* Rund Europa 2018, 0. Tag: Athen

Montag, 09.04.2018, 14:14:38 :: Galanado

Fahrt nach Piräus

Ursprünglich wollten wir ja am 9.4., dem griechischen Ostermontag, starten. Lis hatte dann festgestellt, dass Hellenic Seaways am Karfreitag 1 ½ Stunden früher als die Bluestar fährt. Das würde uns am Nachmittag diese zusätzliche Fahrzeit nach Etoliko bringen. Und Griechische Ostern, die feiern man auch an anderen Orten mit Emphase.

Als ich also an diesem Karfreitag mit Lis und ihm im Taxi von Athen nach Piräus fuhr, hatte er wohl immer noch die Hoffnung, wir wären zeitig genug, um das Senfle von der Fähre rollen zu sehen, bereit, nach Etoliko zu starten, unserem ersten Tagesziel.

Aber natürlich waren wir zu spät, die Fähre lag schon länger da, bereit, Fahrzeuge und Passagiere für die Fahrt nach Naxos aufzunehmen.

Ich kaufte daher die Tickets für die beiden, für den Enttäuschten und für Lis. Er bezahlte die 70€ problemlos mit der Visa-Karte, die kurz zuvor der Kartenleser am Tresen der BIOklinika als nicht lesbar abgelehnt hatte. Auch die beiden Karten meiner Frau gingen nicht.

Da noch reichlich Zeit bis zur Abfahrt war setzte ich mich mit Lis wie üblich ins Café, diesmal jedoch nicht zum Cappuccino. Der wäre für ihn zu heiss gewesen, blutdrucksteigernd ganz ohne Zweifel auch. Er trank daher Eistee und wir assen alle zusammen die letzten beiden lätschigen Croissants aus der Theke, da weich genug für seinen Gaumen. Oder für meinen?

Das »Mädchen von Piräus«, meine Managerin und gute Fee

Verwirrend – Verwirrt?

Was also war passiert? Ein Aprilscherz?

Ja, und ganz gewiss kein kleiner. Abends am 1. April gegen 22 Uhr bekam ich starkes Nasenbluten, das nicht zu stillen war. Zum HNO-Arzt mitten in der Nacht. Der setzte einen Not-Tampon zur Blutstillung, nachdem er mir mit sehr ernsten Worten klar gemacht hatte, dass es nun sehr weh tun würde, er aber keine andere Wahl habe. Und damit begann für ihn eine Horror-Geschichte, die nicht annähernd erzählbar ist und die ich Euch daher und aus anderen Gründen erspare.

Aber hier doch meine »Privatmaschine«, die mich in ca. 30 Minuten nach Athen brachte – nach ca. 6 Stunden Wartezeit. Notflug nennt sich das …


Einstig …


… Und Abflug

Letztendlich erreichte ich – nach einer lebensrettenden Eigeninitiative vor den Augen des staunenden Hospitalpersonals – endlich am Abend per Notflug die BIOklinika in Athen, wo er vorbildlich versorgt wurden, vor allem endlich mit Schmerzmitteln.

Dass zuvor auf dem Flughafen zunächst darüber gestritten werden musste, welche Ambulanz-Gesellschaft ihn denn nun zur Klinik fahren dürfe, hatte zwar zu einer weiteren Verzögerung, aber zu keiner Verschlechterung meines Zustands geführt. Immerhin: Ein Notflug von ca. dreissig Minuten dauerte so ca. sechs Stunden – alles in allem. Die Versorgung eines Notfall hatten wir uns alle anders vorgestellt.

Aus dem sechsten Stock sieht Athen so übel nicht aus

Lis sah sich zur Entspannung etwas in der Gegend um

Die Blutung war zum Stillstand gekommen, keine unmittelbare Gefahr mehr; das wirkte sich auf den Patienten und meine Frau zunächst einmal sehr entspannend aus. Nach zwei weiteren Tagen, angeseilt an zwei, drei Infusionsflaschen und völlig ausgetrockneter und brennender Mundhöhle, entfernten sie dann unter Vollnarkose den Tampon. Wunderbarerweise gab’s keine Nach- oder Weiterbluten mehr. Bisher und unter »Auflagen«.

Offizieller Kostenpunkt einer geplatzten Nasenvene: 15.000 Euro – bisher. Und Ärger beim Verlassen des Hauses.

Warten auf das Taxi

Soweit also das Davor. Und nun hier in Piräus, nur in Erwartung einer Fahrt in die verkehrte Richtung.

Wieder auf Naxos

Die Schiffspassage verlief so langweilig und unbequem wie immer, wenn man nicht draussen an der frischen Luft sitzen kann. Das aber war dem Patienten verboten, was wir akzeptierten und in den ausgebeulten Pullman-Sitzen Platz nahmen.

Am Hafen stand das Senfle, die Windschutzscheibe dem steifen und feuchten Nordwind abgewandt und warte auch uns.

Und in Galanado wartete Popi ungeduldig, denn die Fastenzeit ist in der Nacht von Freitag auf Samstag zu Ende. Ein opulentes Abendessen, ein After-Fast-Mahl sozusagen, tischte sie uns auf.

Wohl dem, wer solch‘ eine Vermieterin hat! Ein Hoch auf Popi!

Fazit

* Rund Europa 2018 ist also auf nicht absehbare Zeit beendet, ehe es begonnen hatte. Immerhin: Bis Athen und zurück hat’s schon mal gereicht. Die umfangreiche Planung hätte es dazu allerdings nicht gebraucht.

Ich werde Euch auf dem Laufenden halten. Denn nach Deutschland müssen wir ja auf alle Fälle. Also: Er oder ich werden uns melden, je nachdem, wer schneller wieder mit sich klar kommt.

Nachtrag: Nasenbluten heisst ρινορραγία auf Griechisch.

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