Amerikanisches nation building

…in Europa. Warum hat ein 2,5-Millionen-Volk wie die Litauer oder Letten einen eigenen Staat, warum soll ein anderes (Kosovaren) einen bekommen und warum ein 25-Millionen-Volk (Kurden) nicht?

Was wir i.S. Kosovo derzeit erleben, ist absurd. Klar, »Vereinigung«, Teilung und Sezession waren schon immer i.W. fremdbestimmt. Sie hingen und hängen ab vom Willen und der Durchsetzungsmacht Aussenstehender; das war in der leidvollen Geschichte Polens nicht anders als in Deutschland, Korea und und und…

Auch im Falle Kosovos ist es so. Dennoch ist Kosovo anders. Ich hatte das ja schon mit der Implementierung eines Europäischen Palästinas verglichen. Europa, speziell das EU-Europa, glänzte dadurch, dass es sich durch freiwilligen Zusammenschluss autonomer Staaten bildete; ohne Gewalt und Druck. Dass zuweilen das Politische sich dem Wirtschaftlichen spricht Wirtschaftsinteresse unterzuordnen hatte – ok., akzeptiert.

Was aber die EU hinter der NATO versteckt betreibt, ist Interventionspolitik nach schlimmstem amerikanischem Muster, nation building für Anfänger, offener Bruch des Völkerrechts. Legt man dieselben Massstäbe weltweit an und nur unterstellt, alles ginge gerecht zu – das gäbe ein eine wilde Gründerei das! Was Europa sehr wohl und sehr direkt berührt, das sind, neben den »hausbackenen« Ethnien, die Kurden: Ein Volk von ca. 25 Millionen Menschen, verteilt auf drei bis vier mehr oder weniger kunstvoll von den alten (und wohl neuen!) Kolonialmächten gezimmerten bzw. zurück gelassenen Staaten. Die werden einerseits vom amerikanischen Besatzungsregime bevorzugt, weil sie an wichtigen Ölquellen sitzen und den Norden für die Amis stabilisieren. Andererseits werden sie unter der Lufthoheit der Amerikaner und auf Basis von deren Informationen von einem NATO-Mitglied, das vielleicht EU-Mitglied werden will, ohne Widerspruch bombardiert; weder die halblebigen Verlautbarungen (»Proteste«) noch die der Hinweis, es handle sich ja »nur« um Terroristen ändern an dieser Tatsache etwas.

Was also soll ein Staat Kosovo?

Soll das das Brecheisen sein, Serbien in die EU zu pressen? Oder ist es einer der Keile, die die US-Regierung in den EU-Grund getrieben hat und treibt, um hier wie überall auf der Welt stets das entscheidende Wörtchen »mitzureden« ? Wie souverän ist die EU? Und was wollen ihre Obermacher wirklich? Und wer weiss davon, wem ist das bewusst?

Wer wie wir viel durch Europa gefahren ist, der ist fast berauscht von der Grenzenlosigkeit, von der Einfachheit, damit nicht nur politische Grenzen sondern auch kulturelle leicht zu überschreiten und damit mit Menschen und Eigenheiten in Kontakt zu kommen, die uns noch vor 60 Jahren als Feinde eingeredet wurden. Das ist gut so und ein Gewinn für die Menschen auf beiden Seiten. All dies haben wir ohne militärische Kraftprotzerei erreicht – möglicherweise von der Art der Überwindung des Kalten Kriegs abgesehen.

Wenn ich als junger Mensch so gereist wäre wie heute und all das gesehen hätte, dann hätten sie mich nicht in den Krieg schicken können.

Ein australischer Tourist, getroffen in Methoni, Peloponnes 2005

Das Kosovo ist als Staat nicht lebensfähig; er kann von Durres aus per »Luftbrücke« versorgt werden. Der Landweg ist eigentlich nur in Richtung Serbien und Mazedonien unkompliziert offen. Wo dort Arbeitsplätze für 1-2 Mio Menschen geschaffen werden sollen, das ist mir schleierhaft. Es bleibt einfach nur ein Schluss: Das Kosovo, das ist der Vorposten der Amerikaner mitten auf dem Balkan, damit die Europäer da nichts ohne sie machen können. Es ist »ein Palästina«, Manövriermasse und Störenfried in der Hand der US-Gewaltigen, künstlich genährt – nur zu diesem Zweck.

Es werden wieder Kugeln fliegen, mitten in Europa. Auf dem Balkan, wie damals…

Links…

…zur Frage der Sezessionsbestrebungen in Europa.

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2 Antworten auf Amerikanisches nation building

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  2. Eckhard Schulze sagt:

    Den US-Strategen ist noch ganz schlecht von der Vision, die seinerzeit
    durch den Schulterschluss von Putin, Chirac und Schröder angedeutet
    wurde. Die drei Politiker hatten nämlich erkannt, dass eine intensivere
    Zusammenarbeit für Europa zukunftsfähig ist, ohne imperiale Gängelung
    durch die US-Militärmacht.

    Dass wurde mit aller (medialer) Macht verhindert.

    Der Balkan hat bezogen auf Energiefragen für die US-Administration
    strategische Bedeutung. Es geht darum Positionen zu besetzen. Rund
    750.000 Stützpunkt-Soldaten der US-Regierung sprechen eine eigene
    Sprache.

    Es geht den US-Strategen insbesondere darum, Russland einzukreisen
    und die Energieströme (Öl und Gas) nach und nach in den Griff zu
    bekommen. Darum geht es auch im Tschetschenien-Konflikt mit dem
    angrenzendenn Dagestan mit rieisigen unerschlossenen Energiequellen.

    Mit dem Irak-Krieg hat der Kampf um den Zugriff auf die Energiereserven
    begonnen.

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