Neandertaler auf Naxos?

Sonntag, 15.04.2018, 14:11:53 :: Galanado


©SNAP

Touristenattraktion oder was?

Wer am Strand von Agios Georgiou schwitzt, badet oder zu Abend isst und nach Südwesten blickt, schaut unweigerlich auf die Stelída.


©Reinard Schmitz, 1985

Noch in den Achtzigerjahren nahezu unbebaut, ist sie heute ein Siedlungsgebiet für besser betuchte Ausländer, aber auch Griechen. 1985 bekam sie die erste schwere Scharte, als man einen Teil des Berges abtrug, um damit eine grosse Fläche des Salzsees ganz im Süden der Bucht aufzufüllen. Dort ist heute der »Naxos Airport«, gut für kleine Maschinen und schnellen Transfer nach Athen.


alle ©Reinard Schmitz, 1985/86

Niemandem kommt dabei in den Sinn, dass dieser Berg und das Gebiet darunter bereits von Neandertalern besiedelt und genutzt wurde, eine Vorstellung, die man noch vor kurzem weit von sich gewiesen hätte, auch, wenn man Archäologe ist. Heute scheint festzustehen, dass schon vor über 260.000 Jahren hier gearbeitet wurde. Und das wären dann vermutlich Neandertaler gewesen. Nur: Der Blick von ob war ein anderer.


©Reinard Schmitz, 1985

Eine Archäologische Sensation!

Seit dem Jahre 2000 ist daher die Stelída archäologisches Schutzgebiet, nachdem erste französische Grabungen durch Michel Séfériadès (1983) deutlich machten, dass hier mehr zu finden ist als Gestrüpp und ein paar Felsen.


©Reinard Schmitz, 1985

Seit 2013 grub dort das Team um Dr. Carter.


Photo: Reinard Schmitz, © SNAP


beide ©Reinard Schmitz, 1985

Gestern Abend fand nun die Eröffnungsveranstaltung und Präsentation der Ergebnisse im Kastro statt, auf der Dr. Carter seinen Vortrag hielt, und die Ergebnisse seiner mehrjährigen Ausgrabungen auf der Stelída vorstellte – exklusiv und zum ersten mal, wie er scherzte – »so please don’t publishing it«.


Bürgermeister Manolis Margaritis und Dr. Tristan Carter. ©Reinard Schmitz

Der Grosse Saal im ehemaligen Ursulinerinnen-Kloster war voll bestuhlt und später dann auch besetzt, die Wände ringsum mit den hervorragenden Schautafeln »verdeckt«.


© Naxospress.gr

Man staunt, was auf dieser Insel seit 2013 unter der Leitung von Dr. Tristan Carter von der McMaster Universität in Ontario/Kanada zusammen mit dem Canadian Institute in Greece und dem Griechischen Ephorat für die Ägäis alles passiert ist, ohne dass man es direkt wahrgenommen hat: The Stélida Naxos Archaeological Project (SNAP).

Bis vor kurzem wurde angenommen, dass die Kykladen nicht vor 7000 v.Chr. von Menschen besiedelt wurden, als Bauern in der Jungsteinzeit sie erreichten. Diese Sicht wird nun durch die Entdeckung eines gut erhaltenen mesolithischen Dorfes (spätes Jäger- und Sammlergrab) auf Kythnos durch griechische Archäologen erschüttert und ebenso durch die in den letzten Jahren erfolgten Ausgrabungen in Stélida auf Naxos, die mittelsteinzeitliche Funde menschlichen Tuns zutage gefördert haben.

Stelída, gewissermassen der »Hausberg« der Chora am Ende der Bucht von Agios Georgiou, in der sich der traditionell längste Teil des Inseltourismus auch heute noch abspielt, war wohl Steinbruch und »Werkstatt« für Hornstein, ein dem Feuerstein und dem Obsidian ähnliches Gestein, das schon sehr früh als Werkzeug verwendet und zu feineren Gerätschaften (z.B. Pfeil- und Speerspitzen) verarbeitet wurde.

Wie sich herausgestellt hat, ist insbesondere der Bereich um die beiden Bergspitzen übersät mit solchen und anderen Funden, die es nahelegen, dass eben die Besiedlung wesentlich früher erfolgte. Auf welchen Weg ist offen, wahrscheinlich während der letzten Eiszeit, als die Ägäis zu Fuss begangen werden konnte. Der Meeresspiegel lag ca. 180 Meter tiefer als heute, sodass es sehr wahrscheinlich ist, dass es eine Landbrücke gab, die es den frühen Menschen ermöglichte, nicht nur über die Türkei, Trakien und Makedonien weiter nach Norden resp. Westen zu gelangen, sondern eben auch über die Ägäis direkt.

Tristan Carter sagt, Erkundungen und Ausgrabungen werden mit dem Ziel fortgesetzt, jene Orte zu finden, die eine genaue Datierung ermöglichen. „Derzeit haben wir Daten, die auf die menschliche Anwesenheit vor mindestens 100.000 Jahren hinweisen, so dass wir zu dieser Zeit nicht unbedingt in der Lage sind, die Frage genau zu beantworten, ob diese Leute über das Wasser oder auf dem Land hierher kamen. Aber wir haben den ältesten Ort auf den Kykladen.“

Naxostimes.gr

In prähistorischer Zeit wurden Hornsteine ebenso wie Feuerstein als Rohmaterial für die Herstellung von Steinwerkzeugen benutzt. So wie andere Werkzeugsteine spalten sie mit dem für Quarz typischen muscheligen Bruch und bilden scharfe Kanten aus, die als Schaber oder Messer verwendet werden konnten.

Wikipedia: Hornstein (engl. Chert)

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