren irgendwie aussergewöhnlich, ja edel vor. Auch die orangeroten Felsen, an denen jeder Blick endet, imponieren uns. Erst zuhause kommt uns ein Artikel über die Stadt und Gegend unter.

Da es regnet, steigen wir nicht aus. Mittlerweile haben wir Leonidi ausführlich besichtigt.

Links:

Auch begegnet uns wieder der tsakonischer Dialekt. Hier im Parnon-Gebirge mit seinen Dörfern ist das Zentrum dieser Sprachinsel.

Auch der Nichtgrieche findet die Unterschiede

Dann geht es sehr schnell in einer immer enger und wilder werdenden Schlucht in langen Serpentinen nach oben.

Wir starren immer nach oben, irgendwann müssten wir doch das Kloster sehen, denn es hängt gewissermassen an den Felsen.

Ja, und da ist es! Schade, keine Sonne, kein Licht, was dieses Bauwerk da oben wirkungsvoll und adäquat beleuchten würde.

Kloster Elona

Das Kloster klebt an einem Felsen auf über 500 Metern. Es hat eine bewegte Geschichte hinter sich, die sich nachlesen lässt. Wir erreichen nach weiteren Serpentinen endlich den Parkplatz, ziehen uns die Regenjacken an und sind gespannt.

Einige wenige Besucher ergehen sich dann im Klosterhof vor der Kirche und eine Etage höher. Die Kirche wird von einer Nonne streng bewacht – fotografieren ist mal wieder verboten. Es ist je nach Kirche beziehungsweise Kloster wohl unterschiedlich geregelt; am besten, man fragt.

Und für diejenigen, die des Griechischen kundig sind, hier eine Extragalerie, die die Nonnen für sich zur Erbauung eingemauert haben.

Wir verabschieden uns von Haus und Fels, keine Nonne hat sich blicken lassen (es sollen nur noch vier sein …) – ausser der gestrengen Wache in der Kirche. So kann auch Lis sich nichts aussuchen, was sie später an diesen Ort erinnern wird. Ausser die vielen Bilder natürlich.

Draussen bewundern wir nochmals die wilde Felsenlandschaft und winden uns dann weiter durch’s regnerische Gebirge hinauf zur Hochebene von Kosmás.

Kosmás

Das Bergdorf Kosmás ist touristisch stark frequentiert, es ist auch die einzige Siedlung in der Passgegend und liegt auf ca. 1100 Meter. Im Grund muss jeder da durch, der von Arkadien nach Lakonien möchte.

Wir essen dort zu Mittag. Da es regnet, empfiehlt es sich nicht, draussen vor der Kirche im Freien zu essen. Deshalb ist auch das kleine Restaurant gesteckt voll. Aber wir haben Glück, irgendwo zwischen den kauenden Gästen finden wir gerade noch zwei Plätze.

Wir bestellen, was es eben heute gibt, nicht aber, was fast alle essen: Eine der riesigen, ganz eigenen Spinattaschen, die die Wirtin fast wie am Fliessband herstellt, die nehmen wir mit. Wir werden ihr heute Abend wieder begegnen …

Ein längerer Rundgang verbietet sich wegen des anhaltenden Regens. deshalb beginnen wir mit dem Abstieg nach Südwesten, zunächst immer Nebel und Wolken vor uns.

Kurz, bevor wir die Berge hinter uns haben und in die Ebene kommen, endet auch die Grossgemeinde Notia Kynouria, Südkynuria.

Die Strecke sind wir übrigens dann im Oktober bei schönstem Sonnenschein in umgekehrter Richtung gefahren, voller Vorfreude auf ein Mittagessen im Freien.

Und zum Abschied grüsst der Herr der Herde.

Geraki

Die nächste grössere Siedlung ist Gekari, die auch eine fränkische Festung vom Anfang des 13. Jahrhunderts ihr eigen nennt. Besiedelt ist dieses Gebiet schon seit mehr als 6000 Jahren, auch pelasgische Mauerreste von 1100 v. Chr. sind am Hügel erhalten. Wir werden wohl das nächste Mal genauer hinsehen müssen …

Lakonia: Geronthrae – Geraki

Die Stadt Geronthrae, benannt nach Pausanias, liegt im Inneren, etwa 40 Kilometer südöstlich von Sparta, in der Nähe des heutigen Geraki. Die Mauern der Akropolis sind wahrscheinlich prähistorisch und stammen möglicherweise sogar aus der Zeit vor Mykene. Die Ausgrabungen auf der Akropolis wurden von der Universität Amsterdam für 7 Jahre in Zusammenarbeit mit dem NIA (Niederländisches Institut von Athen) durchgeführt. Geraki-Geronthrai wurde von prähistorischen Zeiten bis spät in das Mittelalter bewohnt, angesichts der großen Anzahl von byzantinischen Kirchen in der Nachbarschaft. In der fränkischen Zeit war Geraki eine der 12 ursprünglichen Baronien, obwohl das Geraki-Schloss 1262 den Lansanern als Lösegeld für William de Villehardouin übergeben wurde. Das fränkische Schloss wurde 1254 von Guy de Nivelet erbaut. Die Kirchen von Geraki können besichtigt werden, indem man morgens im Dorf nach dem Phylaka fragt. Viele haben schöne Fresken, wie unten gezeigt.

1 Agios Johannis Chrysostomos, eine kleine Kirche, bestehend aus einem einzigen Raum mit Abis, und Fresken aus dem 14. Jahrhundert. Die riesigen Blöcke, die als Türpfosten und Türschwellen dienen, sind antike Inschriften. Bovev, v.l.n. St. Georg, die Kirche, der Tod Mariens (Koimisis).

2 Evangelistria, eine Kirche mit schönen Fresken aus der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts, mit einem schönen Pantokrator in der Kuppel (links).

Geronthrae bei Geraki (übers. a.d. Holländischen)

Wir nehmen all das also nur im Vorbeifahren wahr. Genauer sehen wir uns nur die byzantinische Kirche von Geraki an.

Wegkirchlein (Proskinitaria)

Es ist dem Leser sicher schon aufgefallen: Ich zeige hier sehr häufig die kleine Kirchlein am Strassenrand, die meist an einen Menschen erinnern, der hier zu Tode gekommen ist. Manche stehen aber auch zum Dank dafür, dass irgendwas gut ausging oder zum Schutz der Felder und Gärten dahinter. Die Peloponnes ist in vielen Teil voll davon, die Kynuria ist offensichtlich eine solche. Deshalb hier wieder ein paar, denen wir alleine auf dieser Strecke von Kosmás nach Geráki begegnet sind – aber bei Weitem nicht alle!

Genug …!

Nein, eine noch.

Wir sind dann auch bald in

Moláoi (Molaï)

Moláoi (deutsche Wikipedia) ist ein Städtchen mit ca. 2.500 Einwohnern im Stadtgebiet, eine eher triste Kleinstadt, die aber alles hatte und hätte, wäre nicht »die Krise« …

Sie zeigt sich in den Strassen überdeutlich: geschlossene und leere Ladengeschäfte, kleine, aber auch riesige Prozent-Plakate, die die Geschäftsaufgabe ankündigen. Nur die beiden Bankhäuser stehen propper da.

Später Einwurf: Wie man sich täuschen kann: Als ich für diesen Beitrag die Ecke unseres Hotels und der Nationalbank in Googles Streetview ansehe, mache ich eine erstaunliche Entdeckung: Die Säulen gehörten zum Rathaus, das nach der Google-Aufnahme abgerissen wurde.

Unsere Bleibe finden wir im Hotel Gregory, nachdem der Betreiber der darunter gelegenen Kaffee-Bar auf unsere Bitte hin den Hotelier gesucht und gefunden hat und der dann auch auftritt, er war wohl noch beim Mittagschlaf.

Als wir feststellen, dass es wohl kein Restaurant gibt, erinnern wir uns an die Spinopita von Kosmás.

Und so sitzen wir mit ihr und Eistee auf dem Balkon unseres sehr schönen Zimmers und betrachten die Skyline von Moláoi und das Treiben auf der Strasse, ehe wir uns dann zum Rundgang durch das Städtchen aufmachen.

Es ist nichts los. Jedenfalls nichts, was uns davon abhalten könnte, einfach schlafen zu gehen. Denn wir haben einiges vor morgen.

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