Eine Woche Raudondvaris…

… und noch kein Bericht über den Verlauf der Reise. Man sagt wohl besser »Anfahrt«. Denn es war ja eine »Blitzfahrt« wie bereits berichtet. Hier also isser:

Blick von der Veranda des Bokštas in Raudondvaris

(Bild: Ob die Fahrt gelohnt hat? Hoffentlich, das Heu muss dem Pferd mehr Energie zuführen, als Hin- und Rückfahrt verbraucht haben…)

Der 2. Tag…

…brachte uns bis kurz vor Warschau (Track). Auf dem Weg dahin waren wir in Auschwitz. Keine Bilder. Ein Touristenaufzug, der sich noch gerade in Grenzen hält. Trotz überall reklamiertem Fotografierverbot knipsen sie Erinnerungsfotos als gelte es etwas fest zu halten, was in Fotos festgehalten werden kann.

Man kann zwar Grauen fotografieren (s.a. hier), um es anderen nahe zu bringen, begreiflich zu machen. Der Besuch in Dachau damals war grausam, Buchenwald schlicht niederdrückend, ich weiss, dass ich zuweilen mit den Tränen gekämpft habe. Auschwitz aber, nach all den Bildern, die ich ja schon (zur Genüge?) kannte, war und ist für mich nicht zu beschreiben. Geschweige denn zu fotografieren. Zu sehen ja, auch zu betrachten. Denn beim Betrachten kommen zum Bild die Gedanken, das, wass man dazu weiss. Und was man eben nicht weiss (was man merkt, wenn man in den Schaukästen liest), nie wissen kann, hoffentlich nie erfahren muss: Bei Gehen und Stehen in der Hitze an diesem Tag, überall Gruppen, Schatten suchend an den Wänden der »Baracken« sitzend, hier und da rezitiert einer – meist jüdisch – irgend etwas zum »Thema«, während munter Fotos schiessende Touris mit der Coladose in der andern Hand durchmarschieren als wär’s ein Erlebnispark. Sind »sie« damals auch so draussen gesessen, wenn sie nach der Arbeit noch konnten. Wie haben sie hier »gelebt«?

Kein Foto gibt Antwort*), auch das scheusslichste nicht. Nur eins stösst mir säuerlich auf: Der dauernde – für mich penetrante – Hinweis darauf, dass (wohl insbesondere) polnische Bürger hier ihr Leben verloren haben. Ich glaube nicht, dass Relativierung hier angebracht ist. Jedenfalls: Nach der Wolfschanze (Wikipedia) vor drei Jahren und dieser Geschichtslektion deutscher Gründlichkeit sehen wir vieles mit noch einmal anderen anderen Augen; jedenfalls nicht so.

Körperlich kaputt und ausgetrocknet (weil heiss) und seelisch mitgenommen fuhren wir nach kurzer Pause weiter Richtung Warschau. Für Birkenau – gleich nebenan – hatten wir keine Kraft mehr.

Dann eben das »Erlebnis der Strasse«, Rennstrecke (»Mörderstrecke« verbietet sich nach Auschwitz) für Versorgungsfahrten der Brummis nach Osten. Die Suche nach einem Campingplatz oder einer einigermassen ruhigen Bleibe haben wir dann aufgegeben und auf einem Parkplatz im Sitzen geschlafen; Zelt aufschlagen war nicht, nicht zuletzt, weil nie klar war, wann und wieviel Regen noch komen würde.

Am 3. Tag…

… fuhren wir dann etwas steif und mit marginalem Frühstück im Bauch weiter – Rennpiste eben. In Warschau haben wir uns dann kräftig verirrt, nachvollziehbar im Track. Schilder an der richtigen Stelle sind noch immer Glücksache in Polen und anderswo…

Südlich der Masuren trafen wir dann auf bekannte Strassen und in Augustow haben wir dann Pause gemacht und zum letzten Stück nach Litauen Kraft getankt. Raudondvaris erreichten wuir dann am späten Nachmittag.

Augustow, Stadt der Seen und Kanäle

Augustow, Mittagessen

Links:
Google Earth KMZ-Dateien

Auschwitz:

Über reinard

Allen Neugierigen sei meine Webseite http://www.hr-schmitz.de ans Herz gelegt. Dort gibt's alles Un-/Wesentlich zu mir und über mich.
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